Tauschutz bei hoch stehenden Objekten

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TunnelBias

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Moin!
Ich habe mal eine Frage zu Tauschutzkappen. Ich möchte mir nämlich eine bauen.
Ich habe hier im Forum schon danach gesucht aber bisher nichts passendes auf meine Frage gefunden.
Und zwar plagt mich die Frage in wie weit mir eine Tauschutzkappe bei relativ hoch stehenden Objekten hilft?

Ich habe das bei mir jetzt schon des Öfteren beobachtet wenn ich Objekte anvisiert habe die nicht sehr hoch standen das mein Teleskop an der oberen Seite dann feucht wird und an der unteren Seite nicht. Wenn ich jetzt ein Objekt angucken möchte was sehr hoch steht besteht also die Gefahr das die Feuchtigkeit von oben in den Tubus und dann auf den Hauptspiegel gelangt.

Wie kann man da also vorgehen damit das nicht passiert?

Ich habe jetzt schon mehrfach was von Taukappenheizungen gelesen und auch das diese Dinger sich nur leicht erwärmen so das es nicht zu Luftturbulenzen kommt. Aber wie soll sowas dann gegen die von oben kommende Feuchtigkeit schützen?

Anscheinend verstehe ich da mal wieder was nicht :D

CS
Tobi
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Tobi,

eine Taukappe funktioniert nicht dadurch, daß sie die Feuchtigkeit abhält, sondern dadurch, daß sie Wärmeabstrahlung begrenzt. Deinem Teleskop geht es ähnlich: Die Unterseite sieht hauptsächlich die Erde mit moderater Temperatur, wodurch viel Wärme eingestrahlt wird. Die Oberseite sieht hauptsächlich den Himmel. Der hat Weltraumkälte und strahlt nichts zurück.

Eine Taukappe begrenzt den Bereich des Himmels, den das Objektiv sieht, sie selbst hat Umgebungstemperatur. Also kühlt das Objektiv kaum aus, weshalb der Taupunkt nicht unterschritten wird und sich daher auch kein Tau bildet. Ist das Objektiv groß und recht gut isoliert, kann es über den freien Bereich unter Umständen doch soviel Wärme ins All abgeben, daß sich Tau bilden kann, dafür gibt es die Taukappenheizung. Diese arbeitet meist mit Wärmeleitung, besser ist aber Wärmestrahlung.

Wenn Du einen reinen Newton, klassischen Cassegrain oder RC mit Volltubus besitzt, hast Du für den Hauptspiegel eine große Taukappe, nämlich den Tubus. Da kann allenfalls noch der Sekundärspiegel zutauen. Das passiert allerdings eher selten.

Mein Vorschlag: Wenn Du einen Newton mit Volltubus hast, beobachte häufiger zenitnahe Objekte und entscheide dann, ob weitere Maßnahmen nötig sind.

Hast Du einen SC oder MC, bastele bzw. kaufe eine passende Taukappe und entscheide dann wiederum, ob eine Heizung nötig ist.

Grüße

fquadrat
 
Danke für deine Antwort!
Langsam denke ich komme ich der Sache näher! Ich werde es machen wie du gesagt hast und es einfach erstmal testen und dann entscheiden.

CS
Tobi
 
Gern geschehen.

Deine beiden Newtons sollten keine Taukappe oder andere Tauschutzmaßnahmen benötigen, also beobachte einfach nach Lust und Laune auch Richtung Zenit.

CS

fquadrat
 
Hallo Tobi,

Schließe mich dem an, dass es die Infrarotabstrahlung Richtung Himmel ist, die kühlt und so Tau verursacht, wenn die Luft entsprechend feucht ist.

Bevor man eine aufwändige Heizung einbaut, gibt es Abhilfe über zwei Faktoren:

1. Von der abstrahlenden Fläche aus sichtbaren Raumwinkel des Himmels gering halten; das macht z.B. die Taukappe.

2. Die Emission der abstrahlenden Fläche reduzieren, z.B. durch Verspiegelung. Das ist der Grund, warum der HAUPTSPIEGEL des Newton, wenn er nicht seitlich exponiert ist, eh keine Probleme bekommen sollte (von der Theorie her).

Anders beim FANGSPIEGEL, dessen Rückseite und Halterung dem Himmel stark ausgesetzt und im Normalfall schwarz lackiert und daher nicht gegen Abstrahlung geschützt sind. Mögliche Maßnahmen:

a) Taukappe in Verlängerung des Tubus, die innen natürlich NICHT verspiegelt, sondern wie üblich schwarz ist.

b) Meine Lösung: direkt vor der Fangspiegelhalterung eine Strahlungsabschirmung anbringen, die im einfachsten Fall aus einem runden, schwarzen Papier oder Karton mit dem Durchmesser kleiner gleich der Obstruktion besteht; Man kann noch bisschen was gewinnen, indem man die dem Himmel zugewandte Seite mit einer spiegelndem Folie beklebt. Die andere Seite Richtung Hauptspiegel sollte aus Streulichtgründen schwarz bleiben. Vorteil: das billige Papierding wiegt nix und kann den Hauptspiegel nicht beschädigen, falls es abgeht. Hab selbst sowas in Verwendung, aber keine Vergleichstests zur Wirksamkeit durchgeführt. Von der Theorie her funktioniert es.

