ubit
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Wie ich lerne mein Hyperion 13 zu lieben...
Relativ kurzfristig entschied ich mich gestern nachmittag dazu, abends zu unserem "Gruppenbeobachtungsplatz" nach Sonsbeck - http://www.privatsternwarte.de/ - zu fahren. Was sich als ziemlich gute Idee herausstellte:
- Neumond
- Geringe Luftfeuchtigkeit
- Grenzgröße min. 5.6
- Super Durchsicht
- Sehr gutes Seeing
- Und auch noch Samstag - also "Gammelsonntag" folgt...
Die 5m6 sind für unseren Standort schon ein exzellenter Wert. So nah am Ruhrgebiet ist mehr einfach nicht drin. Dabei muss ich schon über 50 km fahren um auf "den Berg" zu kommen. Daher fahre ich auch nur, wenn sich wirklich gute, stabile Bedingungen abzeichnen. Sonst spechtel ich von der Terrasse oder irgendwo in der näheren Umgebung. Mit bestenfalls Grenzgröße 4,5... So war es dieses Jahr auch mein erster Besuch in Sonsbeck. Irgendwie hatte es dieses Jahr einfach noch nicht gepasst.
Entsprechend orientierungslos stand ich staunend unter dem Sonsbecker Himmel. Die Sommermilchstraße war extrem deutlich sicherbar und gut strukturiert. Aber wo sind die Sternbilder? Wenn man sonst nur einen Himmel zwischen 3m8 und 4m5 sieht, sieht man die Sternbilder vor lauter Sterne nicht... Es dauerte einige Minuten, bis ich mich von diesem überwältigenden Eindruck erholt hatte...
Auspacken, Galaxy D10 aufstellen, das ganze Geraffel um das Teleskop ausbreiten und schon ging es los. Jupiter zuerst. Er stand allerdings schon sehr tief in der Suppe der umliegenden Städte. Dennoch. Blickweise war das Bild auch mit 8 mm (SW Zoom 8-5) noch knackscharf. Allerdings unterbrochen von ziemlich langen und heftigen "Schwabbelphasen". Sehr schön war die Stellung der großen Jupitermonde die den Planeten fast symmetrisch einrahmten.
Aber für Planeten war die Nacht wirklich zu schade. Aleo ein 180°-Schwenk Richtung UMa. Erst mal M81/M82. Sofort gefunden - obwohl sie mit 35° eigentlich für Sonsbecker Verhältnisse zu niedrig standen. Eigentlich wollte ich aber zum Eulennebel, den ich zuletzt im Winter von der heimischen Terrasse aus beobachtet hatte. Der stand aber nun wirklich zu tief - zumindest ohne Filter. Und überhaupt: Sommernacht - der Schwan kreist hoch über uns. Also erst mal den Cirrus-Nebel suchen. Direkt mit OIII-Filter, weil er ohne in Sonsbeck kaum zu sehen ist. Treffer. Wunderbar zieht sich der hellere Teil am Rand des TS-WA 38 entlang. Er passt tatsächlich komplett ins Gesichtsfeld und ist gut strukturiert. Ich kann mich kaum satt sehen. Auch der westliche Teil ist klar und ohne Schwierigkeiten sichtbar.
Also ohne Filter... GEHT! Zumindest beim östlichen Teil ist der Himmel in dieser Nacht dunkel genug um den Nebel direkt und deutlich sichtbar zu machen. Völlig problemlos. Nichtmal indirekt schauen muss man. Ich bin beeindruckt.
Den Nordamerikanebel spare ich mir, weil er dobsonfeindlich zu weit im Zenit steht.
Dafür geht es rüber zur Leier. M57 ist naturgemäß kein Problem und wunderschön anzuschauen. Ich halte mich einige Zeit dort auf und probiere unterschiedliche Okulare durch. Bereits hier fällt das 13er Hyperion positiv auf, weil es einfach die kontraststärksten Bilder meiner Okulare produziert. Viel, viel besser als z.B. die 20er Goldkante und auch deutlich besser als das SW-Zoom. Das versöhnt mich ein wenig mit dem Okular, welches bisher eines meiner ungeliebtesten war, weil der Einblick recht unbequem ist. Man muss ziemlich genau auf der optischen Achse schauen, sonst sieht man nix :-(
Als nächste steht M71 auf dem Programm. Aber wo ist der Pfeil? Im Gewimmel der Sterne ist er gar nicht so leicht zu finden. Dann aber doch. Der wenig konzentrierte Kugelsternhaufen macht seinem Ruf alle Ehre: Er sieht ziemlich wenig nach Kugelhaufen aus... Eher wie ein offener Haufen. Aber wunderschön anzuschauen.
