Zeiss 8x42 Victory FL - ein erster Eindruck
Das schlechte Abschneiden des 8x42 Victory FL in Joachim's Beiträgen hat mich nicht schlafen lassen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Ich bin also zu meinem Fotohändler gegangen und habe mir das Fernglas ausgeliehen. Es ist kein Vorführmodell sondern eins aus der aktuellen Serie. Dabei ist mir folgendes aufgefallen:
Tagbeobachtung
Schärfe und Kontrast sind beeindruckend! Die Mittenschärfe ist tadellos und auch die Schärfe über die zentralen 50% vom Sehfeld (bezogen auf den Sehfelddurchmesser) ist hervorragend. Von da an schleicht sich zunehmend Unschärfe ins Bild, erst ganz leicht und dann recht deutlich. Für die alleinige Nutzung am Tag ist das aus meiner Sicht kein Problem. Ich habe das FL dann mit meinem Nikon 8x30 E II verglichen und mußte für mich ganz privat feststellen, den Aufpreis von 1000 Euro würde ich nie und nimmer zahlen, wenn die Nutzung am Tag im Vordergrund steht (ich habe das Nikon für 345 Euro bekommen). Bis eine halbe oder dreiviertel Stunde nach Sonnenuntergang mußte ich schon genau hinsehen, um einen Unterschied zu bemerken. Das Nikon wirkt mit seiner Vergütung etwas kälter, ansonsten ist es dem Zeiss beinahe ebenbürtig. Übrigens ist mir dabei aufgefallen, daß das Victory FL abseits vom direkt wahrgenommenen Teil des Sehfelds noch leichte Farbsäume zeigt. Da wo das Nikon an einer Dachkante (die von einem Haus, nicht vom Prisma <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />) einen rötlichen Saum zeigt, findet man einen solchen auch im FL. Nicht so ausgeprägt, aber er ist da. Da man beim normalen Beobachten eh mittig guckt, stört das in der Praxis nicht.
Dämmerung
Wenn es zunehmend dunkler wird, dann zeigt sich mehr und mehr die Güte der Zeiss Optik. Bis hinein in die tiefe Dämmerung konnte ich mit dem Victory FL Details in der Nachbarschaft sehen, wo ich ansonsten zum 10x50 Dekarem greifen müsste. Dem kleinen Nikon geht natürlich bei solchen Zuständen das Licht aus - logisch. Und allmählich zeigt auch die sehr gute Streulichtunterdrückung beim FL Wirkung. Wenn in der Nachbarschaft reihenweise die Laternen angehen, zeigt sich das FL nahezu unbeeindruckt von der Lichterflut. Das Nikon 8x30 sieht in der Streulichtbremsung deutlich schlechter aus und das Bild hüllt sich in der Nähe heller Lichtquellen in zarten Nebel. Stellt man im Zeiss FL eine helle Laterne direkt neben die Sehfeldbegrenzung, dann wird es schlagartig dunkel. Keine Reflexe, kein Streulicht und nach kurzer Zeit zeichnet sich die Landschaft ab. Ich denke, die sehr gute Transmission in Verbindung mit einer ausgeklügelten Streulichtunterdrückung bringt hier die Punkte. Ein älteres Leitz 7x42 sieht deutlich schlechter aus. Das Leitz zeigt mehr Streulicht, der Kontrast ist schlechter und das Zeiss 8x42 FL ist klar überlegen. Schwenkt man das Fernglas in einigem Abstand um eine sehr helle Lichtquelle, dann zeigen sich ein paar Reflexe, wenn die Lichtquelle ziemlich weit entfernt von schräg unten die Landschaft beleuchtet. Da der Fall eher selten ist, würde ich sagen: Streulichttest mit sehr gut bestanden. Außerdem dürfte es sehr schwer sein, ein Fernglas zu bauen, was überhaupt nicht auf helle Lichtquellen in dunkler Nacht reagiert. Gemessen an der praktischen Nutzung in kritischen Situationen macht das Zeiss FL eine sehr gute Figur.
