Sternentraum auch ohne Teleskop

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Ulrike

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Es ist schon einige Nächte her, es war einige Zeit noch vor Ostern, an dem der Wetterbericht schon den ganzen Tag für ganz Bayern eine klare Nacht voraussagte. Und die Vorraussagen bestätigten sich auch wirklich: Als es dunkel wurde, war nirgendwo aber auch nur irgendein Wölkchen zu sehen und ich stelle mir schon vor, wie überall in Bayern nach den vielen Wolkennächten die Hobbyastronomen sternentrunken ihre Teleskope startklar machten.
Ich kam erst um 21 Uhr völlig fertig nach Hause, und haderte mit mir selber, ob ich nun Theo, meinen kleinen Refraktor rausstellen sollte oder nicht, der Himmel war einfach zu verlockend, überall blitzten und blinkten die Sterne und winkten verheißungsvoll. Aber die Müdigkeit in mir gewann. Ich begann mir schon ernsthaft Sorgen zu machen, ob ich denn nun wahrhaft astroinfiziert war oder nicht, bei sooo einem Himmel , auf den ich eigentlich schon mal wieder lange gewartet hatte, und nicht mal ein Mond zu sehen, der den Himmel doch recht unverschämt hätte beleuchten können !!.
Theo war schwer beleidigt, tagelang sprach er kein Wort mit mir, aber inzwischen haben wir uns wieder versöhnt, so dass ich ihm doch noch von dem schönen Sternenabend erzählen konnte, auch wenn er nicht dabei war:
Ich ließ also alle Ausrüstung zu Hause und lief zu einem 5 Minuten entfernten Spielplatz, wo der Himmel hier im Ort einigermaßen dunkel und frei war. Ich legte mich auf den Boden und lies einfach den Himmel auf mich wirken. Ohne irgendwelche Sternbilder oder Sterne zu bestimmen lag ich einfach da und lauschte und schaute:
Immer wieder ist es für mich sehr bewegend, was der Himmel in mir und wohl in vielen Astronomen auslöst. Für mich lässt sich nur so die große Faszination der Sterne erklären, die so viele ganz verschiedene Menschen in ihren Bann zieht:
Die Sterne strahlten bis nach innen, in mich hinein, in mir wurde es leicht, friedlich und klar, als ob eine wunderbare Kraft in mich hineinströmte. Eine Kraft voller Wärme und Energie. Ich war einfach glücklich, da auf dem Boden zu liegen und nur zu schauen...
Dann begannen langsam die Sternbilder Konturen anzunehmen, und mir war, als ob da am Himmel sich eine riesige Sternenkarte ausbreitetet. Drehte ich den Kopf nach rechts, so leuchteten mir die untergehenden Wintersternbilder entgegen: Zuunterst Sirius im großen Hund, dann den weiten Bogen folgend Procyon, schließlich Castor und Pollux der Zwillinge und Capella des Fuhrmanns. Darunter glitzerte Orion mit seinem wunderschönen sternenbesetzten Gürtel, unter dem ich seinen unvergleichlich schönen Orionnebel ahnen konnte....
Drehte ich den Kopf nach links, gingen die Frühlingssternbilder auf: der stolze Löwe, der immer so erhaben in den Himmel hinaufspringt, Bootes mir Arcturus und die wunderschöne Corona Borealis. ...
Und über all dem strahlten Jupiter und Venus wieder um die Wette...
Immer wieder drehte ich den Kopf nach rechts und links und geradeaus, verfolgte Sternenketten und Muster, und tankte all die Energie auf, die ich an diesem anstrengenden Tag verausgabt hatte.
Lange lag ich still so da und genoss es, einfach nur diese kostbaren Augenblicke leben und erfahren zu dürfen. Ich war einfach wieder von neuem dankbar, dieses Geschenk des Sternenhimmels in meinem Leben entdeckt zu haben, und ich wünsche, dass mich die Liebe zu den Sternen mein ganzes Leben lang begleiten wird....

Ulrike
 
Liebste Ulrike,

solche Berichte von Dir fallen mir immer wieder ein (z.B. auch unvergessen: der Bericht von der Wiese in den Hochalpen mit dem Decarem), wenn ich draußen im Garten alleine in den Himmel schaue, die Familie schon längst friedlich im Bett schnorchelt, ein schönes Gefühl der Verbundenheit, danke und liebe Grüße
 
Die Sterne strahlten bis nach innen, in mich hinein, in mir wurde es leicht, friedlich und klar, als ob eine wunderbare Kraft in mich hineinströmte. Eine Kraft voller Wärme und Energie.
Ja, kosmische Energie tanken, das ist das berauschende solch einer Nacht, daß ich Dir sehr gut nachfühlen kann.
Wollen wir hoffen, daß uns die Ehrfurcht vor diesem grandiosen Schauspiel nie verloren gehen mag.

CS
Dietmar
 
Liebe Ulrike!

Wie schoen, dass Du uns mal wieder an einem Sternenabend und vor allen Dingen an Deinen Gefuehlen teilhaben laesst! Ich kann´s sooo gut nachvollziehen, wie nach und nach der Alltagsballast abfaellt und sich Gefuehle des Gluecks und der Harmonie wohlig in Herz und Seele einnisten. Und es ist immer wieder schoen zu wissen, dass man nicht alleine so fuehlt.

