Vorschlag
Hallo Bernd,
da Du mich an der Stelle zitierst, melde ich mich auch mal zu Wort. Zuerst zum 8x40. Das Nikon ist hier eine sehr gute Wahl, noch dazu, wenn man es günstig bekommen kann. Der einzige Nachteil ist die Bildfeldwölbung, welche vorwiegend bei Nutzung am Tag auffällt. Hier solltest Du mal in Ruhe durchschauen (kannst Du auch bei Karstadt machen) und gucken ob Dich das stört. Für das Nikon spricht die hervorragende Schärfe und der gute Kontrast. Hast Du Dich schon mal auf meiner
Homepage umgeschaut? Unter Astronomie -> Erfahrungsberichte findest Du etwas über 8x40 Ferngläser und da auch über das Nikon. In dem Preisrahmen wären dann noch die beiden Minolta Gläser von Interesse. Vorteil hier: die wasserdichte und wetterfeste Ausführung, Nachteil: die schlechtere Schärfe. Willst Du vorwiegend den Sternhimmel und hier an erster Stelle ausgedehnte Sternfelder oder die Milchstraße erkunden, dann würde ich zum 8x40 Nikon Action VI greifen (schon allein wegen der knackscharfen Abbildung und wegen der besseren Randschärfe). Soll das Fernglas auch häufig tagsüber genutzt werden, dann mußt Du klären, ob die Bildfeldwölbung beim Nikon für Deinen Geschmack ein Problem darstellt. Wenn ja, dann mußt Du halt eins der Minolta Gläser oder was anderes in die engere Wahl nehmen.
Nochmal zur Frage 8x40 oder 10x50. Ein 8x40 ist aus meiner Sicht das bessere Universalglas zum immer dabei haben. Es ist kompakter und leichter, tagsüber kann man ein 8x40 schon deutlich ruhiger halten wie ein 10x50 und mir geht es zumindest so, daß ich wegen des ruhigeren Bildes auch mehr davon habe. Das größere reale Sehfeld eines guten 8x40 mit WW Okularen erleichtert die Orientierung und das Verfolgen von beweglichen Objekten. Am Sternhimmel kommen großräumige Strukturen wie ausgedehnte Sternfelder in der Milchstraße auch sehr gut. Ein 10x50 zeigt natürlich bei vergleichbarer Qualität mehr Sterne und man sieht Deep-Sky Objekte etwas besser, aber sooooo riesig ist der Unterschied nicht und sooooo viele Deep-Sky Objekte gibt es nicht, wo man wirklich so richtig was sieht (weder mit 8- noch mit 10-fach). Es gibt eine Reihe sehr eindrucksvoller Objekte, die Domäne eines Fernglases ist aber das weite Sehfeld und hier dann Sternfelder, Dunkelwolken, Kometen (wenn denn mal wieder einer kommen würde) und die Milchstraße selbst. Wenn man keine ruhige Hand hat, dann macht sich das feine Zittern der Hände bei 10-fach schon störend bemerkbar und ein Teil des Vorsprungs von größerer Öffnung und höherer Vergrößerung geht wieder verloren. Daher nutze ich für freihändige Beobachtungen halt gern ein 8x40. Und das ist nicht - wie hanz vermutet <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> - eins für 1000 Euro sondern genau das Nikon Action VI für 160 Euro bzw. hin und wieder auch das Minolta Classic Sport für 99 Euro ...
So richtig Punkte bringt dann ein Großfernglas mit 80 oder 100mm Öffnung. Hier würde ich aber nur eins mit Winkeleinblick wählen, die geradsichtigen Exemplare sind mir zu unbequem. Da Du vorerst (?) noch nicht an ein größeres Teleskop denkst, würde ich mir überlegen, ob neben einem guten 8x40 (oder 10x50) nicht ein kleines Spektiv eine sinnvolle Ergänzung wäre. Solche Spektive/Teleskope mit 80mm Öffnung gibt es mit brauchbarer Optik auch für nicht so teures Geld. Vorteil: beim Spektiv 45 Grad Einblick und beim kleinen Teleskop kann man auch mit 90 Grad sehr bequem im sitzen um die Ecke gucken. Nächster Vorteil: man kann unterschiedliche Vergrößerungen nutzen. Mit zwei oder drei Okularen kann man bei 20-fach sowohl den Sternhimmel erkunden als auch mit 60- oder 80-facher Vergrößerung einen Blick auf Mond und Planeten werfen. So ein kleiner 80mm Refraktor läßt sich auf einer kleineren azimutalen Montierung und einem soliden Fotostativ einsetzen, er nimmt nicht viel Platz weg und man kann das ganze Gerassel auch noch zu Fuß ein paar Meter zur nächsten Lichtung tragen. Und hierzu ist das Fernglas in 8x40 oder 10x50 natürlich die perfekte Ergänzung!
Schau Dich mal beim Teleskop-Service auf der Website um, da gibt es einen schönen
80/480 Refraktor von GSO für ca. 250 Euro. Den könnte man auf eine azimutale Montierung mit Feinbewegungen in Azimut und Höhe setzen (z.B.
AZ-3 für 129 Euro). Der Teleskop-Service hat auch eigene
Spektive mit 45 Grad Einblick im Sortiment. Dazu kann ich leider nix sagen, da ich die Geräte nicht kenne. Ich vermute, daß die Spektive aus chinesischer Quelle stammen. Mein Vertrauen in diese Hersteller ist allerdings etwas begrenzt und ich würde raten, so ein Gerät bei Interesse sehr genau zu testen. Ein Großfernglas ist auch was feines, aber man hat bei den preiswerteren Exemplaren halt den unbequemen Einblick und nur eine feste Vergrößerung. Rechnet man dann ein Stativ und eine ordentliche Montierung dazu, dann liegt man in der gleichen Preisregion wie bei einem kleinen Refraktor mit Montierung und wesentlich einfacher ist die Handhabung beim Großfernglas auch nicht.
Und - last but not least - gerade wo Jupiter und Saturn bald wieder zu angenehmer Stunde übers Firmament krauchen, würde ich um nichts in der Welt auf den Anblick der beiden Planeten in meinem kleinen Refraktor verzichten. Das Fernrohr muß kein teures Edelteil sein und die Vergrößerung muß nicht bei 200-fach liegen! Ein 80mm Refraktor und eine 100-fache Vergrößerung tun's auch. Die kleine Murmel mit ihrem Heiligenschein (Saturn <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />) und Jupi mit seinen 4 großen Monden sind auch in einem kleinen Refraktor ein wunderschöner Anblick! Das kann Dir kein 15x70 oder 20x80 Fernglas bieten ...
Frank.