Teleskop für 9 jährigen

auer-net

Mitglied
Hallo zusammen,

ich möchte meinem Astronomie begeisterten Sohn zum Geburtstag gerne ein erstes Teleskop kaufen. Wir leben am Ortsrand in Bayern und verfügen auch über einen kleinen Garten. Insgesamt möchte ich nicht mehr als 300 Euro ausgeben und bin mir bewusst, da die guten Teleskope wesentlich mehr kosten. Er wird halt erst 9 Jahre alt und zum Einstieg sollte das doch hoffentlich ausreichen.

In vielen Foren werden immer Dobson Newtons (z.B. Bresser 150/750) empfohlen. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob ein Spiegelteleskop für den Einstieg das richtige Teleskop ist. Er möchte neben dem Mond auch Galaxien und andere Planeten entdecken. Im Prinzip möchte er alles, was natürlich nicht geht :)

Wie wäre es denn eurer Meinung nach mit einem schönen Richfield (z.B. Skywatcher 102/500 mit AZ-3)? Der Mond kann damit sicherlich gut beobachtet werden und auch einige Galaxien und Sternhaufen sind damit sichtbar. Bei der Planetenbeobachtung muss man zwar Abstriche machen, aber dafür ist die Montierung leicht zu bedienen. Solch' ein Teleskop könnten wir auch einfach transportieren etc.

Ich bin wirklich hin- und hergerissen zwischen Refraktor und Newton, insbesondere da er noch recht jung ist. Eine EQ3 Montierung empfinde ich als viel zum komplex.

Über Meinung und Ratschläge wäre ich sehr dankbar.

Herzliche Grüße
Marco
 

wynnie

Mitglied
Hallo Marco,

meine Tochter ist zwar erst sieben, hat aber mit einem kleinen 6" f5 Dobson (Eigenbau) schon viel Spaß gehabt. Vorteil des Dobson ist, dass man ihn schnell mal rausholen kann. Die Kleinen müssen ja irgendwann auch mal ins Bett daher ist nicht immer viel Zeit etwas erst einzurichten. F5 ist sicher kein Muss, kann auf f6 oder mehr sein. Die gibt es von und wieder auch gebraucht. Mit 6" sieht man schon richtig was. Mond und Planeten machen damit viel Spaß und auch bei deep sky geht was.

Ich habe mir dieses Okularset dazu gekauft mit dem ich sehr zufrieden bin. Passt für f5 sehr gut. Vorteil der Okulare ist, dass der Augenabstand größer ist als bei den Plössl Okularen. Kinder gehen mit den Auge nicht so gern ganz nah an die Linse und sehen dann nicht viel. Das ist bei diesen Okularen deutlich besser, auch für den Brille tragenden Papa ;).

Für die Übersicht habe ich mir noch ein 32mm Plössel geholt. Bei langen Brennweiten ist der Augenabstand auch bei Plössel Okularen groß genug.

Als Sucher am besten einen Peilsucher. Das klappt erstaunlich gut. Ach ja, wenn man länger guckt ist eine Augenklappe hilfreich. Man verkrampft dann nicht so schnell und kann entspannter gucken.

Viele Grüße
Michael
 

auer-net

Mitglied
Hallo,

vielen Dank für die schnellen Antworten. Dann war meine ursprüngliche Idee einen Dobson zu kaufen wohl doch nicht so schlecht. Einige Händler haben mich nur davon abgeraten und wollten mir einen Refraktor verkaufen.

Welchen Dobson würdet ihr denn empfehlen? Der Heritage 130 von Skywatcher wurde ja bereits erwähnt. Es gibt von Bresser noch einen etwas größerer Dobson 150/750. Wäre der auch eine Option, oder ist Skywatcher besser?

Viele Grüße
Marco
 

wynnie

Mitglied
Hallo Marco,

ob jetzt 5“ oder 6“ macht keinen so großen Unterschied. Der Skywatcher ist 100€ billiger, das würde ich nutzen und den Rest des Geldes in Okularen anlegen.

Viele Grüße
Michael
 

auer-net

Mitglied
Hallo Michael,

der Bresser wäre aktuell für 220 Euro zu haben, deshalb frage ich. Er hätte wohl auch einen 2" Okularauszug, was ja auch nicht schlecht ist.