Nachts der Sternhimmel
Nach einer halben Stunde Dunkeladaption zeigte das Victory FL, was es drauf hat. Der satte Kontrast am Tag zeigt sich genauso am Sternhimmel. Atair wird auf einen sehr kleinen Lichtklecks reduziert und ansonsten gibt es an der Punktförmigkeit der Sterne im direkt wahrgenommenen Bereich des Sehfelds überhaupt nichts zu meckern. Die Schildwolke und M24 habe ich schon lange nicht mehr so schön gesehen, wie letzte Nacht. Die Kontrastleistung des Zeiss FL ist einfach genial. Es gibt eben zwei Wege, um in Stadtnähe einen dunklen Himmelshintergrund und so ein ästhetisch ansprechendes Bild zu bekommen. Man kann ein Glas mit kleiner AP nehmen (um die 3-4mm) oder man nimmt ein Fernglas mit etwas größerer AP (um 5mm), welches eine tadellose Kontrastleistung verspricht. Mit Variante 1 fährt man zweifellos günstiger, Variante 2 ist verdammt teuer. Sieht man eine Unzahl schwach schimmernder Sterne inmitten der Milchstraße auf samtschwarzem Grund, so ist das schon ein tolles Erlebnis! Ein Fernglas mit 3 oder 3,5mm AP vermittelt zwar ein ähnlich schönes Bild, schwache Deep Sky Objekte sind aber im Zeiss deutlich besser zu sehen. Und genau das ist der feine Unterschied zwischen einem Mittelklasse und einem Top Fernglas.
Nun kommt der Schwachpunkt des Zeiss FL, die Randschärfe. Um zum Aufhänger meines Beitrags zurückzukommen, das halbe Grad von Joachim, wo die Schärfe nachläßt, kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe meine Skizze vom 6.9. erweitert:
Link zur Grafik:
http://212.80.228.216/sites/f.schaefer/0fglvictoryneu.jpg
Links das halbe Grad, was Joachim angesprochen hat, rechts mein Eindruck am Sternhimmel. Im inneren Bereich (etwa die Hälfte des Sehfelds auf den Durchmesser bezogen) ist die Sternabbildung tadellos bis sehr gut. Ich muß schon mehr als zweimal hingucken, um eine Verschlechterung zu bemerken und wenn, dann nur bei sehr hellen Sternen. In der hellgrauen Zone schleicht sich allmählich Unschärfe ein. Im Übergang zum äußeren, dunkelgrauen Bereich ist die Unschärfe schon sehr deutlich und in der dunkelgrauen Zone sind Sterne echte Strichspuren. Zwar nicht so extrem wie beim Zeiss Jena Dekarem oder einem Minolta Activa, aber schon ziemlich auffällig. Hier muß ich noch erwähnen, ich gucke in der Regel ohne Brille, bin aber Brillenträger. Mit aufgesetzter Brille hatte ich den Eindruck, daß die Abbildung im Randbereich ein klein wenig besser wird. Das kann aber täuschen. Ich würde sagen, das Zeiss 8x42 FL schneidet bei der Randschärfe deutlich schlechter ab wie ein altes 10x40 Dialyt und es ist immer noch schlechter wie ein 10x50 Leica Ultravid. Das Ultravid kenne ich noch aus der Erinnerung von einer gemeinsamen Testaktion mit Holger. Habe leider kein so schönes Glas <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/frown.gif" alt="" />.
Es könnte also gut möglich sein, daß Leica mit seiner Ultravid Serie bei der Randschärfe die besseren Karten hat. Die ziemlich ausgeprägte Randunschärfe im äußeren Bereich gefällt mir nicht. Klar guckt man vorwiegend im Zentrum und da gibt es nichts zu meckern. Aber das Zeiss FL kostet laut Liste 1450 Euro und das sind immerhin beinahe 3000 DM! So schön wie das FL auch ist, die Randunschärfe ist bei dem Preis in meinen Augen ein Schwachpunkt, den ich nicht akzeptieren würde. Tagbeobachter mag das nicht stören, hier überwiegen der satte Kontrast, das helle, brillante und farbreine Bild und die sehr gute Streulichtunterdrückung. Ich nutze mein Fernglas 50/50 am Tag und für Astro. Und an der Stelle ist mir der Preis für das Victory FL zu hoch. So werde ich das Fernglas wohl schweren Herzens von der Wunschliste streichen.
Abschließend möchte ich anmerken: dies ist kein Test. Es ist kein Vergleich mit anderen Ferngläsern und schon gar nicht mit Swarovski <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Es sind einfach meine ersten Eindrücke vom 8x42 FL.
Frank.