BirgitKremer
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Liebe Sternenfreunde!
Zwar geniessen wir hier an der Suedkueste Spaniens tagsueber wundervoll warme Sonnenstrahlen, doch abends stellt sich mit Regelmaessigkeit der Nordafrikanebel ein, der einen Blick auf die fernen Sternenwelten unmoeglich macht. Deshalb hier nochmal ein Bericht aus vergangenen, besseren Naechten:
Beobachtungsbericht vom 16.1.2002 mit
Sir William Herschel alias Skywatcher 200/1000 mm mit 8 x 50 Sucher
auf EQ 5 und Vixen-Alustativ zeitweise fuer Planeten und als Aufsuchrohr eingesetzt: Karoline Herschel (Vixen 130/720mm) Okulare: LV 4, 5 und 7 mm, LVW 13 und 17 mm und UHC-Filter
Standort: Marbella / Suedspanien
Uhrzeit: 19h00 - 1h30 natuerlich mit Unterbrechungen
ca. 5.2 Mag-Himmel
Liebe Sternenfreunde !
Welch ein wunderschoener Tag gestern bei herrlichem Sonnenschein, der einlud, sich in den warmen Strahlen unsere Zentralgestirns zu raekeln und wohlig seine Energie aufzusaugen. Anders als an den schon sehr fruehlingshaften Vortagen lag´s gestern in der Luft, dass die Nacht endlich transparent - ohne diesen grauverhangenen Nebelschleier - den die hier oft hohe Luftfeuchtigkeit mit sich bringt, werden wuerde! Wie eine Elfe hatte sich eine sanfte Brise in diese Schleier gehuellt und sie schon in den fruehen Nachmittagsstunden mitgenommen. Aber nicht nur die ersten waermenden Sonnenstrahlen prickelten auf der Haut: in mir prickelte es noch viel mehr, weil ich ja so sehr hoffte, dass diese herrliche Transparenz bis in die Abendstunden anhalten wuerde, um nach langer Zeit endlich mal wieder einen Himmelsausflug unter den besten Voraussetzungen zu machen, die ein streulichtverschmutzter Himmel zulaesst! Die Elfe erfuellte mir diesen Wunsch!
Die Sonne verabschiedete sich nach diesem herrlichen Tag mit einem wunderschoenen intensiven Abendrot, und die Dunstschichten hatten sich weit bis an die Horizontgrenzen zurueckgezogen! Es daemmerte und auf der Himmelsbuehne waren schon Jupiter, Saturn, kurz darauf Mars und natuerlich die schmale Mondsichel auszumachen. Nur wenige Augenblicke spaeter gesellten sich zu ihnen Kapella, Betelgeuze und Rigel. Tief durchatmen und dieses Bild aufsaugen! Die Ekliptik ... theoretisch muesste doch
MERKUR noch zu sehen sein. Und theoretisch duerfte es doch auch nicht so schwierig werden, ihn zu finden. Erstmal verliess ich mich da auf einen ausgedruckten Plan, aber ich suchte mit dem FG viel zu nahe bei der Mondsichel. Da glitzerte zwar was, aber das konnte nicht das gelbe Planetenscheibchen sein. Ich legte den Plan beiseite und schaute einfach mit blossem Auge! JA, weit im Westen, der Sonne hinterher eilend stand Merkur und schien mich freundlich und ruhig anzulaecheln, ganz so als ob er sagen wollte "Welch ein Glueck habt Ihr Erdenbrueder, Eure Kreise viel weiter weg von der Sonne zu ziehen, um ihre Strahlen zu geniessen! Hier ist es wahnsinnig heiss und man geraet schon sehr ins Schwitzen. Aber ich bin dran gewoehnt!" Oh ja, recht gab ich ihm! Nach so einem wundervollen Erdentag, konnte man der Schoepfung wirklich nur dankbar sein! Zwanzig Minuten lang konnte ich den sonnennaechsten Planeten mit
blossem Auge verfolgen bis er dann um 19h35 endgueltig im Horizontdunst verschwand. Natuerlich verrenkte sich auch Sir William den Tubus nach ihm, aber im Teleskop glitzerte Merkur dann in den allerschillernsten Horizontfarben.
