Teleskopkauf - Bitte um Rat

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mi4999

Neues Mitglied
Ein schönes neues Jahr zunächst an alle hier im Forum,

ich bin neu hier (überhaupt neu in Foren) und hoffe, nicht gleich in alle Fettnäpfchen zu treten, z.B. indem ich
diesen Thread hier starte ...

Ich (53) versuche mal, möglichst umfassend meine Situation zu schildern, wem es zu lang wird, den bitte ich im Voraus um Entschuldigung!

Also: Ich interessiere mich seit früher Kindheit für Astronomie (zittriges Fernglas zum Himmel), allerdings
hat es nie zu einem Teleskop gereicht (früher war's Geldmangel, im Mittelteil Beruf, Kinder, ...);
das soll sich jetzt ändern und so spare und studiere ich seit einigen Monaten meine Möglichkeiten,
dummerweise offenbar sehr ängstlich, mein Optimum zu verpassen.

Meine Bedürfnisse liegen (glaube ich) im Wesentlichen auf folgenden Kriterien (allerdings lerne ich noch, d.h. ich habe ein bewegliches Ziel):

1. Portabilität (Volumen, Gewicht),
2. Unkomplizierter Einsatz (spontane Beobachtung sollte immer möglich sein, visuelle Beobachtung ist mir einziges Ziel),
3. Goto oder Zielführung (z.B. Orion Intelliscope) wäre m.E. sehr HILFreich, zusammen mit Sternkarte sehr LEHRreich,
4. Leistungsfähigkeit (neben Mond und Planeten würde ich gerne z.B. Messier-Objekte nicht nur erahnen - dabei ist mir schon klar, dass ich keine Fotos erwarten kann),
5. Sympathie für das Teleskop (ich muss es gestehen, das IST für mich ein Kriterium).

Randbedingung: Mein Garten ist in einer ziemlich lichtverschmutzten Gegend (10 km von der BASF), mit dem Auto braucht es ca. 30 km, bis
die Lage etwas besser wird.

Der 2. und 5. Punkt (Sympathie) brachte mich sofort in einen Dobsonhype, der erst nachließ, als mir klar wurde, wie groß die Röhren und Rockerboxen so sind.
Hoffnung keimte wieder auf, als ich das Hofheim-Dobson und ähnliche Gitterrohr-Konstruktionen (z.B. von Martini) sah. Insbesondere die dort gezeigten
Rockerboxen (leicht, flach) fand ich total edel.
Allerdings: Die Teile scheinen sich nicht mit meinem Hauptbeobachtungsort (lichtverseuchter Garten) zu vertragen. Von dort sehe ich nur toll Mond und Planeten.

Zwischenzeitlich dachte ich, es müsste sowas geben wie ein baulängenverkürztes Newton auf Dobson-Montierung, habe aber nichts gefunden.

Mittlerweile schleiche ich innerlich um sowas wie Nexstar 5 SE herum (das beschreibt auch meinen momentanen finanziellen Rahmen),
insbesondere die total kompakte und überaus einfach aufzubauende Montierung (auch die Goto-Funktionalität) haben
es mir schwer angetan, nicht aber die Tatsache, dass das Gerät ausschließlich mit Motor zu bewegen ist.
Viele viele positive Testberichte habe ich gelesen, bis die kam, in der - sinngemäß - folgendes stand:
"Das Goto funktioniert sehr gut und ist trotzdem nichts Wert, denn alles, was man wirklich sehen kann, sind doch nur Mond und Planeten. Wer was davon haben will, sollte mit 8 Zoll starten".
Klar: Für Venus, Mars, Jupiter und Saturn braucht es kein Goto.

Tja, und jetzt stehe ich da und überlege, ob ich wohl noch weiter sparen sollte (z.B. für ein NexStar 8).

In banger Erwartung Eurer Ratschläge verbleibe ich mit besten Grüßen,

Michael.








 
Hallo Michael,

irgendwie ist das Universum leider so gebaut, dass 8" gewissermaßen eine Tür aufstoßen. Trotzdem ist es nicht so, dass man nicht mit einem C5 oder einem C6 keine Deepsky-Objekte beobachten könnte.
Der 8-Zöller hat einfach ein paar Reserven, die man ganz gut ausnutzen kann. Genügend Licht für den Einsatz eines OIII-Filters gegen das Stadtlicht, genügend Auflösung um Kugelsternhaufen schön zu erleben (da stört aber das Stadtlicht wieder), genügend Lichtsammelleistung um viele Deepsky-Objekte dank ausreichend Vergrößerung mit inneren Strukturen sehen zu können.
Blos... bleibt halt der Preis.
Um 8" Öffnung in 1000 Euro unterzubringen, ist eine SC-Optik schlicht zu teuer (außer man erwischt eines günstig gebraucht, das geht nämlich in der Gegend durchaus). Deutlicher günstiger wäre ein Newton. Um bei Celestron zu bleiben, da gibt es das C8N AS-GT. Da wären die 8" Öffnung, da wäre Goto. Da wäre aber auch der Fakt, dass man an f/5 nicht mehr bedenkenlos jedes Okular verwenden kann. Insbesondere beim Thema Übersichtsokular kann das schnell ins Geld gehen, und... Thema Geld: Wie sieht die Kalkulation denn überhaupt aus, mit der Teleskopanschaffung ist die Sache ja noch nicht zu Ende. Was ist denn mit Okularen? Das mitgelieferte Alibi-Okular wird's nicht besonders bringen...

Da muss man sich nun auch die Frage stellen, was einem denn das Goto so wert ist. Reißt man das Goto vom AS-GT herunter, bleibt da meines Wissens eine ADM stehen, und das Paket kostet mal eben nur noch grob die Hälfte. Schon wäre Budget für Okulare und Zubehör da.
Jetzt aber noch was: Egal ob ADM oder Advanced GT oder NexStar SE - mit 8" drauf ist das aufgebaut genauso groß wie ein 8" Dobson. Nur komfortabler.
Siehe hier: http://www.taunus-astronomie.de/art_scopes.html

So ein Hofheim-Dobson, tja, drastisch kleiner ist der 8" f/4 natürlich, aber der will dann bei jeder Okularbrennweite teuer bestückt sein, das ist der Preis für f/4. Und außerdem, so ein Reisedobson kann einem bei niedrig stehenden Objekten schnell mal zu niedrig sitzen. Wenn man vor Lauter Verkrümmung auf dem Hocker keine Luft mehr bekommt, geht der Beobachtungsspaß wohl auch verloren, und immer eine Bierkiste als Sockel für den Dobson mitschleppen trifft wohl nicht ganz den Sinn der Sache.

