Re: TS Astro 10x50 und 10x60 - kleiner Bericht
Hier ein kleiner Bericht über das TS-10x50:
Geliefert wird das Glas in einer weichen Tasche mit Trageriemen, ein Kunststoffband zum Umhängen des Glases und ein sehr hartes fusselfreies Putzläppchen. Daneben liegt noch eine mehrsprachige Anleitung in Form eines doppelseitigen gefalteten A4-Blattes dabei. Die Okulare und Objektive sind jeweils mit weichen Gummischutzkappen bestückt.
Das TS-10x50 hat ein recht stabiles Kunststoffgehäuse, welches verschraubt und zusätzlich verklebt ist. Durch die Plastik-Machart ist das Gewicht nicht übermäßig hoch, was das freihändige Beobachten erleichtert. Der dunkelblaue Gummi-Überzug ist ist nicht einfach nur auf das Gehäuse aufgelegt sondern ebenfalls verklebt. Ein Stativanschluss ist hinter einer abnehmbaren Blende vorhanden (Standard-Gewindebohrung).
Die Objektivlinsen haben eine lichte Weite von 48 bis 49mm. Das liegt sicher im Rahmen eines 50er-Glases. Bei den Okularaustrittslinsen ergibt sich eine effektive Größe von ganzen 24mm, was schon beachtlich ist.
Die riesigen Prismengehäuse dieses Glases fallen sofort auf. Auch die etwas unübliche Anordnung der Prismen nach unten und zur Mitte. Die Objektivlinsen sind dadurch relativ dicht zusammen. Das ganze Glas geht also nicht besonders in die Breite wie andere gängige Porroprismen-Gläser. Durch die dichte Anordnung der Prismen kann es passieren, dass, wenn man den Augenabstand eher klein benötigt, aber gleichzeitig ein großes Riechorgan hat, die Nase *nicht* mehr zwischen die Prismengehäuse passt, da diese bei eng liegenden Augenabstand zusammenstoßen und keinen Platz mehr lassen. (Daher die flachen Nasen bei den Asiaten ;-)
Beim Blick durch das Glas fällt als erstes das wirklich riesige Sehfeld von weit über 70° positiv auf. So was habe ich sonst noch nie gesehen. Selbst ein anderes Glas, welches sich in meinen Besitz befindet, sieht mit seinem Sehfeld, obwohl es ebenfalls ein Weitwinkel-Glas ist, recht bescheiden gegen das TS-10x50 aus. So macht Fernglas-Beobachten richtig Spaß. Dabei ist der Einblick wirklich als gut bis sehr gut zu bezeichnen. Man muss aufgrund der großen Austrittspupillen-Entfernung auch gar nicht ganz bis an die Okulare ran und sieht trotzdem das volle Sehfeld. Sehr schön gemacht. Das ist wirklich klasse!
Die Schärfe wird mit einem Mitteltrieb und ggf. dem Dioptrinausgleich rechts eingestellt. Dabei kann man der Okularbrücke durchaus eine robuste Konstruktion bescheinigen: Es wackelt kaum was und hat kein Spiel, beim Durchblick, bzw. Druck auf die Okulare, verstellt sich das Glas nicht sofort und auch sonst machen die Okulare einen stabilen Eindruck. Die Gehäuse der riesigen (im Durchmesser) Weitwinkelokulare sind auch nochmal mit diesem dunkelblauen Gummi überzogen. Die nur kurz vorstehenden Gummitüllen sind für Brillenträger umklappbar. Leider ist der Einstellbereich des rechtsseitigen Dioptrinausgleichs äußerst bescheiden und noch dazu in der "Neutralstellung", d.h. wenn beide FG-Hälften auf gleiche Sehstärke eingestellt sind, fast am Anschlag, so dass es nur noch in eine Richtung zu verstellen geht (nach "minus", es lässt sich nur noch rausdrehen). Dumm für diejenigen, die entsprechend ihrer Sehwerte genau in die andere Richtung (nach "plus") korrigieren müssten. In der "Neutralstellung" steht die auf der Gummierung angebrachte Einteilung bei meinem Glas genau auf dem Plus-Zeichen und nicht auf "0". Naja, sind eben Fertigungstoleranzen und für mich mit gleicher Sehstärke rechts und links reicht es aus.
Beim Blick auf die äußeren Linsen sieht man eine hellblau schimmernde Vergütung. Diese Entspiegelung stellt sicher nicht das heute techn. machbare dar, ist aber bedeutend besser, als die "Verspiegelungen" in Form von Rot-Vergütungen, die ich bei den im letzten Jahr in den Lebensmittelläden angebotenen Ferngläsern bewundern konnte. Diese Blauvergütung hat jedenfalls durchaus die gewünschte Wirkung: Man kann sich in den Linsenoberflächen nur noch schlecht selber betrachten (spiegeln). Das war bei den Lebensmittelladen-Ferngläsern ganz anders. Die Vergütung ist also wirksam und dem Preis des Glases angemessen.
