Re: Teilkreise bei Montierungen . genauere Einteil
Hallo Martin,
warscheinlich hast Du die Montierung richtig aufgestellt. Die RA-Achse ist allerdings nicht fest, das heisst sie wird ja durch Einstellen von 48° gekippt. Nun muß das Stativ so aufgestellt werden, daß diese gekippte Achse zum Polarstern zeigt. Zusätzlich gibt es meistens eine Feineinstellung, mit der nur das Montierungsoberteil auf dem Stativ verdreht werden kann. Zeigt jetzt die RA-Achse zum Polarstern, dann ist die Aufstellung korrekt. Für visuelle Beobachtung reicht es völlig, wenn das nur so "drübergepeilt" stimmt. Für Fotografie muß man genauer arbeiten (Polsucher, Scheiner-Methode).
Die DE-Achse ist jetzt von Ihrer Skala her geeicht. Das heisst wenn Du das Teleskop auf den Polarstern schwenkst, dann steht sie auf 90°. Schwenkst Du es auf den Himmelsäquator (Gürtel des Orion), dann steht sie auf 0°.
Es kommt allerdings vor, daß diese 0° und 90° vertauscht sind, und zwar dann, wenn man sein Teleskop zum Beispiel auf einer Doppelplattform montiert hat - dann ist das Teleskop nämlich um 90° gedreht, und so kann die Skala dann nicht mehr stimmen. Zu diesem Zweck haben manche Montierungen die Skala doppelt beschriftet, so daß 0° und 90° übereinander stehen.
Die RA-Skala kann erstmal nicht stimmen, das ist ganz normal. Denn die RA-Skala ist ja so geeicht, daß ihr Nullpunkt der Frühlingspunkt ist. Das ist im Bereich des Sternbildes Fische der Punkt, wo sich die Ekliptik mit dem Himmelsäquator schneidet. Aber dieser Nullpunkt rotiert ja scheinbar jeden Tag einmal um uns herum (eigentlich dreht sich ja die Erde drunter weg). Und das bedeutet, daß die Skala quasi von Minute zu Minute weiter gedreht werden müsste. Deshalb musst Du die RA-Skala erstmal eichen, das heisst Du stellst mit dem Teleskop einen hellen Stern ein, dessen RA-Koordinate Du aus einem Buch, Katalog oder Astroprogramm kennst. Dann drehst Du die RA-Skala auf die richtige RA-Korrdinate. Normalerweise kann man die RA-Skala dazu durch lösen einer Klemmschraube einstellbar machen.
Dann ist die RA-Skala geeicht und kann verwendet werden. Allerdings weil sich der Himmel ja weiterdreht, wandert auch der Frühlingspunkt weiter!
Jetzt kommt es auf die Bauart Deiner Montierung an: Wenn Du an der biegsamen Welle für RA drehst bzw. den RA-Motor laufen lässt (z.B. auf 32x), und sich dadurch dann die RA-Skala im Wert verändert, dann würde am Himmel folgendes passieren: Du stellst einen Stern ein und stellst seine RA-Koordinate ein. Der Himmel dreht sich langsam weiter, und Du folgst diesem Stern, entweder indem das eine Motorsteuerung alleine macht, oder indem Du am RA-Handrad drehst. Der Stern behält aber seine Himmelskoordinaten, blos nun ändert sich die RA-Marke an der Montierung. Das heisst, nach einigen Minuten ist Deine Eichung der RA-Skala zum Teufel, sie hat sich verstellt!
Es gibt nun ein paar Montierungen, bei denen sich die RA-Skala nicht verstellt, wenn der Motor läuft oder an den Handrädern gedreht wird. Das bedeutet, daß die Eichung der RA-Achse richtig bleibt, wenn ein RA-Motor das Teleskop mit einfacher Geschwindigkeit dem Himmel nachführt. Nur wenn man mit dem Motor Korrekturbewegungen macht, verstellt sich die Skala. Man muß herausfinden, ob die eigene Montierung entsprechend clever gebaut ist. Wenn nicht, muß man zum Benutzen der Skala sie jedes mal mit einem Referenzstern neu einstellen.
Übrigens, auch die RA-Skala hat eine doppelte Beschriftung, jeweils von 0 bis 23 Uhr, einmal im Uhrzeigersinn, einmal gegen den Uhrzeigersinn. Eine Skala davon ist für den Nordhimmel, eine davon für den Südhimmel. Auf den Nordhalbkugel ist die Skala die richtige, die größer wird, wenn man das Teleskop von Süden nach Osten schwenkt, also praktisch entgegen der natürlichen Himmelsbewegung.
Clear Skies
Sven