Im Prinzip und ganz banal geschildert hast Du das Problem, dass sich Deine Größenvorstellung und Deine Anforderung an die Teleskopöffnung wohl nicht vertragen. Meiner Meinung nach tun sie das auch bei einem C5 noch nicht, denn mit Montierung drunter ist der auch ausladend.
Deepsky aus der Stadt ist ohnehin nicht die beste Idee, so dass man sich viel lieber fragen sollte, mit welchem Teleskop man die nötigen 30 bis 50 Kilometer abreißt, um in eine dunkle Gegend zu kommen.
Trotzdem ein paar Hinweise für die Möglichkeiten ohne Auto: http://www.svenwienstein.de/HTML/stadtastronomie.html

Wahrscheinlich musst Du Deine Anforderungen umstellen.

Clear Skies
Sven
 
Zitat von mi4999:
Ein schönes neues Jahr zunächst an alle hier im Forum,
Dito...

Was heißt Portabilität? Auto? Fahrrad? Schubkarre? *g* Mit einem Auto lässt sich ein 8" f/6 oder 10"/f5 selbst in den meisten Kleinwagen locker auf der Rückbank transportieren. Die Montierung muss dann in den Kofferraum (oder - wenn es eine Rockerbox ist - auf den Beifahrersitz).

2. Unkomplizierter Einsatz (spontane Beobachtung sollte immer möglich sein, visuelle Beobachtung ist mir einziges Ziel),
Das riecht nach Dobson *g*

3. Goto oder Zielführung (z.B. Orion Intelliscope) wäre m.E. sehr HILFreich, zusammen mit Sternkarte sehr LEHRreich,
Faulpelz *grins* Es gibt ausreichend kostenloses Material im Internet um auch super ohne Goto leben zu können. Auch als Einsteiger. Goto ist natürlich bequem. Sehr bequem. Unter Umständen aber auch enttäuschend, wenn man 90% der gespeicherten Objekte nicht sieht, weil der Himmel zu hell, das Instrument zu klein oder die Beobachtungserfahrung zu gering ist... Und Goto ist halt teuer. Wie Sven schon schrieb: Das Geld für's Goto kann man auch wunderbar in Okulare investieren.

4. Leistungsfähigkeit (neben Mond und Planeten würde ich gerne z.B. Messier-Objekte nicht nur erahnen - dabei ist mir schon klar, dass ich keine Fotos erwarten kann),
Leistungsfähigkeit für Mond/Planeten ist eine Frage der Okulare. Passende Brennweiten, fein abgestuft in der Nähe der Maximalvergrößerung des Teleskops machen da Sinn. Das geht ins Geld. Besonders, wenn das Teleskop f/5 oder f/4 hat. DeepSky ist eine Frage des Anspruchs und der Himmelsqualität. Viele Sternhaufen sind auch unter Stadthimmel unproblematisch. Sehr helle Nebel gehen auch - teilweise mit Filter (Filter kosten aber auch wieder ne Stange Geld...). So richtig Spaß macht das aber nicht. Ich komme gerade von der Terrasse (Ostseite) und habe es heute endlich geschafft NGC2392, den Eskimonebel, visuell aufzuspüren. Bei einer visuellen Grenzgröße von ca. 4,5 (heul) und schlecht adaptierten Augen (zu viel Weihnachtsbeleuchtung in der Nachbarschaft...). Ich konnte - auch mit OIII - im 10er Dobson nur den Kernbereich sehen. Wirklich unbefriedigend. M42 geht natürlich... Aber auch hier kein Vergleich zu dunklerem Himmel.

5. Sympathie für das Teleskop (ich muss es gestehen, das IST für mich ein Kriterium).
Man kann seinen Newton-Tubus auch beim lokalen Spraykünstler mittels Airbrush "tunen" lassen *g* Oder in einer KFZ-Lackiererei mit netten Mettalicverläufen aufpeppen lassen... Sowas steigert bei Manchen den Sympathiewert enorm...

Randbedingung: Mein Garten ist in einer ziemlich lichtverschmutzten Gegend (10 km von der BASF), mit dem Auto braucht es ca. 30 km, bis
die Lage etwas besser wird.
Ich brauche ca. 50 km um wenigstens auf ca. Mag 5.5 Grenzgröße zu kommen. Was immer noch mies ist, aber immerhin eine gigantische Steigerung zur Terrasse.

Der 2. und 5. Punkt (Sympathie) brachte mich sofort in einen Dobsonhype, der erst nachließ, als mir klar wurde, wie groß die Röhren und Rockerboxen so sind.
Hoffnung keimte wieder auf, als ich das Hofheim-Dobson und ähnliche Gitterrohr-Konstruktionen (z.B. von Martini) sah. Insbesondere die dort gezeigten
Rockerboxen (leicht, flach) fand ich total edel.
Allerdings: Die Teile scheinen sich nicht mit meinem Hauptbeobachtungsort (lichtverseuchter Garten) zu vertragen. Von dort sehe ich nur toll Mond und Planeten.
Dobson verträgt sich mit der Lichtverschmutzung genau so gut oder schlecht wie jedes andere Teleskop. Für DeepSky ist in erster Linie der Kontrast zwischen Himmel und Objekt wichtig (nur bei sehr kleinen Objekten - meist galaktische Nebel oder kleine Galaxien spielt auch die mögliche Vergrößerung eine Rolle). Und diesen Kontrast kann leider kein Teleskop der Welt verbessern. Bei ausreichend Öffnung kann man bei einigen Objekten immerhin mit Nebelfiltern nachhelfen. Die bringen aber weniger als ein dunklerer Himmel...

Zwischenzeitlich dachte ich, es müsste sowas geben wie ein baulängenverkürztes Newton auf Dobson-Montierung, habe aber nichts gefunden.
Doch, sowas gibt es... Hat aber alles auch Nachteile (schwierige Justage, komplexere Optik mit der "Chance" auf mehr Fehler, höherer Preis...).

Mittlerweile schleiche ich innerlich um sowas wie Nexstar 5 SE herum (das beschreibt auch meinen momentanen
Jo - das sind so Geräte...

"Das Goto funktioniert sehr gut und ist trotzdem nichts Wert, denn alles, was man wirklich sehen kann, sind doch nur Mond und Planeten. Wer was davon haben will, sollte mit 8 Zoll starten".
Stimmt und stimmt nicht. Wie gesagt: Auch 20 Zoll holen keine dunklen Nebel aus hellem Himmel heraus.

Tja, und jetzt stehe ich da und überlege, ob ich wohl noch weiter sparen sollte (z.B. für ein NexStar 8).
So richtig handlich ist ein NexStar 8 SE auch nicht mehr, oder? OK - die Dinger sind "elegant" und haben ein unkritisches Öffnungsverhältnis im Bezug auf die Okulare. Mit f/10 sind sie aber auch nicht so universell wie ein f/6 Newton, der ein fast doppelt so großes Gesichtsfeld bietet. Sowas macht sich an großen Objekten (M42, M31, Cirrus-Nebel etc.) deutlich bemerkbar.