Viele Grüße
Marco
 

Dirkneu

Mitglied
Moin Marco,
Der 2" spricht dann wohl für sich und mit Bresser bin ich persönlich zufrieden :)

CS und Viele Grüße Dirk
 

wynnie

Mitglied
Hallo Marco,

na ja, ein 2“ Auszug ist natürlich nicht schlecht. Aber nur wenn man auch die entsprechenden Okulare dazu kauft. Die 2“ lohnen sich nur, wenn man weite Felder sehen möchte. Die zugehörigen Okulare sind aber ziemlich teuer, zum Teil teurer als das Teleskop.

Von daher weiß ich nicht ob dieser Vorteil wirklich ausschlaggebend ist. Mit einem 32mm Plössel hat man mit den Heritage ein Feld von 2,76 Grad. Da passen die Plejaden komplett rein. Sicher geht mit einem guten 2“ Okular mehr, aber ob das für einen neunjährigen ausschlaggebend ist?

Der Heritage in Kombination mit z.B. den China-Okularen die ich oben verlinkt habe (und die zu deutlich höheren Preisen auch hier angeboten werden) wird Deinem Sohn viel Spaß machen und ihm viel zeigen. Mehr geht immer, aber wenn es ihn wirklich packt und sich die Begeisterung hält, ist sicher irgendwann ein 8“ Dobson der nächste Schritt. Der hat dann sicher auch eine 2“ Okularauszug ;)

Viele Grüße
Michael
 

auer-net

Mitglied
Hallo Michael,

vielen Dank für die ausführliche Antwort. Du würdest also zum Heritage und nicht zum Bresser greifen, wenn ich dich richtig verstanden habe, oder? Die China-Okulare werde ich definitiv bestellen.

Da der Bresser mehr Öffnung bietet und lediglich 30 Euro mehr kostet, habe ich mir halt überlegt dieses zu kaufen. Die 30 Euro wären jetzt auch egal :)

Viele Grüße
Marco
 

Gerd_K

Mitglied
Hallo,

Es gibt von Bresser noch einen etwas größerer Dobson 150/750.
Bei diesem Teleskop wäre es interessant zu wissen, ob der Fangspiegel justierbar ist.

Auf dem Bild ist entweder keine Justiermöglichkeit vorhanden, oder sie befindet sich eventuell unter einer Abdeckung, die man abnehmen kann.
Das sollte mit dem Händler abgeklärt werden.
Auch wenn sich der Fangspiegel bei normaler und sorgfältiger Behandlung vom Teleskop kaum verstellt, so sollte dennoch eine Möglichkeit zum justieren vorhanden sein, falls die Justage vom Fangspiegel im Laufe der Zeit nicht mehr passt.

Viele Grüße
Gerd
 

auer-net

Mitglied
Hallo Gerd,

ich habe in einem anderen Forum eine Antwort von Bresser zu dieser Frage gesehen - beide Spiegel sind wohl justierbar.

Viele Grüße
Marco
 

MeisterDee

Mitglied
Hallo Marco,
etwas mehr auszugeben zugunsten von Öffnung und Abbildungsqualität
ist keinesfalls ein Fehler. „Er ist ja erst neun“ bedeutet schließlich nicht,
daß da kein Anspruch besteht (oder entsteht) . Gerade die Kinder spielen
doch auch gern mal herum , und probieren neben dem großen Feld natürlich
auch die maximale Vergrößerung an Mond und Planet oder auch mal terrestrisch.
Und wenn dann noch gut Erkennbares dabei herauskommt,
wird das Erlebnis fesselnder sein, und das Interesse wird sich entwickeln.

CS
Dietmar
 

auer-net

Mitglied
Ich glaube dann fast den Bresser zu bestellen. Irgendwie sieht er wesentlich stabiler aus als der Heritage. Habe mir auch gerade ein Video angeschaut, wie der Heritage justiert wird und das ganze Plastik hat mich schon etwas abgeschreckt.

Mein Sohn geht zwar sehr sorgsam mit seinen Sachen um, aber etwas Stabilität schadet hier sicherlich nicht. Einen geschlossenen Tubus sehe ich eigentlich auch eher als Vorteil.

Gruß
Marco
 

Gerd_K

Mitglied
Mit dem Bresser Volltubus hättet ihr auch die Möglichkeit, mit geeigneten (!) Frontfilter die Sonne zu beobachten.
Die dann aber nur unter Aufsicht beobachten!

