Test03: APM ED-APO-Fernglas 100/550 90° Prismen | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Test03: APM ED-APO-Fernglas 100/550 90° Prismen

Es fehlt ja noch der abschließende Test. Allerdings möchte ich den in Aussicht gestellten Vergleich mit einem 4"-Refraktor nicht überstrapazieren, da sich herausgestellt hat, dass ich mit dem APM-Glas besser sehe als mit einem Refraktor gleicher Öffnung.

Wie kann das sein?

Mir fiel bei Jupiter immer wieder auf, dass der Planet im APM-Glas deutlich größer und heller war als im Refraktor (4" Vixen). Irgendwann hat mich das so genervt (weil ich es nicht verstand),dass ich der Sache systematisch nachgegangen bin.

Mein linkes Auge ist seit eh und je mein Fernrohrauge. Mit ihm sehe ich deutlich schärfer. Das rechte Auge war für astronomische Beobachtungen nie ein Thema.

Bei Jupiter-Beobachtungen mit meinem Refraktor (Takahashi TSA 120) - mal mit dem linken und mal mit dem rechten Auge - stellten sich erstaunliche Unterschiede heraus.

Linkes Auge: Jupiter war relativ klein, relativ dunkel, aber gestochen scharf.
Rechtes Auge: Jupiter war größer (ca. 30%), deutlich heller (ca. 100%), aber unscharf (auch mit Brille).

Mit dem APM-Glas ergab sich ein völlig anderes Bild.

Jupiter war groß, Jupiter war hell, Jupiter war gestochen scharf. Beobachtete ich aber nur mit dem linken bzw. nur mit dem rechten Auge, ergab sich das selbe Resultat wie beim Refraktor.

Nach längerem Nachdenken wurde mir klar, dass sich mein Gehirn auf die unterschiedlichen Augenleistungen eingestellt hat. Es nimmt von beiden das Beste und errechnet daraus ein endgültiges Bild (Stichwort: Binocular Summation Factor).

Daraus ergibt sich, dass ich bei durchschnittlichen Beobachtungsbedingungen mit dem APM-Glas besser und mehr sehe als mit einem 4"-Refraktor. Inwieweit dieser Sachverhalt bei einem guten Seeing (ca. 1 Bogensekunde) aufrechterhalten werden kann, muss sich noch zeigen.

Dieses "besser sehen" darf aber nicht verallgemeinert werden. Jeder sieht anders - jeder muss selbst herausfinden, ob das binokulare Sehen mehr bringt. Verallgemeinern lässt sich nur der Helligkeitsgewinn und das räumliche Sehen. Davon dürften (fast) alle profitieren.

Nun zu den Testergebnissen.

Technische Beschreibung
Mein Glas entspricht nicht der Standard-Version. Es wurde von Herrn Kneip (Firma Wellenform) auf 183fache Vergrößerung optimiert. Darüber hinaus wurde die obere Blende von 23 auf 25 mm erweitert.

Überprüfung des wahren Gesichtsfeldes sowie der Randabschattung
Die Angabe von 2,8° ist korrekt. Mit dem 24 mm Panoptic bekommt man die drei Gürtelsterne des Orions ins Gesichtsfeld. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch die Randabschattung noch einmal überprüft. Das Sternengewimmel im Gürtel bot sich dafür geradezu an. Es war nichts Negatives festzustellen. Sollte eine Randabschattung existieren, muss sie sehr dicht an der Wahrnehmungsgrenze liegen.

Definition / Kontrast
Der Vixen-Refraktor bildet etwas schärfer und knackiger ab. Im APM-Glas sind die Sterne weicher gezeichnet. Der Unterschied ist nicht groß - nur ein erfahrener Beobachter wird es sehen.

Auflösungsvermögen
Das APM-Glas liegt auf dem Level eines 90 mm Refraktors. Trotzdem lässt sich oft die Auflösung eines 4"-Refraktors erreichen, indem man die Vergrößerung um 10-20% hochsetzt. Diesen Spielraum hat aber nur die optimierte Version.

Lichtstärke / Grenzhelligkeiten
Die Lichtstärke bzw. erkennbare Grenzhelligkeit des APM-Glases entspricht einem 5"-Refraktor. Sterne mit 11,7 mag waren schon bei 50facher Vergrößerung einwandfrei auszumachen.

