Teleskopspiegel ablaugen...

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Michasplanet

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Hallöchen allerseits,

womit werden Verspiegelungen abgelaugt?
Über einen Tipp wäre ich dankbar.

Viele Grüße
Michael
 
Hallo Michael!

Manche machen es mit Natronlauge oder Kalilauge. "Drano Powergel" o.ä. geht auch, da ist aber auch "nur" NaOH drin.
Dabei sehe ich jedoch immer das Problem, dass auch das Glas angegriffen wird, da Silikate als Kieselsäuren in Lösung gehen. Man sollte mit nicht allzu konzentrierter Lauge arbeiten (10%), warmes Wasser verwenden und die Zeit im Auge behalten. Den Spiegel also möglichst nicht Tage im Laugenbad lagern, sondern maximal wenige Stunden.

Besser ist es, wenn der Spiegel lediglich neu belegt werden soll, mit einem Oxidationsmittel zu arbeiten. Es bietet sich da prinzipiell jedes Salz eines edleren Metalls als Aluminium an. Weils günstig und leicht zu bekommen ist kann man Kupfer(II)sulfat, auch Kupfervitriol genannt, nehmen und, wie meist empfohlen wird, die wässrige Lösung mit HCl (Salzsäure) ansäuern bis sie grün ist.

Lediglich Zugabe von Kochsalz (NaCl) müsste auch gehen. Man kann auch gleich Kupfer(II)chlorid kaufen, aber das ist wohl eine Kostenfrage.
Wichtig ist auf jeden Fall das Vorhandensein der Chloridionen, da diese katalytisch wirken. Ohne die läuft gar nix. Durch zusätzliches Ansäuern der Lösung (mit HCl) kann die Reaktion beschleunigt werden, ist aber nicht zwingend.

Kupferhaltige Lösungen dürfen NICHT über die Kanalisation entsorgt werden! Schwermetall!


Viele Grüße,
Jan-David
 
Hallo Jan-David,

Lauge würde ich nicht nehmen, die greift nämlich Glas an. Beim Hale-Reflektor nimmt man übrigens Salzsäure. Die Bilder, die mal irgendwo zu sehen waren, waren schon erstaunlich: Ein Mann kniet auf dem Spiegelträger, unter den Knien Kleenex. Vor ihm steht ein Eimer mit Salzsäure, und in der Hand hält der Mann einen Schwamm, der mit der Säure getränkt ist. Bisher hat die Behandlung dem Teleskop nicht geschadet ...

Grüße

fquadrat
 
Zitat von fquadrat:
Hallo Jan-David,
Lauge würde ich nicht nehmen, die greift nämlich Glas an.

Sag mal hast Du eigentlich überhaupt meinen Beitrag gelesen?! Ich meinte das hätte ich oben genau so bereits geschrieben.


Salzsäure allein klappt auch. Nicht so gut, vor allem wenn noch eine Quarzschutzschicht vorhanden ist, aber es geht mit der Zeit. 10%ige Salzsäure reicht aus, vor allem für Leute, die damit nicht regelmäßig umgehen und sich der Gefahren nicht bewusst sind.
Aufgrund der Gasentwicklung übrigens stets im Freien, oder in gut belüfteten Räumen durchführen. Zündquellen fernhalten, auch wenns nur kleine Mengen sind.

Grüße,
Jan-David


 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Zitat von JDF:
Zitat von fquadrat:
Hallo Jan-David,
Lauge würde ich nicht nehmen, die greift nämlich Glas an.

Sag mal hast Du eigentlich überhaupt meinen Beitrag gelesen?! Ich meinte das hätte ich oben genau so bereits geschrieben.

Du hast vorgeschlagen, 10%ige Lauge zu nehmen. Die greift aber ebenfalls Glas an, wenn auch langsamer. Ich persönlich würde sie nicht verwenden, außer vielleicht an meinem Pluto/S, der wegen seines Astigmatismus' ohnehin nicht mehr im Einsatz ist.

Grüße

fquadrat
 
Hallo Jan-David,

bsten Dank für deine ausführlichen Informationen. Ich denke, so werde ich weiterkommen.

