Teleskopsteuerung - veraltete Technik

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Hi Sven, hi zusammen,

war zu erwarten, wo der Flaschenhals sich befindet. Mir geht es primär ja gar nicht um den Stecker. USB ist, wie viele aus anderen Bereichen sicher bestätigen können, auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Das Ding ist nur echt weit verbreitet – grad und auch in der Fotoindustrie, die eben leider heuer mehrheitlich aus Asien kommt, groß angesagt. Meine SLR möchte ich wirklich nicht mehr mit Technik aus der Kohl-Ära. In meine Nikon F3 HP hätte es noch gepasst, aber den Kodakchromes war es wurscht – egal, Stecker hin oder her, der Bartel holt seinen Most doch mittlerweile ganz woanders. Zeiten ändern sich!

Wenn selbst Stromberg seinen Kaffee und die Hausbeleuchtung via Telefon steuern kann, sollte doch auch in unserem Fall etwas robustes, Intelligentes, Bezahlbares und in Asien Zusammenschraubbares möglich sein.

Astronomen sind sehr geduldig – vielleicht weil das Weltall es auch ist?
Ahoi, Olaf
 
Mahlzeuch,

na, das ganze an USB vs. RS232C/V24 festzumachen oder sonstigen technischen Features ist meines Erachtens nicht das Ding,

was entscheidend ist ist in meinen Augen, dass ein Produkt, das ich z.B. in den wenigen zur Verfügung stehenden Nächten nutze um mein Fernrohr dem Himmel nachzuführen funktioniert. Und das einfach, mit wenigen Handgriffen und ohne verwirrende Aufgaben mit irgendwelchen Treibern, verschiedenen Programmen und derlei Firlefanz mehr.

Ob ich mir dafür ein spezielles Schnittstellenkabel hernehme oder irgendwas anderes - einmal im Wohnzimmer aufgebaut, eingerichtet, abgebaut, rausgetragen und geht. Und das ist keine Frage des benutzten Schnittstellenkabels, auch nicht welches Programms - sondern der Qualität des Produkts, der angebotenen Software und der Hardware, die ich dafür brauche.

Ob das dann ein smartphone mit oder ohne "i" ist, irgendwelche bunten Bildchen rumflackern oder nur zwei Koordinaten, das sei dem Geschmack überlassen.

Was ich in zunehmendem Maße bemängele sind drei Dinge:

1.) Neue Produkte erscheinen auf dem Markt mit einer mehr oder minder großen Vielzahl an Features die man braucht oder auch nicht, mit viel Software und unterstützender Hardware, alles gerade mal über das Beta-Stadium herausgewachsen, den Praxistest erledigt der Kunde.
2.) Mangelnde Kontinuität. Produkte, die 5 Jahre alt sind fallen schon aus dem Support, aktuelle Treiber, Ascom-Support, Win7-Kompatibilität - schade, schön wäre es gewesen. Ach, wir haben da ein neues Modell, das kann das selbstredend - der falsche Weg!
3.) Mangelnde Nachhaltigkeit. Produkte zu den im Astromarkt für teils banale Technik verlangten Preisen ist für den Normalbürger, selbst wenn er besser verdient - nicht im Jahresrhytmus erschwinglich. Zudem erfordern die meisten Geräte und Instrumente eine oft lange Einarbeitungszeit. Da ist es schlichtweg ein Unding, wenn die Hersteller solcher Technik sich zwar gegenseitig im permanenten Erfingen neuer Geräte übertreffen, die Benutzer aber geflissentlich auf die Funktion der Finanzressource reduzieren. Der Wert eine gefestigten Kundenbeziehung ist heute anscheinend nahezu Null - denn dann hätte man den Support, den man für die paar hundert Euro, die man gerne mal für ein gelbes, schwarzes oder silbernes Kästchen hinlegt eigentlich erwarten müsste. Schließlich kauft man kein Küchenradio für 3€70ct ...

Jörg
 
Hi Jörg,

gut beschrieben! Scheitert also an zwei wesentlichen Faktoren? Dem Willen und den Finanzen?

Dabei ist das Problem doch denkbar einfach umschrieben: Positioniere eine Achse einer zweiachsigen Lagerung auf einen Punkt innerhalb einer Sphäre und behalte diesen fokussiert. Den Punkt definiere ICH und zwar entweder über Koordinaten (Fachleute) oder tippend via Grafiktool (Generation Tablett), meinetwegen auch, indem ich via Spracheingabe das Wort „Jupiter“ flüstere (Siri) (Erinnert sich jemand an Scotty in Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart, wo er in die Maus spricht, weil er sein Sprachinterface sucht?!)