Es war ja noch nicht richtig dunkel, Zeit genug also, mich erstmal mit nem heissen Sueppchen fuer die Nacht zu staerken! Die Temperaturen um die 10º C waren immer noch mehr als angenehm, als ich dann wieder auf der Terrasse ankam.
Alle inzwischen so vertrauten Freunde - h & chi von denen eine lange Sternenkette nach Norden direkt zum Muskelmaennchen fuehrt, M35 /36/37 und 38 / M 1 / M42 / M 43 und M 41 waren noch da! In all ihrer Schoenheit! Wie einfach ist es, ihnen unter einem transparenten Himmel einen Besuch abzustatten und sie zu bewundern. M 37 ist ja immer mein Favorit, aber gestern Nacht leistete ich M 38 Abbitte, denn auch er
gehoert unter transparentem Himmel einfach mit zu den prachtvollsten OH´s! Oftmals war ich in den letzten Naechten der Verzweiflung nahe gewesen, weil ich nichtmal diese Objekte unter den widrigen Bedingungen finden konnte. Und nun waren sie einfach da und nahmen im Laufe der Nacht noch an Schoenheit und Intensitaet zu!
Anders die Planeten ... da wabberte das Bild, bei jedem Versuch ueber eine 100-fache Vergroesserung hinauszugehen. Trotzdem bot Saturn mit vier seiner Monde das Bild des absoluten Himmelsherschers, streitig gemacht nur durch die enorme Helligkeit Jupiters, der aus den Zwillingen heraus majestaetisch auf uns herabblickte und dem ich so dankbar bin, denn er haelt meine Liebe zur Astronomie wach! Wenn an vielenAbenden hier deep sky-maessig ueberhaupt nichts geht, beglueckt er mich immer wieder mit den Schatten- und Versteckspielen seiner Monde!
Sir William riss mich hoch aus meinen Traeumereien und erinnerte mich daran, dass wir doch Neuland erobern wollten! Stimmt! Zum ersten Mal sah ich bewusst das Sternbild Hase und der Stoyan und der Karkoschka lagen parat, um den KH M 79 und R Lep, den als roetlichste Sonne gepriesenen Blutstern aufzuspueren.
Alpha und beta Lep waren gut zu erkennen, also einfach mal mein Glueck versuchen und vorsichtig mit Karolinchen diese Linie Richtung Sueden verlaengern. Stop! Da ist ja ein feines, weisses Baellchen! Schaut gar nicht so aus, wie die strahlend hellen KH´s, die wir bisher kennengelernt haben. Viel schwaecher und leicht zu uebersehen! Sir William uebernimmt das Ruder, aber auch ihm gelingt es erst mit zunehmenden Vergroesserungen, diesem KH sein helles Zentrum zu entlocken und ein schwach gesprenkeltes, nebliges Umfeld, ohne dass ich wirklich sagen koennte, dass eine Aufloesung moeglich war.
Wieder orientier ich mich von alpha Lep um ueber my zum Blutsstern zu kommen. Immer und immer wieder! Ich erwarte ein rotes Gestirn, mindestens so gross wie den Granatstern aus dem Cep und... finde nichts! Nur eine etwas orangefarbene Sonne. Bin ich mir sicher, an der richtigen Stelle zu suchen? Eigentlich ja, obwohl gerade ich das gar nicht sagen duerfte, nachdem ich nicht nur den Kleiderbuegel mit dem Delphin sondern gar Kochab mit dem Polarstern monatelang verwechselte!
))) Jedenfalls lass ich mich ueberhaupt nicht entmutigen sondern mach mich mit Sir William auf die Reise in den grossen Hund!