Gruß
Gerd
 

Antares

Mitglied
Hi Marco

ein kleiner Dobson mit einem Rotpunktsucher wie dem Skysurfer III von Bader ist das intuitivste Gerät das ich kenne. Kinder kommen nach meiner Erfahrung damit sehr gut zu Recht. Mit parallaktischen Montierungen tun sich insbesondere jüngere Kinder schwerer.
5 oder 6 "Öffnung: Schwer zu sagen. Galaxien sehen ist in der Vorstellung vieler - natürlich auch von Kindern - doch etwas ganz anderes, als es das am Teleskop dann wirklich ist. Mit 8 ja auch mit 12 Zoll Öffnung ist da oft nicht viel mehr als ein "Wattebällchen" sichtbar. Egal ob 5 oder 6 " - es werden nur bei guten Bedingungen und bei einigen wenigen Objekten wirklich Details auch für Kinder sichtbar sein.
Versuche die Erwartungshaltung etwas einzubremsen, sonst wird das ob der Galaxien evtl. kein dauerhaftes Hobby.
Was mit 5" geht - habe ich mal hier niedergeschrieben, vllt hilft es.
Deepskybeobachtung mit dem 130/650 mm Newton
CS
 

Taizon

Mitglied
Hallo Marco,

ich bin kein Händler. Ich habe aber trotzdem gemerkt, dass Kinder mit einem leichten Refraktor für den Anfang oft gut zurecht kommen. Damit können sie auch schon mal alleine und ohne Aufsicht aufbauen und beobachten, was mit einem schwereren und größeren Gerät nicht mehr ganz so einfach geht. Da braucht es doch meist Hilfe. Ein Spiegel muß auch erst Auskühlen, da muß man schon etwas planen, und wenn Du mal nicht da bist, könnte Dein Kleiner dann vermutlich nicht so viel machen? Wenn sie dagegen früh selbst und spontan entscheiden können, wann und was sie alleine beobachten möchten, motiviert das Kinder nach meiner Erfahrung viel mehr, als immer erst um Hilfe bitten zu müssen, oder sich jedesmal das meiste zeigen zu lassen, und ständig irgendwie unter Aufsicht zu stehen.
Auch das Auffinden von Objekten, erst geradeaus peilen, aber dann um die Ecke beobachten, und das Nachführen am Spiegel will geübt sein. Das kann irgendwann auch ein Kind, aber dennoch ist ein kleines Linsenteleskop mit bequemerem Einblick hinten am Anfang einfacher zu bedienen und auch vielseitiger zu Verwenden, und beides steigert die Entdeckerfreude und die Lust es zu benutzen nicht unerheblich.
Einem Refraktor sind nämlich auch die Wolken oder mal ein paar Wochen trübes Wetter egal, den kann man auch spontan mal für Vögel, Schiffe und Flugzeuge am Tag verwenden, gibt ja auch da was zu Staunen. Und Verstauen, oder Einpacken zum Wandern oder Verreisen geht meist auch etwas leichter. Ein größerer Spiegel nur für die Nacht wird dagegen zwangsläufig öfter ungenutzt herumstehen müssen. Natürlich kann er mehr zeigen, aber die Sterne müssen auch erstmal scheinen und bis er dann am richtigen Ort, abgekühlt und richtig eingestellt ist...
Ich denke auch, dass ein kleiner Refraktor nicht nur etwas schneller, sondern auch etwas zukunftssicherer ist, er kann später immer noch als Zweitgerät Verwendung finden, wie es die meisten für den schnellen Einsatz, die Reise oder die Tagbeobachtung haben. Und eine Nachführung oder sogar GoTo wär doch auch nicht unbedingt ganz schlecht, und finanziell u. U. auch schon drin, oder kommt Elektronik eher nicht in Frage? Ich finde überhaupt, klein anzufangen hat viel für sich, steigern kann man später immer noch, falls das Interesse wirklich wächst. Überlegt's Euch, schaut Euch am besten mal irgendwo was an und fummelt damit herum, z.b. auf einer Sternwarte, und nimm den Kleinen wenn es geht beim Vergleichen mit...
Vielleicht wäre auch Gebraucht- oder Versandkauf eine Option, oder hier oder da käme eine Gelegenheit (sogar teils mit GoTo) in Frage? Ich glaube, heutzutage kann man gar nicht mehr so viele Fehler machen beim Einstieg, es gibt viele Möglichkeiten, und wenn ich das mit meinem Pfadfinderauszugsröhrchen von damals vergleiche, ist alles, was manche hier als gefährlichen Fehler oder nutzlosen Schrott bezeichnen würden, dem immer noch haushoch überlegen. Verleidet hat mir das trotzdem nichts, eher Hoffnungen geweckt, eines Tages was besseres vor die Augen zu bekommen.
Also nur Mut zum eigenen Weg, irgend womit anfangen und dann weitersehen. Viel Erfolg!
T.
 