Unter Zuhilfenahme einer sehr hellen Taschenlampe leuchtete ich auch mal das Innere des Glases von der Objektivseite aus an. Der Raum zwischen Objektiv und Prismengehäuse ist *vollständig* mit so einem klebrigen Fett benetzt, was auch noch außen an der Objektivverschraubung dran war. Also daran haben sie nicht gespart. Hoffentlich fängt dieses Fett nicht an auf die Prismen- und Linsenoberflächen zu verlaufen, wenn man das Glas im Sommer mal in der heißen Sonne stehen lässt. Dieses klebrige Zeug ist jedenfalls ein guter Staub- und Schmutzfänger, falls doch mal irgendwelche Partikel in das Glas gelangen sollten. Ist vielleicht vom Hersteller auch so vorgesehen?
Die Prismeneintrittsflächen schimmern bei Beleuchtung ebenfalls in diesem Hellblau, was darauf hindeutet, dass sie ebenfalls vergütet sein könnten, wie von TS auf deren Homepage auch angegeben. Aber möglicheweise ist es auch nur eine Täuschung und rührt von der Objektiv-Vergütung her, ich bin mir nicht sicher. Bei Gläsern, die an Prismen und Linsen verschiedenfarbige Vergütung haben, kann man das besser abgrenzen. Hier ist aber offenbar alles mit dieser hellblauen Vergütung versehen, so dass die Unterscheidung welche Flächen denn nun wirklich vergütet sind nicht ohne Weiteres möglich ist. Die Flanken (Seiten) der Prismen sind leider unbehandelt und völlig offen (nacktes Glas sichtbar). Bei guten Gläsern sind diese Stellen geschwärzt. Hier leider nicht. Was sonst noch auffällt ist dass eins der Prismen auf jeder Seite mit seiner Flanke geringfügig in den Strahlengang reinragt, aber dazu später mehr beim Thema Austrittspupille.
Der Schärfeeindruck des Glases ist gut. Sterne erscheinen rund, aber wie ich meine teilweise noch flächig und nicht als nadelpunktförmige Objekte. Ich will damit nur ausdrücken dass es bei weit teureren Gläsern sicher noch bessere Schärfewerte gibt. Die Schärfe dieses Glases ist aber auf jeden Fall mehr als ausreichend. An den Rändern des riesigen Sehfeldes läßt die Schärfe allerdings schon extrem nach. Dies geschieht so ungefähr auf den letzten (äußeren) 10 bis 20% des Sehfeldes. Bei hellen Objekten, die in den Randbereichen liegen, erscheinen dann Farbsäume um das Objekt herum: zur Bildmitte hin zeigt sich dort ein blauer Farbsaum, nach außen hin ein gelber. Ich würde diesen Effekt aber keinesfalls als Negativpunkt werten, da es wirklich nur an den äußeren Rändern des Sehfeldes auftritt und das menschl. Auge gar nicht in der Lage ist, diese Unschärfe am Rande des übergroßen Sehfeldes bewusst wahrzunehmen. Man muss schon absichtlich auf den Rand schauen, um die Unschärfe und die Farbsäume zu sehen. Und dann hat man ja immer noch die Möglichkeit, mittels der Fokussierung, auch die Randbereiche scharfzustellen (mit dann allerdings sich daraus ergebender Unschärfe+Farbsäume in der Bildmitte). Bei hochpreisigen Gläsern wird dieser unscharfe Außenbereich durch die Konstruktion einfach ausgeblendet. Dies hätte man auch beim TS-10x50 machen können und es wäre immer noch ein Weitwinkelglas geblieben. Deswegen ist es ungerecht, hier eine Abwertung vorzunehmen, zumal man diese Randunschärfe wirklich nicht bewusst sieht, sie also kein Problem darstellt.
Sichtbare Reflexe sind bei hellen Beobachtungsobjekten leider zu sehen. Das macht sich bei Mondbeobachtung schon etwas negativ bemerkbar. Bei Stern- und Planetenbeobachtung treten allerdings keine Reflexe auf.
Einen kleinen Farbfehler, diesmal das gesamte Bild betreffend, gibt es auch noch: Alles erscheint mit einem leichten gelb-grauen Schleier. Bei Stern- und Planetenbeobachtungen macht sich das aber nicht bemerkbar. Das ist nur am Tage und da auch nur bei weißen/hellen Objekten (weiße Wand) geringfügig zu sehen.
