Tycho mit AviStack und Registax

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marioweigand

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Hallo!

Nun habe ich endlich mal Zeit für einen Vergleich zwischen Registax und AviStack genommen.
Dafür habe ich meine Tycho-Sequenz vom 20.10.2008 verwendet.

In beiden fällen wurden 400 von 3393 Bilder verwendet.
AviStack hat mit 648 automatisch gesetzten Alignment-Points gearbeitet.
In Registax habe ich insgesamt 11 gesetzt.
In beiden Fällen habe ich bis zum Ziel um die 2 Stunden gebraucht.
Die Summenbilder wurden anschließend in Registax mit genau den gleichen Wavelett-Einstellungen bearbeitet.
Darauf folgten noch eine nachträglicher Rauschfilter und eine USM.
Die Helligkeitswerte der Summenbilder waren recht unterschiedlich.
Die Cuts habe ich so gesetzt, sodass der Kontrast ungefähr gleich ist.

So hier nun die beiden Ergebnisse (am besten in einem geeigneten Programm blinken):

Registax

Link zur Grafik: http://www.skytrip.de/temp/tycho_registax.jpg


AviStack

Link zur Grafik: http://www.skytrip.de/temp/tycho_avistack.jpg


Die Unterschiede sind nicht so groß, das AviStack-Bild ist insgesamt etwas weicher.
In einigen Bereichen ist AviStack etwas schärfer, vor allem dort wo Kleinkrater sind.
Gleichzeitig sind die kontrastarmen Bereiche in Registax etwas besser.
Zum Beispiel die Bereiche links und rechts von Tycho.

Am besten man kombiniert beides. :biggrin:


Viele Grüße,

Mario
 
sehr sehr interessant. allerdings fällt mir bei registax in vor allem in der weichen region links vom krater leichtes rauschen auf, das bei avistack gänzlich fehlt.

demnach müsste man das avistack-bild weiter schärfen können als das registax-bild....

 
Hallo Mario,

eine wirklich beeindruckende Nahaufnahme! Du bist wohl ein richtiger Wavelet-Fan. Das glaube ich übrigens sofort daran zu erkennen, dass die Oberflächentextur in manchen Zonen etwas "unterentwickelt" erscheint. Da hat dann möglicherweise die Wavelet-"Wellenlänge" nicht gepasst.

Aus diesem Grunde arbeite ich bei solchen Geländebildern nur noch mit "aperiodischen" Schärfungstools, vorzugsweise in Fitswork.

Es würde mich natürlich brennend interessieren, wie Dein Summenbild mit "aperiodischer Entwicklung" herauskommt. Könntest Du das mal versuchen, oder - wenn Du willst - probeweise mal die FIT-Datei zur Verfügung stellen?

Ich habe übrigens anhand meines Tycho ebenfalls feststellen können, dass das - korrekt abgespeicherte - Summenbild aus Registax bei identischer Nachbehandlung zu praktisch dem gleichen Resultat führt wie das AviStack-Summenbild.

Bei dieser Gelegenheit noch eine Registax-Frage: Hast Du schon mal ein Multipoint-Bild mit "Resize" gestackt? Bei mir kommt damit nichts Gescheites heraus.

Gruß, Jan
 
So, hier nun noch ein zweiter Teil.

Das AS-Bild hatte natürlich den Nachteil, dass die Waveletts
auf das (offenbar) schlechtere RS-Bild zugeschnitten waren.
Nun habe ich stattdessen versucht, so viel wie möglich aus
dem Bild rauszuholen und aggressiver geschärft und
auch die Cuts (wegen den weißen Kanten) anders gesetzt.
(Das war natürlich auch ein Bearbeitungsfehler von mir beim RS-Bild.)

