Super Beobachtungsnacht! (DeepSky)

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RoStMu

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Hallo zusammen,

Gestern Abend (2. April) bin ich kurzfristig zu meiner Schwester in ein kleines Dorf auf der Alb gefahren um ein bisschen - es wurden dann doch mehrere Stunden - zu beobachten. Die Bedingungen waren absolut top! Durch die sehr trockene Luft kam selbst in Horizontnähe kein Nebel und nichts Diesiges auf. Wolkenlos wars sowieso! Die visuelle Grenzgröße am kleinen Wagen lag bei gut 6m.

Hier zuerst mal eine kleine Übersicht der beobachteten Objekte in der chronologischen Reihenfolge der Beobachtung.

M42 (vor allem mit OIII),
M1,
h und chi,
M37,
M35,
NGC 2392 (Eskimonebel),
M3,
M65, M66, NGC 3628 (Leo`s Triplet),
M97 (Eulennebel vor allem mit OIII),
Virgo Galaxienhaufen (vor allem M104 - Sombrerogalaxie),
M101,
M51,
M13

Verwendet wurde übrigens ein 20cm/1200cm (8") Newton-Teleskop auf einer EQ6.


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M42, Orionnebel
Sternbild: Orion,
Helligkeit: 3m5, 11m (Gesamthelligkeit, Flächenhelligkeit)
Größe: 25`x 30`
Objekttyp: Emissionsnebel, Sternentstehungsgebiet
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Da sich die Winterobjekte schon deutlich Richtung Westen verschoben hatten, standen sie am Anfang der Beobachtung. M42 war unter den super Bedingungen ohne Filter im 15mm Weitwinkelokular (80fach, ca. 0,8° tatsächliches Gesichtsfeld) bereits fast über das gesamte Gesichtsfeld ausgedehnt. Vor allem im Zentrum waren enorm viele Strukturen zu erkennen.
Einen wirklich neuen Anblick brachte dann das Okular in Kombination mit dem Astronomik OIII. Erst dadurch wurden völlig neue Nebelteile sichtbar, während die bereits bekannten etwas dunkler wurden. Die "Kelchform" des Nebels war sehr deutlich. Der Anblick ist mit Filter nicht "besser", sondern "anders". Auffallend war, dass der Filter für einen rabenschwarzen Hintergrund sorgte (was ja auch sein Job ist) und die helleren Sterne bläulich färbte (was mich aber nicht stört).

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M1
Sternbild: Stier
Helligkeit: 8m4, 11m (Gesamthelligkeit, Flächenhelligkeit)
Größe: 5`x 4`
Objekttyp: Galaktischer Nebel, Supernova-Überrest
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Vom Horn des Stiers gings dann zu M1. Hier war zuerst etwas Umdenken angesagt, da die Sternbilder im Westen doch ganz anders da lagen als noch vor einigen Wochen im Süden.
M1 war im 25mm-Weitwinkelokular (zum Aufsuchen, 48fach, 1,4° tatsächliches Gesichtsfeld) aber recht schnell gefunden. Der typische Umriss des Nebels war erkennbar, Strukturen innerhalb des Nebels blieben jedoch auch bei höheren Vergrößerungen verborgen. M1 erscheint sehr gleichmäßig. Hier fiel wieder auf, dass zunehmende Vergrößerungen zwar hier und da mal ein Detail sichtbarer machen. Den ästhetischsten Anblick empfinde ich jedoch, wenn ein DeepSky-Objekt vor seinem natürlichen Hintergrund steht (--> Weitwinkel, große Austrittspupille).

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H und chi
Sternbild: Kassiopeia
Objekttyp: Zwei Offene Sternhaufen
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Auch hier war ich vom Test des neuen 25mm-Okulars mehr als überzeugt. Die 1,4° Gesichtsfeld erfassten die beden Sternhaufen locker und die knapp 50fache Vergrößerung reichte völlig aus, um die Sterne sauber aufzulösen. Standardobjekt, aber ganz sicher einer der schönsten Sternhaufen (bzw. zwei).

