TCM Spektiv, ein lohnender Kauf?

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Wutze

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Servus,

als Einsteiger beabsichtige ich mir ein Spektiv zuzulegen, daß auch für Erdbeobachtungen gut geeignet sein sollte.
Nun fiel mein Interesse auf ein TCM (Tschibo) Spektiv, 30-90/90.
Dieses Spektiv soll angeblich auch die Bundeswehr wegen der ansprechenden Qualität verwenden.

Daher meine Frage:
Wer kennt dieses Spektiv?
Wer hat damit Erfahrungen gesammelt?
Kann man es vom Preis/Leistungsverhältnis (ca.90,- €) nutzen?

Außerdem würde mich interessieren, auf welchen Seiten ich mit unterschiedlichen Spektiven aufgenommene Bilder zum Vergleich abrufen könnte?

Jedenfalls besten Dank im voraus für Eure Hilfe!

Viele Grüsse

Wutze
 
Hallo Starbuck, Hallo Sven,

mir war natürlich auch bekannt, das dieses Spektiv nicht das offizielle Test- und Prüfverfahren der wehrtechnischen Dienststelle durchlaufen hat.
Ich meinte eher wenn das Spektiv im Auslandseinsatz durch Angehörige der Bundeswehr verwendet wird, sollte es doch auch entsprechende Qualität besitzen.
Zwar wird eben auch in bekannten Auktionshäusern damit geworben, doch dieses Argument zählt nicht als Kaufentscheidung.
Also wäre abschließend betrachtet, wohl eher von einem Kauf abzuraten?
Da ihr ja wohl schon einige Erfahrungen gesammelt habt, könntet ihr mir eure Favoriten zum Kauf empfehlen.


Grüsse


Wutz
 
Hallo Wutz,

die Frage ist doch, welche Ansprüche der "Angehörige der Bundeswehr" gestellt hat. Hat er vielleicht einfach zugegriffen, um irgendwas zu haben, oder hatte er Zeit in einem Forum für Naturbeobachter, oder eben in einem Astronomie-Forum, eine entsprechende Frage zu stellen?

Das Ergebnis ist: Man sollte aus dieser bescheuerten Bild-Aktion überhaupt gar nichts schließen. Ganz klar erwiesen ist schonmal, daß niemand eine Super-Highend-Qualität einfach so verschenkt. Das Spektiv ist günstig, und dementsprechend wird es halt auch seine Mucken haben, so ist das nunmal. Viele Leute können sich trotzdem daran erfreuen, zumal ein Spektiv bei Tagbeobachtung meist noch besser aussieht, als bei astronomischen Beobachtungen. Das liegt am Vergrößerungsbereich, denn bei Tage bekommt man vor lauter Luftunruhe das Bild bei 100x nicht mehr richtig scharf, höher wird man also nicht vergrößern. Wer hingegen astronomisch spechtelt, der wird sich öfters Vergrößerungen über 100x wünschen, und wenn das Gerät es kann, diese auch einsetzen.

Es gibt sicher einige "Favoriten" unter Sternfreunden, aber bevor Dir hierauf jemand antworten kann (Spektive sind nicht mein Ding) solltest Du erstmal mit Infos über Deine Vorstellungen rüberkommen.
Also: Preis? Gewicht? Einsatzhärte?(Dreck, Nässe, Transport), Vergrößerungsbereich?, Qualitätsanspruch.

Clear Skies
Sven
 
Servus,

nun ich denke da an eine Ausgabe in Höhe von 200,- €, vorerst sollte dies reichen.
Das Gewicht ist nebensächlich. Das Spektiv sollte nach Möglichkeit wasserdicht sein (Stickstoffgeüllt), dies durfte meinen Ansprüchen in Hinsicht Einsatzzweck genügen.
Der Vergrößerungsbereich sollte den Faktor 100 nicht überschreiten, da ansonsten das Sehfeld zu klein wird.
Wie schon erwähnt fällt mein Qualitätsanspruch bei max. 200 € eher geringer aus.
Wichtiger ist mir nur, kein Pseudo-Hochleistungsglas aus billigster Fernost-Produktion zu kaufen und damit reinzufallen. Bereits früher erwarb ich bei Tschibo im Angebot ein Teleskop, daß ich jedoch wegen miserabler Qualität (sehr geringe Lichtstärke, sehr geringe Schärfe)sofort zurückgegeben habe.

Daher sollte es, wenn auch kein Original-Herstelerglas, doch zumindest von eine Markenhersteller gefertigt werden.

Sonnige Tage und wolkenlose Nächte!

Wutz
 
Moin zusammen!

Kurze Ergänzung: Vor fast einem Jahr wurde dieses Tchibo-Spektiv zum ersten Mal angeboten. Hier im Board gab's dazu damals schon einen Thread darüber.

Dieser Bild-Zeitungs-Mythos wurde AFAIR seinerzeit im Smalltalk-Bord abgehandelt. Die ganze Story schaffte es sogar bis in die privaten Fernsehsender (Motto: Schlechte Ausrüstung der Bundeswehr in Afghanistan, Soldaten müssen sich ihre eigenen Ferngläser mitbringen usw.).
 
