Teleskop - Frage vor dem Kauf

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sakyra

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Hallo,
ich plane mir ein günstiges Teleskop für die ersten Anfänge zuzulegen.
Ich habe allerdings keinerlei Ahnung und hätte ganz gerne die absoluten "Neulingsfragen" beantwortet, normalerweise würde ich dazu ins Geschäft gehen, leider gibt es bei uns keines in der Nähe.

Erste Frage:
Ich stelle mir ein Teleskop ähnlich wie ein Fernglas vor, salopp gesagt, es vergrößert das Bild was man sieht. Teuerer = Höhere Vergrößerung und bessere Qualität (Standfuß, GoTo etc.).
Ist das so? Kann man das so sehen?

Zweite Frage:
Wieso kann man selbst mit dem Hubble Teleskop nicht einen Stein auf dem Mond scharf nah ranholen? Tausende von Millionen Lichtjahren entfernte Galaxien aber super beobachten? Gibt es eine Untergrenze, sozusagen einen Mindestabstand?

Dritte Frage:
Gibt es Teleskope in der Preisklasse 200€ die z.b. Jupiter/ Mars etc. Beobachtungen zulassen auf denen man durch das Okular richtige Details ausmachen kann bzw. Bewegungen auf den Planeten erkennt (Stürme, Einschläge o.ä.)?

Vierte und letzte Frage:
Auf was muss man beim Teleskop Kauf achten? Wodurch erkennt man den "Maximalzoom" bzw. ist es ja kein Zoom sondern woran erkennt man vor dem Kauf, wie groß ein Planet oder ein Objekt später zu sehen sein wird? Kann man Teleskope ähnlich wie Kameraobjektive einstellen (Zoomstufe verändern?)?

Hoffe jemand kann mir helfen.

Gruß
Henning
 
Hi Henning
Zitat von sakyra:
Erste Frage:
Ich stelle mir ein Teleskop ähnlich wie ein Fernglas vor, salopp gesagt, es vergrößert das Bild was man sieht. Teuerer = Höhere Vergrößerung und bessere Qualität (Standfuß, GoTo etc.).
Ist das so? Kann man das so sehen?
Ja und Nein. Die Maximale sinnvolle Vergrößerung ist sicherlich eine der Eigenschaften (bzw. eine Eigenschaft, die sich aus anderen Eigenschafte ergibt), die ein Teleskop teurer machen.
Extrem vereinfacht gesagt wird ein Telskop durch die Qualität teurer (also besonders exakt geschliffene Spiegel, bessere Verspiegelung, bessere Verarbeitung, höherwertige Gläser, Guter Tubus, solider Okularauszug, 'Finder' statt Sucher etc.) und natürlich die Quantität - also größere Öffnung und/oder mehr Glas - z.B- statt einem einfachen 2-Linsigen Fraunhoferachromaten einen 4-Linsigen o.Ä.

Zitat von sakyra:
Zweite Frage:
Wieso kann man selbst mit dem Hubble Teleskop nicht einen Stein auf dem Mond scharf nah ranholen? Tausende von Millionen Lichtjahren entfernte Galaxien aber super beobachten? Gibt es eine Untergrenze, sozusagen einen Mindestabstand?
Einen Mindestabstand gibts nicht wirklich - der liegt bei 'unseren' Teleskopen im Bereich einiger Meter. Woran so etwas scheitert, ist das Auflösungsvermögen --> http://de.wikipedia.org/wiki/Auflösungsvermögen#Optische_Instrumente
Zitat von sakyra:
Dritte Frage:
Gibt es Teleskope in der Preisklasse 200€ die z.b. Jupiter/ Mars etc. Beobachtungen zulassen auf denen man durch das Okular richtige Details ausmachen kann bzw. Bewegungen auf den Planeten erkennt (Stürme, Einschläge o.ä.)?
Für einen Impakt bräuchte es - abgesehen von 'Jahrhunderteinschlägen' schon eine Ausrüstung weit jenseits einfacher Mittel. Aber Atmosphärenstrukturen, z.B. auf Jupiter oder auch vereiste Polkappen auf dem Mars etc. kann man auch mit ganz einfachen Teleskopen beobachten. Da gibts ein paar Beispiele: http://www.binoviewer.at/beobachtungspraxis/teleskopvergleich_jupiter.htm