Warum, stelle ich mir die Frage, wird das immer wieder neu erfunden? Ich hatte in den 90ern auf einem allerersten iMac Starry Night Backyard installiert. Damals noch direkt aus Canada importiert. Wenn ich mit der Maus einen Punkt ausgewählt hatte, hat der Monitor dorthin zentriert – WO ist das Problem? Da brauchts eigentlich keine Nachhaltigkeit, Kundensupport, Kontinuität. Es braucht max EINE Schnittstelle, die, und da hast du vollends recht, mit der Zeit gehen kann, OHNE die letzten fünf Lösungsgenerationen außen vor zu lassen (Ascom vielleicht?) Stattdessen erfinden sie alle ihr eigenes Dingens (Starbook …)

Von wegen König – Goldesel.
 
Hallo Jörg,

weder beschränkt sich das auf Astrokrempel noch ist es das eigentliche Problem. Es ist vielmehr ein Symptom.

Das Problem ist, dass der Kunde sich vom Marketing mit diesem ganzen Feature-Gedöns überzeugen lässt. Mal ernsthaft, wir finden in diesem Thread verlinkt ein Amateur-Projekt, bei dem auf dem Display gleich eine Foto-Datenbank zu Objekten wiedergegeben wird. Allein die Demonstration des Features noch bevor das Projekt in v0.1 für andere zum Nachbau freigegeben wird, zeigt doch den Stellenwert für diese Funktion. Die wird nicht nachimplementiert, wenn die Steuerung schonmal tut, was sie eigentlich soll. Die ist gleich mit drin!

Ergo: "Wir" Kunden brocken uns das selbst ein, indem wir immer wieder sabbernd davor stehen! Und das wird schlicht bedient. Siehe Auflage Bildzeitung!

Clear Skies
Sven
 
Hi Sven,

nur gibt es bei der „Bild“ mehr als die Wahl zwischen Not und Elend. Da kann ich sehr einfach auf Qualität wechseln.

Und sabbernd stehe zumindest ich, ehrlich gesagt, nicht vor den angebotenen Lösungen. Ich habe noch immer erfolgreich dem Kauf eines Go-To widerstanden und deutsch montiert grad mal eine motorische Lösung in beiden Achsen. Sonst schubse ich – auch, weil ich die Lösungen nicht befriedigend finde!

Wie man erfolgreich Bedarf weckt und Lösungen auf den Punkt anbietet, zeigen grad die hier so oft verpönten Herrschaften aus Cupertino. Klar, DAS Marketing muss erstmal einer nachmachen, aber ich erinnere mich noch sehr gut, als Win die Welt regiert hat, mit allen Bugs are Features und die grafische Industrie, aus der ich stamme, belächelt wurde, ob ihrer Mac-Hörigkeit. Geschenkt, der Kultstatus kam später, der Hype nervt, nicht alles ist perfekt, aber von Produktplazierung und Führung verstehen die etwas. Und der Markt für Desktoprechner war anfangs wohl kleiner als der für Amateurteleskope …

Ich wünschte, einer aus der Chefetage dort hätte Spaß am Sternenhimmel und würde die Entwickler intern auf so ein Projekt ansetzen!

Herzlich, Olaf
 
Hallo Sven,

das hast Du schön auf den Punkt gebracht.

Irgendwann gibt es das "green-button-telescope",

es springt selbstätig aus dem Versandkarton,
findet die richtige Orientierung,
stellt sich selbst auf
und zeigt jedes Objekt an, das man am touch-screen angibt, die Objekte unter dem Horizont ergänzt das Farbdisplay im Okular.

Aber den Sternenhimmel, den kennt dann niemand mehr - wozu auch?

Vielleicht ein wenig übertrieben, aber der Eindruck kommt immer mehr auf.

Wie sagte mal ein sehr engagierter Hobbykollege der Tageslicht-Fotografie: das einzige Feature dass sich nie integrieren lässt ist die Motivklingen - doch so langsam kommen Zweifel auf.

