WUNNI
Aktives Mitglied
Hallo!
Da hier so viele Klassiker-Fans lesen, haue ich mal in die Tasten..:
Vor 20 1/2 Jahren kaufte ich von einem älteren Sternfreund einen Bastelsatz: Ein Konvolut Montierungsteile nach Staus' Siegfried-Montierung sowie gewisse Rohteile für ein 25cm-Spiegelteleskop mit Spiegeln von Alfred Wilke, dass sich sowohl als Newton (f/5) als auch als klassischer Cassegrain (f/15) verwenden lässt. Ich habe dann fast 15 Jahre daran herumgewerkelt. Als ich 2016 eine demontierte klassische 3m-Holzkuppel angeboten bekam, wurde aus der Idee ein Projekt.
Das Fundament für die Hütte plus das fürs Teleskop ließ ich von einer Baufirma herstellen. Auch den Holz-Rohbau erstellte mir eine örtliche Zimmerei. So gut und schnell hätte ich das nicht hinbekommen. Außerdem blieb mir noch ausreichend Arbeit, ehrlich.
Die Kuppel holte ich komplett in ihre Moleküle zerlegt; keine Ahnung, wieviele tausend Einzelteile es sind. Aber alle Teile waren logisch nummeriert. Die Kuppel hatte schon 40 Jahre erlebt, Ihre Teile brauchten Zuwendung. Baubude ist ein großes Partyzelt.
Alle Stahlteile habe ich chemisch entrostet und lackiert; alle Schrauben neu aus Edelstahl.
Im Frühjahr darauf wurde der Rohbau des Unterbaus erstellt und kam die Kuppel drauf.
Kurz darauf wurden die zahlreichen (>1000) Brettchen aufgenagelt.
Die Kuppel ist ein wohlüberlegter Eigenbau aus den späten 1970ern. Sie ist an die Zeiss-Kuppel angelehnt, aber kleiner (Außendurchmesser ist 3m) und viel leichter (Schätzung komplett mit allem <500kg). Da sie auf einem gerollten Flacheisen (hochkant) läuft, dreht sie auch viel leichter als eine Zeiss-Kuppel.
Später schweißte der Dachdecker Resitrix drauf; viel billiger als Blech und ebenso haltbar. Resitrix grau reflektiert IR leidlich; blankes Alublech wäre natürlich viel besser.
Die Kuppel sieht schließlich so aus:
Wohnhaft sind dort zunächst zunächst Siegfried Staus mit Wilke Newton:
Die Montierung hat zwei riesige Schneckenräder und wird mit hoch untersetzten Escap-Steppern angetrieben. Schnelles und sehr genaues GoTo und schwingungsfreier Lauf werden erreicht. Als zusätzliche Drehgeber fungieren reparierte Zeiss 'IGR' mit 1800 Linien pro Umdrehung - sie passen elektrisch ohne Adapter an die Teleskopsteuerung; mechanisch sind sie 2:1 per Reibrad an beiden Achsen. Da das Goto mit 400x läuft, braucht man die Geber eigentlich nicht, erst recht nicht die riesigen Teilkreise!
Eine mechanische Feinbewegung habe ich mir gespart und vermisse sie nicht.
So sieht jedes der Motor-Module aus:
Erstens sollte noch mein Zeiss AS 110 f/15 mit drauf. Zweitens zeigte sich, dass auch Herr Wilke schlechte Spiegel machen konnte. Also kam ein Skywatcher 300mm drauf - der Spiegel ist saugut!! Bei sehr gutem Seeing schlägt er den Zeiss AS um Längen. Das sind dann drei.. fünf Nächte im Jahr, ansonsten ist der kleine AS besser an Mond und Planeten.
So sieht es seit letzem Sommer aus. Habe für die Fotos die beiden Abdeckungen der Achsen entfernt.
Ahnt ihr den Konflikt--?
Der lange Refraktor hat sein Guckloch hinten - also ist die Montierung 1,65m über Fußboden. Zum Newton muss man auf die Leiter, oft ziemlich weit nach oben. Wie hoch man steht, sieht man im Dunklen zum Glück nicht...!
Für beide Achsen gibt es auf jeder Seite des Trägers eine Klemmungsbetätigung. Für den richtigen Richtungssinn (d.h. rechts rum = fest) auf beiden Seiten sorgt je ein kleines Getriebe:
Noch ein Blick in die Mechanik (Deklinationsachse). Die Pendelrollenlager könnten LKW-Radlager sein...:
Nicht wundern: Die Trägerplatte rechts ist aus dickem Acrylglas (hatte ich gerade...), daher sieht man das Motormodul von unten...
