Sternenhimmel im Atlantikhoch

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Anette_Aslan

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Liebes Sternenvolk,

das eisig, dichte und schwere Hochdruckgebiet des Jahrhundertwinters hat sich ja nun mehr und mehr nach Sibirien zurückgezogen und den Weg freigegeben für Atlantikfronten, gegenwärtig wieder ein schönes Hoch, aber doch ein ganz anderes! Der gute Himmel in klirrend, trockener Kontinentalkälte bei minus 17 Grad und östlichen Winden, lies die Sterne fast still stehen und bot eine legendäre Durchsicht....nur der Vollmond in diesen Nächten war leider fehl am Platz..und kaum ist er überhaupt weg, der gute Mond, fliesst auch schon wieder atlantische Feuchtigkeit rein und vermiest einem die Durchsicht.

Heute bei minus 1 Grad und fast 100 Prozent Luftfeuchte und einem trotzdem hohen Kerndruck von 1035mbar war so gegen 20h diese dann auch nicht sonderlich überraschend. Das Seeing gebe ich mit 4,0 mag an, letzte Woche konnte ich den kleinen Wagen schon mit 5.5mag Sternen ausmachen, trotz Mondlicht!

Ich bin aber trotzdem mit meinem 10ner Dobson raus, um einfach mal den Unterschied zweier sich gänzlich anders auswirkenden Hochdruckgebiete zu erfahren. Strahlungsnächte sind was anderes als echte kalte Winternächte, wo es zwischen Tag und Nacht kaum Temperaturschwankungen gibt. Tagsüber hatten wir heute schon hier kurz vor Wien über 13 Grad C. und nun kühlt es aus und der Tau schlägt sich heftig auf die Optik nieder. Das war unterm Russenhoch niemals der Fall, da fror aber dann der Atem am Oku fest und nicht nur der, die Finger fast auch!!! Also es gibt ja nichts schlimmeres als an so einer ausgekühlten Sache mit feuchtwarmen Händen hängenzubleiben, die gerade ausm Handschuh kommen....entsetzlich!!!!!

Heute habe ich so zwischen 20 und 21:30h mal alle offenen Sternhaufen mit dem 32er Weitwinkel abgefahren.

Die Praesaepe, also den Bienenhaufen (M67) im Krebs konnte ich fast nicht finden, weil alpha CNC kaum auszumachen war, und das bei wolkenlosem Himmel! Während Ha und Chi im Perseus am Zenit brilliant erschienen, war die Situation so 20 Grad überm Horizont schon deutlich anders.
Im Volksmund heisst das: O, wir haben einen schönen STernenhimmel.....

Galaxien waren absolut nicht drin! Ich versuchte die NGC 2903 im Leo ausfindig zu machen, immerhin seine hellste! Nichts....

diese feuchte Kälte geht einem in die Knochen, oder? Ich vermisse das echte Winterhoch!!

Gruss von Anette



 
Hallo Anette,
na von Dir hat man ja schon lang nix mehr gehört...
Und noch immer mit Begeisterung bei der Sache - schön zu lesen.

Du als Wetterfee kannst ja den Quatsch diesen Winter sicher erklären, lästig finde ich es trotzdem.
Erst 3 Monate grau, dann so kalt daß man am Scope festfriert, dann wieder grau. Und Vollmond ist natürlich immer an den einzig klaren Tagen...

Sternhaufen sind auch bei mir immer eine Reise wert, egal ob offen oder kugelig.

Nur der Richtigkeit halber: das Seeing (Luftunruhe) wird in Bogensekunden gemessen. Die 4.0mag von oben sollte sicher fst heißen (faintest star).
 
Moin Anette!

Schön, mal wieder was von Dir zu lesen! :super:

> Die Praesaepe, also den Bienenhaufen (M67) im Krebs konnte ich fast nicht finden

Kleine Korrektur:
Praesepe / Krippe / Bienenkorb (Beehive) ist M44 nahe δ CnC! Findet man auf halber Strecke zwischen Pollux in den Zwillingen und Regulus im Löwen...
M67 ist dagegen ein kleinerer Offener Sternhaufen weiter südlich in der Nähe von α Cnc. Der hat keinen speziellen Eigennamen.

Hast Du etwa immer noch keinen Karkoschka?! ;)
 
Danke, Danke, da habe ich wieder was gelernt und muss erstens zugeben, dass ich dass mit dem Seeing und Durchsicht und Mags eigentlich immer noch nicht wirklich klar verstanden habe....bei mir zählt einfach nur noch das, was ich am Ursa Minor so sehe oder allenfalls die Bortle Skala. Aber wie gebe ich hier Werte in Bogensekunden an? Kann ich ein Beispiel bekommen?
Ja, was die Kälte betrifft....echte Schuldgefühle haben mich dann doch die ein oder andere Nacht rausgetrieben, wenn man sich gut anzieht, ist es auszuhalten, doch die Füsse machen da nicht lange mit, weil man ja meist steht und nicht in Bewegung ist. Der Atem macht dann am Oku Probleme, auch überhaupt die Annäherung mit der Körperwärme ans Oku, es friert schnell ne dünne Schicht drauf. Also da hilft nur eines: Nase zuklemmen, Atem stocken....ersticken vor Ärger oder nee, nee, mit ner kleinen Röhre den Atem nach unten ableiten...so ein "Astroschnorchel" für arktische Temperturen...ohne Witz....ich habe da so meine Einfälle gehabt. Wäre neugierig wie anders das Problem lösen? Luft holen und anhalten und gucken und weiter?

Lieber Micha, ups.....da habe ich ja komplett danebengelegen! Ich habe den Deep Sky Atlas und auch den Karkoschka...aber der Leo zeigt auf der Karte Nr.11 nicht mehr den Regulus...dann gleich ganz rechts unten den M67 vom CNC...weil ich mich in den Bienenhaufen immer so reinrühren muss, nahm ich also die Karte des Deep Sky Atlas und schaute mir da was falsches an, in der Meinung es sei M44...

witzig, witzig.....nun habe ich per Zufall also doch noch was Neues entdeckt...aber nicht schlecht! Habe mich schon gewundert, dass der nicht ganz so spektakulär aussieht wie der M44...klar doch...ist schon lange her! Der Löwe steigt ja auch gerade erst aus der Suppe zu vernünftigen Beobachtungszeiten..ha und heute ist der Himmel zu...die gestrige Nachtfeuchte hats ja vermuten lassen!

Liebe Grüsse von Anette

 
Moin Anette!

Werte in Bogensekunden? Ach, jetzt schnall ich das: Du beziehst Dich auf das hier:
> das Seeing (Luftunruhe) wird in Bogensekunden gemessen.

Kann man, muß man aber nicht.
Komplizierter ist die Pickering-Skala, aber es reicht auch die einfache Antoniadi-Einteilung, siehe ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Seeing
 
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