Wo ich gerade in der Ecke war, musste natürlich noch M27 "dran glauben". Deutlich erkennbare Hantel, aber kaum weitere Details.
Also zum Vergleich mal M76 probiert. Schnell gefunden. Natürlich kleiner und weniger definiert als M27 - aber die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen.
Etwas nach links geschwenkt und den Doppelcluster NGC884/NGC869 ins Visier genommen. Bei diesen Bedingungen konnte man die Position schon mit bloßem Auge deutlich sehen. Und damit natürlich auch direkt per Telrad anvisieren. Im 38er leuchten zum Dank unzählige Sterne auf. Wunderschön.
Ein kurzer Schwenk Richtung Andromeda. M31 hat sich längst aus der horizontnahen Suppe erhoben. Geht schon sehr gut. Immerhin ein Staubband erkennbar und im 38er passen M32 und M110 problemlos ins Blickfeld.
Noch ein wenig spazierenspechteln, bis zwei Astrokollegen anfangen sich mit NGC6543 - dem Katzenaugennebel - zu beschäftigen. Der eine hat mit seinem 12" Dobson Schwierigkeiten den kleinen PN zu finden und bittet um Unterstützung. Ein Kollege pendelt zwischen seinem 8er und dem 12er hin und her bis er das Objekt der Begierde bei beiden eingestellt hat. Ich schaue auch mal und stelle erfreut fest, dass NGC6543 perfekt für den Dobson steht. Einfach Zeta draconis suchen und dann ca. 5° senkrecht nach oben. Klingt einfach. Ist es auch. Ich weiß ja auch aus dem 12er schon, was mich erwartet. Knapp neben dem PN steht ein etwas dunklerer Stern. Schon bei Übersichtsvergrößerung im 38er ist der PN leicht zu erkennen. Er erscheint deutlich bläulich und lässt sich auch bei 33x nicht wirklich scharf stellen. Weiter vergrößert zeigt sich ein zunehmend größer werdender blauer Ball. Am 12er gelingt es schnell den Zentralstern zu sehen. Direkt. Das muss an meinem 10er doch auch gehen, oder?
Tatsächlich. Mit dem Hyperion 13er klappt es auf Anhieb. Der Kollege mit dem 8er Dobson hat noch Schwierigkeiten. Er schafft den Zentralstern einfach nicht - trotz gar nicht so schlechter Okulare. Also kurz das 13er rübergeschoben und auch er hatte Erfolg. Das Hyperion steigt in meiner persönlichen Hitliste einige Plätze auf...
Bleibt noch das 6" Tal. Wie findet man als Dobsonist NGC 6543 an einem Tal auf einer parallaktischen Montierung und mit gegenüber den Dobsons versetztem OAZ? Richtig: Mit viel, viel Geduld und ständigem Pendeln zwischen den Teleskopen. Der Tal hat ja auch ein sehr kleines Gesichtsfeld - dank 1,25" OAZ. Aber schließlich gelingt es mir doch noch NGC6543 einzustellen. Die Herausforderung natürlich auch hier: Der Zentralstern.
Leider hat sich das Seeing in der letzten Stunde deutlich verschlechtert. Also probieren wir eine Reihe von Okularen am Tal durch. Im Hyperion gelingt es mir blickweise den Zentralstern zu erhaschen. Aber nur indirekt. Andere Okulare aus dem Brennweitenbereich 7,5 mm bis 20 mm zeigen ähnliche Ergebnisse. Barlow ist wenig hilfreich. Bei zu hoher Vergrößerung wird das Bild zu dunkel. Vergrößerungen zwischen 100x und ca. 70x funktionieren einigermaßen. Das Seeing und der grottenschlechte OAZ des TALs machen aber doch erhebliche Schwierigkeiten. Aber es geht auch mit 6".
Abschließend dann noch mal M31 etwas ausführlicher. Und jeder steuerte noch das eine oder andere Lieblingsobjekt kurz an. Der Mann am 8" verzweifelte zuletzt dann aber doch an M52. Zenitnahe Position + Dobson = Frust...
Zwischendurch habe die Kollegen natürlich auch noch andere Objekte aufgesucht. Neptun und Uranus waren z.B. im TAL zu bestaunen. Den Nordamerikanebel konnte ich mir im 8er anschauen. Und einige mehr, die ich leider wieder vergessen habe.
Auf jeden Fall eine wunderschöne Nacht die wir bei Temperaturen um 15° C gegen 3:00 Uhr dann beendet haben.