Beim Schwenken über eine Wand kam noch ein weiterer, ebenfalls geringfügiger, Fehler zu Tage: die Vergrößerung ist nicht gleichbleibend über das gesamte Sehfeld. Eine ebene Wand erscheint durch das Glas betrachtet wie auf einen Ball aufgespannt. D.h. der Mittenbereich erscheint näher dran (höher vergrößert) als die äußeren Bildbereiche. Das hat dann zur Folge, dass Geraden am Bildrand leicht zur Bildmitte hin gebogen erscheinen. Der Fehler ist aber so gering, das man ihn beim statischen Beobachten (feste Ausrichtung auf ein Objekt) *nicht* bemerkt. Erst beim schnellen Schwenken über weite Bereiche sieht man dann diesen Effekt, der den Eindruck vermittelt die (eigentlich feststehenden) Objekte bewegen sich gegeneinander. Am Nachthimmel ist mir das auch nur beim Schwenk über die Plejaden zu dem ebenfalls sternreichen Bereich links daneben aufgefallen. Irgendwie scheint dieser optische Fehler beim "scrollen" sogar den räumlichen Eindruck (3-D-Sehen) zu verstärken. Deswegen, und weil der Fehler wirklich nicht sehr groß ist, würde ich das auch nicht als Negativpunkt in die Bewertung einfließen lassen.
Die Austrittspupille ist nahezu rund. Hält man das Glas auf armlänge Abstand, befindet sich an der oberen Seite ein winzig kleiner abgetrennter Kreisabschnitt, der zirka 2-3% ausmacht wenn man das Glas so hält, dass sich die Austrittspupille in der Mitte der Okularlinse befindet. Bewegt man sich näher an das Glas ran, verschiebt sich die Abschattung nach außerhalb der sichtbaren Austrittspupille. Ursache ist oben genanntes Reinragen der Prismen in den Strahlengang. Bei normaler Benutzung des Glases sieht man diesen Fehler nicht. Es stellt also kein Problem dar. Zudem sollen die Prisem aus BaK4-Glas gefertigt sein. Die für BK7-Glas typischen viereckförmigen Abschattungen an den Rändern der Austrittspupille sind hier jedenfalls nicht zu sehen.
Was mir wirklich weniger gefällt ist die Größe der Austrittspupille. Diese hat eine mit der Schieblehre nachgemessene Größe von 4.6 bis 4.8mm, abhängig von der Stellung der Fokussierung. Da scheint doch einiges verlorgengegen zu sein. Oder liegt das noch im Rahmen? Ich weiß es nicht.
Zum Sehfeld gibt es Folgendes zu sagen: Auf einer genau 60m entfernten Wand sehe ich einen Ausschnitt von 8,5m. Daraus ergibt sich über eine einfache Verhälnisrechnung ein Wert von 141m/1000m. Auf dem Glas angeben sind 399ft at 1000yds, was umgerechnet 121m auf 914,4m ergibt. Dies entspricht letztendlich 133m/1000m. Nun muss man aber auch sagen, dass sich die Bestimmung des Sehfeldes bei diesem Glas als recht schwierig erweist, da man die Ränder nicht richtig fixieren kann (zu groß), ohne schon die Augen zu bewegen. Ich habe daher, um die rechte und linke Begrenzung des Sehfeldes zu erfassen, jeweils schräg auf die Austrittspupille geschaut, was den etwas höheren gemessenen Wert erklärt. Das Glas war dabei auf einem Stativ festgestellt.
Hier noch ein kurzer Auszug aus der Anleitung (wurde einschl. aller Fehler original übernommen):
"Wie benutzen Sie ihr Fernglas:
A. Po-Einstellung
Haiten Sie Ihr Fernglas mit beiden Händen und bbwegen es so. ...
Die Einstellung für ihre Augen ist auf der PD-Skala am Mitteltrieb zu sehen."
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usw. ...
Eine "Po-Einstellung" war für mich völlig neu, aber nachdem ich das gemacht hatte, passt das Glas nun auch zum Po. Wunderbar, ich bin sehr zufrieden. Das Glas könnten aus China stammen. Die Anleitung legt diese Vermutung jedenfalls nahe.
Zusammenfassend die wichtigsten Plus- und Minuspunkte:
+ riesiges Sehfeld
+ sehr angenehmer Einblick, sogar besser als bei vielen weit teureren Gläsern
+ mechanisch macht es einen recht stabilen Eindruck, Okularbrücke wackelt nicht, fast vollständige Gummiarmierung
+ relativ geringes Gewicht
+ Standard-Stativanschluss vorhanden
- geringer (gelb-grauer) Farbfehler
- Austrittspupillengröße entspricht nicht der Erwartung
- Dioptrinausgleich nicht optimal justiert
- Reflexe bei hellen Beobachtungsobjekten
- fast alles aus Kunststoff (Plastik), kein (Leicht-)Metallgehäuse
Für den Preis von 79,- Eur. ein nettes Glas, das Spaß macht. Mehr würde ich für ein solches Glas aber auch nicht ausgeben, da man dann schon wieder in Regionen kommt, wo es Markenware mit ähnlichen oder besseren Leistungen gibt. Besser als die Gläser aus dem Lebensmittel-Läden ist das TS-10x50 aber auf jeden Fall und für Anfänger oder als "Ergänzungsglas" für den Fortgeschrittenen durchaus geeignet. Besonders das riesige Sehfeld ist spektakulär und es macht wirklich Freude damit über den Nachthimmel zu schwenken. Der Eindruck dabei ist dann überwältigend.