VisuSCor

Mitglied
Hallo Marco,

ich würde den Ball auch etwas flacher halten und sogar eine Skywatcher 80/400 empfehlen. Der ist mit 2 kg recht gut zu handeln und recht robust. Damit kann man ne Menge sehen sowohl im Großfeld und auch an Mond und Planeten.

Das Gerät kann er auch mal mit wohin nehmen, im Rucksack mit nem Fotostativ zum Beispiel.

Sollte er in ein paar Jahren immer noch dabei sein dann kann man ein grösseres Gerät kaufen.

Bitte bedenke auch, dass Newton Teleskope hin und wieder justiert werden müssen. Das entfällt bei einem Refraktor.

Ich hoffe das was Du entscheidest gefällt Deinem Sohn. Hat er selbst denn Vorstellungen geäußert?

Gruß Oli
 

Gerd_K

Mitglied
...einen Dobson stellt man einfach hin und es kann losgehen. Der Bresser 150/750 Dobson ist ein kompaktes Teil, das nicht mal zusammen gebaut werden muss, um damit zu beobachten.
Bei einem Refraktor wird zumindest schon wieder ein Stativ und zumindest eine azimutale Montierung benötigt.

Das Beobachten wird man einüben, das nachführen sowieso. Auch beim Refraktor muss man um die Ecke beobachten, außer es wird ohne Zenitspiegel mit wilden Verrenkungen beobachtet, sobald ein Objekt etwas höher steht.

Das Auskühlen von einen kleinen Spiegel ist nicht weiter schlimm. Ich hatte schon selbst einen 150/750. Mit solch einem Teleskop kann eigentlich sofort angefangen werden.
Auch bitte das nachjustieren nicht dramatisieren. Wird so ein Teleskop nicht gerade herumgeworfen, dann hält auch die Justage. Falls es dann doch mal erforderlich ist, gibt es sicher hier Hilfestellung dazu.

Ein 80/400mm Refraktor hat zudem noch einen Farbfehler. Ich habe selbst einen im Einsatz, ich kenne das Problem.

Viele Grüße
Gerd
 

wynnie

Mitglied
Hallo !

auch ich hatte als Kind ein Teleskop (ok, ich war schon 13). Einen 114/900 von Revue auf einer parallaktischen Montierung. Für mich war es das größte mir die Planeten und den Mond anzuschauen. DeepSky kam erst später dazu. Warum ? Bei den erstgenannten sieht man richtig was. Nicht nur neblige Flecken oder hauchzarte Ringe. Ich hatte einfach (noch) nicht die Geduld mich auf die Objekte einzulassen und sie ausgiebig zu betrachten. Auch hatte ich mit der parallaktischen Montierung große Probleme die Dinge zu finden. Planten und Mond sind hell, das ist einfach. Aber DeepSky Objekte !? Nun habe ich für meine Tochter einen kleinen Dobson gebaut und bin beeindruckt wie einfach und schnell ich z.B. M57 mit dem Peilsucher gefunden habe. Mag sein, dass es bei anderen anders ist. Aber ich war echt baff wie einfach das geht.

Und ob eine Montierung auf einem Stativ, incl. Gegengewicht für ein Kind leichter zu handhaben ist als ein kleiner Dobson? Ich muss zugeben ich habe da meine Zweifel. Allerdings kann ich das (z.B. bei meiner Tochter) auch nicht vergleichen. Wir haben für sie nur den Dobson.

Das im blauen Forum vorgeschlagene Paket finde ich prima. Für den Anfang fehlt eigentlich nur noch ein Sternatlas, dann kann es losgehen. Bessere Okulare kann man immer noch nachrüsten, sollte es mit den mitgelieferten nicht so gut klappen.

Viele Grüße
Michael

PS. : Ob jetzt der Heritage oder der Messier ... das Auskühlen ist, finde ich, kein echtes Problem. Und das justieren ist ja nun auch kein Hexenwerk und gehört zur Optik nun mal dazu. Es bedeutet ja auch, sich mit dem Teleskop und seiner Funktionsweise zu beschäftigen. Ich sehe darin eher einen zusätzlichen Lerneffekt.
 
Oben