Kurzkritik gewünscht?
Staus' Siegfried ist natürlich ein völlig überholtes Konzept: Lange Achsen, viel Durchbiegung, viel Platzverbrauch. Aber nun hatte ich das Zeugs und wollte es verwenden.
Die Montierung ist sehr stabil. Nichts schwingt. Durch die Fernrohrsteuerung kann sie über den Rechner via Guide gesteuert werden.
In der Kuppel ist es sehr eng. Am Refraktor mit binokularem Ansatz klemme ich manchmal zwischen Okularen und Kuppelwand.
Mit dem Newton zenitnahe Objekte beobachten ist grenzwertig. Ich stehe dann in Höhe Kuppelrand. Man kann sich ja kaum an der Kuppel festhalten - sie dreht zu leicht weg!
Holzkuppel: Im Sommer wird sie sehr warm. In der Astro-Saison ist das kein Problem. Vor allem ist sie gut durchlüftet, dazu ist das Holz nur geölt und puffert Feuchtigkeit. Schwitzwasser am Teleskop gibt es nur bei extremen Wetterumschwüngen.
Kann ich Nachahmung empfehlen?
Jein.
Montierung selber bauen? Wenn man bauen möchte, ja; wenn man beobachten möchte, nein.
Holzkuppel?
Finde ich schicker und klimatisch angenehmer als Vollplastik. Aber komplett aus dem Kiefernstamm schnitzen wie diese hier? Um Gottes willen... Aber schön ist sie nun wirklich...
Siegfried?
Seit 50 Jahren veraltet. Aber tut, was sie soll!
Das Wichtigste: Seit ich die Sternwarte habe, beobachte ich viel, viel öfter als früher. Inzwischen würden mir meine Bandscheiben auch was erzählen, wenn ich versuchen würde, die Zeiss Ib mit fettem Gegengewicht aus dem Keller zu schleppen und auf die Säule zu stecken und den 150er Meniscas dranzuhängen... 300mm Öffnung sind auch nicht zu verachten...
Mit klassischen Grüßen,
-wunni
Da hier so viele Klassiker-Fans lesen, haue ich mal in die Tasten..:
Vor 20 1/2 Jahren kaufte ich von einem älteren Sternfreund einen Bastelsatz: Ein Konvolut Montierungsteile nach Staus' Siegfried-Montierung sowie gewisse Rohteile für ein 25cm-Spiegelteleskop mit Spiegeln von Alfred Wilke, dass sich sowohl als Newton (f/5) als auch als klassischer Cassegrain (f/15) verwenden lässt. Ich habe dann fast 15 Jahre daran herumgewerkelt. Als ich 2016 eine demontierte klassische 3m-Holzkuppel angeboten bekam, wurde aus der Idee ein Projekt.
Das Fundament für die Hütte plus das fürs Teleskop ließ ich von einer Baufirma herstellen. Auch den Holz-Rohbau erstellte mir eine örtliche Zimmerei. So gut und schnell hätte ich das nicht hinbekommen. Außerdem blieb mir noch ausreichend Arbeit, ehrlich.
Die Kuppel holte ich komplett in ihre Moleküle zerlegt; keine Ahnung, wieviele tausend Einzelteile es sind. Aber alle Teile waren logisch nummeriert. Die Kuppel hatte schon 40 Jahre erlebt, Ihre Teile brauchten Zuwendung. Baubude ist ein großes Partyzelt.
Alle Stahlteile habe ich chemisch entrostet und lackiert; alle Schrauben neu aus Edelstahl.
Im Frühjahr darauf wurde der Rohbau des Unterbaus erstellt und kam die Kuppel drauf.
Kurz darauf wurden die zahlreichen (>1000) Brettchen aufgenagelt.
Die Kuppel ist ein wohlüberlegter Eigenbau aus den späten 1970ern. Sie ist an die Zeiss-Kuppel angelehnt, aber kleiner (Außendurchmesser ist 3m) und viel leichter (Schätzung komplett mit allem <500kg). Da sie auf einem gerollten Flacheisen (hochkant) läuft, dreht sie auch viel leichter als eine Zeiss-Kuppel.
Später schweißte der Dachdecker Resitrix drauf; viel billiger als Blech und ebenso haltbar. Resitrix grau reflektiert IR leidlich; blankes Alublech wäre natürlich viel besser.