Und da statten wir als allererstes dem Winteralbireo 3945 einen Besuch ab und das orangegelb/blaue Doppelsystem zwinkert uns belustigt zu, wie mir scheint!
Lesebrille aufsetzen, Rotlicht Taschenlampe an und aus, im Eifer des Gefechts auf die Zunge gebissen, aber ich taste mich vor bis zu NGC 2362, der nur wenig weiter suedlich steht, und mir mal wieder tausend AH´s und OH´s entlockt! Ein Sternenbrillant scheint um sich herum eine unterwuerfige Gefolgsschar von kleinen, schwaecheren Sonnen vereinigt zu haben, die ihm hofieren! Im Laufe der Nacht werden Sir Williams Bilder von diesem OH immer noch besser und brillanter und erinnern mich in ihrer Schoenheit an die des Schmetterlingshaufens!
Eta Cma steht erhebt sich hoch am Firmament. Na, dann sollte es doch kein Problem sein COL 140, den "Kleiderbuegel" des Wintersternenhimmels zu finden. Ist es auch nicht, wenn man sich denn im Stoyan klug gemacht hat und weiss, dass dieses Objekt ueberhaupt keinem Kleiderbuegel aehnelt! Ich zaehle 12 Sterne, die sich mit einigen hellen und schwachen Komponenten in kaprizioeser Kette aneinanderreihen.
Mit blossem Auge funkeln mich zwei Sterne an, von denen ich nichtmal ne Ahnung habe, zu welchem Sternbild sie denn nun gehoeren. Wieder gesucht ... verglichen: es handelt sich um rho und chi Pup. Die Tatsache, dass chi ein 288 Bogensekunden auseinanderstehendes Doppelsystem ist, bestaetigt meine Recherchen. Und von chi ist´s nur noch ein Katzensprung bis zu M 93! Ich halt den Atem an!!! Denn meine Guete, das, was mir da entgegeglitztert, ist einfach spektakulaer!!! Was im FG als Nebelfleck zu sehen war, entpuppt sich als ein filigraner Haufen feinster Sonnen, dessen Sternenketten sich kreuzen und an einer Stelle fast zu einem Knoten verdichten. Trotz seiner delikaten Feinheit kann man im oestlichen Teil noch gut ein Doppelsystem ausmachen! Ich hab´ M 93 gestern nacht dann immer wieder aufgesucht, um mir zum einen ganz sicher zu sein, seine Position nie wieder zu vergessen und zum anderen, weil er zu den Himmelsobjekten gehoert, die jedes Sternenguckerherz noch hoeher schlagen lassen!
Selbst ohne UHC ist der Orionnebel in dieser Nacht einfach ueberwaeltigend schoen und voller Detailreichtum! Lange Nebelfetzen ragen hinaus in die Schwaerze des Alls, gut zu erkennen auch das Schroeterche Brueckchen. Im 17-er LVW bieten M42 / M 43 und NGC 1980 ein einfach himmlisches Schauspiel!
Ich greif zum Fernglas und leg mich auf ne Gartenliege! Das ist alles einfach zu schoen, um wahr zu sein! Aber was ist das?!? Im tiefen Sueden, aber noch knapp ueber meiner eigenen Hausmauer glitzert und sprenkelt ein unglaublich farbenfroher Sternhaufen! Eine orangefarbene tanzende Maid scheint umgeben von blaeulichen, weissen und gelben Sternenjungen, die ihr den Hof machen! Und die Maid geniesst es sichtlich, Zentrum der Aufmerksamkeit zu sein! Sir William hat sich wohl auch ein bisschen in sie verguckt und ich erzaehl ihm, dass sie zu NGC 2451 gehoert und er sie natuerlich besuchen darf. Dazu muss ich aber selber schon auf Zehenspitzen tanzen, um noch an seinen Oku-Auszug heranzukommen! Was ich ihm dann nicht sage, ist, dass dieser unglaublich lebhafte und froehliche Sternhaufen im FG besser zur Geltung kommt!;*)
Doch Sir William raeuspert sich vernehmlich und meint, dass er meine Gedanken durchschaut haette. "Na, dann kommen Sie mal her, Werteste, und sehen Sie sich das hier an!" Er hat fuer mich ein weiteres Nebelfleckchen aufgeloest! NGC 2477! Oh, liebe Sternenfreunde, mir fehlen einfach die Worte, um dieses Gluecksgefuehl zu beschreiben! Was fuer ein prachtvoller OH, dessen Sonnen sich dicht aneinanderdraengen, als ob sie sich untereinander noch waermen muessten! Und obwohl Sir William am liebsten zu der Sternenmaid von NGC 2451 zurueckmoechte, kann ich ihn ueberreden, mich dieses Bild aufsaugen zu lassen. Ein irrsinniges Gluecksgefuehl, das sich schon die ganze Nacht in mir breit machte, findet nur noch mit einem stillen Gebet seinen Ausdruck.....
