Hallo zusammen,
die Tagbeobachtung von Gestirnen ist eine äußerst interessante und sehr reizvolle Angelegenheit.
Sehr viele Sternfreunde, darunter auch langjährige Beobachter, wissen nicht, daß man viele Himmelsobjekte auch tagsüber beobachten kann. Das erlebe ich immer wieder bei Führungen. Wenn ich eine Sonnenführung halte, gehören dazu fast immer Planeten und Sterne ( sofern der Himmel nicht zu diesig ist ).
Schon vor langer Zeit habe ich mit meinem ersten Fernrohr, einem 60 mm Refraktor, Objekte am noch dunklen Morgenhimmel eingestellt und diese dann bis weit in die Vormittagsstunden hinein verfolgt. Darunter Venus, Mars, Saturn, Merkur und Sterne der 1. Größenklasse.
Alleine das Aufsuchen dieser Objekte am Taghimmel ( außer Venus ) gestaltete sich damals sehr schwierig.
Mit einem Dobson Teleskop ist das immer eine große Herausforderung und außer Venus wird man da tagsüber nicht viel finden.
Die Problematik warum das so ist, wurde ja hier schon beschrieben.
Mit guten Teilkreisen und einer gut eingenordeten Montierung oder einer Computersteuerung macht es aber großen Spaß zu testen, was außer Mond und Venus noch zu sehen ist.
So habe ich alle Sterne mit mag 1 bereits im 50 mm Sucher gesichtet.
Mit 4 Zoll Öffnung sind Sterne bis 3. Größenklasse kein Problem.
Mit 7 oder 8" ist es mir oft gelungen bei dunkelblauem Himmel und Sonnenschein Sterne bis zur 6. Größenklasse zu sehen.
Ein Objekt, das ich empfehlen kann ist Albireo. Der Hauptstern mit 3,1 m ist relativ einfach zu finden, wenn man dann ein bißchen sucht, ist auch der schwächere Begleiter mit 5,1 m gar nicht mal so schwierig zu sehen.
Sehr schön kommt der Farbkontrast der Sterne zum blauen Himmel!
Auch die Jupitermonde sind tagsüber sehr schön!
Weiterhin ist auch Mars mit Polkappe und Dunkelgebieten, auch wenn er nur 5 " Durchmesser misst, ein sehr reizvolles Objekt.
Beim richtigen Winkelabstand zur Sonne ist ein Polfilter immer sehr hilfreich. Der Himmelshinergrund wird damit dunkler und das Objekt hebt sich kontrastreicher vom Hintergrund ab.
Das Scharfstellen nehme ich mit aufgesetzter Baader Astrosolar Sonnenfolie an der Sonne vor.
Die Sterne von Ursa Major einschl. Mizar und Alkor schaue ich mir nur noch tagsüber an
Aber auch hier gilt: Nur Übung macht den Meister.
Das Hauptproblem dabei ist, daß das Auge nur einen sehr kleinen Winkel von etwa 1/2 Grad scharf abbilden kann. Da Objekte am Taghimmel sehr kontrastarm sind, fallen diese nicht auf, wenn man auch nur einige Grad daneben zielt. Man übersieht sie.
Das kann man mit einem Versuch nachvollziehen, wenn man die Venus tagsüber mit bloßem Auge sucht. Es dauert manchmal lang, bis sie gefunden wird, dann wundert man sich, daß man sie nicht eher gesehen hat, da sie wirklich gut zu sehen ist. Sobald man jedoch wieder wenige Grad daneben liegt, muß man sie erneut aufsuchen.
Viel Spaß bei der Tagbeobachtung!
Rudi
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