Ciao, Udo
Wie ich lerne mein Hyperion 13 zu lieben...
Relativ kurzfristig entschied ich mich gestern nachmittag dazu, abends zu unserem "Gruppenbeobachtungsplatz" nach Sonsbeck - http://www.privatsternwarte.de/ - zu fahren. Was sich als ziemlich gute Idee herausstellte:
- Neumond
- Geringe Luftfeuchtigkeit
- Grenzgröße min. 5.6
- Super Durchsicht
- Sehr gutes Seeing
- Und auch noch Samstag - also "Gammelsonntag" folgt...
Die 5m6 sind für unseren Standort schon ein exzellenter Wert. So nah am Ruhrgebiet ist mehr einfach nicht drin. Dabei muss ich schon über 50 km fahren um auf "den Berg" zu kommen. Daher fahre ich auch nur, wenn sich wirklich gute, stabile Bedingungen abzeichnen. Sonst spechtel ich von der Terrasse oder irgendwo in der näheren Umgebung. Mit bestenfalls Grenzgröße 4,5... So war es dieses Jahr auch mein erster Besuch in Sonsbeck. Irgendwie hatte es dieses Jahr einfach noch nicht gepasst.
Entsprechend orientierungslos stand ich staunend unter dem Sonsbecker Himmel. Die Sommermilchstraße war extrem deutlich sicherbar und gut strukturiert. Aber wo sind die Sternbilder? Wenn man sonst nur einen Himmel zwischen 3m8 und 4m5 sieht, sieht man die Sternbilder vor lauter Sterne nicht... Es dauerte einige Minuten, bis ich mich von diesem überwältigenden Eindruck erholt hatte...
Auspacken, Galaxy D10 aufstellen, das ganze Geraffel um das Teleskop ausbreiten und schon ging es los. Jupiter zuerst. Er stand allerdings schon sehr tief in der Suppe der umliegenden Städte. Dennoch. Blickweise war das Bild auch mit 8 mm (SW Zoom 8-5) noch knackscharf. Allerdings unterbrochen von ziemlich langen und heftigen "Schwabbelphasen". Sehr schön war die Stellung der großen Jupitermonde die den Planeten fast symmetrisch einrahmten.
Aber für Planeten war die Nacht wirklich zu schade. Aleo ein 180°-Schwenk Richtung UMa. Erst mal M81/M82. Sofort gefunden - obwohl sie mit 35° eigentlich für Sonsbecker Verhältnisse zu niedrig standen. Eigentlich wollte ich aber zum Eulennebel, den ich zuletzt im Winter von der heimischen Terrasse aus beobachtet hatte. Der stand aber nun wirklich zu tief - zumindest ohne Filter. Und überhaupt: Sommernacht - der Schwan kreist hoch über uns. Also erst mal den Cirrus-Nebel suchen. Direkt mit OIII-Filter, weil er ohne in Sonsbeck kaum zu sehen ist. Treffer. Wunderbar zieht sich der hellere Teil am Rand des TS-WA 38 entlang. Er passt tatsächlich komplett ins Gesichtsfeld und ist gut strukturiert. Ich kann mich kaum satt sehen. Auch der westliche Teil ist klar und ohne Schwierigkeiten sichtbar.
Also ohne Filter... GEHT! Zumindest beim östlichen Teil ist der Himmel in dieser Nacht dunkel genug um den Nebel direkt und deutlich sichtbar zu machen. Völlig problemlos. Nichtmal indirekt schauen muss man. Ich bin beeindruckt.
Den Nordamerikanebel spare ich mir, weil er dobsonfeindlich zu weit im Zenit steht.
Dafür geht es rüber zur Leier. M57 ist naturgemäß kein Problem und wunderschön anzuschauen. Ich halte mich einige Zeit dort auf und probiere unterschiedliche Okulare durch. Bereits hier fällt das 13er Hyperion positiv auf, weil es einfach die kontraststärksten Bilder meiner Okulare produziert. Viel, viel besser als z.B. die 20er Goldkante und auch deutlich besser als das SW-Zoom. Das versöhnt mich ein wenig mit dem Okular, welches bisher eines meiner ungeliebtesten war, weil der Einblick recht unbequem ist. Man muss ziemlich genau auf der optischen Achse schauen, sonst sieht man nix :-(
Als nächste steht M71 auf dem Programm. Aber wo ist der Pfeil? Im Gewimmel der Sterne ist er gar nicht so leicht zu finden. Dann aber doch. Der wenig konzentrierte Kugelsternhaufen macht seinem Ruf alle Ehre: Er sieht ziemlich wenig nach Kugelhaufen aus... Eher wie ein offener Haufen. Aber wunderschön anzuschauen.