Zitat von sakyra:
Vierte und letzte Frage:
Auf was muss man beim Teleskop Kauf achten? Wodurch erkennt man den "Maximalzoom" bzw. ist es ja kein Zoom sondern woran erkennt man vor dem Kauf, wie groß ein Planet oder ein Objekt später zu sehen sein wird? Kann man Teleskope ähnlich wie Kameraobjektive einstellen (Zoomstufe verändern?)?
Die maximale Vergrößerung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Maßgeblich sind 2:
a) deine Beobachtungsbedingungen. Schaust Du aus der Stadt heraus, womöglich über ein aufgeheiztes Dach oder gar aus dem Fenster, dann hilft das beste Teleskop nix. Ferner muss auch die Atmosphäre weiter oben ruhig sein, darf micht wabbern (dieses Hitzeflimmern, das man von der Straße im Sommer kennt, hat man sonst im Okular zu sehen).
b) Die Öffnung. Je größer die ist, desto höher kann man vergrößern. So ganz grob kann man sagen, dass bei einer ordentlichen Optik etwa das doppelte, maximal auch mal das dreifache der Öffnung in Milimetern als Vergrößerung erzielt werden kann. Also z.B. bei einem Teleskop mit 150mm Durchmesser kann/könnte man auf eine Vergrößerung von 300x oder gar 450x gehen.
Die Vergrößerung wird durch den Austausch von Okularen bewerkstelligt - die errechnet sich durch Brennweite Teleskop : Brennweite Okular. Also für hohe Vergrößerungen möglichst langbrennweitige Teleskope und kurzbrennweitige Okulare. Wobei beides seine Vor- und Nachteile hat: Langbrennweitige Teleskope können kein so großes Feld abbilden (alo man hat fast nur hohe Vergrößerungen) und kurzbrennweitige Okulare sind nicht sooo angenehm vom Einblickverhalten - oder teuer. Man geht daher meist Kompromisse ein.

Hierzu noch ein paar weitere Seiten zum Schmökern:
http://www.svenwienstein.de/HTML/einsteiger-ecke.html
http://www.deepsky-brothers.de/

Und das Wichtigste zum Schluss:
1. Wenn Du dich für ein Teleskop und das ganze Gedöhns drumherum entschieden hast, kauf es gebraucht.
2. Schließ dich vorab anderen Amateurastronomen an und schau mal durch deren Teleskope. Nur so bekommst Du mit, was dich dann später erwartet und vor allem, worauf Du Wert legen musst und mit welchen Konzepten Du klarkommst [alleine schon die Entscheidung, wie das Teleskop mal montiert sein soll - einfache Rockerbox? Alt/Az Montierung? Parallaktische Montierung Und wie solide? Nicht jeder kommt mit jedem Konzept klar und hat zudem andere Ansprüche]

cs
Jürgen
 
Danke euch für die super Antworten!! ;) Besonders die Seite, wo man die Werte eingeben kann und ein mögliches Ergebnis sieht, gefällt mir sehr gut!
 
Hallo Henning,

Jürgen hat deine Fragen schon sehr ausführlich und ich denke auch für einen Anfänger verständlich beantwortet. Eine Sache möchte ich allerdings zu deiner ersten Frage ergänzen, denn viele Deep-Sky-Objekte wie z.B. der Orionnebel oder die Andromedagalaxie sind (wie ich finde) bei hoher Vergrößerung (>200x bei dem Orionnebel) nicht mehr so interessant wie bei geringerer und mittlerer Vergrößerung. Bei der Planetenbeobachtung ist natürlich eine höhere Vergrößerung erwünscht um mehr Details zu erkennen. Hier kommt es aber dann auf
1. die größe des Teleskops und
2. auf die Qualität der Optik an.