Ich verabschiede mich mit einem Blick auf die Krippe, die nun schon mit blossem Auge hoch im Osten als milchiger Fleck zu sehen ist, und die Pleyaden, die mir froehlich aus dem Westen zublinzeln! Und einmal mehr bin ich dankbar, dass ich - wenn auch sehr spaet - dieses wunderschoene und so erfuellende Hobby fuer mich entdeckt habe!
Beschwingt, wie nach einem langen Tanz, baue ich ab und finde spaeter kaum Schlaf, weil diese himmlischen Bilder immer wieder an mir vorbeiziehen!
Bitte verzeiht, dass der Beobachtungsbericht so lang geworden ist! Aber es ist mir auch einfach ein Beduerfnis, diese wundervolle Sternennacht mit Euch allen zu teilen!
Und natuerlich wuenschen Sir William und ich Euch von Herzen, dass Ihr auch oft in den Genuss dieser himmlischen Freuden kommt!
Viele liebe Gruesse
Birgit
P.s. Karolinchen moechte Euch noch sagen, dass sie mir auch immer wieder zwischendurch Bilder von Europa´s Schattenwurf lieferte!
Zwar geniessen wir hier an der Suedkueste Spaniens tagsueber wundervoll warme Sonnenstrahlen, doch abends stellt sich mit Regelmaessigkeit der Nordafrikanebel ein, der einen Blick auf die fernen Sternenwelten unmoeglich macht. Deshalb hier nochmal ein Bericht aus vergangenen, besseren Naechten:
Beobachtungsbericht vom 16.1.2002 mit
Sir William Herschel alias Skywatcher 200/1000 mm mit 8 x 50 Sucher
auf EQ 5 und Vixen-Alustativ zeitweise fuer Planeten und als Aufsuchrohr eingesetzt: Karoline Herschel (Vixen 130/720mm) Okulare: LV 4, 5 und 7 mm, LVW 13 und 17 mm und UHC-Filter
Standort: Marbella / Suedspanien
Uhrzeit: 19h00 - 1h30 natuerlich mit Unterbrechungen
ca. 5.2 Mag-Himmel
Liebe Sternenfreunde !
Welch ein wunderschoener Tag gestern bei herrlichem Sonnenschein, der einlud, sich in den warmen Strahlen unsere Zentralgestirns zu raekeln und wohlig seine Energie aufzusaugen. Anders als an den schon sehr fruehlingshaften Vortagen lag´s gestern in der Luft, dass die Nacht endlich transparent - ohne diesen grauverhangenen Nebelschleier - den die hier oft hohe Luftfeuchtigkeit mit sich bringt, werden wuerde! Wie eine Elfe hatte sich eine sanfte Brise in diese Schleier gehuellt und sie schon in den fruehen Nachmittagsstunden mitgenommen. Aber nicht nur die ersten waermenden Sonnenstrahlen prickelten auf der Haut: in mir prickelte es noch viel mehr, weil ich ja so sehr hoffte, dass diese herrliche Transparenz bis in die Abendstunden anhalten wuerde, um nach langer Zeit endlich mal wieder einen Himmelsausflug unter den besten Voraussetzungen zu machen, die ein streulichtverschmutzter Himmel zulaesst! Die Elfe erfuellte mir diesen Wunsch!