Das Problem ist, der Spiegel stammt aus einem älteren (historischen) Teleskop und ist auf dem Fangspiegelträger so ungünstig und unzugänglich verklebt, dass ich es nicht wage mechanisch dort etwas zu versuchen. Das Entfernen der Verspiegelung und die anschließende Neuverspiegelung inkl. Halterung wäre so der einfachere Weg (wobei die Halterung natürlich nicht eingetaucht wird).

Nochmals herzlichen Dank und viele Grüße
Michael


Hallo fquadrat,

bei YouTube gibt es diverse Videos bez. Reinigung und Ausbau des Hauptspiegels, zu sehen.

Viele Grüße
Michael
 
Hallo fquadrat,

ich schrieb, dass ich "immer das Problem" sehe, das besteht natürlich auch bei verdünnter Lauge. Vielleicht haben wir uns da missverstanden.


Hallo Michael,

pass aber auf, auch Klebeverbindungen können durch saure oder alkalische Lösungen angegriffen werden, je nachdem um was es sich handelt. Wäre schade, wenn das historische Schätzchen dann beschädigt würde.

Wenn Du von historischen Geräten sprichst... Kannst Du ausschließen, dass der Spiegel nicht vielleicht sogar silberbeschichtet ist? Dann hättest Du mit meinen Vorschlägen keinen Erfolg.

Viele Grüße,
Jan-David
 
Zitat von Michasplanet:
... und die anschließende Neuverspiegelung inkl. Halterung wäre so der einfachere Weg

Hallo Michael,

da würde ich aber auf jeden Fall vorher mit der Firma, die die Verspiegelung vornehmen soll, abklären, ob das überhaupt geht bzw. ob die das für Dich so machen wollen. Das ist für die ein nicht unerheblicher Mehraufwand, wegen Vorbehandlung, Montage und Sauberhaltung der Vakuumkammer.

Viele Grüße
Reiner
 
Hallo Reiner und Jan-David,

eine Bedampfung scheint wohl auch mit der Halterung machbar zu sein. Ich werde aber nochmals versuchen, den Fangspiegel vom Halter zu lösen. Ich vermute, dass er großflächig mit Silikon aufgeklebt wurde; sehe im Moment aber keine Chance zwischen Spiegel und Halterung zu kommen. Der Hauptspiegel war ebenfalls auf eine Trägerplatte geklebt - das hat schon einige Probleme bereitet, ihn von dort zu lösen.

Der Spiegel ist mit Alu bedampft, so alt ist das Teleskop dann doch nicht.

Viele Grüße
Michael

 
Hui, Silikone...

also ich glaube das hat man nicht so gerne in der Bedampfungsanlage. Das Silikone können ausgasen, bei niedrigen Drücken sowieso und in manchen Bedampfungsanlagen wird sogar bei möglichst hohen Temperaturen beschichet, das bekommt dann dem Klebstoff auch nicht so gut und die ganze Kammer wird mit den Silikonausdünstungen kontaminiert.

Auf jeden Fall abklären. Vielleicht kriegst Du den Spiegel aber auch runter, das wäre natürlich optimal. Viel Erfolg!

Jan-David

 
Hallo Jan-David,

da wirst du sicherlich Recht haben. In letzter Instanz (ist dann zwar nicht mehr das Original) würde ich einen Fangspiegelträger nachbauen und einen neuen Spiegel verwenden.

Das Problem ist, ich kann zur Zeit nicht feststellen, womit der Spiegel befestigt ist (wahrscheinlich Silikon). Das Silikon in einem Bad auflösen, wird wohl schwierig. Mit einem dünnen Messer komme ich nicht zwischen Spiegel und Träger. Die Hauptspiegelblobs waren schon eine ganz harte Nummer. Ich versuche es mal in einem Bad mit Silikonlöser - vielleicht löst er sich dann irgendwann (oder hat jemand einen heißen Tipp bez. des Silikons?).

Danke und viele Grüße
Michael
 
Hallo Michael,

Silikon aufzulösen ist fast nicht möglich. Die gängigen organischen Lösungsmittel versagen da.