Wo kommst Du überhaupt her? Es gibt fast in ganz Deutschland nette Amateurastronomen bei denen Du mal mitspechteln kannst um einen Eindruck davon zu bekommen, was man mit welchen Geräten sieht und wie die Handhabung so ist. Da solltest Du dringend versuchen einen Kontakt zu finden.

Wichtig ist auch, dass Du Dein Budget nicht komplett für das Teleskop verbrätst. Okulare kosten Geld. Brauchbare Okulare bekommt man ab ca. 40,- € (die berühmten Goldkanten). 2 Zoll Okulare längerer Brennweiten liegen um die 100,- €. Nach oben gibt es dabei kaum Grenzen... Sehr gute Okulare kosten gerne mal über 500,- €. Pro Stück wohlgemerkt... Und wenn man sowohl Mond und Planeten als auch DeepSky beobachten will, dann kommen schnell 4 Okulare zusammen. Mindestens...

Filter kosten auch. Meist so in der Gegend von 100,- € pro Stück. Breitbandfilter, UHC und OIII machen ab 8 Zoll irgendwie alle Sinn... Dazu vielleicht noch ein variables Polfilter für Planeten in der Gegend von 70 €.

Dann noch etwas "Kleinkram": Rotlichtlampe und etwas Literatur, Beobachtungsstuhl, Stromversorgung (Batterien machen auf Dauer keinen Spaß).

Du siehst: Alleine für das Zubehör kannst Du locker und ohne Probleme dein halbes Budget ausgeben und bekommst dafür "nur" eine sehr brauchbare Ausstattung.

So gesehen liegt Dein Budget für das eigentliche Teleskop bei ca. 500,- €. Dafür bekommt man einen 10 Zoll f/5 Dobson (bei dem die Okulare schon öfter ihre Schwächen zeigen). Oder einen 8" f/6 mit dem gängige Okulare mittlerer Preisklassen gut funktionieren. So einen Dobson sollte man dann noch etwas optimieren (Teflon & Ebonystar, ggf. Tubusauskleidung, Telrad).

Für etwas mehr Euros bekommt man auch einen 8" f/6 Dobson mit digitalen Teilkreisen (Intelli Scope 8). Das ist zwar kein Goto, aber eine Art "Navigationssystem" am Himmel. Hat nur das Problem, dass die Handsteuerbox in "bösen Farben" leuchtet (grün...). Mit Sparsamkeit bei den Okularen passt das vielleicht gerade noch so ins Budget. Es gibt auch andere digitale Teilkreise mit denen man beliebige Dobsons später nachrüsten kann (teuer...).

Wichtig ist allerdings in jedem Fall zu klären, ob Du mit einem Dobson klar kommst oder ob Du unbedingt eine paralaktische Montierung brauchst. Hängt ein wenig vom persönlichen Geschmack und von der eigenen Fein- bzw. Grobmotorik ab...

Ciao, Udo
 
Hallo Michael,

einiges wurde ja schon geschrieben und vorgeschlagen. Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Trotzdem mal zu meinem Equipment und dem "warum":

Lange Zeit war das SC von Meade mein Hauptinstrument, damals der 8" auf Gabelmontierung. Ein ganz schön dicker Brocken, nocht mehr ganz einfach zum Transport, aber schön, da mit s.g. digitalen Teilkreisen versehen. Dann kam der Große, o.k. der ist nicht mehr transportabel, steht in der Sternwarte.

Dann kamen die Dobsons, allen voran der 8" f6, das mittlerweile meistgenutzte Gerät. Rein ins Auto auf den Rücksitz, angeschnallt (!) und die Rockerbox in den Kofferraum und das Teil ist überall dabei. Hinzu kam noch der Argo-Navis, also auch digitale Teilkreise. Einmal an 2 Sternen synchronisiert und man findet alles Begehrbare in weniger als einer Minute. Alles was ich dazu brauche, sind Ersatzakkus für den Argo-Navis, der nicht "aufträgt", sondern den Dobson so beläßt wie er ist.

Mit einer anderen Montierung als der Rockerbox schleppst Du halt immer das massive Stativ und eine Menge Kabel- und Batteriekram mit Dir herum. Manche freut das (macht was her...), andere ärgern sich auf dem Beobachtungsplatz schon über ein Kabel, über das man stolpern kann.

Idealerweise solltest Du so vorgehen: in Mannheim Ludwigshafen gibt es eine Menge Leute, die beobachten. Einfach mal unter Treffpunkt hier in den Foren einen Aufruf starten, wo Du Leute finden kannst, mit denen Du beobachten kannst. Die kennen gute Stellen in der Pfalz, wo sie beobachten. Da kannst Du die verschiedensten Teleskope testen und durchschauen. - Erst dann würde ich über das endgültige Teleskop nachdenken.

Mein Tip wäre ein Dobson 8" f6 mit digitalen Teilkreisen, eine drehbare Sternkarte (Oculum-Verlag) und den Karkoschka oder den Deep-Sky-Reiseatlas (Oculum-Verlag).

10" f5 wäre schon okularkritisch und Du bräuchtest erheblich teurere Okulare dazu, was schon geschrieben wurde.

CS
Winfried
 
Hallo und guten Mittag,

Dich bewegen Fragen die ich als hauptsächlicher Balkonbeobachter sehr gut nachvollziehen kann: deswegen habe ich mir gebraucht ein Nexstar C5 besorgt. Allerdings leider kein SE mit einer abnehmbaren Optik, sondern eins der ersten N5i (hat aber auch nur 400 Euro gekostet). Die Optik ist wie bei C5 üblich, sehr gut. In dem Gedanken, wenn das Goto nix taugt, die Optik abzunehmen und mit einer anderen Montierung zu verwenden, habe ich dann zugeschlagen. Mit dem Vixen P90 Stativ und der Baader Flanschplatte ist die gesamte Konstruktion "winzig" (relativ!). Es steht im Wohnzimmer in einer Ecke und ist in einer Minute auf den Balkon gestellt. Dort kann ich es dann auch mit Strom versorgen. Astroplanner (eine Software) kann das N5 auch ansteuern (geht nur leider bei meiner Uralt Version nicht), so dass ich meine Beobachtungspläne automatisiere. Mein Ziel ist es, vom Wohnzimmer aus sowohl die Objekte anzusteuern, als auch die Ergebnisse auf dem Monitor per Webcam zu betrachten, bzw. aufzuzeichnen. Aber die Praxis beschränkt sich noch auf rein visuelle Beobachtungen. Ich werde mal mit Baader sprechen, was sich da machen lässt (neuer Handcontroller oder so).

Für das Goto habe ich mich entschieden, weil der Balkon zum einen eine sehr eingeschränkte Perspektive hat, und bedingt durch den hellen Himmel nur wenig Objekte direkt erreichbar und erkennbar scheinen. Wenn (also wenn!) die SE Montierung richtig eingestellt ist und das System auch funktioniert, dann ist ein N5 Goto für solche Rahmenbedingungen sicherlich eine der besten Lösungen.