Die Sonne verabschiedete sich nach diesem herrlichen Tag mit einem wunderschoenen intensiven Abendrot, und die Dunstschichten hatten sich weit bis an die Horizontgrenzen zurueckgezogen! Es daemmerte und auf der Himmelsbuehne waren schon Jupiter, Saturn, kurz darauf Mars und natuerlich die schmale Mondsichel auszumachen. Nur wenige Augenblicke spaeter gesellten sich zu ihnen Kapella, Betelgeuze und Rigel. Tief durchatmen und dieses Bild aufsaugen! Die Ekliptik ... theoretisch muesste doch
MERKUR noch zu sehen sein. Und theoretisch duerfte es doch auch nicht so schwierig werden, ihn zu finden. Erstmal verliess ich mich da auf einen ausgedruckten Plan, aber ich suchte mit dem FG viel zu nahe bei der Mondsichel. Da glitzerte zwar was, aber das konnte nicht das gelbe Planetenscheibchen sein. Ich legte den Plan beiseite und schaute einfach mit blossem Auge! JA, weit im Westen, der Sonne hinterher eilend stand Merkur und schien mich freundlich und ruhig anzulaecheln, ganz so als ob er sagen wollte "Welch ein Glueck habt Ihr Erdenbrueder, Eure Kreise viel weiter weg von der Sonne zu ziehen, um ihre Strahlen zu geniessen! Hier ist es wahnsinnig heiss und man geraet schon sehr ins Schwitzen. Aber ich bin dran gewoehnt!" Oh ja, recht gab ich ihm! Nach so einem wundervollen Erdentag, konnte man der Schoepfung wirklich nur dankbar sein! Zwanzig Minuten lang konnte ich den sonnennaechsten Planeten mit
blossem Auge verfolgen bis er dann um 19h35 endgueltig im Horizontdunst verschwand. Natuerlich verrenkte sich auch Sir William den Tubus nach ihm, aber im Teleskop glitzerte Merkur dann in den allerschillernsten Horizontfarben.
Es war ja noch nicht richtig dunkel, Zeit genug also, mich erstmal mit nem heissen Sueppchen fuer die Nacht zu staerken! Die Temperaturen um die 10º C waren immer noch mehr als angenehm, als ich dann wieder auf der Terrasse ankam.
Alle inzwischen so vertrauten Freunde - h & chi von denen eine lange Sternenkette nach Norden direkt zum Muskelmaennchen fuehrt, M35 /36/37 und 38 / M 1 / M42 / M 43 und M 41 waren noch da! In all ihrer Schoenheit! Wie einfach ist es, ihnen unter einem transparenten Himmel einen Besuch abzustatten und sie zu bewundern. M 37 ist ja immer mein Favorit, aber gestern Nacht leistete ich M 38 Abbitte, denn auch er
gehoert unter transparentem Himmel einfach mit zu den prachtvollsten OH´s! Oftmals war ich in den letzten Naechten der Verzweiflung nahe gewesen, weil ich nichtmal diese Objekte unter den widrigen Bedingungen finden konnte. Und nun waren sie einfach da und nahmen im Laufe der Nacht noch an Schoenheit und Intensitaet zu!
Anders die Planeten ... da wabberte das Bild, bei jedem Versuch ueber eine 100-fache Vergroesserung hinauszugehen. Trotzdem bot Saturn mit vier seiner Monde das Bild des absoluten Himmelsherschers, streitig gemacht nur durch die enorme Helligkeit Jupiters, der aus den Zwillingen heraus majestaetisch auf uns herabblickte und dem ich so dankbar bin, denn er haelt meine Liebe zur Astronomie wach! Wenn an vielenAbenden hier deep sky-maessig ueberhaupt nichts geht, beglueckt er mich immer wieder mit den Schatten- und Versteckspielen seiner Monde!