Jörg
 
Hallo Olaf,

ich stimme Dir zu, ein hervorragendes Marketing, doch begeistert es mich wenig, zu sehen, wie dadurch eine Monopolstellung vergoldet wird. Ich empfände es als äußerst bedrohlich, würde der Markt für Teleskope derartig aufgerollt. Dann würden Leute die keine Ahnung haben immer das aktuellste Teleskop mit der Birne drauf kaufen und es könnte aus versehen so gebaut sein, dass man beim Durchgucken immer die halbe Öffnung mit der Schulter verdeckt, ohne dass der Kunde das als ernsthaften Mangel empfindet. Alle 6 Monate ein neues Teleskop, damit auch der neue Voicecontrol-Sucher, später das beheizte Okular, schließlich die Selbstreinigungs App dazu passen, scheint mir wenig attraktiv.

Ich wünschte vielmehr, dass es mehr mündige Kunden gäbe, die ein Produkt nach den relevanten Eigenschaften auswählen und nicht nach dem, was das Marketing vordergründig als relevant darstellt. Es gibt mehr als nur Megapixel.

Oder viel kürzer Formuliert: Das gute setzt sich nicht mehr durch. Nur das schnelle. Und Apple ist dazu kein Gegenpol (mehr).

Clear Skies
Sven
 
Hi Sven,

vor über zwanzig Jahren, als ich just mein Studium an der Hochschule der Künste begonnen hatte, kam ein Würfel, kaum größer als eine Duschhaube, 9 Zoll Schwarzweiß-Monitor und einer grafischen Benutzeroberfläche. Der Slogan war „Wenn sie den Mülleimer finden, können sie einen Computer bedienen!“ Der Mac hat die grafische Industrie revolutioniert. Der Rest ist Legende und Geschichte. Mac-Nutzer wurden belächelt und nicht ernst genommen. Microsoft und IBM haben den Weltmarkt dominiert, Big Brother – die Geschichte ist bekannt. Wo war da das Monopol?

All das war gefühlt ein Lichtjahr VOR iPod, iPhone etc. Apple vorzuwerfen, ihr Erfolg beruhe allein auf Marketing, ist viel zu kurz gesprungen. Dazu war es um das Unternehmen lange nicht besonders erfolgreich bestellt. Die Produkte setzen sich durch, weil sie funktionieren UND eine emotionale Nische füllen. Das ist der wohltuende Unterschied.

Und gerade, weil über zwei jahrzehnte mündige Kunden dem Unternehmen gefolgt sind, auch in der Zeit, als die Produkte schlechter wurden und überteuert waren, ist das Gute immer noch besser als der nächste Nachfolger, nicht schneller, besser. Das Monopol auf mp3 Player kommt doch nicht von ungefähr. Ich sehe und akzeptiere deine mitschwingenden Gründe und Argumente – Monopol ist nicht gut …

Warum ich gerade hier das schreibe? Vielleicht, weil ich der festen Überzeugung bin, dass die Welt mehr zu bieten hat, als zweizeilige LED-Zeichenreihen, von Ingenieuren ohne Humor und Leidenschaft rein nach dem Zweck zusammengelötet. Klar, es funktioniert, aber es macht keinen Spaß – ein Hamburger aus dem Kühlregal sättig auch, schmecken würde er mir nicht. Ich habe keine Aktien an Apple, gäbe es Alternativen, wär ich gern bereit, zu probieren, aber die Mär vom mündigen oder besser unmündigen Kundenschaf ist mir zu wenig stichhaltig - die trifft beileibe nicht auf alle zu.

Und auf die Steuerung von Teleskopen gemünzt: ich wünsche mir eine grafische Nutzeroberfläche, und nicht, weil ich mich am Nachthimmel nicht ohne zurechtfinde, sondern gerade deshalb! Wenn dem dann die Unmündigen folgen, umso besser – nirgends steht geschrieben, dass dem Unmündigen nicht auch Erhellendes widerfahren kann.

Ahoi, Olaf
 
Hallo Olaf,

ich denke, es wird niemand einen sinnigen technischen Vorsprung verdammen, wenn er nachhaltig ist.

Und genau so denke ich wird niemand verlangen, dass wir auf dem Stand des zweizeiligen LED-Displays stehen bleiben.

Das Problem ist doch eher, dass nicht der technische Nutzen, die bessere, freundlichere Bedienung, der "Bedienspaß" bei neuen Produkten im Vordergrund steht sondern eine Vielzahl von Features implementiert werden, die exakt das was Du ansprichst eben nicht liefern.