Herzliche Grüße,

Nikolaus

PS:
Frage: Gibt es einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis?
Antwort: Theoretisch nicht, praktisch schon.
 
Der Fangspiegel am Lightbridge 12" ist mir übrigens schon mal komplett mit Tau angelaufen, hab mich erst gewundert, warum das Bild so schlecht ist, bis ich drauf kam. Das war noch ohne eine Abschirmung des FS wie im obigen Kommentar beschrieben.

LG Nikolaus

 
Hallo Jürgen,

da Glas Wärme nicht sonderlich gut leitet, wird bei Wärmeleitung zur Heizung außen an der Heizmanschette viel Wärme erzeugt. Diese wird dann ebenso zügig vom aufgeheizten Glas an die Luft sowie per Strahlung in alle Richtungen abgegeben. Wenn da in der Mitte genügend Wärme ankommen soll, muß man außen viel hineinstecken, also ist dort auch die Temperatur sehr hoch.

Eine bessere Idee ist daher ein Wärmestrahler, welcher die von der Glasfläche in den Himmel abgestrahlte Wärme durch seine eigene Wärmestrahlung ersetzt.

Die Ausführung ist nicht kompliziert: Vorne in die Taukappe wird ein Ring eingesetzt, welcher Richtung Optik auseinander läuft, also den Mantel eines Kegelstumpfes darstellt. Der komplette Kegel hätte die Spitze in Gegenrichtung der Optik.

Durch diese Form richtet der Ring Wärmestrahlung, welche von seiner Innenfläche abgestrahlt wird, auf die Glasfläche. Jetzt braucht man nur noch mehrere Windungen Widerstandsdraht auf die Innenfläche zu kleben und kann die Wärmestrahlung erzeugen. Möchte man nur eine Windung verwenden, sollte man die Innenfläche deutlich konkav machen, dann wird die Strahlung weniger breit abgestrahlt.

Statt eines kompletten Rings sind auch einzelne Teile verwendbar, welche man mit Widerständen versieht.

Eine einfache Version wäre eine PVC-Leiste, welche zu einem Ring geformt wird und deren eine Schmalseite abgeschrägt wird. Besser ist es, sie etwas auszuhöhlen. Widerstandsdraht rein, schon hat man einen Strahler. Ich habe so etwas mal in den späten Neunzigern oder frühen 2000ern für ein C8 gebastelt, es hat funktioniert.

Besser wäre ein Kegelmantel aus Aluminiumblech, welcher von der Außenseite beheizt wird, welche aber mit Styropor isoliert ist. Im Handbuch für Sternfreunde, 4. Auflage, 1. Band, befindet sich eine Grafik, welche die Konstruktion einer Taukappe mit so einer Heizung zeigt.

Grüße

fquadrat
 
Hallo Tobi,

ich würde das auch zunächst mal ganz ohne Technik, sondern nur mit einer Tau-/Streulichtkappe, 1,5 x D-Tubus über vordere Fangspiegelkante hinaus, probieren.

Die übliche Bezeichnung für das Ding benennt schon den Doppelnutzen, warum soll man den nicht hinnehmen wenn man ein Problem lösen will.

Nikolaus bringt da mit der Strahlungsabschirmung für den FS (s)einen sehr interessanten Punkt B ein. Das Thema gab es schon mal, so ein Teil ist äußerst simpel und ich werde das nun endlich mal testen, denn einleuchtend ist es allemal. Als Doppelnutzen kann man damit noch sehr gut die Justiereinheit mit eventuell blanken Schraubenköpfen pp verkleiden.

Das ist ähnlich wie mit dem Streu-/Störlichtschutz an der Tubuswand gegenüber dem OAZ. Ein Stück Velour dort reicht dafür aus, aber eine Vollauskleidung mit Velours hilft durch die dämmende Wirkung schon deutlich gegen Tubusseeing.

Die simpelste Maßnahme gegen Tau auf den Spiegeln ist übrigens, den Tubus wenn man nicht beobachtet "aus dem Himmel" zu nehmen, also waagrecht zu stellen oder auch den Abschlussdeckel drauf zu machen. Die schlechteste Position ist offen senkrecht.

Gruß
*entfernt*

 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Jürgen,

gern geschehen!

Grüße

fquadrat
 
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