Sir William riss mich hoch aus meinen Traeumereien und erinnerte mich daran, dass wir doch Neuland erobern wollten! Stimmt! Zum ersten Mal sah ich bewusst das Sternbild Hase und der Stoyan und der Karkoschka lagen parat, um den KH M 79 und R Lep, den als roetlichste Sonne gepriesenen Blutstern aufzuspueren.
Alpha und beta Lep waren gut zu erkennen, also einfach mal mein Glueck versuchen und vorsichtig mit Karolinchen diese Linie Richtung Sueden verlaengern. Stop! Da ist ja ein feines, weisses Baellchen! Schaut gar nicht so aus, wie die strahlend hellen KH´s, die wir bisher kennengelernt haben. Viel schwaecher und leicht zu uebersehen! Sir William uebernimmt das Ruder, aber auch ihm gelingt es erst mit zunehmenden Vergroesserungen, diesem KH sein helles Zentrum zu entlocken und ein schwach gesprenkeltes, nebliges Umfeld, ohne dass ich wirklich sagen koennte, dass eine Aufloesung moeglich war.
Wieder orientier ich mich von alpha Lep um ueber my zum Blutsstern zu kommen. Immer und immer wieder! Ich erwarte ein rotes Gestirn, mindestens so gross wie den Granatstern aus dem Cep und... finde nichts! Nur eine etwas orangefarbene Sonne. Bin ich mir sicher, an der richtigen Stelle zu suchen? Eigentlich ja, obwohl gerade ich das gar nicht sagen duerfte, nachdem ich nicht nur den Kleiderbuegel mit dem Delphin sondern gar Kochab mit dem Polarstern monatelang verwechselte!
Und da statten wir als allererstes dem Winteralbireo 3945 einen Besuch ab und das orangegelb/blaue Doppelsystem zwinkert uns belustigt zu, wie mir scheint!
Lesebrille aufsetzen, Rotlicht Taschenlampe an und aus, im Eifer des Gefechts auf die Zunge gebissen, aber ich taste mich vor bis zu NGC 2362, der nur wenig weiter suedlich steht, und mir mal wieder tausend AH´s und OH´s entlockt! Ein Sternenbrillant scheint um sich herum eine unterwuerfige Gefolgsschar von kleinen, schwaecheren Sonnen vereinigt zu haben, die ihm hofieren! Im Laufe der Nacht werden Sir Williams Bilder von diesem OH immer noch besser und brillanter und erinnern mich in ihrer Schoenheit an die des Schmetterlingshaufens!
Eta Cma steht erhebt sich hoch am Firmament. Na, dann sollte es doch kein Problem sein COL 140, den "Kleiderbuegel" des Wintersternenhimmels zu finden. Ist es auch nicht, wenn man sich denn im Stoyan klug gemacht hat und weiss, dass dieses Objekt ueberhaupt keinem Kleiderbuegel aehnelt! Ich zaehle 12 Sterne, die sich mit einigen hellen und schwachen Komponenten in kaprizioeser Kette aneinanderreihen.
Mit blossem Auge funkeln mich zwei Sterne an, von denen ich nichtmal ne Ahnung habe, zu welchem Sternbild sie denn nun gehoeren. Wieder gesucht ... verglichen: es handelt sich um rho und chi Pup. Die Tatsache, dass chi ein 288 Bogensekunden auseinanderstehendes Doppelsystem ist, bestaetigt meine Recherchen. Und von chi ist´s nur noch ein Katzensprung bis zu M 93! Ich halt den Atem an!!! Denn meine Guete, das, was mir da entgegeglitztert, ist einfach spektakulaer!!! Was im FG als Nebelfleck zu sehen war, entpuppt sich als ein filigraner Haufen feinster Sonnen, dessen Sternenketten sich kreuzen und an einer Stelle fast zu einem Knoten verdichten. Trotz seiner delikaten Feinheit kann man im oestlichen Teil noch gut ein Doppelsystem ausmachen! Ich hab´ M 93 gestern nacht dann immer wieder aufgesucht, um mir zum einen ganz sicher zu sein, seine Position nie wieder zu vergessen und zum anderen, weil er zu den Himmelsobjekten gehoert, die jedes Sternenguckerherz noch hoeher schlagen lassen!