Auf die beiden unscharfen Flecken habe ich nicht ohne Grund,
dort sind nämlich zwei dicke Staubkörner auf dem Chip gewesen.
Erst wollte ich dort die Ausrichtungspunkte entfernen, doch siegte meine Neugier. :)
Die Ausrichtung hat dort natürlich nicht richig funktioniert,
die Folge ist aber nicht nur Unschäfe, sondern auch Verzerrungen.
Das fällt erst beim Blinken richtig auf. Also: Staub unbedingt aussparen... ;)

So hier nun die finale Version:

Link zur Grafik: http://www.skytrip.de/mond/tycho2008-10-20-as-a.jpg


Und nochmal das alte Registax-Bild:

Link zur Grafik: http://www.skytrip.de/mond/tycho2008-10-20a.jpg

Das AS-Bild finde ich doch ein Stück besser. Feines Programm! :)

Ich bin gespannt, ob das kommende Programm "Speckle 1" noch mehr rausholen kann.


Viele Grüße,

Mario
 
Hallo Jan,

Das glaube ich übrigens sofort daran zu erkennen, dass die Oberflächentextur in manchen Zonen etwas "unterentwickelt" erscheint. Da hat dann möglicherweise die Wavelet-"Wellenlänge" nicht gepasst.

Das glaube ich eigentlich nicht. Ich kann mir denken was du meinst.
Um Tycho herum gibt es so eine "weiche Zone".
Ich denke aber, dass es sich hier wirklich um reale Unterschiede handelt.
Denn dieser weiche Bereich entspricht ziemlich gut dem "dark halo",
den man bei geringerer Vergößerung gut erkennen kann.
Ich habe mal mit einer Geologiestudentin, die sich mit dem Mond beschäftigt darüber gechattet.
Sie meinte das sein eine Art "Fraktionswechsel". (Änderung in der Größe der ausgeworfenen Brocken,
sowie deren Dichte. Auch die Dichte der Selundärkrater spielt eine Rolle.)

Interessant ist z.B. ein Vergleich mit dieser geologischen Karte:
http://www.lpi.usra.edu/resources/mapcatalog/usgs/I713/
Die relativ schroff wirkenden Bereiche am Nordrand von Tycho entsprechen den orangenen Bereichen auf der Karte.
Er wird beschrieben mit "rim material, blocky...".


Bei dieser Gelegenheit noch eine Registax-Frage: Hast Du schon mal ein Multipoint-Bild mit "Resize" gestackt? Bei mir kommt damit nichts Gescheites heraus.

Bisher gibt es von mir da noch keine Versuche.


Viele Grüße,

Mario
 
Hallo Mario,

sehr interessanter Vergleich... aber von wem ist "Speckle 1" ???

Danke und viele Grüße
Michael
 
Hallo Mario,

vielen Dank für die Aufklärung, das überzeugt mich. Habe inzwischen u.a. auch mit Damian Peach verglichen. Sein Tycho ist nicht ganz so gut aufgelöst wie Deiner, aber diese markanten Unterschiede in der Textur kommen ebenso heraus.

Interessant ist z.B. ein Vergleich mit dieser geologischen Karte:
http://www.lpi.usra.edu/resources/mapcatalog/usgs/I713/
Die relativ schroff wirkenden Bereiche am Nordrand von Tycho entsprechen den orangenen Bereichen auf der Karte.
Er wird beschrieben mit "rim material, blocky...".
Es ist ja geradezu verblüffend, wie detailliert man die Gegend dort schon kennt. Habe mir gerade die 21-MB-Karte angeschaut - auf der kann man die Schrift besser lesen - und bin sehr beeindruckt. Ein Freund von mir ist Geologe, der kann mir bestimmt noch etwas dazu erklären. Vielen Dank jedenfalls für den Hinweis.

Nur noch kurz zu "Resize": Ich hatte gehofft, über ein subpixel-genaues Stacken eine feinere Detailauflösung zu erzielen als mit der einfach interpolierenden Nachvergrößerung. Die hatte ich ja eingesetzt, um die Maßstabsverkleinerung bei der Aufnahme mit 8,3 µm Pixeln (Marlin F046B) gegenüber den 5,6 µm der DMK21 auszugleichen.

