Seeing nach Stathis_Kafalis
Hallo Gunnar,
Wie ermittelt man eigentlich dieses Seeing? Anhand der sichtbaren Sternhelligkeit? Wenn ich von einem betimmten Stern die Helligkeit weiß und den gerade noch sehen kann, ist es das?
nein,bei dem was du schilderst geht es um die Grenzgröße und
damit um die Durchsicht,die Lichtdurchlässigkeit der Atmosphäre.
Die kann durch Staub und vor allem Wasserdampf (Dunst,Cirren,
Nebel,..)erheblich verschlechtert sein,und behindert dann Deep
Sky Beobachtungen lichtschwacher Objekte.
Was ich meinte ist die Luftruhe,hier leider Unruhe gewesen.
Bei hohen Vergrößerungen wie bei Planetenbeobachtungen
üblich behindert die Luftunruhe sehr die Detailerkennung,
das kann schon manchmal extrem sein.
Stathis Kafalis hat
hier einmal eine sehr schöne Übersicht geschrieben:
Die Luftruhe wird am Polarstern beurteilt, das ist insbesondere für Dobsonauten günstig. Stellt man ihn unscharf, dann entsteht eine kleine Zerstreungsscheibe mit Beugungsfiguren (Ringen). Man hat man anhand der Sichtbarkeit und dem Wabern dieser Beugungsfigur ein recht feines Kriterium. Sind Planeten am Himmel, dann können diese ergänzend benutzt werden. Diese Skala hat 7 Stufen (0-6):
0: So als wäre keine Atmosphäre da. Auch bei AP=0,5 mm Sterne wie in den Himmel genagelt. Am Planeten bei höchster Vergrößerung Standbilder ohne jegliches Zittern über mindestens 10-20 Sekunden. Das ist "Seeing Paradise".
1: Bei AP=0,7 mm stehender Polarstern, keinerlei Gezappel der Beugungsfigur. Auf Deep Sky Objekten höchste Vergrößerungen möglich, die das Fernrohr hergibt. Gestochen scharfe Planeten Standbilder für 5-10 Sekunden. Da kommt Freude auf.
2: Bei AP=1 mm weitestgehend stehender Polarstern, schnelles Zappeln der Beugungsfigur, deren Gesamtform bleibt jedoch erhalten. Auf Kugelhaufen und kleine Galaxiechen noch hohe Vergrößerungen gewinnbringend möglich. M57- Zentralstern mit 17,5" noch deutlich machbar. Planetenbild schnell zappelnd aber wenig wabernd, Details bleiben aber weitestgehend erhalten.
3: Bei AP=1 mm Polarstern deutlich zappelnd. Beugungsfiguren wabernd, aber noch deutlich erkennbar. Deep Sky: Kleine Fuzzies verschmieren bei hoher Vergrößerung. Am Jupiter, Saturn AP=1,5 mm noch sinnvoll.
4: Bei AP=1 mm Polarstern stark wabernd. Beugungsmuster vor Wabern kaum noch zu sehen. Kleine Fuzzies stark beeinträchtigt. Planeten sinnlos.
5: Auch bei geringeren Vergrößerungen extrafokales Bild wie gleichmäßig beleuchtete wabernde Scheibe, ohne jede Beugungsmuster. Nur großflächige Objekte machen noch Spaß.
6: Polarstern ist auch bei niedrigster Vergrößerung aufgeblasen wie ein Kugelsternhaufen. Föhnwetter. Einpacken und mit Fernglas gucken.
Danach hatte ich leider nur Stufe 3 in den besseren Momenten,
sonst eher Stufe 4 <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smirk.gif" alt="" /> .Da macht Planetenbeobachtung keinen
Spaß,aber es gibt ja noch genügend andere Objekte.
Übrigens hatte ich einmal bei Stufe 1 mit Tendenz zur 0 die Gelegenheit
meinen 8" Newton mit einem 10" Newton und 12" Nasmyth-Cassegrain
von Kurt Schreckling zu vergleichen.
Nie sah ich Jupiter und Saturn besser,mein Dob zeigte mir die
besten Anblicke der Planeten,aber der 10" konnte sein Plus
an Auflösung deutlich machen und vom Okular des 12" war ich
kaum noch wegzubekommen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" /> ,die Bänder des Jupiter waren voll aufgelöst,
phantastisch!Sehr ähnlich dem Bild von Thierry Legault von Jupiter...
Möge also euer Himmel nicht nur klar sondern auch ruhig sein <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />
Viele Grüße,
Karsten