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen.

Viele Grüße,
Yannick
 
Hallo Henning,

schön, daß Du vor einem Kauf fragst.

Zitat von sakyra:
Ich stelle mir ein Teleskop ähnlich wie ein Fernglas vor, salopp gesagt, es vergrößert das Bild was man sieht. Teuerer = Höhere Vergrößerung und bessere Qualität (Standfuß, GoTo etc.).
Ist das so? Kann man das so sehen?
Ja. Ein Teleskop bietet ein Bild, welches man unter einem größeren Sehwinkel sieht als ohne eine derartige Optik. Das ist korrekt. Ein Fernglas ist dementsprechend ein kleines Doppelfernrohr.

Teurer kann viele Ursachen haben: größere Öffnung, bessere Qualität der Optik, solidere Montierung, mehr Ausstattung, leichtere Handhabung, andere Kalkulation, bekannte Marke. Die ersten beiden Punkte gehen in Vergrößerung ein, der dritte in die Fähigkeit, sie zu beherrschen. Die Vergrößerung ist linear abhängig von der Öffnung, was sich allerdings nur bei entsprechender Qualität und Justage ausnutzen läßt.

Die Ausstattung kann nützen, wird aber von Einsteigern gelegentlich überschätzt. Fortgeschrittene Beobachter haben meistens zumindest die Okulare und Filter, welches sei brauchen, bereits in ihrem Sortiment.

Gibt es Teleskope in der Preisklasse 200€ die z.b. Jupiter/ Mars etc. Beobachtungen zulassen auf denen man durch das Okular richtige Details ausmachen kann bzw. Bewegungen auf den Planeten erkennt (Stürme, Einschläge o.ä.)?
Die üblichen Einschläge sieht man nicht, aber der Große Rote Fleck auf dem Jupiter ist ein Sturm, welcher sich mit etwas Glück erkennen läßt. Ansonsten gehören Wolkenbänder auf Jupiter, Dunkelgebiete auf dem Mars und dessen Pole zu den beobachtbaren Objekten.

Auf was muss man beim Teleskop Kauf achten? Wodurch erkennt man den "Maximalzoom" bzw. ist es ja kein Zoom sondern woran erkennt man vor dem Kauf, wie groß ein Planet oder ein Objekt später zu sehen sein wird? Kann man Teleskope ähnlich wie Kameraobjektive einstellen (Zoomstufe verändern?)?
Zuerst sollte man sich überlegen, was man beobachten möchte. Ausgedehnte Gasnebel fordern, erlauben aber auch andere Teleskope als Planetenbeobachtungen. Das gilt sowohl für die Optik als auch für die Montierung, welche den Tubus (das Rohr) trägt. Instrumente mit im Vergleich mit der Öffnung geringer Brennweite sind meist eher für geringe Vergrößerungen im Zuge von Deep-Sky-Beobachtungen gedacht, während Planetenteleskope verhältnismäßig lange Brennweiten aufweisen.

Die maximale Vergrößerung geht bei guter Qualität bis zum Doppelten der in Millimetern gemessenen Öffnung. Wie ein Objekt dann aussieht, läßt sich mit Hilfe des Okularrechners der Sternfreunde Münster erahnen.

Die Vergrößerung wird aber vom Prinzip her anders als bei der Fotografie eingestellt. Nicht die Brennweite des Objektivs wird geändert, sondern die des Okulars, welches dem Auge zugewandt ist. Üblicherweise nimmt man zur Veränderung der Vergrößerung ein Okular anderer Brennweite, daher ändert sie sich in Stufen. Zoomokulare existieren, haben aber meistens Nachteile.

