Hallo Eric,
wie es scheint, sind alle bino-interessierten Interstellarum Leser im Urlaub <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Übrigens wurde das Thema schon mal angerissen:
hier. Was ich aus dem vergleichenden Bericht in IS mitgenommen habe, ist folgendes:
Das TS 20x88 hat unterm Strich zwei Vorteile: den 90 Grad Einblick für Beobachtungen in Zenitnähe und die Möglichkeit zur Nutzung von Nebelfiltern. Ob die Nebelfilter was bringen, kann ich nicht sagen. Im IS Bericht habe ich dazu nichts gefunden und andere Berichte unter Einbeziehung der Nebelfilter kenne ich nicht. Ob die Farbkorrektur beim TS wirklich besser ist, das ist mir nicht so ganz klar geworden. In dem Punkt müßte man vielleicht nochmal genauer hinschauen.
Neben den zwei Vorteilen hat das TS 20x88 wohl auch ein paar Nachteile. Es ist mit 6,4kg ziemlich schwer und benötigt eine entsprechende Montierung + Stativ. Da sich der Hersteller bei der Dimensionierung der Prismen etwas vertan hat, kann man die volle Öffnung nicht nutzen. Bei dem getesteten Exemplar bleibt laut Tester eine effektiv nutzbare Öffnung von 83,5mm übrig. Wie er den Wert bestimmt hat, das hat er nicht verraten. Anhand des Fotos in IS habe ich mal versucht, den Wert nachzuvollziehen und bin auf etwa 82mm (evtl. noch 83mm) gekommen. Nach dem was man so hört, ist eine justagestabile Anordnung des Prismensystems auch nicht gerade eine Stärke dieses Fernglases. So wie ich den IS Test verstanden habe, ist das TS Glas trotz größerer Öffnung dem Miyauchi beim Auflösungsvermögen unterlegen. Auch das spricht nicht gerade für eine herausragende Optik.
Für das Miyauchi 20x77 sprechen nach meinem Verständnis im wesentlichen zwei Punkte: das Glas ist mit 2,5kg deutlich leichter zu montieren und zu transportieren und die kleinere Öffnung ist eigentlich kein Nachteil, da das TS die Vorteile der nominell größeren Optik nicht so richtig ausspielen kann. Da stellt sich mir die Frage: warum sollte ich ein größeres Glas kaufen, was zudem noch sehr schwer ist, wenn es die 77mm Optik des Miyauchi mit 2,5kg Lebendgewicht genauso (oder beinahe genauso) tut?
Der 45 Grad Einblick ist beim Miyauchi ein Kompromiss. Das ist immer noch ein deutlicher Vorteil im Vergleich zu geradsichtigen Ferngläsern, in Zenitnähe sind 90 Grad natürlich angenehmer. Hier hat man nun die Qual der Wahl. Sollte man wegen des 90 Grad Einblicks zum "größeren" Glas greifen? Wenn man das Teil nicht allzu weit tragen muß, dann ist das wohl nicht die schlechteste Lösung. Muß man das Fernglas öfter transportieren, dann ist das Miyauchi beim Gewicht und dank der geringeren Ansprüche an Montierung und Stativ klar im Vorteil. Um das Fehlen von Nebelfiltern beim Miyauchi als Nachteil zu deklarieren, müsste man erstmal wissen, ob die Nebelfilter beim TS ein Vorteil sind <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />.
Fazit: ich würde mir das TS 20x88 nicht kaufen. Was soll ich mit einem Fernglas mit offensichtlichen Schwächen beim optischen Konzept?
Am Ende bleibt natürlich eine Frage. Wie ist es um die Variante von Apogee bestellt? Hat das Glas auch ein zu knapp dimensioniertes Prismensystem? Oder kann dieses Modell die Vorteile der größeren Öffnung nutzen? In den USA wird ja schon der kleine Bruder des 20x88 angekündigt - das 16x70 mit 90 Grad Einblick. Mal schauen, wann das Gerät hierzulande verfügbar ist. Vielleicht ist das ja eine echte Konkurrenz zum kleinen Miyauchi?
Frank.