Selbst ohne UHC ist der Orionnebel in dieser Nacht einfach ueberwaeltigend schoen und voller Detailreichtum! Lange Nebelfetzen ragen hinaus in die Schwaerze des Alls, gut zu erkennen auch das Schroeterche Brueckchen. Im 17-er LVW bieten M42 / M 43 und NGC 1980 ein einfach himmlisches Schauspiel!
Ich greif zum Fernglas und leg mich auf ne Gartenliege! Das ist alles einfach zu schoen, um wahr zu sein! Aber was ist das?!? Im tiefen Sueden, aber noch knapp ueber meiner eigenen Hausmauer glitzert und sprenkelt ein unglaublich farbenfroher Sternhaufen! Eine orangefarbene tanzende Maid scheint umgeben von blaeulichen, weissen und gelben Sternenjungen, die ihr den Hof machen! Und die Maid geniesst es sichtlich, Zentrum der Aufmerksamkeit zu sein! Sir William hat sich wohl auch ein bisschen in sie verguckt und ich erzaehl ihm, dass sie zu NGC 2451 gehoert und er sie natuerlich besuchen darf. Dazu muss ich aber selber schon auf Zehenspitzen tanzen, um noch an seinen Oku-Auszug heranzukommen! Was ich ihm dann nicht sage, ist, dass dieser unglaublich lebhafte und froehliche Sternhaufen im FG besser zur Geltung kommt!;*)
Doch Sir William raeuspert sich vernehmlich und meint, dass er meine Gedanken durchschaut haette. "Na, dann kommen Sie mal her, Werteste, und sehen Sie sich das hier an!" Er hat fuer mich ein weiteres Nebelfleckchen aufgeloest! NGC 2477! Oh, liebe Sternenfreunde, mir fehlen einfach die Worte, um dieses Gluecksgefuehl zu beschreiben! Was fuer ein prachtvoller OH, dessen Sonnen sich dicht aneinanderdraengen, als ob sie sich untereinander noch waermen muessten! Und obwohl Sir William am liebsten zu der Sternenmaid von NGC 2451 zurueckmoechte, kann ich ihn ueberreden, mich dieses Bild aufsaugen zu lassen. Ein irrsinniges Gluecksgefuehl, das sich schon die ganze Nacht in mir breit machte, findet nur noch mit einem stillen Gebet seinen Ausdruck.....
Ich verabschiede mich mit einem Blick auf die Krippe, die nun schon mit blossem Auge hoch im Osten als milchiger Fleck zu sehen ist, und die Pleyaden, die mir froehlich aus dem Westen zublinzeln! Und einmal mehr bin ich dankbar, dass ich - wenn auch sehr spaet - dieses wunderschoene und so erfuellende Hobby fuer mich entdeckt habe!
Beschwingt, wie nach einem langen Tanz, baue ich ab und finde spaeter kaum Schlaf, weil diese himmlischen Bilder immer wieder an mir vorbeiziehen!
Bitte verzeiht, dass der Beobachtungsbericht so lang geworden ist! Aber es ist mir auch einfach ein Beduerfnis, diese wundervolle Sternennacht mit Euch allen zu teilen!
Und natuerlich wuenschen Sir William und ich Euch von Herzen, dass Ihr auch oft in den Genuss dieser himmlischen Freuden kommt!
Viele liebe Gruesse
Birgit
P.s. Karolinchen moechte Euch noch sagen, dass sie mir auch immer wieder zwischendurch Bilder von Europa´s Schattenwurf lieferte!