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M37
Sternbild: Fuhrmann
Helligkeit: 5m6, 9m2 (Gesamthelligkeit, Flächenhelligkeit)
Größe: 16`
Objekttyp: Offener Sternhaufen
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Der für mich schönste offene Sternhaufen im Sternbild Furhmann und des gesamten Winterhimmels. Erkennbar immer wieder an seinem hellsten Stern, der gelblich schimmert , im Zentrum steht und durch seine Helligkeit eigentlich sofort ins Auge sticht.

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M35
Sternbild: Zwillinge
Helligkeit: 5m1, 8m2 (Gesamthelligkeit, Flächenhelligkeit)
Größe: 28`
Objekttyp: Offener Sternhaufen
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Der letzte offene Sternhaufen in dieser Nacht. In seiner Pracht meines Erachtens nach h und chi sowie M37 deutlich "unterlegen". Dafür aber größer und mit helleren Sternen.

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NGC 2392 - Eskimonebel
Sternbild: Zwillinge
Helligkeit: 9m2, 10m5 (Gesamthelligkeit, Flächenhelligkeit)
Größe: 0,8`
Objekttyp: Planetarischer Nebel
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Die Schwierigkeit beim Eskimonebel ist, den nur 0,8`großen runden Nebel auf den ersten Blick und geringer Aufsuchvergrößerung überhaupt von einem Stern unterscheiden zu können. Zur Zeit steht er ziemlich nah dem Planeten Saturn.
Erst mal gefunden, wurde die Vergrößerung lamgsam von 48fach über 80fach auf 133fach gesteigert und dann der OIII eingesetzt. Der Nebel ist im Prinzip hell genug, um bei der damit erzielten Austrittspupille von nur ca. 1,5mm noch gesehen werden zu können. Jedoch waren erst bei über 100fach wirklich Details in den äußeren Bereichen zu erkennen. Das Zentrum erschien dreieckig, der Nebel insgesamt leicht bläulich. Dennoch, im Gegensatz natürlich zu M57, M97... ein sehr kleines Nebelchen.

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M3
Sternbild: Bootes
Helligkeit: 5m9, 12m7 (Gesamthelligkeit, Flächenhelligkeit)
Größe: 7`
Objekttyp: Kugelsternhaufen
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Der Kugelsternhaufen M3 ist eigentlich sehr leich zu finden - am Tag davor noch in der Sternwarte beobachtet. Er befindet sich genau auf der Verbindunsglinie zwischen Arctur, dem Hauptstern des Bootes, und Cor Caroli in den Jagdhunden. Dabei steht er jedoch näher an Arctur. Im 8x50-Sucher ist er bereits deutlich als kleines Fleckchen zu sehen - für mich mal wieder ein Argument PRO Sucher, CONTRA Telrad.

Der Kugelsternhaufen war mit dem 9mm-Weitwinkel am besten zu beobachten. Einerseits war er debei noch vor natürlichem Hintergrund zu sehen, andererseits auch schon recht gut in Einzelsterne aufgelöst. Der Sternhaufen wirkt sehr kompakt. Einzelsterne sind zwar bis ins Zentrum zu sehen, aber dennoch würde ich nicht sagen, dass er bis ins Zentrum komplett aufzulösen war. Auf jeden Fall ein super Beobachtungsobjekt im Frühjahr auch für die Sternwarte!