Wo ich gerade in der Ecke war, musste natürlich noch M27 "dran glauben". Deutlich erkennbare Hantel, aber kaum weitere Details.
Also zum Vergleich mal M76 probiert. Schnell gefunden. Natürlich kleiner und weniger definiert als M27 - aber die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen.
Etwas nach links geschwenkt und den Doppelcluster NGC884/NGC869 ins Visier genommen. Bei diesen Bedingungen konnte man die Position schon mit bloßem Auge deutlich sehen. Und damit natürlich auch direkt per Telrad anvisieren. Im 38er leuchten zum Dank unzählige Sterne auf. Wunderschön.
Ein kurzer Schwenk Richtung Andromeda. M31 hat sich längst aus der horizontnahen Suppe erhoben. Geht schon sehr gut. Immerhin ein Staubband erkennbar und im 38er passen M32 und M110 problemlos ins Blickfeld.
Noch ein wenig spazierenspechteln, bis zwei Astrokollegen anfangen sich mit NGC6543 - dem Katzenaugennebel - zu beschäftigen. Der eine hat mit seinem 12" Dobson Schwierigkeiten den kleinen PN zu finden und bittet um Unterstützung. Ein Kollege pendelt zwischen seinem 8er und dem 12er hin und her bis er das Objekt der Begierde bei beiden eingestellt hat. Ich schaue auch mal und stelle erfreut fest, dass NGC6543 perfekt für den Dobson steht. Einfach Zeta draconis suchen und dann ca. 5° senkrecht nach oben. Klingt einfach. Ist es auch. Ich weiß ja auch aus dem 12er schon, was mich erwartet. Knapp neben dem PN steht ein etwas dunklerer Stern. Schon bei Übersichtsvergrößerung im 38er ist der PN leicht zu erkennen. Er erscheint deutlich bläulich und lässt sich auch bei 33x nicht wirklich scharf stellen. Weiter vergrößert zeigt sich ein zunehmend größer werdender blauer Ball. Am 12er gelingt es schnell den Zentralstern zu sehen. Direkt. Das muss an meinem 10er doch auch gehen, oder?
Tatsächlich. Mit dem Hyperion 13er klappt es auf Anhieb. Der Kollege mit dem 8er Dobson hat noch Schwierigkeiten. Er schafft den Zentralstern einfach nicht - trotz gar nicht so schlechter Okulare. Also kurz das 13er rübergeschoben und auch er hatte Erfolg. Das Hyperion steigt in meiner persönlichen Hitliste einige Plätze auf...
Bleibt noch das 6" Tal. Wie findet man als Dobsonist NGC 6543 an einem Tal auf einer parallaktischen Montierung und mit gegenüber den Dobsons versetztem OAZ? Richtig: Mit viel, viel Geduld und ständigem Pendeln zwischen den Teleskopen. Der Tal hat ja auch ein sehr kleines Gesichtsfeld - dank 1,25" OAZ. Aber schließlich gelingt es mir doch noch NGC6543 einzustellen. Die Herausforderung natürlich auch hier: Der Zentralstern.
Leider hat sich das Seeing in der letzten Stunde deutlich verschlechtert. Also probieren wir eine Reihe von Okularen am Tal durch. Im Hyperion gelingt es mir blickweise den Zentralstern zu erhaschen. Aber nur indirekt. Andere Okulare aus dem Brennweitenbereich 7,5 mm bis 20 mm zeigen ähnliche Ergebnisse. Barlow ist wenig hilfreich. Bei zu hoher Vergrößerung wird das Bild zu dunkel. Vergrößerungen zwischen 100x und ca. 70x funktionieren einigermaßen. Das Seeing und der grottenschlechte OAZ des TALs machen aber doch erhebliche Schwierigkeiten. Aber es geht auch mit 6".
Abschließend dann noch mal M31 etwas ausführlicher. Und jeder steuerte noch das eine oder andere Lieblingsobjekt kurz an. Der Mann am 8" verzweifelte zuletzt dann aber doch an M52. Zenitnahe Position + Dobson = Frust...
Zwischendurch habe die Kollegen natürlich auch noch andere Objekte aufgesucht. Neptun und Uranus waren z.B. im TAL zu bestaunen. Den Nordamerikanebel konnte ich mir im 8er anschauen. Und einige mehr, die ich leider wieder vergessen habe.
Auf jeden Fall eine wunderschöne Nacht die wir bei Temperaturen um 15° C gegen 3:00 Uhr dann beendet haben.
Ciao, Udo