Zum Thema C8: ich hatte einst ein C8 auf einer SPDX Montierung. Ich ärgere mich heute noch, dass ich es verkauft habe, obwohl ich mit den 8" selten so gute Sichtbedingungen an meinen üblichen stadtgelegenen Beobachtungsstandpunkten hatte, dass ich die Öffnung tatsächlich auch ausnutzen konnte. Diese Erfahrungen hatten mich dann, nach dem Verkauf, bewogen mir eine Öffnung zuzulegen, die "Sinn macht". Ich fing dann wieder mit einem 90er Refraktor an. Tatsächlich aber habe ich zum ersten Mal richtige Details des Mars mit einem Maksutov Newton 58 (was ich nun auch noch besitze) erkennen können. Dies aber vor allem, weil die parallaktische Montierung so "ruhige" Beobachtung zulässt, so dass man eben auch richtig lange mit den Augen beobachten kann. Hierfür benötige ich ein 5mm Okular (TMB) und bei der Vergrößerung muss die Nachführung schon richtig gut sein, damit man nicht ständig korrigieren muss.

Und _das_ funktioniert mit dem N5 was ich habe (Achtung: ich habe aber keine SE, die soll ja richtig funktionieren) nicht so befriedigend.

Also zusammengefasst: Ich würde mir ein C5 SE Nexstar zulegen wenn mir das C8 zu teuer wäre und meine Zeit für die Astronomie nur beschränkt ist. Die Optik ist über jeden Zweifel erhaben und kann variabel weiterverwendet werden. Als Montierung lässt die SE sicherlich erstmal genügend Spielraum zu, um herauszufinden, ob damit Goto zufriedenstellend ist oder nicht (es gibt ja eine Menge von Alignment-Methoden, die man anwenden kann). Hätte ich das Geld für ein C8 Nexstar, würde ich eher in ein C9 mit alternativer Montierung (gerne auch nicht Goto) investieren, da das Gerät optisch besser als das C8 ist.

Kleiner Tipp: die Herren von Fernrohrland in Fellbach haben sicherlich einige alternative Geräte auf Lager, die man mal aktiv anfragen könnte. Hier lässt sich sicherlich das eine oder andere Schnäppchen machen (besagtes N5 habe ich vom Fernrohrland).
 
Hallo Michael,

im angedachten Finanzrahmen und unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen sehe ich einen 8" F/6 Newton/Dobson als das Gerät der Wahl an, wenn Du Dich mit der handnachführung anfreunden kannst und dies gilt es vorab in der Praxis zu klären, es wurde schon angesprochen, dass es in -für Dich-erreichbarer Umgebung eine Anzahl von Strnenfreunden gibt.

Für diesen Fall wäre dann der Weg zu 8" Öffnung geebnet ohne gleich zu Beginn das volle Budget in ein Teleskop mit unzureichender Minimalausstattung zu versenken.
Auch einen Dobson kann man über Dobdrive oder EQ-Plattform motorisieren und/oder über digitale Teilkreise mit GoTo ausstatten, die "Intellis" von Orion sind ein Schritt in diese Richtung.
Unter sehr aufgehelltem Himmel sind solche Hilfen sicher sinnvoll, gerade zu Anfang erleichtern sie Erfolge. Günstiger, aber auch mit höheren Anforderungen an Dich verbunden wäre es, einen Dobson mit optischem Winkelsucher plus Telrad/Riegl-Quickfinder auszustatten und unter Einsatz von guten Kartenausdrucken mit der für das jeweilige Hilfsmittel entsprechenden Stermngrenzgröße und den aufzusuchenden Objekten den Himmel kennen und die Objekte suchen zu lernen. Es gibt schon Objekte genug die sich so unter 4-5 Mag Himmel leicht finden lassen und mit der Übung steigen auch Deine Fähigkeiten.
Jedenfalls kannst Du Dir auf diese Weise Objekte erarbeiten die Dir ein 5-Zöller mit GoTo unter Deinen Bedingungen nicht zeigen kann und alle Objekte werden vom höheren Auflösungsvermögen des 8-Zöllers profitieren.
M.E. sind Empfehlungen unter aufgehelltem Himmel auf kleinere Öffnung und/oder sehr langbrennweitige Systeme, (F/ F/8, F/10 und kleiner) zu setzen irreführend. Man kann zwar unter solchen Bedingungen 7 mm AP (also quasi die hellste und kleinste mögliche Abbildung von Objekten) nur mit Nebelfilter und an entsprechenden Objekten (Gas-/Emmissionsnebel) sinnvoll nutzen aber warum man darauf, ohne Not und durch die Gerätewahl bereits festgelegt, verzichten soll ist mir rätselhaft.

Ein F/6 Newton bietet die Möglichkeit, mit moderaten Okularen Gesichtsfelder bis 2" bei den Beobachtungsbedingungen Angepasster Minimalvergrößerung ebenso zu erreichen, wie die öffnungsbedingte Maximalvergrößerung wenn sie durch das Seeing zugelassen wird.
8" Öffnung stoßen, da schließe ich mich voll und ganz Sven an, zu fielen Objekten eine Tür auf.

Die Erörterung weiteren Zubehörs ist nur sinnvoll, wen eine Öffnungs- und Systementscheidung und auch der Preis dafür vorliegt.
Sowohl Okulare als auch Filter sind entscheidend von Restbudget, von der Öffnung und der Brennweite des gewählten Teleskops abhängig.
Kleiner Hinweis am Rande: Mein 8" F/6 Dobson hat 300 € verschlungen. Der Zubehörkoffer das Vierfache und nichts ist vom Feinsten, nichts ist unbrauchber, auf nichts davon wollte ich verzichten.

CS
*entfernt*

Nachtrag: So ein Dobson "von der Stange" bietet große Öffnung für kleines Geld. damit ist auch verbunden, dass nicht alles optimal gelöst ist. Die Geräte bieten erhebliches Tuningpotenzial in Nachführung und Optik (Streulichtschutz pp). Da sparen halbwegs geschickte Hände viel Geld und bringen viel vorhandenes Potenzial ans Sternenlicht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Noch ein Nachtrag zu den digitalen Teilkreisen und was (oft) damit beworben wird:

Einige Geräte werden, als 4-5" Geräte, mit digitalen Teilkreisen und "..12.000 gespeicherten Objekten und mehr..." beworben. Doch was nutzt diese große Datenmenge, wenn man die entsprechenden Objekte trotz Teilkreisen nicht findet, weil das Teleskop sie nicht auflösen kann?

Genau dies meinen wir, wenn wir sagen, 8" eröffnet dem Beobachter erst den ganzen Himmel.