Wie Sven sagte - die Unternehmen versuchen durch immer schneller aufeinander folgende, real oder vorgeblich weiterentwickelte Produkte die Kunden in ihre Welt zu ziehen, diese durch gezielte Bindung an eigene Produkte durch inkompatibilität zum Wettbewerb zu binden und so ihre Position zu festigen, anstelle im realen Wettbewerb der Systeme ihren Platz zu finden.

Heute geschieht es zu schnell, dass mit einer Kaufentscheidung letztlich das gesamte weitere Kaufverhalten prädestiniert wird und damit letztlich die technischen Fertigkeiten oder die Preiswürdigkeit eines Produkts durch die Integration immer weiterer Funktionsbereiche in ein System ausgehebelt werden. Klassisches Beispiel, dass sich gerade abzeichnet ist die Debatte um die Spezifikationen von Microsoft für Win8-kompatible Hardware/Software, die das Aufspielen von alternativen Betriebssystemen erschwert wenn nicht verunmöglicht.

Es geht auch nicht um Äpfel oder Birnen, auch ein angebissener Apfel ist de facto heute nurmehr ein Intel-PC mit etwas abweichender Peripherie und Schnittstellen, die Motorola 680xx-Zeiten sind ja lange vorbei, es geht um das damit verkörperte Prinzip, das sich exakt genau so in der Win8-Thematik und einer ganzen Reihe weiterer paralleler Fälle manifestiert.

Da es den Kunden heute überwiegend an der Mündigkeit fehlt auf eigenen Überlegungen basierend zu entscheiden, was sie real benötigen oder bevorzugen, die Entscheidungen fallen auch den Publikationen seriöser Marketing-Blätter zu Folge in immer weiter um sich greifender Weise allein nach extrinsischen Faktoren, also Beeinflussung duch externe Meinungsbildner, z.B. Marketing-Eindrücke, Image, Design, Preis, greifen die Marketingmechanismen wie beabsichtigt und machen den Käufer damit zum willigen Gehilfen dieser Strategien.

Und genau aus diesem Grund beobachten wir, dass die konkurrierenden Systeme sich immer mehr annähern, nur in den externen Erscheinungsformen werden Unterschiede herauasgearbeitet - eine echte Innovation findet aber wegen der damit verbundenen Initialen Kosten immer seltener statt, wenn, dann wegen ebenfalls externer Einflüsse, z.B. durch strengere Umweltauflagen etc. -> zuletzt so aufgefallen: Automobilindustrie ...

Liebe Grüße

Jörg
 
Hallo Kollegen,

Das ausweichen auf andere Bereiche wie Autos, Mobilfunk und Computer ist wenig Zieführend.

Hier geht es immer noch um ein Nischenprodukt dessen sich noch keine Marketingstrategen mit millionenschweren Budgets angenommen haben.

Um mal hier etwas konkreter zu werden.
Es gibt ein schönes Beispiel wo eine kleine Ungarische Firma namens Lacerta ein Gerät gebaut hat, das den heutigen Ansprüchen seiner User vollends genügt.
Ich spreche vom MGEN Autoguider.

Solch ein Vorgehen ist auch bei anderen Firmen möglich.

Meiner Meinung nach war die Zeit einfach noch nicht reif für die entsprechende Umsetzung in Sachen Teleskopsteuerung.

Ich bin mir ziemlich sicher das sich das bald ändert.
 
Hi Zusammen,

es sind immer wieder dieselben Schemen. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, ob ein Produkt gut ist. Es geht um Akzeptanz des Marktes. Apple wird vom Markt akzeptiert, schon lange in bestimmten Branchen, aktuell aber von der breiten Masse. Dennoch ist Apple gerne eine Insel mit einer Palme drauf - von oben auf der Palme kann man die große weite Welt sehen. Zum Beispiel so komische Dateiformate aus der Windows-Welt, die jeder öffnen kann, blos kein Mac-Anwender. Vor allem aber umgekehrt, lässt der Mac-Anwender eine Kokosnuss seiner Palme in die große weite Welt schwimmen, kriegt die keiner geöffnet! Ihnen drin mag herrlich frische Kokosmilch sein - aber was nützt das?