Von AviStack war ich auch spontan überzeugt, und Michael Theusner ist erfreulicherweise sehr offen für Fragen und Anregungen.

Gruß, Jan
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Mario!

Sehr interessanter Vergleich. Ich beschäftige mich auch gerade zufällig mit diesem Programm und da kam dieses Posting genau richtig. Habe auch festgestellt, dass die Ergebnisse etwas weicher sind als die, die Registax nach dem Stacking liefert.

Mir fällt aber auch auf, dass AVIStack doch deutlich längere Bearbeitungszeit benötigt. Das liegt wohl an den vielen Alignementpunkten, die gesetzt werden.

Freundliche Grüße,
Thomas


 
Hallo Mario,

ein ueberzeugender Vergleich und eine grandiose Tycho Aufnahme noch bessert in Szene gesetzt :super:
Die "unterentwickelt" aussehenden Bereiche im Terrain sind vermutlich - soweit ich mich entsinne - beim Impakt von geschmolzenem Auswurfmaterial bedeckt worden und wirken dadurch weicher, als die von eher festem Material bedeckten. Ich denke auch, dass das Terrain absolut authentisch wiedergegeben ist und keine Waveletverfaelschungen enthalten sind.
Kannst Du etwas zum Input fuer AVIStack sagen? AVI oder Einzelbilder, wie gross/viele und wieviele Frames ?

Viele Gruesse & CS,
Oliver
 
Hallo zusammen,

bei ausgedehnten Objekten - wie am Mond - arbeite ich inzwischen fast nur noch mit einer "Maschenweite" (Minimum distance) von 30 anstelle der Default-Einstellung von 10. Das geht dann deutlich schneller.

Habe aber von anderer Seite gehört, dass AviStack in vielen Fällen deutliche Geschwindigkeitsvorteile hat.

Was mir besonders gefällt, ist, dass man - insbesondere anhand der während des Verarbeitungsprozesses ausgegebenen Diagramme - sehr weitgehend und in übersichtlicher Weise verfolgen kann, was gerade passiert, und dabei sehr nützliche Informationen über die Qualität der eingegebenen Videoaufnahmen erhält.

Gruß, Jan
 
Hallo Mario,

darf ich mochmals nach "Speckle 1" fragen?
Gibt es dazu mehr Infos?

Danke und viele Grüße
Michael
 
Hallo Michael,

Speckle ist ein weiteres neues Programm zum Stacken.
Vorgestellt wurde es auf der AME von Michael Hirsch.
Die Programmierung macht im wesentlichen Christoph Stelzer, soweit ich den Überblick habe.
Michael hat von mir ein paar Videos zum Auswerten bekommen.
Die Resultate konnte man sich auf einem Poster bei der AME anschauen.
Michael hat durchweg bessere Ergebnisse erzielt als ich mit Registax.
Da wäre jetzt interessant, ob es auch besser als AviStack ist.

Leider ist das Programm was die Bedienung angeht sehr kompliziert.
Gerade wenn man an den klar definierten Workflow von Registax gewöhnt ist.

Deshalb wird derzeit an einer Dokumentation gearbeitet,
mit der man erstmal ohne viel Spielerei zu einem Resultat kommt.

Dauert bestimmt nicht mehr lange, bis da was kommt.

Viele Grüße,

Mario
 
Hallo Mario,

vielen Dank für die Infos. Da darf man ja gespannt sein.

Viele Grüße
Michael
 
Hallo Oliver,

vielen Dank für den Link - ich bin inzwischen bis auf die Downloadseite von Speckle vorgedrungen und habe von dort eine Version heruntergelden. Hab mich aber noch nicht damit beschäftigt.

http://www.tat.physik.uni-tuebingen.de/~stelzer/

Viele Grüße und cs
Michael
 
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