Farbtüchtigkeit
Der Vixen-Refraktor zeigt Sternfarben minimal besser. Im APM-Glas waren der Blau- und Gelbton der Albireo-Komponenten etwas blasser.

Abbildung in der Randzone
Dass der Vixen-Refraktor randnahe Sterne besser abbildet, liegt auf der Hand. Trotzdem muss ich dem APM-Glas ein großes Lob zollen. Randnahe Sterne werden nur geringfügig schlechter abgebildet als im Zentrum. Leichte Verzerrungen sieht man nur bei Sternen bis 3. Größenklasse. Bei schwächeren Sternen muss man schon sehr genau hinschauen, um etwas zu sehen. Annähernd 2° Gesichtsfeld werden gut bis sehr gut abgebildet.

Mond
Da der Mond relativ harte Kontraste hat, lässt er sich mit dem APM-Glas sehr gut beobachten. Beidäugiges Sehen und Tiefenwirkung kommen voll zur Geltung. Ich sehe mehr als mit einem Refraktor gleicher Öffnung (gilt für durchschnittliches Seeing).

Jupiter
Jupiter ist für alle Teleskope ein schwieriges Objekt. Bei schwachen Vergrößerungen (zum Beispiel 50fach) ist das Bild im APM-Glas enttäuschend. Bei 110facher Vergrößerung ist es sehr gut. Ich sehe mehr als in einem Refraktor gleicher Öffnung (gilt für durchschnittliches Seeing).

Galaxien
Der Helligkeitsgewinn im APM-Glas ist enorm. Zum Beispiel ist die Andromeda-Galaxie in ihrer vollen Größe (ca. 3° Länge und 1° Breite) zu sehen. Die beiden prominenten Staubbänder lassen sich andeutungsweise sehen bzw. erahnen. Eine richtig gute Galaxien-Nacht hatte ich aber so gut wie nie. Ich bin nur bis 10,7 mag gekommen, halte aber 11.5 mag für erreichbar.

Zusammenfassung
Das APM-Glas kann mit einem 4"-Refraktor mithalten. Hätte mir das jemand vor zwei Jahren gesagt, ich hätte ihn ausgelacht. Zurzeit gibt es am Markt für Großferngläser nichts Besseres, sofern man einfachen Transport, Einsatzbreite (23 - 183fach), optische Qualität und Preis/Leistungs-Verhältnis gemeinsam heranzieht.

Eigentlich hatte ich das Glas nur gekauft, um zu testen, ob mich das binokulare Sehen weiterbringt. Ich wollte es danach mit einem Preisnachlass weiterverkaufen und bei binoptic zuschlagen (sofern das binokulare Sehen funktioniert).

Mittlerweile denke ich anders. Für meine Beobachtungsvorlieben ist das APM-Glas besser geeignet als ein sündhaft teures Binoptic-Glas.

Sternenhundklaus
 

Schiefspiegler

Mitglied
Lieber Klaus,

das ist mal eine schöne Zusammenfassung der Vorzüge solcher Instrumente, wie auch der Caveats. Ich kann aus umfangreicher Erfahrung mit Grossferngläsern und Doppelteleskopen alle Punkte unterstreichen. Einzig Deine schwächere Farbwarhnehmung im APM-Glas wundert mich, aber dies ist wiederum auch ein Beleg dafür, dass die Vorzüge/Nachteile der Fernglas-Nutzung sehr vom individuellen Beobachter abhängen, wie Du ausführst.

Christopher
 

sytzezwei

Mitglied
Hallo aus die Niederlande,
Ich habe die Original APM 100 ED APO.
Gesichfeldes ist mit 32mm Plössl 2.4 grad, kleiner als der drei gürtelsterne (abstand genau 2.45 grad).
Mit sterntest ist links serhr gut aber rechts unangemessen.

Gerrit van der Veen
 
Hallo Gerrit,

ich muss dir Recht geben. Beim Nachmessen der Gürtelsterne im Atlas "The Sky" bin ich auch nur auf 2,45 Grad gekommen.

Sternenhundklaus
 
Hallo Christopher,

das weiß ich nicht mehr. Ich muss die 2,8 Grad erneut testen.

Ich hatte den Interstellarum Deep Sky Atlas zu Rate gezogen. Die Gürtelsterne erstrecken sich dort über 42 mm - und die habe ich durch 15 mm (1 Grad) geteilt.

Sternenhundklaus
 
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