Solche lustigen Dinge finden wir auch in unserem "Nischenmarkt". Da haben wir Pentax, die eine eigene Interpretation der Gewindesteigung beim 2" Filtergewinde offiziell verlautbaren. Da haben wir William Optics mit einem ganz eigenen Suchersockel und... naja also ich will seine Sucher allesamt nicht haben!

Wem wird hier eigentlich in den Mund gelegt, etwas gegen graphische Displays bei Teleskopsteuerungen zu haben? Ich hab auch kein Problem mit einem Touch-Screen, nur darf das nicht die Dunkeladaption stören und es muss mit Handschuhen bei +50 bis -20°C und 100% Luftfeuchte, kondensierend und überfrierend, bedienbar sein. Ein ST-4 Autoguiderinterface ist genauso wünschenswert, wie es eine einfach nutzbare PC-Schnittstelle geben sollte. Es ist mir völlig wurscht, ob ich dafür Bluetooth brauche und am Laptop einen Stick nachrüsten muss bei dem ich eine weitere blaue LED mit Isolierband abklebe, oder ob da ein Stück Draht mit 3 bis 5 Adern gezogen wird. Was halt unheimlich blöd ist sind so Dinge wie Relais-Boxen mit Western-Anschluss auf ST-4, die dann auf der anderen Seite einen Parallelport haben, der über einen PCMCIA oder Cardbus an einem veralteten (sonst wäre der Steckplatz nicht da) Laptop hängt, auf dem eine Software diesen Adapter nicht verwenden kann, weil Sie fix auf Port 07f8h programmiert ist und Windows (oder auch der Linux-Kernel des Mac) die Schnittstelle bei &ff12453h einblendet - automatisch und ohne Möglichkeit der Adresskonfiguration für den Benutzer.

Der Punkt ist nur: Dieser ganze unzulängliche Kram wird trotzdem gekauft und verteidigt!
Da steht es in diesem Thread ganz außer Frage, dass das Rot eines Amoled selbstredend tiefrot ist und nicht noch mit etwas blau und grün aufgehellt wird - nein, das ist nur selektive Warnung, dass das Rot solcher Displays immer etwas in Richtung Pink (also Blau-Anteil) spielt! Und nein, mein Gelaber vom LCD mit roter LED-Hintergrundbeleuchtung spielt ja auf völlig veraltete Technik an.

Da lese ich doch schon die Hörigkeit gegenüber dem Marketing heraus. Je weniger man bereit ist, sich mit dem Kram zu beschäftigten, desto weniger hat man Ahnung von dem, was man da tut.

Wie? Deckel abnehmen???

Clear Skies
Sven
 
Lieber Sven,

du pauschalierst zu stark. Die Zeiten, in denen Mac OS eine Insel war, sind lange vorbei – sozusagen mit Motorola gesunken. Heute lebt es sich ganz gemütlich, komfortabel und vor allem sehr integrativ in der MacLinuxWindows-Welt.

Und Marketinghörigkeit? Das Argument ist einfach zu oft zitiert, es ist zerschlissen. Früher war es der Marktschreier, heute ist es das Webportal. Den will ich sehen, der sich davon frei macht.

Den Absatz zu Touchscreens bei 100 % Feuchtigkeit unterschreibe ich – aber dass das Problem unlösbar sei, glaube ich nicht. Ich tauche mit meiner DSLR auch im wasserdichten Gehäuse und bediene die voll umfänglich mit Handschuhen.

Lass den Deckel lieber drauf.
Herzlich, Olaf
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Olaf,

dass des Menschen Evolution sich in den letzten 1000 Jahren kaum bewegt hat und daher mit der Entwicklung des Marketing nicht Schritt halten kann, bestätige ich Dir gerne auch in 20 Jahren. Ein altes Argument ist nämlich nicht einfach so abgelaufen oder falsch.

Es ist einfach so: Es werden sehr viele Dinge angeboten, die nicht in vollem Umfang praxistauglich sind. Sternfreunde haben sich an sowas geradezu gewöhnt.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Olaf, Hallo Sven,

wenn ich mir den aktuellen Preisverfall bei PC's anschaue und dann erst recht den Preiskampf bei Embedded-Systemen, dann kann ich mir gut vorstellen das es innerhalb der nächsten 10 Jahre eine Steuerungsplattform gibt die in der Basis aus Open-Source Lösungen besteht.
Es gibt hier und da schon kleinere Open-Source-Projekte, die sich mit der Steuerungsproblematik beschäftigen. Und mit dem INDI-Standard ist im Open-Source-Bereich schon etwas vorhanden, das dem entspricht, was ASCOM in der Windows-Welt darstellt. Mit Android (bzw. Linux) ist nun auch eine Platform im Open-Source-Bereich da, die es ermöglicht, daß sich ein und dieselbe Software auf mehreren Embedded-Systems zu nutzen.