Ganz am Anfang ist man sicherlich schon froh, neben Mond und einigen Planeten schon mal ein richtiges DeepSky Objekt zu sehen. Doch schon bald wünscht man sich mehr, möchte auch Details im Orion sehen, möchte einen Kugelsternhaufen nicht als verwaschenen Fleck, leicht aufgelöst in ein paar Einzelsterne, sondern richtig groß und voll aufgelöst sehen. Das geht aber so richtig erst ab 8" Öffnung.

Dies nur nebenbei zur Erörterung.

CS
Winfried
 
Also zu allererst:

Ich freue mich SEHR, dass Ihr Euch so viel Mühe mit mir gebt - Eure Hilfsbereitschaft und die Intensität, mit der Ihr auf mich eingeht ist einfach Klasse!

Ihr habt mir viel geschrieben, das verdaut sein will, bevor ich einen Haufen Blödsinn nachfrage ...

Gute Sicht Euch allen, bis bald,

Michael.
 
Hallo an alle,

ich will mal zusammenfassen, was ich so verstanden habe
(die Reihenfolge soll keine Rangfolge sein):

L1. Der Teleskopkauf sollte das Budget (evtl. bei weitem) nicht ausschöpfen
(Okulare, Filter, sonst. Zubehör)

L2. 8 Zoll Öffnung sind erstrebenswert
(Reserve wg. Filtereinsatz in der Stadt, pot. höhere Auflösung, mehr Licht bei besserem Himmel)

L3. Hohe Portabilität ist mit 8 Zoll nicht wirklich zu haben
(aber 8 Zoll können mehr und weniger transportabel sein)

L4. Navigationshilfe (Goto oder Manuell) ist sinnvoll
(bei Faulheit *g*, bei hellem Himmel)
Übrigens: Ich danke Euch, dass Ihr mich dafür nicht zerrissen habt!

L5. Probeschauen bei netten Leuten ist sehr anzuraten
(insbesondere wg. Entscheidung für/gegen Dobson bzw. Handnachführung)

L6. f/6 = bestes Allroundverhältnis
(weniger = hohe Okularkosten, mehr = kleines Gesichtsfeld)

L7. Dobson-Montierung erleichtert den spontanen Einsatz

L8. Stadtastronomie hat auch ihre Reize.


Ich danke Euch noch einmal herzlich für Eure Mühe. Wie angedroht bleiben Fragen.

Zuerst noch ein paar Gedanken von mir, ganz egoistisch noch einmal zu meinen Bedürfnissen/Randbedingungen:

B1: Portabilität:
-1 keine zu schweren Einzelteile (ich habe ein schwaches Kreuz)
-2 keine zu großen Volumina (Urlaubsgepäck für die Familie muss manchmal halt noch mit in's Auto)

B2: Unkomplizierter Einsatz:
Spontane Entschlüsse sollten möglich sein ("ach, was für ein schöner Himmel heute Abend, nichts wie 'raus ...").
Ich bin so eine verzagte Natur, dass ich in solchen Momenten wahrscheinlich vor allzu viel Mühe zurückschrecke. Schade um die Gelegenheiten.

Was B2 bedeutet, wurde mir erst mit Svens Vorschlag "C8N AS-GT" (also Newton - mit Einschränkung f/5 -
und Goto auf parallaktischer Montierung als sehr viel günstigerer Lösung im Vergleich zu NexStar 8 SE) sowie den Ausführungen von Ollie so richtig klar:

Die NexStar-Teile haben (bitte um Verzeihung an alle Dobsonauten) etwas (für mich!) sehr Positives mit Dobsons gemeinsam:

--- Eine azimutale Montierung, die man dennoch gut nachführen kann! ---

Also bei Dobsons die Verstellung in einem (geschickten) Zug über beide Achsen, bei den NexStars (hoffentlich?) die künstliche Intelligenz
(ok, NexStar braucht eine Align-Prozedur, Dobsons mit dig. Navigationshilfen aber auch).

*** Meine Frage 1: Liege ich damit richtig, dass eine AS-GT-Montierung trotz Goto eine Ausrichtung der Polachse benötigt?

B1 scheint mir darauf hinaus zu laufen (immer mit dem Ziel 8 Zoll), dass die Wahl zwischen
- einem SC-System wie NexStar 8 (klar, Nachteil f/10 (-), immer elektrisch (-)) und
- einem Leichtbau-Dobson (manchmal f/4 (--), oft f/5 (-), manchmal f/6 (+))
ansteht.
Denn:
- In beiden Fällen entfällt ein sehr langer Tubus,
- Nexstar geht auch mal ohne Dreibein auf dem Gartentisch,
- Gitterrohr-Dobsons brauchen offenbar aus Schwerpunkt-Gründen auch keine hohe und schwere Rockerbox.

So, da habe ich jetzt den Salat. Beide Möglichkeiten haben eines gemeinsam: Sie sind teuer.
Insbesondere, wenn ich bei Leichtbau-Dobsons an dig. Teilkreise denke.

*** Meine Frage 2: Habe ich etwas übersehen?

Wenn Nein, was folgt daraus?
Ihr habt mich eindringlich (s. L1) davor gewarnt, beim Budget nur an das Teleskop zu denken, nach dem Motto

"Das Teleskop ist nicht alles!"

Ihr habt da unbedingt Recht und Ihr handelt sehr verantwortungsvoll, wenn Ihr mich darauf aufmerksam macht.
Dennoch werfe ich jetzt mal (ich lerne schwer) ein provokantes

"Aber es ist alles nichts ohne das Teleskop!"

in die Runde und gebe zu bedenken, dass kein Hobby mit der Gesamtausstattung beginnt.
Die meisten Modelleisenbahner starten mit dem Grundkasten, der nicht sehr lange befriedigt, der aber eine wesentliche Bedingung hat:
Man muss sinnvoll darauf aufbauen können.

Bitte versteht mich: Meine Frage entsteht aus der ANGST, dass ich meine eigentlichen Bedürfnisse vergesse, um nur ja schnell zu starten
(ich kann Fehlkäufe GANZ SCHLECHT wieder loswerden - ich weiß nicht warum).
Die Frage hat die Hoffnung in sich, dass es eine Grundausstattung gibt, mit der man zwar nicht auf Dauer leben, aber mit der man
sinnvoll anfangen kann; vielleicht ist meine Familie ja froh, wenn es in Zukunft sinnvolle Weihnachtsgeschenke für mich gibt?

*** Daher meine Frage 3:
Also gesetzt den Fall, ich sammle erst Erfahrung bei netten Menschen (z.B. zur Klärung der Frage: "Bin ich Dobson-geschickt, ja oder nein?"),
spare noch ein wenig und habe, sagen wir 2000 Euro für den Ersteinsatz.

Gesetzt weiter den Fall, dafür gingen 1800 Euro auf das Teleskop, etwa
-- Baader-Angebot, SE 8 für 1795.- ein Okular 25 mm dabei, oder
-- Gitterrohr-Dobson (leichter als Meade, insb. kleinere Rockerbox) + dig. Teilkreise (noch unklar woher).

