Hallo Alex,
prinzipiell ist die Größe Deines Gerätes für solche Sternhaufen ausreichend. Diese tatsächlich eindeutig zu identifizieren erfordert aber schon etwas Übung oder Beobachtungserfahrung und natürlich auch gute äußere Bedingungen. Wenn Du Sternhaufen suchst, solltest Du grundsätzlich immer mit dem langbrennweitigsten Okular anfangen (also niedrigste Vergrößerung). Dann überlege Dir vorher, wie groß in etwa in diesem Okular der Mond erscheint. Dieser hat einen Durchmesser am Himmel von einem halben Grad, also rund 30 Minuten. Und dann informiere Dich im Karkoschka oder anderen Bücher darüber, wie groß die Objekte Deiner Begierde dort angegeben werden. M46 ist zum Beispiel 20-27 Minuten groß (je nach Buch!?), hat also fast Vollmondausdehnung, M78 ist deutlich kleiner, M81 auch. So kannst Du Dir vorher aber schon mal eine kleine Vorstellung von dem machen, wie viel "Platz" das gesuchte Objekt in Deinem Okular in etwa einnimmt.
Dann solltest Du zunächst bei anderen Objekten, welche Du sicher identifizieren kannst, das Okular richtig fokussieren, das insbesondere Sterne als scharfe Punkte erscheinen.
Und dann gilt für fast alle deep-sky Objekte wirklich, dass Du einen möglichst dunklen Himmel brauchst. Nur dann hast Du ausreichend Kontrast, den schwachen Schimmer ferner Galaxien oder einzelner Sternchen jenseits der 10. Größenklasse gegenüber dem Hintergrund wahr zu nehmen. Wenn die Luft "feucht" riecht, sieht es oftmals m Himmel schon schlecht aus. Konntest Du denn an deinem Beobachtungsplatz die Milchstrasse mit bloßem Auge gut erkennen? Wenn ja, dann sollte es auch mit den Messier-Objekten klappen können.
M81 ist sicherlich schwierig zu finden, weil es dort in der Nähe nur wenige hellere Sterne gibt. Zusätzlich täuschen die Größenangaben oftmals beträchtlich, da man - gerade als Anfänger - bei Galaxien oftmals nur den Kern in der Mitte erkennt und die tatsächliche Ausdehnung am Himmel oft noch gar nicht wahrnimmt. Wenn Du dann wirklich in Richtung Galaxie schaust, wirst Du zuerst nur einen schwaches, unscharfes Fleckchen finden. Aber dann wird es spannend! Sind noch andere Objekte in Deinem Okular zu sehen, erfolgt jetzt erst noch einmal eine Überprüfung, ob Du den Anblick wirklich "scharf" eingestellt hast. Sind Punkte wirklich Punkte, also Sterne, dann kann der Fleck, der immer noch verwaschen bleibt, eigentlich nur die Galaxie sein. Und jetzt erst darfst Du auch mit kürzer brennweitigen Okularen vorsichtig die Vergrößerung erhöhen. Meist ist dies aber bei deep-sky" Beobachtunegn gar nicht nötig. Entspanne Dich lieber und versuche mal, ob Du über den Kern hinaus etwas erkennen kannst. Und je nach verwendetem Okular solltest Du dann eigentlich auch schon M82 mit im Bildfeld haben!
Bei M46 ist es eher schwieriger, weil dort genau umgekehrt, eine ganze Menge von anderen Sternen in der Nähe herumschwirren. Zusätzlich ist der auch nicht besonders hoch über dem Horizontdunst. Erschwerend kommt dann hinzu, dass dieser Sternhaufen wirklich nur aus vielen schwachen Sternchen besteht. Du siehst dort vielleicht eher etwas "Sternenstaub" - mit den Plejaden oder der Praesepe ist der Anblick zunächst gar nicht zu vergleichen. Einfacher ist es da schon, den benachbarten Sternhaufen M47 zu finden, weil in diesem drei hellere Sterne stehen. Bei nicht so dunklem Himmel kann man diesen Haufen wegen dieser "lockeren Ansammlung" jedoch auch leicht "übersehen".
M78 verschwindet auch sehr schnell am lichtverschmutzten Himmel. Dann erkennt man in diesem Gebiet eigentlich nur einzelne Sterne der achten oder neunten Größenklasse. Du brauchst schon einen guten Himmel - wenn das der Fall ist und Du M78 gefunden hast, wirdstdu aber plötzlich merken, der benachbarte Stern läßt sich auch "nicht richtig" scharf stellen. Geht nämlich auch nicht, das ist nämlich NGC 2071.
Wenn Du gut englisch lesen kannst, empfehle ich Dir das Buch von Ken Graun mit dem Titel "The Next Step - Finding and Viewing Messier's Objects". Hier werden alle Messier-Objekte sehr ausführlich genau aus der perspektive eines Vierzöllers beschrieben. Auch die Fotos entsprechen alle dem Anblick durch so ein Gerät. Da bekomst Du eine recht Vorstellung von dem, was Dich tatsächlcih als Anblick erwartet, denn häufig ist man einfach auch "falsch gepolt", weil man aus den allermeisten Astronomiebüchern tausendmal größere oder Kontrastreichere Bilder findet.
Du bist Dir nicht so sicher, ob Du die Sternhaufen im Fuhrmann gesehen hast? Sahen die für Dich alle gleich aus oder hast Du Unterschiede feststellen können? M36 zum Beispiel hat in etwa die gleiche Größe wie M37, enthält aber mehrere deutlich hellere Sterne als dieser. M37 dafür hat in der Mitte einen (nur einen!) helleren Stern, der außerdem auffällig rötlich leuchtet. M38 dagegen besteht mehr aus "Sternenketten", während die anderen beiden Haufen eher "rund" zu beschreiben sind. Wenn Dir diese Unterschiede einmal aufgefallen sind, wirst Du sie ein leben lang nicht mehr vergessen und kannst zukünftig die Sternhaufen auch "im schlaf" unterscheiden. Wenn nicht? Dann probiere auch diese in der nächstmöglichen Nacht einfach noch einmal wieder. Nur Übung macht den Meister!
Also, nicht aufgeben - ich habe für meine ersten "Fortgeschrittenen-Objekte" auch meist mehrere Anläufe gebraucht. Doch wenn sich der Erfolg erstmal einstellt, dann kann man sich an diesen Objekten gar nicht lange genug satt sehen.
LiboriusWichard