Und mit den Smartphones und Tablets gibt sogar schicke Devices die mittlerweile auch dafür genutzt werden können, eine Teleskopsteuerung über ein Standardprotokoll anzusteuern.

Es gibt Motortreiber die mehr als 128 Mikrosteps für Schrittmotoren, Servos mit Encodern oder Stepper mit Encoder unterstützen.

Die Hardware-Kosten die man benötigt, um eine solche Steuerung aus nahezu fertigen Lösungen zu bauen liegen bei ca. 1/3 dessen, was eine neue FS2, Pulsar kosten und sind dazu bestimmt weit aus geringer, was eine Auto-Slew kostet.
Die Kosten für die Integration dieser Komponenten sind auch überschaubar.
Was fehlt ist eine auf niederer Ebene brauchbare Software-Architektur in die sich verschiedene Motortreiberstufen, Encoder-Lösungen einpluggen kann. Und auch das ist überschaubar.
Im Grunde ist alles an Komponenten auf dem Markt verfügbar, damit man sich eine sehr Leistungsfähige Steuerung entwickeln kann. Und im Zeitalter in dem Netbooks für 200...250 Euro auf den Markt fliegen, die zudem noch eine Akkulaufzeit von mehr als 7 h haben, benötigt man für den Anfang eigentlich nicht viel.

Es fehlt einfach nur an einem Referenz-Design und -Prototypen und im Anschluß daran an Leuten, die gemeinsam und Zielgerichtet so ein Projekt vorantreiben.

Hier wäre schonmal ein Ansatz:

http://opendrive.gizmor.org/forum/viewtopic.php?f=18&t=40&start=10

Das Projekt ist noch in der Formierungsphase, aber durchaus sehr interessant.

Beste Grüße,
Gerrit
 
Hallo Gerrit,

danke für den Beitrag.

Im Gegensatz zu Sven bin ich durchaus der Ansicht, dass sich des Menschen Evolution in den vergangen 1000 Jahren maßgeblich entwickelt hat, immerhin werden keine rothaarigen Jungfrauen mehr verbrannt.

Nun bin ich leider weder Programmierer, nicht einmal besonders gut in Konfigurationsfragen eines Rechners. Gerade deshalb kommt mir aber der anwenderfreundliche Umgang mit grafischen Oberflächen so entgegen. Als Designer denkt man bildlich. Von den technischen Details also abgesehen, die wird jemand lösen – die Devices sind da, die Schnittstellen auch – Open Source klingt sehr vielversprechend. Und sollte ein Projekt grafische Unterstützung, ein ansprechendes Industriedesign oder übertreibungsfreies Marketing benötigen, wär ich im Boot.

Der Wurm soll dem Fisch schmecken, damit der Angler etwas von den Sternen hat – oder so.
Ahoi, Olaf
 
Hallo Olaf,

das mit den roten Haaren ist aber keine Sache der Evolution, es sei denn Deine Aussage wäre, dass diese nur deshalb verschont werden, weil sie genetisch nicht mehr vorkommen. Das heißt Du musst mich falsch verstanden haben.

Clear Skies
Sven
 
Hallo zusammen,

ich zähle mich durchaus zu den technophilen Menschen. Aber bitte Technik, die auch Sinn macht!

100% ACK zu einer vernünftigen USB-Anbindung, ordentlichen Treibern, der Möglichkeit, Firmware-Updates zu flashen (klar gibts Steuerungen die 100 Jahre ohne Probleme laufen - aber wenn man den ein oder anderen vllt. lästigen Bug fixen kann, warum nicht?) und z.B. der Möglichkeit, Tasten selbst zu konfigurieren o.ä..

ABER, eine Smartphone-, Tablet-, Touchscreen-, etc.-Bedienung einer Teleskopsteuerung halte ich für klassisch am Ziel vorbeientwickelt.

