Streifende Sternbedeckung statt Bedeckung!

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Comety

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Moin und Guten Abend :)

Für heute Abend war die Bedeckung des Sterns eps Ari durch die Mondsichel verzeichnet. Vor einigen Tagen hatte ich mich erstmals genauer damit beschäftigt und bei Calsky gesehen, dass sie nur wenige Minuten hier dauern würde. Der Mond geht fast nördlich an dem 5mag Stern vorbei.
Nachdem sich für den Abend schönes Wetter ankündigte, errechnete ich in Guide die genauen Bedeckungszeiten und demnach sollte der Stern gerade so von 21.32:20-21.34:55 Uhr MESZ bedeckt werden. Und ich hatte schon so eine Vorahnung... :augenrubbel:

Also ab 20.30h raus auf den Balkon, um 21.01h gab es als Vorgeschmack schon die Bedeckung des 6,7m Sterns SAO75671 zu sehen, der von der dunklen Mondseite (Erdlicht!) bedeckt wurde. Mit 2 sec. Verspätung. ?)
Ich beobachtete mit 100x Vergrößerung. Das Hauptziel, eps Ari, immerhin 5mag hell, näherte sich nun dem Mond. Bzw. dieser dem Stern! Das ganze spielte sich am Südrand des Monds ab, dort wo die Sichel ausläuft und die Sonne nur kleine Gebiete erreicht, im Teleskop ein Genuss diese Mondregion zu sehen. Und daneben das Sternchen. Schließlich wird der Mond erreicht, der Stern verschmilzt fast mit dem beleuchteten Anteil. Wird es zur Bedeckung kommen? Ich starre ins Okular. Etwa 2-3 mal verschwindet der Stern wohl für Sekundenbruchteile, offenbar taucht er hinter Bergen hindurch. Wüsste man nicht, dass der Stern punktförmig sein muss, würde ich sagen, es war eine partielle Bedeckung. Weiter reitet der Stern quasi auf der Mondkante... Das geht so weiter, irgendwann schau ich doch zur Uhr: es ist 21.34:40 Uhr! Die Bedeckung bleibt aus!!!
Der Stern löst sich vom Mondrand und nach und nach wird der Abstand wieder größer, schwarzer Himmel ist dazwischen.
Tja, irgendwas stimmte also nicht. Meine Koordinaten habe ich anhand diverser Online-Mapping Systeme exakt vermessen, Google Maps etc., sowas lässt sich ja metergenau zoomen heutzutage. Mit mehreren Quellen übereinstimmend komme ich auf 53,208667°N 8,23156°E.
Laut Guide und laut Calsky hätte hier eine Bedeckung von 2,5 Min. stattfinden müssen. Auch die grafische Darstellung der Bedeckungszone in Guide sieht mich knapp in dem Gebiet der Bedeckung. Dennoch muss ich auf der Grenzlinie gestanden haben, denn um Haaresbreite wurde der Stern nicht getroffen!

Fragt sich wo der Fehler ist. Ungenaue Sternposition? Ungenaue Mondposition? Falsche Daten in den Koordinaten der Erde?
Fazit: Auch die Vorausberechnungen der Computer müssen nicht ganz stimmen, es gibt noch Überraschungen am Himmel... :applaus:
 
Hallo Comety,

ich vermute mal, dass die Ursache in einer sogenannten Refraktionsanomalie lag. Die Berechnungen legen eine Normalatmosphäre zugrunde, die aber natürlich nicht immer den genauen tatsächlichen Wetterverhältnissen entsprechen kann. Wenn es um so kleine Winkel geht, wie bei deiner Beobachtung, dann kann das manchmal den Ausschlag geben.
Es stellt sich mir auch die Frage, ob die Höhe deines Standpunktes (ü. NN) in der Berechnung exakt genug berücksichtigt wurde. Auch das kann eine Rolle spielen.

Viele Grüße
Stephan
 
Hallo (namenloser) Comety,

besser kannst Du es nicht bekommen, denke ich. Freue Dich Deiner Beobachtung! Eine streifende Bedeckung hab ich noch nicht verfolgen können! Bei so knappen Sachen, haben alle Programme ihre Probleme, da sie von NN ausgehen!

CS Volker!
 
Hallo zusammen,

gleich vorneweg - an Refraktionseffekte in unserer Atmosphäre kann es nicht liegen (der Stern und der Mond würden ja in gleicher Weise beeinflusst werden). Das schöne an Sternbedeckungen ist ja gerade eben, dass dadurch, dass Sie außerhalb der Atmosphäre stattfinden, sie nicht von ihr gestört werden (das Licht ist entweder da, oder nicht).