Grüße

fquadrat
 
Hallo Henning,

der Teleskopkauf bzw. die "richtige" Teleskopauswahl ist sehr aufregend. Ich befinde mich selbst gerade in dieser Phase und gehöre darum nicht zu den erfahrenen Leuten hier im Forum. Ich hab mir aber bereits einiges durchgelesen.

Ich finds lustig, dass du dein Budget innerhalb von weniger als 24 Std. schon um über 300% erhöht hast :). Das mein ich aber nicht negativ, finde es nur schön, weil es mich an mich selbst erinnert.

Zu dem von dir vorgeschlagenen Teleskop:
Es handelt sich dabei um ein parallaktisch montiertes Teleskop. Diese Art von Teleskopen betrachte ich persönlich immer unter 3 groben Gesichtspunkten:
1. Qualität der Optik
2. Qualität der Montierung (wie ist das Teleskop befestigt?)
3. Harmonie zwischen Optik und Montierung

zu 1.: Ich würde sagen es handelt sich um eine gehobene Einsteigeroptik mittlerer Größe mit der sich bereits einiges sehen lässt und die flexibel einsetzbar ist sowohl an Planeten als auch an Deepskyobjekten (geeignete Sichtbedingungen vorausgesetzt).

zu 2.: Solide Einsteigermontierung mit Erweiterungsmöglichkeiten (Motorisierung etc.), die kleine bis mittlere Optiken sicher trägt.

zu 3.: Die Optik könnte für die Montierung etwas zu schwer sein / einen zu großen Hebel haben. Das heißt, dass, gerade bei höheren Vergrößerungen, das Bild störend rumwackelt und man deshalb weniger Freude am Betrachten hat.

Eine Übersicht, welche Montierung für welches Telskop geeignet ist findet man unter der bereits hier erwähnten Seite http://www.deepsky-brothers.de/ unter "Tipps & Tricks" und dann "Kombi.Teleskop/Monti".
In anderen Forumsbeiträgen habe ich gelesen, dass die EXOS 2 in etwa mit einer EQ5 zu vergleichen sei, eventuell etwas stabiler.

Also ich persönlich denke, dass man mit dem Teleskop schon seinen Spaß haben kann, mich würde aber die Kombination von Optik und Montierung etwas ins Zweifeln bringen.
Diese Einschätzung basiert wie gesagt nur auf gelesenen Beiträgen in Foren und gelesenen Tipps und stellt auch mein persönliches Empfinden dar, denn ich befinde mich im Grunde gerade in der selben Situation wie du: Auf der suche nach dem "richtigen" Teleskop :).

Liebe Grüße,
Alex
 
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Hallo Henning,
da du zwischen „ich plane mir ein günstiges Teleskop für die ersten Anfänge zuzulegen“ und einem Teleskop für 650€ schwankst.
würde ich dir auch empfehlen zu einem Astrotreff oder einer Sternwarte zu gehen und dort Teleskope (Linsenteleskope und Spiegelteleskope) auf verschiedenen Montierungen zu testen.

Danach ein Budget festlegen und überlegen was du beobachten willst (Mond, Planeten, Deep Sky, oder alles) und ob du Astrofotografie betreiben willst.

Wenn du dich für ein Teleskop entscheidest sollte noch Geld für 1 bis 2 weitere Okulare und ein Mondfilter vorhanden sein.
Außerdem ist eine Drehbare Sternkarte und ein Sternatlas für die Orientierung nicht schlecht.
Diese 4 bis 5 Dinge kosten zusammen nochmal 100€ bis 150€

Und falls du ein Spiegelteleskop kaufen solltest (welches bei Deep-Sky Beobachtungen wegen der Öffnung sicherlich am besten ist) wäre auch ein Justierlaser nicht schlecht:
http://www.astroshop.de/justier-laser/omegon-newton-justierlaser-1-25---mit-sichtfenster/p,4577


Grüße
David
 
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