Ich gebe Sven 100% Recht, er hat schon die gravierendsten Nachteile aufgezählt. Viel Spaß beim pinch-to-zoomen wenn bei -20° die Finger nach 5 Sekunden unbeweglich sind. Aber dazu stelle ich mir noch die Frage: WARUM das ganze? Für eine öffentliche Sternführung mag das ja noch ein nettes Gimmick sein, aber: Was will der ambitionierte Astronom mit seiner Steuerbüchse? Objekte anfahren, nachführen und das Scope in Ra und Dec über den Himmel steuern.

Viel intuitiver als (am Beispiel der Skyscan Strg.):
Taste "NGC" --> "4565" --> Taste "ENTER" (x2), bzw. "Cursor up, down, l, r" gehts doch eigentlich gar nicht. Zudem auch mit Handschuhen und bei -20°C.

Und dabei erfüllt das altbackene, rot hinterleuchtete Standard-Industrie-zweizeilen-Dotmatrix-LCD seinen Job, i.e. die Vermittlung von Informationen über Objekt, Koordinaten und Interface, zur vollsten Zufriedenheit. Und das, ohne die Adaption zu ruinieren. Vielleicht wird es ja deswegen noch immer verbaut. ;-)

Wenn jemand das mit einem guten, rein-roten, bei -20° noch funktionierenden Grafik-Display beliebiger Art baut, hab ich auch nix dagegen, dann kann man das Interface auch etwas aufpeppen.

Was wäre aber der Benefit von einer GUI-basierten Tablet- oder Smartphone-Steuerung? Versteht mich nicht falsch, ich benutze mein Android selbst sehr gerne in allen möglichen Lebenslagen, aber eine Teleskopsteuerung ist, finde ich, was gänzlich anders. Für jmd der eine Art "geführte Tour" durch den Himmel haben möchte (man könnte jetzt böse sein und sagen: jmd der alles vorgekaut serviert bekommen möchte ;-) ) mag das ja ein paar nette Möglichkeiten eröffnen, aber ich finde nicht, dass die Zukunft der (ernsthaften) Amateurastronomie in die Richtung gehen sollte.

Sonst haben wir (SCNR) bald einen 'MapStore' in dem man Objekte erstmal kaufen muss, bevor sie durch das Teleskop angesteuert werden können. ;-)

Viele Grüße,
Norbert

 
Hallo Freunde,

also meiner bescheidenen Meinung nach ist das Steuern der Montierung mit z.B. dem I Pad o. I Phone ne feine Sache,wenn es draussen nicht grad unter null Grad hat!

Ist"s nämlich so kalt wie im Moment, kann man sein Eierbrett oder Phone schon mal schrotten!

Die Steuerung ansich wie z.b bei den Skywatcher Montierungen mit dem 2 Zeilen Display halte ich für ausreichend. Was meiner Meinung nach in der Tat rückständig ist, ist die Tatsache das bei der Eisseskälte die wir im Moment haben das/die Verbindungskabel zu Handsteuerbox extrem starr werden oder das Display nur noch im Sekundentakt reagiert!

Da sollten die Hersteller mal nachbessern!

Gruß

Franz :-)
 
Eine Smartphone-Steuerung stelle ich mir spannend vor.

Ich nutze mein Smartphone eh schon als Voice-Recorder für Aufzeichnungen beim Beobachten. Warum also nicht auch das Goto vom Gerät übernehmen lassen?
Die Steuerbefehle und anzufahrenden Objekte könnte man per Sprache eingeben. Die Objekte könnten gleich ins Log übernommen werden, samt der Zusatzinfos, die man sich sonst evtl. zusammensuchen muss.
Technisch ist das m.E. alles kein Problem.
 
Hallo,

es gibt schon Software für die Remote-Control einer Steuerung von Apfel-Rubbel-Devices.
Auch wenn ich Smartphones oben erwähnt habe. Es gibt nichts effizienteres am Teleskop wie ein gutes einfaches Handcontroll mit Steuerknöpfen.
Ähnlich der FS2, Littelfoot, Gemini, usw.

Sowas kann man mit Handschuhen bedienen oder auch Ansteuern, wenn man gerade durchs Teleskop schaut. Bei Touchscreens fehlen einem die Orientierungspunkte doch schon.

Gerade bei der Kälte draußen. Da sind mir die Tasten auf einer Skyscan schon zu viel.

Viele Grüße,
Gerrit
 
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