Schwefelsäure soll zumindest die Oberfläche von Silikonen angreifen und verspröden.

Es gibt Silikonreiniger aus dem Baumarkt, ich weiß allerdings nicht was da drin ist und ob die Inhaltsstoffe evtl. Glas angreifen. Am besten entfernt man Silikon wirklich mechanisch, was ja bei Dir nicht so einfach ist.

Zur Prüfung ob Du wirklich Silikone vorliegen hast, kannst Du einen von den Hauptspiegelblobs mal anzünden. Weißer Rückstand, oder weißer Rauch deutet auf Silikone hin.

Wenn kein weißer Rauch entsteht kannst Du mal organische Lösungsmittel austesten, wie z.B. Aceton, Petrolether, Toluol, chlorierte Aromaten (je nachdem an was DU rankommst). "Nitroverdünnung", "Pinselreiniger" so die Handelsnamen, da sind solche Stoffe enthalten.

Viele Grüße,
Jan-David
 
Hallo Michael,

großflächige Silikonverklebungen lassen sich am besten mit einem dünnen Draht (z.B. Geigensaite) aufschneiden, selbst wenn man mit einer Klinge an die Verklebung gelangen kann wird es damit meistens recht mühsam da die Klinge festklemmt. Normaler Kraftstoff weicht Silikon auf, evtl den Spiegel mit Zelle in einen Topf legen, Benzin drüber, Deckel drauf (am besten abkleben), einige Tage stehen lassen. Spätestens dann sollte sich das mit einem Draht trennen lassen.

Silikonreiniger oder Silikonentferner eignet sich eigentlich nur zum entfernen von Silikon das durch Sprays oder sonstwie auf Oberflächen gelangt ist die z.B. lackiert werden sollen.


Viele Grüße Felix
 
Ja, Deckel drauf ist genau der richtige Hinweis! Ich würd sogar sagen ab vor die Tür damit. Kraftstoff ist krebserregend, beinhaltet u.a. Benzol und der hohe Dampfdruck sorgt für ein zügiges Verdampfen und großräumige Verteilung im ganzen Raum.
Ich habe Kraftstoff noch nicht in Kombination mit Silikonen probiert, aber Petrolether, welcher dem sehr nahe kommt und der richtet leider nichts aus, zumindest nicht in annehmbarer Zeit. Wer wartet schon gerne mehrere Tage?
Aber man soll nichts unversucht lassen.

Viele Grüße,
Jan-David
 
Hallo Felix,

den Kraftstoff und die Geigensaite werde ich auf jeden Fall testen - natürlich verschlossen und vor der Tür ;-) Von dem Ergebnis werde ich Euch berichten.

Danke und viele Grüße
Michael
 
Hallo allerseits,

ich habe es nun doch geschafft, den Spiegel vom Träger zu lösen. Geholfen hat ein Laubsägeblatt, das extrem dünn war und sich den Weg durch einen winzigen Zwischenraum bahnen konnte. Der Spiegel war mit gummiähnlichen Klebepads befestigt, die sich fast nicht entfernen ließen.

Die Verspiegelung habe ich mit Salzsäure entfernt. Das hat sehr gut geklappt und hat ca. 10 Stunden gedauert. Inzwischen ist er auf dem Weg zur Neubelegung.

Euch allen Dank für die vielen Tipps.

Herzliche Grüße
Michael
 
Hallo Jan-David und Micha,

die Anwendung von Benzin ist wirklich nur ratsam wenn nix anderes klappt und dauert durchaus einige Zeit, das Silikon wird auch nicht aufgelöst sondern quillt auf und wird weich und wabbelig so das es sich leichter schneiden oder irgendwo herausstochern läßt. Ist wenn man sonst nicht weiterkommt und etwas Zeit hat das letzte gewaltfreie Mittel. Funktioniert am besten wenn man nicht damit rechnet... :confused:

Na, Hauptsache der Spiegel ist heile ab und das Gerät bald wieder einsatzbereit, mit Antiquitäten zu beobachten ist halt was besonderes.


Viele Grüße Felix

 
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