Die Kuppel sieht schließlich so aus:
Wohnhaft sind dort zunächst zunächst Siegfried Staus mit Wilke Newton:
Die Montierung hat zwei riesige Schneckenräder und wird mit hoch untersetzten Escap-Steppern angetrieben. Schnelles und sehr genaues GoTo und schwingungsfreier Lauf werden erreicht. Als zusätzliche Drehgeber fungieren reparierte Zeiss 'IGR' mit 1800 Linien pro Umdrehung - sie passen elektrisch ohne Adapter an die Teleskopsteuerung; mechanisch sind sie 2:1 per Reibrad an beiden Achsen. Da das Goto mit 400x läuft, braucht man die Geber eigentlich nicht, erst recht nicht die riesigen Teilkreise!
Eine mechanische Feinbewegung habe ich mir gespart und vermisse sie nicht.
So sieht jedes der Motor-Module aus:
Erstens sollte noch mein Zeiss AS 110 f/15 mit drauf. Zweitens zeigte sich, dass auch Herr Wilke schlechte Spiegel machen konnte. Also kam ein Skywatcher 300mm drauf - der Spiegel ist saugut!! Bei sehr gutem Seeing schlägt er den Zeiss AS um Längen. Das sind dann drei.. fünf Nächte im Jahr, ansonsten ist der kleine AS besser an Mond und Planeten.
So sieht es seit letzem Sommer aus. Habe für die Fotos die beiden Abdeckungen der Achsen entfernt.
Ahnt ihr den Konflikt--?
Der lange Refraktor hat sein Guckloch hinten - also ist die Montierung 1,65m über Fußboden. Zum Newton muss man auf die Leiter, oft ziemlich weit nach oben. Wie hoch man steht, sieht man im Dunklen zum Glück nicht...!
Für beide Achsen gibt es auf jeder Seite des Trägers eine Klemmungsbetätigung. Für den richtigen Richtungssinn (d.h. rechts rum = fest) auf beiden Seiten sorgt je ein kleines Getriebe:
Noch ein Blick in die Mechanik (Deklinationsachse). Die Pendelrollenlager könnten LKW-Radlager sein...:
Nicht wundern: Die Trägerplatte rechts ist aus dickem Acrylglas (hatte ich gerade...), daher sieht man das Motormodul von unten...
Kurzkritik gewünscht?
Staus' Siegfried ist natürlich ein völlig überholtes Konzept: Lange Achsen, viel Durchbiegung, viel Platzverbrauch. Aber nun hatte ich das Zeugs und wollte es verwenden.
Die Montierung ist sehr stabil. Nichts schwingt. Durch die Fernrohrsteuerung kann sie über den Rechner via Guide gesteuert werden.
In der Kuppel ist es sehr eng. Am Refraktor mit binokularem Ansatz klemme ich manchmal zwischen Okularen und Kuppelwand.
Mit dem Newton zenitnahe Objekte beobachten ist grenzwertig. Ich stehe dann in Höhe Kuppelrand. Man kann sich ja kaum an der Kuppel festhalten - sie dreht zu leicht weg!
Holzkuppel: Im Sommer wird sie sehr warm. In der Astro-Saison ist das kein Problem. Vor allem ist sie gut durchlüftet, dazu ist das Holz nur geölt und puffert Feuchtigkeit. Schwitzwasser am Teleskop gibt es nur bei extremen Wetterumschwüngen.
Kann ich Nachahmung empfehlen?
Jein.
Montierung selber bauen? Wenn man bauen möchte, ja; wenn man beobachten möchte, nein.
Holzkuppel?
Finde ich schicker und klimatisch angenehmer als Vollplastik. Aber komplett aus dem Kiefernstamm schnitzen wie diese hier? Um Gottes willen... Aber schön ist sie nun wirklich...
Siegfried?
Seit 50 Jahren veraltet. Aber tut, was sie soll!
Das Wichtigste: Seit ich die Sternwarte habe, beobachte ich viel, viel öfter als früher. Inzwischen würden mir meine Bandscheiben auch was erzählen, wenn ich versuchen würde, die Zeiss Ib mit fettem Gegengewicht aus dem Keller zu schleppen und auf die Säule zu stecken und den 150er Meniscas dranzuhängen... 300mm Öffnung sind auch nicht zu verachten...
Mit klassischen Grüßen,
-wunni