Hallo Wutz,

also ich kenne mich nicht besonders mit Spektiven aus, aber ich bezweifle doch erstens, daß Du für 200 Euro ein Gerät mit Stickstoff-Füllung bekommst. Wasserdicht warscheinlich auch nicht, und letztendlich glaube ich nichtmal, daß man für 200 Euro Neupreis etwas anderes als billige Fernost-Optik bekommen kann.
Übrigens passt das doch alles nicht zusammen, Du meinst, Dein Qualitätsanspruch würde geringer ausfallen, setzt dann aber Rahmenbedingungen eines High-End-Gerätes.
Die "Markenhersteller" die für 200 Euro in Frage kommen sind doch auch nur solche, die auf Chinaware ihr Label aufbringen lassen. Nimm einen Überseecontainer voll und die Chinesen schreiben Dir auf Wunsch sogar unsere Nationalhymne drauf.

Clear Skies
Sven
 
Hallole,

ich möchte mal eine kleine Lanze brechen für das Tchibo-Spektiv :-) für 89,- Euro. Habe mir das Ding mal gekauft, weil ich nicht immer mein Zeiss C50/540 mitnehmen und aufbauen will und ich muss sagen, sooo schlecht ist das Tchibo-Spektiv nicht, dass man es auf gar keinen Fall empfehlen kann. Aber der Reihe nach:

1.) Wer schon immer mal ne praktische Tasche haben wollte für ne kleine Optik und ein kleines Stativ (so wie ich), dem kann das Spektiv getrost empfohlen werden, wenngleich 89,- Euro allein für die Tasche sicher zu viel Geld sind. :-)

2.) Richtig ist, dass das mitgelieferte Stativ wackelt wie ein Kuhschwanz. Leichte Berührungen und etwas Wind machen Beobachtungen relativ unerträglich. Insofern ist das Spektiv allein mit der original Tchibo Ausstattung nur bedingt zu empfehlen. Dafür hat das Stativ eine eingebaute Wasserwaage und eine Schnellwechselplatte für den Stativkopf. Wer jedoch bereits auf eine gutes Stativ zurückgreifen kann (so wie ich mit meinem Manfrotto 055B + 141RC-Kopf mit Schnellwechselplatte), der kann mit dem Spektiv wesentlich mehr anfangen, da hier kaum Wackler entstehen.

3.) Das Spektiv ist relativ leicht und scheint mir von außen recht passabel verarbeitet zu sein. Jedenfalls sollte man sich vor Augen führen, dass das Ding 89 Euro kostet. Insofern sind Vergleiche mit 1500 Euro teuren Spektiven überhaupt nicht hilfreich, weil das selbstverständlich eine andere Liga ist, mit der das Tchibo-Spektiv weder mithalten will und schon gar nicht kann. Aber aus meiner Sicht, ist es kein typisches billig Teil. Es ist preiswert, aber es macht auf mich keinen störenden billigen Eindruck.

4.) Die Optik ist leicht astigmatisch, was sich störend auswirken kann, wenn man besseres gewohnt ist (so wie ich mit meinem kleinen Zeiss), aber nicht muss. Andererseits sind viele Kaufhausteleskope oder andere Billighersteller auch nicht unbedingt besser obwohl man z. T. viel mehr Geld dafür ausgeben muss. Es ist eine leichte chromatische Abberation zu verzeichnen, die sich aber nach meinem Dafürhalten in akzeptablen Grenzen hält. Hier habe ich ebenfalls schon wesentlich schlechtere Optiken gesehen, die deutlich teurer waren, darunter auch mal ein Meade-ETX.

Sicher gibt es von Tchibo-Spektiv zu Tchibo-Spektiv Unterschiede. Vielleicht habe ich mit meinem Exemplar auch nur Glück, aber man kann damit summa summarum ordentlich beobachten.

5.) Die Bildschärfe ist gut, aber sicher nicht hervorragend. Mondbeobachtungen kann man durchaus mit großem Genuss durchführen. Auch der etwas anspruchsvollere Beobachter. Für Planeten ist das Spektiv der optischen Daten wegen nur bedingt geeignet. Ich konnte bisher allerdings nur den Saturn testen, dessen Ringstuktur einwandfrei zu erkennen ist. Und wer noch nie den Saturn gesehen ist, der freut sich auch über ein Tchibo-Spektiv, mit dem der Saturn wunderbar zu sehen ist.

6.) Die Zoom-Optik funktioniert tadellos, wenngleich die Bildhelligkeit jedoch auffallend stark abnimmt bei zunehmender Vergrößerung. Hier hätte ich ein bisschen mehr erwartet. Allerdings kommt für mein Empfinden M42 dennoch ein wenig besser zur Geltung als mit meinem C50/540. Das hat mich dann doch überrascht. Hier macht sich dann wohl doch die größere Öffnung bemerkbar.

7.) Insgesamt betrachtet und nach meiner nicht ganz systematischen Darstellung bin ich der Meinung, dass das Tchibo-Spektiv als Einstieg durchaus zu empfehlen ist. Mit 89 Euro befindet es sich im untersten Preissegment. Das muss einem bewusst sein, aber ich finde, es ist nicht zu viel Geld für die gebotene Leistung. Man kann sicher keine Stickstofffüllung und ähnlichen Schnickschnack erwarten, aber es ist von passabler Qualität und es ist einfach zu handhaben. Die Optik ist meines Erachtens okay, das Bild wird gut scharf und es sind keine übermäßigen Farbsäume zu verzeichnen. Das Stativ sollte man besser auswechseln, aber bevor man gar keins hat, wie bei den meisten Geräten in der Preisklasse über 1000 Euro, nimmt man besser dieses ;-)
 
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