Wäre das völliger Blödsinn?

Oder gibt es für 200 Euro (in der Größenordnung) einen noch sinnvollen, minimalen "Grundkasten" an Zubehör, mit dem man starten kann,
eine ganze Zeit getragen von dem (verzeiht den Pathos) noch frischen Wow! des Himmels?

Gute Sicht,

Michael.
 
Hallo Michael,

"Aber es ist alles nichts ohne das Teleskop!"
ist kongruent mit dem Satz: Es alles nichts ohne passendes Zubehör....

Du kannst Niederquerschnittreifen für den Golf kaufen, der fährt damit nicht schneller. Oder Stollenreifen fürs Gelände für den Porsche. - Beides nix!, denn alles muß zusammen passen.

Ausgehend von 2000 Euro bekämst Du das, was ich lange Zeit als Wunschtraum hatte und nun besitze:
Einen Dobson mit digitalen Teilkreisen und schönen Okularen!

Gehen wir beispielhaft vom 8" f6 als Dobson in der Grundausstattung aus; hier mein Beispiel, da ich es habe und die Preise dazu kenne:

- Galaxy D8-CR + 32mm + 9mm +Justieroku + 8x50 Sucher = 349.-
- Argo-Navis, Digitalkreise (Luxusausführung) = 850.-
- 2" 30 oder 40 mm Übersichtsokular = 90 - 300.-
- Baader Hyperion 13mm mit 68 Grad Gesichtsfeld (125.-)
- Baader Hyperion 8mm mit 68 Grad Gesichtsfeld (125.-)
- Telrad-Sucher (ca. 50.-)
- ICS-O-III Filter in 2" (200.-)

Damit hättest Du eine ideale Grundausstattung, wobei Grund... schon ein wenig untertrieben wäre. Dazu brauchen jüngere schon einige Jahre, bis sie das zusammen hätten.

Die Okus habe ich mal gerade so ausgesucht, da ich sie kenne, aber da gibt es eine ganze Menge anderer, die auch sehr gut sind (Reese wird viel gelobt). Aber ich wollte hauptsächlich den Kostenfaktor dabei ausloten. Wie Du siehst, hast Du in der Dobsonausführung sogar noch Spiel. Beim SC hättest Du kaum noch spiel.

Beim Übersichtsokular könnte man natürlich auch gleich ein wirklich gutes nehmen, so das 35mm Panoptik, was natürlich preislich in einer anderen Liga spielt (449.-).

Dies aber alles nur mal vom Preis her hochgerechnet, andere werden, daher heißen sie auch anders, anderes sagen... (oder ggf. doch ähnliches, ein 5mm habe ich noch vergessen...)

Dazu noch die drehbare Sternkarte von Oculum-Verlag (15.-), den Deep-Sky-Reiseatlas (dito, 24.-), ein Klappstuhl und eine Rotlichtlampe und Du bist für die Nacht gerüstet.

CS
Winfried
 
Hallo und guten Abend,

also 2000 Euro für eine Grundausstattung klingt doch sehr gut! Bedenke bitte noch die Brennweite eines C8. Die SCT haben alle um die f/10. D.h. das C5 mit 125mm Öffnung hat auch "nur" 1.25m Brennweite. Damit bekommst Du mehr Feld, als mit dem C8 mit seinen 2.3m. Also wenn ich in Öffnung investierte, wäre eine größere Blende (wie bei dem 8" Dobsonbeispiel) sicherlich sinnvoller um "allgemeiner" zu bleiben. Natürlich kann man mit einem Reducer bei einem SCT die Brennweite auf f/6.3 oder weniger runterbekommen, aber dann hat man auch wieder mehr Bauteile in der Optik.

Nun, was halte ich persönlich aber für die wichtigsten Kriterien:

Zeit, Nutzbarkeit, Lokale Rahmenbedingungen;

Ich weiss, dass ich mir ein Dobson 8" nicht in mein Wohnzimmer stellen kann (aus diversen Gründen). Ein kleines C5 Nexstar stelle ich wenn ich will aufs Regal. Für mich ist es schon eine Erleichterung, wenn ich die Optik tatsächlich "griffbereit" habe und nicht erst in den Keller muss (was, wenn ich mal um 4 Uhr morgens aufwache und perfekten Himmel sehe: ich zieh meine warmen Klamotten an und stelle das Zeugs auf den Balkon. Bis der Kaffee durch ist, ist mein Fernglas schonmal startbereit. Das C5 ist so klein, dass es auch relativ schnell nutzbar ist. Und ich mache mir auch keine Sorgen ein C5 in einer wettersicheren Ecke des Balkons unter einem Wetterschutz stehen zu lassen um schnellstmöglich die besten Bedingungen zu haben.

Bei meinem C5 komme ich auch nicht auf die Idee es "verkaufen zu müssen, weil es jetzt schon ein halbes Jahr nur rumsteht". Bei einem Dobson wäre das der Fall (bei meinem damaligen C8 war es leider auch der Fall...leider leider);

Transportabel ist es auch. Ich hebe die etwa 9 Kilogramm mit einem Arm an der Montierung.

Es gibt ein Buch "Sternbeobachtungen in der Stadt" in dem die Situation der Stadtbeobachtung genauer beschrieben ist.

Wenn Du nur sporadisch mit dem Teleskop auf Achse gehst (ich habe dazu einfach zu wenig Zeit und brauche meinen Schlaf, ehrlich, kein Witz) dann ist ein Gerät was man unter diesen Umständen "ständig" nutzt (wie auf dem Balkon bei jeder guten Sicht abends im Winter oder morgens vor der Arbeit) einfach "das Gerät was übrig bleibt".

Selbst der 90er Refraktor mit der SkyView Montierung war mir dafür zu sperrig (man kann es kaum glauben). Ist aber wahr. Mit einem kurzbauenden Gerät sind eben auch mehr Gebiete auf einem Balkon optisch erreichbar, als mit längeren Geräten (Für einen Dobson hätte ich zwar Platz, aber der würde wohl nur in 45 Grad Altitude gedreht werden können. Das C5 (oder eben ein Nexstar C8) und der Einblick hinten am Gerät ermöglichen Beobachungen zwischen Horizont und ca 70 Grad Altitude. Ich kann also mit dieser Form von Teleskop am meisten anfangen. Manche Abende, wenn mir selbst das zu viel wird, dann bin ich froh, wenn ich nur mein 7x50 Fernglas aufs Fotostativ stellen kann und wenigstens damit ein wenig beobachte (vielleicht eine dreivierten Stunde). Immerhin etwas...

Es ist keine leichte Entscheidung, das weiss ich, und sicher jeder hier im Forum!

