Hallole,
ich möchte mal eine kleine Lanze brechen für das Tchibo-Spektiv

für 89,- Euro. Habe mir das Ding mal gekauft, weil ich nicht immer mein Zeiss C50/540 mitnehmen und aufbauen will und ich muss sagen, sooo schlecht ist das Tchibo-Spektiv nicht, dass man es auf gar keinen Fall empfehlen kann. Aber der Reihe nach:
1.) Wer schon immer mal ne praktische Tasche haben wollte für ne kleine Optik und ein kleines Stativ (so wie ich), dem kann das Spektiv getrost empfohlen werden, wenngleich 89,- Euro allein für die Tasche sicher zu viel Geld sind.
2.) Richtig ist, dass das mitgelieferte Stativ wackelt wie ein Kuhschwanz. Leichte Berührungen und etwas Wind machen Beobachtungen relativ unerträglich. Insofern ist das Spektiv allein mit der original Tchibo Ausstattung nur bedingt zu empfehlen. Dafür hat das Stativ eine eingebaute Wasserwaage und eine Schnellwechselplatte für den Stativkopf. Wer jedoch bereits auf eine gutes Stativ zurückgreifen kann (so wie ich mit meinem Manfrotto 055B + 141RC-Kopf mit Schnellwechselplatte), der kann mit dem Spektiv wesentlich mehr anfangen, da hier kaum Wackler entstehen.
3.) Das Spektiv ist relativ leicht und scheint mir von außen recht passabel verarbeitet zu sein. Jedenfalls sollte man sich vor Augen führen, dass das Ding 89 Euro kostet. Insofern sind Vergleiche mit 1500 Euro teuren Spektiven überhaupt nicht hilfreich, weil das selbstverständlich eine andere Liga ist, mit der das Tchibo-Spektiv weder mithalten will und schon gar nicht kann. Aber aus meiner Sicht, ist es kein typisches billig Teil. Es ist preiswert, aber es macht auf mich keinen störenden billigen Eindruck.
4.) Die Optik ist leicht astigmatisch, was sich störend auswirken kann, wenn man besseres gewohnt ist (so wie ich mit meinem kleinen Zeiss), aber nicht muss. Andererseits sind viele Kaufhausteleskope oder andere Billighersteller auch nicht unbedingt besser obwohl man z. T. viel mehr Geld dafür ausgeben muss. Es ist eine leichte chromatische Abberation zu verzeichnen, die sich aber nach meinem Dafürhalten in akzeptablen Grenzen hält. Hier habe ich ebenfalls schon wesentlich schlechtere Optiken gesehen, die deutlich teurer waren, darunter auch mal ein Meade-ETX.
Sicher gibt es von Tchibo-Spektiv zu Tchibo-Spektiv Unterschiede. Vielleicht habe ich mit meinem Exemplar auch nur Glück, aber man kann damit summa summarum ordentlich beobachten.
5.) Die Bildschärfe ist gut, aber sicher nicht hervorragend. Mondbeobachtungen kann man durchaus mit großem Genuss durchführen. Auch der etwas anspruchsvollere Beobachter. Für Planeten ist das Spektiv der optischen Daten wegen nur bedingt geeignet. Ich konnte bisher allerdings nur den Saturn testen, dessen Ringstuktur einwandfrei zu erkennen ist. Und wer noch nie den Saturn gesehen ist, der freut sich auch über ein Tchibo-Spektiv, mit dem der Saturn wunderbar zu sehen ist.
6.) Die Zoom-Optik funktioniert tadellos, wenngleich die Bildhelligkeit jedoch auffallend stark abnimmt bei zunehmender Vergrößerung. Hier hätte ich ein bisschen mehr erwartet. Allerdings kommt für mein Empfinden M42 dennoch ein wenig besser zur Geltung als mit meinem C50/540. Das hat mich dann doch überrascht. Hier macht sich dann wohl doch die größere Öffnung bemerkbar.
7.) Insgesamt betrachtet und nach meiner nicht ganz systematischen Darstellung bin ich der Meinung, dass das Tchibo-Spektiv als Einstieg durchaus zu empfehlen ist. Mit 89 Euro befindet es sich im untersten Preissegment. Das muss einem bewusst sein, aber ich finde, es ist nicht zu viel Geld für die gebotene Leistung. Man kann sicher keine Stickstofffüllung und ähnlichen Schnickschnack erwarten, aber es ist von passabler Qualität und es ist einfach zu handhaben. Die Optik ist meines Erachtens okay, das Bild wird gut scharf und es sind keine übermäßigen Farbsäume zu verzeichnen. Das Stativ sollte man besser auswechseln, aber bevor man gar keins hat, wie bei den meisten Geräten in der Preisklasse über 1000 Euro, nimmt man besser dieses ;-)