Re: Teleskope koppeln ?
Hallo,
eine gegebene Öffnung, ob aus einem oder mehreren Spiegeln zusammengesetzt, erreicht nur dann die durch die Wellennatur des Lichts begrenzte Auflösung, wenn alle Teile der eintreffenden Wellenfront phasenrichtig überlagert werden. Hierfür braucht man nicht nur auf Bruchteile der Wellenlänge genaue Spiegel, sondern auch ein optimales Seeing.
Seeing-Effekte, die die Wellenfront stören, ergeben für zwei getrennte Teleskope unterschiedliche Phasen. Dies kann bei größeren Öffnungen (oder mehreren Öffnungen, oder Segementspiegeln) durch aktive Nachregelung der Spiegeloberfläche(n) bis zu einem gewissen Grad gegenkompensiert werden. Stichwort: Adaptive Optik.
Will man zwei Teleskope interferometrisch koppeln, gilt dasselbe. Man muß sicherstellen, daß die Wellen phasenrichtig überlagert werden. (Phasen: wann treffen zueinandergehörende Wellenberge bei den jeweiligen Teleskopen ein). Beide Teleskope benötigen also eine adaptive Optik, die synchron geregelt wird, um sicherzustellen, daß zugehörige Phasen überlagert werden, da die Interferenzeffekte sonst verschwinden, auf denen die Interferometrie aufbaut. Hinzu kommt das Problem, daß nicht "nur" die Spiegeloberflächen jeweils auf Bruchteile der Wellenlänge genau stimmen müssen, sondern auch die Verbindungsstrecke zwischen den Teleskopen muß auf Bruchteile der Wellenlänge genau geregelt sein. Man braucht evakuierte Lichtstrecken und völlig erschütterungsfreie Aufbauten - wie bei der Holografie. Ich denke, das erklärt die Schwierigkeiten, und warum man gerade erst anfängt, das Problem bei Großforschungseinrichtungen lösen zu können.
Bei der Radioastronomie ist es anders, da bei Radiowellen die Phaseninformation der Wellen, zusammen mit dem Signal einer ultrapräzisen Uhr, direkt mit aufgezeichnet werden kann, zudem gibt es wohl kein Seeing-Problem. Die Wellenlängen sind "riesig". Nur eine Frequenz, mitsamt Phaseninformation. Dann kann man die aufgezeichneten Signale hinterher rechnerisch im Computer überlagern bzw. auch über die Erde verstreute Radioteleskope zusammenschalten, auch im "Nachhinein".
Sichtbares weißtes Licht hat eine ungeheure Frequenz (100 Terahertz) und ist auch noch ein Gemisch extrem vieler Wellenlängen. Photosensoren messen niemals die Phase, ausgeschlossen, sondern nur die integrierte Intensität. Daher ist es nix mit "digital".
Ich hoffe, ich konnte die Schwierigkeiten verdeutlichen - wenn nicht, kann ich gerne weiter ins Detail gehen.
Gruß
Moriarty