Abschliessend aber noch etwas: ich behaupte einfach mal, dass bedingt durch die oben genannten Zusammenhänge größere Öffnung sicherlich immer den Vorteil hat, dass "wenn denn mal das Wetter oder die Bedingungen gut sind" man mehr erkennt, als mit einem kleineren Gerät. Aber: die Rahmenbedingungen sind für das größere Gerät schlechter, also wird es auch weniger benutzt. Also hätte man das Geld für ein Gerät ausgeben können, was man einfach mehr verwendet.

Außerdem kommt Sehen nicht von Öffnung, sondern von Erfahrung. Ich erinnere mich, dass ich teilweise mit dem C8 weniger erkannt (!) habe, als heute mit meinen kleineren Geräten. Das liegt an der Erfahrung, die ich mittlerweile machen konnte: weil ich kleinere Geräte ganz einfach auch öfters verwendet habe!

Nun ist vielleicht die Zeit reif für ein großes Gerät, vielleicht ein 12" oder 16" Dobson, oder ein C11 oder C14 was auch immer. Aber auch nur dann, wenn ich überzeugt davon bin, dass ich damit auch "raus komme".

Abschließend zu Deiner Anspielung auf das "wieder loswerden": genau das ist der Grund, warum ich mein C8 vermisse. Ich bin heute der festen Überzeugung, dass man gewisse Optiken einfach nicht verkauft, erst recht nicht, wenn sie gut sind. Das C8 damals gehörte dazu.
 
Hallo Michael,

ich rate immer zur größten beherrschbaren Optik.
Dies könnte bei Dir bedeuten, dass es kein 8-Zöller werden kann, schon gar nicht ein Dobson.
Das schönste große Teleskop nutzt nichts, wenn es den Sternenhimmel nicht sieht, weil Du Dich nicht überwinden kannst, es aufzustellen oder weil es nicht mehr ins Auto passt.
8" Newtons sind absolut beherrschbar aber gegenüber anderen, kleineren Teleskopen doch groß und als Volltuben voluminös/schwer/unhandlich, Gitterrohre bedeuten immer auch ein wenig mehr Aufbau- und Zeitaufwand. auch ein C8 mit Monti und Stativ ist schon ein ordentlicher Brocken mit Gewicht und Aufbauarbeit.

Mehr denn je empfehle ich den Kontakt zu Sternenfreunden und Mitbeobachtung an verschiedenen Teleskopen.

Durchaus vorstellbar, dass ein C6 oder ein kleiner ED für Dich die bessere Wahl wäre, auch wenn das erhebliche Einschrankungen in Auflösung und Vielseitigkeit bei der Beobachtung mit sich bringt.
Schnell Mal unter den Arm klemmen und raus, das geht mit einem 8" F/6 Dobson oder einem C8 nicht wirklich und ein Teleskop mit dem man genau das kann könnte (an Deinem letztem Post gemessen) das richtige Teleskop für Dich sein.
Voll motorisiert und mit GoTo ist das mit dem dort gegebenen finanziellen Ansatz inclusive ordentlichem Startzubehör zu machen.

CS
*entfernt*
 
Hallo Michael,

also ich sag mal so: Ich kenne jemanden, der kam vor ein paar Monaten zu mir, mit dem Wunsch, sich ein Teleskop zu kaufen. Nun war seit Ende der 80er Jahre ein C8 sein Traum. Trotzdem wollte er wissen, ob das C8 nun richtig für seine Beobachtungsideen ist. Ich fand nein und habe das mehrfach erklärt und gute Alternativvorschläge gemacht. Das hat ein paar Stunden gedauert, bis alles geklärt und verstanden war.
Er hat dann das C8 günstig gekauft und ist jetzt glücklich damit. Schade um die Zeit, oder...?
Jedenfalls kann ich Dir schon sagen, wo das hier nun hinführt: Wegen des schwachen Kreuzes wird ein 80/560 "Apo" angeschafft, der kann auf Reisen überall mit hin, usw...
Oder ganz freundlich: Probier's doch einfach mal nachts auf der Wiese aus. Dann werden wir ja sehen, was Du kaufst.

Clear Skies
Sven
 
Hi Michael
für 2000 Euro werfe ich aus der holen Hand nach Studium Deiner Beiträge eine Idee ein:
Gitterohrdobson 8" oder 10" ggf Reisevariante( z.B. über Dieter Martini )
Dazu hast Du genug Geld über um auch die Okulare weitgehend endgültig zu bestücken. Wenn ich von meinen ausgehe,
könnte das sein: 35mm PanO, 22LVW, 13,4 Speers und das Speerszoom. Macht derzeit rund 900 Euro NP.

Das ist sehr portabel, so wiegt mein 12,5" f/5 Martini grade mal knappe 14 Kilo allerdings mit einen dünnen Selbstschliffspiegel und die Box etwas unter 6 Kilo.

Oder Du baust selbst wie ich meinen neuen Reisedobson.
8" f/5 mit 5,3 Kilo Totalgewicht - paßt in einen Alutrolley
von 44x30x22 hat als Handgepäckgröße für Flugreisen.
http://www.deepsky-brothers.de/Achtzollreisedobson.htm
Wenn das nicht transportabel ist....

Uund für die Schnelle zwischendrin vllt ein 20x80 Fernglas oder einen kleinen Refraktor auf Stativ und Neigekopf.

Aber geh erst mal gucken mit anderen und probiers aus.
Das wird Klarheit bringen und evtl auch die Erkenntnis
das es lohnt raus zu fahren für dunklen Himmel.

CS
 
Hallo an alle mit besten Wünschen zum Neuen Jahr!


Vielen Dank noch einmal für Eure ausführlichen Beiträge zu meinem Anliegen.

Die Diskussion hat mir SEHR geholfen; nicht nur, dass ich viele gute Hinweise erhalten habe.

Neben der Logik der Argumentation habe ich bemerkt: Manche Argumente gefallen mir mehr und manche weniger.

Auf diese Weise habe ich gelernt, was ich tatsächlich möchte.

Sven: ich glaube, auch bei Deinem Bekannten war das so -
sicher hattest Du gute Argumente, und dabei hat Dein Bekannter gespürt, was ihm am Herzen lag - Herzen sind nicht immer logisch.
Aber da wurde keine Zeit verschwendet!

Für mich läuft das auf das Fazit "8 Zoll", "Gitterrohr-Dobson oder SC" und "Navigationshilfe" hinaus.

Die letzten beiden Punkte machen den Teleskopkauf offenbar teuer, in Summe teuerer, als mir das Winfried rät.

Außer Winfried hat mir niemand eine Antwort auf die Frage 3 gegeben. Vielleicht habe ich mir die jetzt selbst beantwortet.

Winfried: Wo erfahre ich etwas über die von Dir genannten Argo-Navis?

Ollie: Laut Datenblatt wiegt C5 ca. 8 kg, C8 nur 3 kg mehr. Kann das sein?


Gute Sicht,

Michael.
 