Wann schwelgen wir mal zusammen? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />

Herzliche Gruesse

Birgit
 
Hi, mir geht es genauso so wie euch, die Schönheit eines wirklich dunklen Sternenhimmels lässt mich immer wieder
ehrfürchtig staunen.... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/shocked.gif" alt="" />

Sehr Schade, das dieses wunderbare Kulturgut, durch die immer schlimmer ausufernde Lichtverschmutzng, viele (junge) Menschen leider niemals kennenlernen werden <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />
 
Hallo Ulrike,

deine Zeilen drücken das eigene Empfinden besser aus, als ich dies selbst in Worte fassen könnte. Vielen Dank dafür.
Auch stimmen mich diese etwas nachdenklich; nächste Nacht will ich etwas weniger Wert auf das Erhaschen von lichtschwachen Objekten legen, und mir nur für die Muße und die Stimmung mehr Zeit nehmen, dies ist die letzten Tage etwas kurz gekommen.

Viele Grüße nach Bechhofen

Achim
 
Sehr Schade, das dieses wunderbare Kulturgut, durch die immer schlimmer ausufernde Lichtverschmutzng, viele (junge) Menschen leider niemals kennenlernen werden

Genauso ist es. Traurig, aber wahr. Als ich am Abend noch
einen kleinen Spaziergang im Dunkeln machte, war ich
erschrocken wie groß doch schon die Lichtverschmutzung in
unserem 1300 Seelen Dorf ist! Dazu muss man sagen, dass
ich am Rande des Dorfes unterwegs war, wo keinerlei
Strassenlateren zu finden sind. Die Lichtintensität von
den Strassenlaternen im Dorf war jedoch so hoch, dass ich
Schatten geworfen habe! Die verstärkte Lichtverschmutzung
machte sich auch in den umliegenden Ortschaften durch grosse
Lichtkegel bemerkbar. Die Gürtelsterne des Orion versanken
nahezu in diesem "Lichtmüll". Aber erst in den letzten
Jahren hat sich die Lichtverschmutzung in unserem Dorf
als auch in der umliegenden Gegend merklich gesteigert.
Ich habe mir auf dem Heimweg die Mühe gemacht und mal die
(teilweise völlig unnötigen und sinnlosen) Strassenlampen
gezählt. Ein Drittel davon könnte man wirklich abschalten.

Es klngt schon hart, aber sogar bei uns im ländlichen
Raum gibt es kaum einen Beobachtungsplatz, der nicht durch
irgendwelche Lichtquellen beeinflusst ist!

Marco
 
aber in so einem kleinen Dorf kann man doch mit den Nachbarn und dem Bürgermeister noch reden und ihm einen Sparvorschlag für die klamme Gemeindekasse machen: Straßenlaternen abschalten oder ganz abbauen. So haben wir (ich und ein 200 m weiter wohnender Mit-Astronom) in unserem Dorf ("tu felix Austria") mit Erfolg durch ein Gespräch beim Bürgermeister (vor der Wahl) die Aufstellung von Straßenlaternen im ganzen Viertel (ca 8 Straßen mit 40 Häuschen im Grünen) verhindert, und mein Nachbar macht auch den Bewegungsmelder für Die Außenlaterne aus, wenn ich ihn vorm Spechteln höflich darum bitte, dann kann sein Kater davor rumrennen wie er will, es bleibt dunkel.
 
Das ist leichter gesagt als getan. Gerade im Bereich
Naturschutz herrschen in unserem Dorf seltsame Sitten.
So wurde unser Dorf im letzten Jahr offiziell zum
"Naturparkdorf" erklärt. Komischerweise fand einen
Monat später aber im anliegenden Naturschutzgebiet (mit
Genehmigung der Ortsvorsteherin) eine Rallye statt...

Aber wie Du schon richtig sagst, es sind bald wieder
Kommunalwahlen und vielleicht lässt sich da ja was machen.

Marco
 
Hallo liebe Ulrike,

es ist schön, nach langer Zeit von Dir mal wieder einen so gefühlvollen Beobachtungs- oder vielleicht passender - gut nachvollziehbaren Empfindungsbericht zu lesen!
Zur Zeit verbringe ich viele Stunden im Garten mit dem sogenannten "Frühjahrsputz". Ich sehe die Sonne untergehen, den Erdschatten aufgehen, die Venus hoch am Himmel stehen und erlebe dann Momente, die mich tief durchatmen lassen ...
Wenn dann bei lauer Luft das Weizenbier schmeckt und bei fortschreitender Dunkelheit immer mehr Sterne über mir sichtbar werden, stelle ich mir vor, dass sie auch unter mir, am anderen "Ende" der Erdkugel, genauso zahlreich im Raum stehen. Wenn ich mir das verinnerliche, verspüre ich im Bauch manchmal das Gefühl des Achterbahnfahren kurz vor dem "Sturz" in die Tiefe. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/ooo.gif" alt="" />

Trotzdem "gehalten" zu werden, empfinde ich dann als ein einziges großes Wunder ...

Liebe Grüße

Ilka

 
Hallo Ulrike,

Danke für diesen wunderbaren Bericht, der mich sehr ergriffen hat. Es ist genau dieses Gefühl, welches meine seit Jahren schlummernde Liebe zu dem Sternenhimmel über uns nun endgültig geweckt hat. Schön daß es hier bei a.de auch solche Beiträge gibt.

carpe noctem
Matthias
 
Ulrike, ich kann dir in allem, was du beschrieben hast nur zustimmen. Die Sternennacht ist verführerisch, weckt glückliche Momente und man möchte sich gar nicht mehr davon loslösen.
 
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