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M65, M66, NGC 3628 - Leo`s Triplet
Sternbild: Löwe
Helligkeit: 9m3, 12m4 / 8m9, 12m5 / 9m5 , 13m7 (Gesamthelligkeit, Flächenhelligkeit)
Größe: 5` x 1,5` / 4,5`x 2`/ 8`x 2`
Objekttyp: Galaxien
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Um es vorweg zu nehmen. Der Anblick der drei Galaxien gleichzeig war der Anblick, der mich gestern am meisten "umgehauen" hat! Unter Stadt- oder Vorstadthimmel sind die drei Galaxien schon mal zu übersehen - gestern jedoch waren sie alle drei auch in ihrer individuellen Form ganz klar zu sehen. M66 zeigte den größten und hellsten Kern und ließ bei indirektem Sehen zwar keine Spiralarme, arme auf jeden Fall die ovale Form erkennen. Ebenso M65, welche im Gegensatz zu M66 kleiner, aber fas genauso hell erschien. NGC 3628 war zwar die schwächste, aber die deutlich größte der drei Galaxien. Ganz deutlich war ihre Kantenlage (aus unserer Perspektive) und ihre Länge zu sehen. Ich fragte mich, warum die Galaxie nicht im Messier-Katalog steht...
Viele Galaxienbeobachter schwören auf kleine Austrittspupille, da die Helligkeit der Galaxie linear, der Himmelshintergrund jedoch exponentiell dunkler wird. Das führt - zumindest bis 1mm oder 2mm AP - zu einem steigenden Kontrast. Tatsächlich zeigten die Galaxien bei hohen Vergrößerungen etwas mehr. Aber auch hier: Am schönsten waren alle drei in einem Gesichtsfeld! Stellt man sich beim Beobachten die Entfernung von 40 Millionen Lichtjahren vor... WOW!

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M97 - Eulennebel
Sternbild: Großer Bär
Helligkeit: 9m9, 16m (Gesamthelligkeit, Flächenhelligkeit)
Größe: 3,3`
Objekttyp: Planetarischer Nebel
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Vom hellen Stern Merak ausgehend sieht man im Sucher eine Sternenkette aus vier Sternen. Folgt man dieser, ist M97 bei großem Gesichtsfeld oft schon zu sehen. Unter aufgehelltem Himmel sieht man den runden Nebelfleck oft erst auf den zweiten oder dritten Blick. Gestern jedoch war er schlichtweg nicht zu übersehen. Auch hier steigerte ich die Vergrößerung langsam von 48fach auf 80fach und schließlich auf 133fach - jeweils zuerst ohne und dann mit OIII. Der OIII-Filter hob jedesmal den Nebel ganz deutlich vom Hintergrund ab. Allerdings wurden durch den Filter die beiden Augen nicht deutlicher. Wieder einmal empfand ich den Nebel bei kleinerer Vergrößerung (48fach) und großem Gesichtsfeld am ästhetischsten. Komischerweise waren auch gerade hier die Augen bei indirektem Sehen hin und wieder für einen kurzen Augenblick zu erahnen.

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Virgo-Galaxienhaufen
Sternbild: Jungfrau
Objekttyp: Galaxien
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Hierfür wählte ich zum ersten Mal ein noch größeres Gesichtsfeld und damit ein 40mm 2"-Okular (knapp 2° tatsächliches Gesichtsfeld bei 30fach und maximaler AP von 6,6mm). Ausgehend von ß-vir sind praktisch überall kleinere und größere, hellere und schwächere, längliche, ovale... Fleckchen zu sehen. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, in dem Augenblick alle mit Hilfe des Sternatlases zu identifizieren. Jedoch eine Galaxie hat dann doch meine Aufmerksamkeit erregt. Länglich... in der Mitte etwas breiter und heller... und irgendwie komisch... Jep! M104, die Sombrerogalaxie. Wohl das Musterbeispiel für Edge-On-Galaxien.
Bei 80facher Vergrößerung bot sie schließlich den besten Anblick - zumindest was das Wahrnehmen von Details angeht. Die Form des Sombreros war recht einfach zu erkennen. Aber das Staubband? Sehr schwer. Während sie unten (Anblick im Okular) schön rund auslief, war sie oben sehr gerade abgeschnitten. Bei indiktem Sehen war mehrmals zu erahnen, dass sie zwar gerade abgeschnitten war, aber nach dieser Grenze irgendwann nochmal ganz schwach und hauchdünn etwas da war. Das Staubband - so wird auf Bildern natürlich überdeutlich - teilt die Galaxie aus unserer Perspektive nicht ganz mittig, sondern in einen großen Teil und ein kleines Band. Dabei wird der größere Teil recht gerade abgeschnitten - was auch gut zu sehen war. Ob ich den unteren Teil aber wirklich wahrgenommen habe will und kann ich nicht mit Sicherheit sagen!