Hallo und guten Abend,

laut Celestron wiegt das Nexstar SE 8":

"TELESCOPE WEIGHT 24 lb (10.89 kg)
TRIPOD AND MOUNT WEIGHT 9 lb (4.08 kg)" macht in Summe ca 16 kg. aus.

allerdings scheine ich beim C5 gelogen zu haben ;-):
"TRIPOD AND MOUNT WEIGHT 10 lb (4.54 kg)
TELESCOPE WEIGHT 17.6 lb (7.98 kg)" somit in Summe ca. 12,5 kg.

Egal wie: viel Spass mit jedwelchem Ergebnis Deiner Entscheidungen. Teil es uns aber bitte mit (interessehalber) wie das First Light abgelaufen ist!
 
Hallo Michael,

auch Dir ein gutes neues Jahr mit viel viel freiem Himmel und Spaß am gemeinsamen Hobby.

Den Argo-Navis habe ich von ICS aus Augsburg, www.intercon-spacetec.de tel: 0821-414081 (Stefan Schuchhardt verlangen).

Da Teil, das ich habe, ist die größte Version, die auch über Astronomieprogramme wie THE SKY, Guide und Stellarium gesteuert werden kann. Durch einen großen Drehknopf läßt es sich einfacher bedienen als die anderen, bei denen man dafür immer bestimmte Knöpfe drücken muß. Aber es gibt von JMI neben dem Argo-Navis auch noch 3 andere, ähnliche Geräte, die günstiger sind. Informiere Dich einfach und lasse Dir den Katalog schicken, darin sind alle Varianten beschrieben.

Ich kenne zwischenzeitlich einige, die ihn erfolgreich einsetzen, u.a. auch Bernhard aus unserem Club. Der hat ihn für seinen 25" Dobson sogar mit Funkfernsteuerung versehen, zusammen mit dem Dobdrive, den er aber selbst gebaut hat.
Somit steuert er seinen Dobson, auf der 3-Meter-Leiter stehend, von oben über Funk in allen Funktionen. Quasi wie ein Meade LX-200 mit goto und allem, was man haben will, abgesehen von der Fotografie.

Wünsche gute Information
CS
Winfried
 
Hallo Michael,

zunächst auch von mir ein gutes neues Jahr in die Runde.

Zu Deiner Frage 3 (ich nehme an, das ist Goto/Navigationshilfe).

Ich war früher ein absoluter Verfechter der Goto Systeme (wie könnte es als Computerfuzzi auch anders sein). Seit einiger Zeit sehe ich die Sache allerdings etwas differenzierter.

Es gibt Einsatzzwecke, bei denen halte ich Goto immer noch für sehr sinnvoll. Und zwar bei
(1) Astrofotografie: Damit man sich auf das wesentliche (eben fotografieren) beschränken kann bzw. auch das Auffinden sehr schwacher Objekte erleichtert.
(2) Gruppenvorführung: Wenn ich mich recht entsinne hat Winfried sein Argo-Navis eben aus diesem Grund angeschafft, da es für die Umstehenden leicht langweilig wird, wenn man eben sucht und nicht gleich findet.

Bei Beobachtungsabenden an denen man alleine ist, habe ich allerdings seit einiger Zeit den Reiz ohne Goto (wieder) entdeckt. Das Suchen und Finden macht in meinen Augen das Beobachten sehr viel spanndener, als ein Objekt nach dem anderen abzufahren.

CS
Volker
 
Hi Michael

Frage 3 und auch die Goto-/ArgoNavisforderung wirst nur Dir beantworten können und zwar wenn Du es probiert hast.
Das ruhig mehrmals sein. ;)
Für beide Entscheidungen gibt es für und Wider.
Welche auf Dich zutrifft weißt nur Du.

Ich für mich brauche es nicht. Im Gegenteil es macht Gewicht, kostet Geld und ich habe Spaß am Suchen und rühren.
CS

 
Hallo,

ich werde mich jetzt mal auf die Suche nach einem netten Dobson-Besitzer in meiner Umgebung machen.

Danke für alles, ich werde von den Entwicklungen berichten,

Michael.
 
Zu Volker:

Ja, das stimmt, ich habe mir den Argo-Navis speziell für Sternführungen mit Kids gekauft. Ich selbst verwende ihn, wenn ich alleine beobachte, recht selten, es sei denn ich suche ganz diffizile Objekte, die in sternarmen Gebieten liegen.

Doch eben gerade für denjenigen, der sich da oben noch nicht so gut auskennt, kann es eine gute Hilfe sein, überhaupt etwas zu sehen. Daher habe ich bislang mit dem Meade 12" SC auf GOTO gesetzt. - Leider, so habe ich für mich feststellen müssen, lernt man dabei den Himmel nicht so gut kennen, da man sich nur auf das GOTO oder die Teilkreise verlässt und oft beobachtet, ohne hinzuschauen, wo das Objekt steht und wie man es "ohne" finden kann.

Daher muß das jeder mal selbst probieren und sehen, was einem lieber ist. Wer in meiner Nähe wohnt, kann das gerne mal in meiner Sternwarte mit den verschiedensten Geräten ausprobieren.

CS
Winfried
 
Hallo Michael,

Da ich ebenfalls aus der Ludwigshafener Ecke beobachte und die besch...eidenen Verhältnisse bezüglich des Himmels kenne, würde ich weder in Richtung zu großer, noch in Richtung zu komplizierter Kombinationen raten. Eine Grundüberlegung wäre sicher, wie oft Du es wirklich fertig bringst, tief in den Pfälzer Wald, oder der Odenwald, zu fahren um dort den größten Teil der Nacht zu verbringen.
Für das Nutzen von Gelegenheiten unter dem lokalen Himmel reicht sicher eine Sternkarte, ein Peilsucher und ein wirklich handliches Instrument. Die paar möglichen Objekte findest Du garantiert auch ohne GOTO.
Bezüglich Anschluß an lokale Astronomiegruppen, zwecks Sammeln von Erfahrung, kann ich dir die Astronomiegruppe des Pollichia-Museum in Bad Dürheim (eher praxislastig), oder den Astronomischen Gesprächskreis der Volkshochschule Ludwigshafen ((eher theoretisch orientiert) empfehlen.
 
Hallo Klaus,

Astronomiegruppe Bad Dürkheim ist ein toller Hinweis! Das wird auch Flippes interessieren, der in diesem Forum nach Beobachtungsgruppen in der Pfalz gefragt hat. Ich werde das verfolgen und weitergeben.

Vielen Dank,

Michael.
 
Hallo Michael,

Kontakt zu den Bad Dürheimer Astronomen findest Du unter:
www.pfalzmuseum.de , Rubrik "Das Museum" -> "Arbeitskreise"

Die Gruppe versendet monatlich einen Arbeitsbericht und die Beobachtungstermine an die eingetragenen Mitglieder.
 
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