Du hast mit deiner Beobachtung gleich eine ganze Reihe von netten Details beobachtet:

1. Der Mond ist alles andere als rund. Insbesondere am Südpol hat er ein paar sehr hohe Berge. Sterne können bei streifenden Sternbedeckungen so mehrmals verschwinden und wieder auftauchen (es gab schon Messungen mit 16 Kontakten!!!). Man kann mit relativ einfachem Equipement die Höhe der einzelnen Krater auf 20m genau bestimmen.

2. Der von dir beobachtete Stern ist ein enger Doppelstern (5.2 mag + 5.5 mag). Es ist gut möglich, dass nur eine Komponente bedeckt wurde, daher der Helligkeitsabfall ohne ganz zu verscwinden. Von vielen Sternen wissen wir nur Dank von solchen Sternbedeckungen, dass sie überhaupt doppelt sind (gilt allerdings nicht für diesen Fall, hier ist der Abstand der beiden Komponenten dann doch etwas größer).

3. Das spannende ist aber, das du mit Sternbedeckungen eine dermaßen hohe Messgenauigkeit erreichen kannst, dass du sogar die durch Lichtbeugung am Mondrand verursachten Effekte direkt messen kannst. Manchmal gelingt es einem sogar, den Sterndurchmesser zu vermessen.

Ich kann dir nur fleißig empfehlen, dich ein wenig in die Welt der Sternbedeckungen einzulesen.

Hier habe ich noch die genauen Daten ("normale" Astronomiesoftware ist hier bei weitem nicht genau genug) vom Mondrandprofil deiner Sternbedeckung mit winOCCULT berechnet (ohne Garantie - ich arbeite normalerweise nicht mit dem Programm):

Code:
Grazing Occultation of X 54005 DA2      Magnitude   5.6 
Date   2009 March 29    (Sunday)     Nominal site altitude  10m

E. Longit.   Latitude     U.T.    Sun  Moon   TanZ   PA    WA      CA
   o  '  "    o  '  "   h  m  s   Alt Alt Az          o     o      o
   8 13 54   53 11 24  19 33 36       20 279  2.69 169.8 186.70 -11.58S

Path coordinates are referred to WGS84 (as used by GPS).

X 54005 is double :   5.5  5.2   1.40"   29.0
Graze Path of component #2  2.46km South, and 1.6 secs. later cf. primary.

Hier die Situation noch als Bildchen. Wie du siehst musste man ca. 3km innerhalb der auf Kugelgestalt gerechneten Bedeckungszone befinden um eine tatsächliche Bedeckung sehen zu können.

Viele Grüße
Andy
 

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Hallo Comety,

ich habe mal die Koordinaten in so einem Programm verwechselt. Verlangt waren geographische Koordinaten. Ich hatte irrtümlich WGS 84 Koordinaten eingegeben. Die Differenz liegt im Winkelsekundenbereich.

Gruß

Kurt
 
Hallo,
danke für die Antworten. Ich denke Andy's Beitrag erklärt das Ganze recht gut. Wäre der Mond eine reine Kugel, so hätte die Bedeckung hier kurz stattgefunden. Mit diesem Modell rechnen wohl die entsprechenden Programme. Von daher war die Voraussage korrekt. Da nun aber an dem Mondrand die Täler den Mond quasi "eindellen" ist er dort kleiner als im Kugel-Modell und es bleibt Platz um den Stern nicht verschwinden zu lassen. Das passt mit der Beobachtung zusammen.
Da eAri ein Doppelstern ist, was Guide übrigens nicht auflöst, kann es sein, dass eine Komponente kurz hinter Mondbergen verschwand, was meinen Eindruck einer "partiellen" Bedeckung erklären würde und den kurzen Helligkeitsabfall des Sterns.
Die nächste in Deutschland sichtbare Bedeckung dieses Sterns findet übrigens am Abend des 9.9.09 statt...
Und jetzt werde ich mich mal mit WinOccult beschäftigen.
 
Hallöchen

Zwar nicht streifend, aber trotzdem ein Highlight für dieses Jahr ist übrigends die Antares-Bedeckung durch den Mond am 21. Oktober 2009 (tagsüber).
Der Riesenstern (10.000-fache Sonnenleuchtkraft) ist der Stern mit dem größten Winkeldruchmesser, der vom Mond bedeckt werden kann (Durchmesser ca. 0,040").
Damit ist er so riesig, dass man recht leicht erkennen kann, dass der Stern nicht schlagartig verschwindet, sondern "allmählig" bedeckt wird (Dauer > 1/10 Sekunde).

Das ist die beste Gelegenheit die sich ergibt um einmal mit eigenen Augen zu sehen, dass Sterne einen echten Durchmesser haben und nicht einfach punktförmig sind.

Grüße
Andy
 
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