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M101 - Feuerradgalaxie
Sternbild: Großer Bär
Helligkeit: 7m9, 14m (Gesamthelligkeit, Flächenhelligkeit)
Größe: 18`x 11`
Objekttyp: Galaxie
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Den besten Anblich bot erneut das 25mm-Okular. Ich denke es lag an der Austrittspupille von ca. 4mm - für mich recht dieal bei Galaxien. Im Gegensatz zu den Galaxien im Löwen und der Jungfrau ein "riesen Ding"! Doch jetzt wurde es langsam "lebensgefährlich". Da ich meine kleine Leiter vergessen hatte holte ich vor dem Aufbauen bei meinem Schwager/meienr Schwester noch kurz einen Stuhl. Dieser war einerseits unverzichtbar (der Okularauszug war jezt sehr weit oben) andererseits auch mehr als instabil. Leider war es schon nach 23 Uhr... die Kinder schlafen... mein schwager muss morgend zum Kühe melken... hmmmm... mit Klingeln und Umtauschen is nix! Also trotzdem rauf. Wirklich konzentrieren und genießen konnte ich aber nicht. An zwei Stellen der Galaxie waren Ausläufer - also Spiralarme - zu erahnen. Auf einer Seite sogar recht deutlich und eindeutig. Naja, der Stuhl wurde mir dann aber sehr schnell zu wackelig... Dennoch. Die Bezeichnung "Feuerrad" war ansatzweise nachvollziehbar.

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M51
Sternbild: Jagdhunde
Helligkeit: 8m, 13m (Gesamthelligkeit, Flächenhelligkeit)
Größe: 8`x 4`
Objekttyp: Galaxie(n)
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Was Messier noch unter dem einen Objekt M51 katalogisierte sind bekanntlich ja zwei - nämlich das Galaxienpaar NGC 5194 und NGC 5195. Großer Bär-> Jagdhune. Anderes Sternbild... aber fast die selbe Position! Also wieder rauf auf den Wackelstuhl. Nicht lange aber. Zu sehen waren klar die beiden hellen Kerne der Galaxien, ein Teil der Brücke und bei NGC 5194 (die hellere und größere Galaxie) auch ein Spiralarm (gegenüber der Brücke). Fertig. Runter vom Stuhl!

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M13
Sternbild: Herkules
Helligkeit: 5m7, 11m9 (Gesamthelligkeit, Flächenhelligkeit)
Größe: 8`
Objekttyp: Kugelsternhaufen
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So langsam gings auf Mitternacht zu und im Südosten war Herkules zu sehen. Bei der Bestellung des 9mm-Weitwinkelokulars hab ich mich gerade auf M13 am meisten gefreut. Ab 100fach ist er bei 20cm bis ins Zentrum in Einzelsterne aufgelöst. Im Gegensatz zum engen Gesichtsfeld meines alten 9mm-Plössl jedoch passt M13 nicht mehr "gerade so ins Gesichtsfeld" sondern steht vor einem normalen Hintergrund und sticht dadurch nochmal deutlich hervor. Ein super Anblick immer wieder! Nicht nur, dass er wirklich komplett aufzulösen war. Der Kugelsternhaufen weist 5 oder 6 spiralartige Auswüchse auf, die fast den Anblick einer in Sterne aufgelösten Galaxie wiederspiegeln.



Naja, wärmer wurde es dann auch nicht mehr und die Sommerobjekte (Cirrusnebel, M27, M57...) waren noch lange nicht in Sicht. Deshalb war an dieser Stelle VORERST Feierabend!
 
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