Ultravid 10x32 schon praxiserprobt?

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udo_p

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Hallo alle zusammen,
ich beabsichtige mir endlich ein Fernglas zuzulegen. Ins Auge fasse ich das Ultravid 10x32 von Leica (v. a. für Naturbeobachtung). Hat schon jemand Praxiserfahrung mit diesem Fernglas gesammelt ? Vielleicht sogar im Vergleich mit dem Trinovid 10x32 ? Würde sich dieses Glas auch zur astronomischen Beobachtung eignen ? Jede Einschätzung wäre sehr hilfreich. Vielen Dank
 
Hallo Udo,

die 10* Trinovid bzw. Ultravid Ferngläser kenne ich nur vom Photogeschäft her, aber 8* Trinovid und Ultravid kenne ich auch aus der Praxis. Allerdings habe ich die Gläser nie zur gleichen Zeit, also zu einem direkten Vergleich zur Verfügung gehabt. Deshalb kann ich über evtl. vorhandene optische Unterschiede nichts aussagen, ich fand aber beide sehr gut.
Unterschiede nicht-optischer Natur:
- Der Okular-Regenschutz war, zumindest bei dem Trinovid, das ich benutzte, weniger gut geformt und unpraktisch steifer als beim Ultravid.
- Das Ultravid wird mit Objektiv-Deckeln ausgeliefert, d.h. man kann es z.B. problemlos auch ohne Schutztasche in den Rucksack stecken.
- Das Design und die Gehäusegummierung des Ultravid finde ich deutlich angenehmer. Die Form ist schlanker und die Gummierung weniger rutschig (war gerade bei diesem kleinen Trinovid manchmal problematisch glatt). In irgendeinem Forums-Beitrag wurde mal von einer etwas unschönen Verschweissung der Ultravid-Gummierung berichtet (bezog sich aber evtl. auf eines der ganz kleinen Ultravids). Ich finde an der Verschweissungsnaht nichts auszusetzen, schnurgerade feine Rillen aussen an den Tuben.

In irgendwelchen Forums-Beiträgen habe ich gelesen, daß eine gewisse "Rauhigkeit" der Scharfstellung bei den Ultravids bemängelt wurde: ich hatte im Geschäft verschiedene Ultravids in der Hand (auch andere Vergrösserungen/Durchmesser), dabei hatten manche so ein gewisses "Ruckeln" bei der Einstellung, die Mehrzahl aber nicht. Ich kann nicht sagen, ob das vielleicht ein anfängliches Produktionsproblem war oder eine Serienstreuung, auf jeden Fall waren zwei aus dem Lager geholte, frisch gelieferte Gläser frei von diesem Problem.
Im übrigen war die Scharfeinstellung der Ultravids etwas leichtgängiger als die eines Zeiss 7*42 FL, aber das kann natürlich an diesem einen Exemplar gelegen haben.

Eine Kleinigkeit fiel mir noch auf:
Wenn ich das Ultravid 8*32 auf Unendlich einstellte, war fast der Anschlag der Scharfstellung erreicht, bei einem 10*50 Ultravid war da noch mehr Weiterdrehen möglich. Ich bin ganz leicht weitsichtig. Für mich nicht zu sagen, ob Leute mit anderen Augen da mit der Unendlich-Einstellung Schwierigkeiten kriegen könnten. Vielleicht weiß das jemand von den "Theoretikern" (kein Spott) hier im Forum?

Schönen Gruss,
Michael
 
Hallo Udo,

ich bin's wieder. Habe heute nochmal längere Zeit mit dem Ultravid 8*32 "rumgespielt". Das Glas gefällt mir sehr gut, wie ich Dir ja schon vor ein paar Tagen geschrieben habe, vor allem das Gewicht finde ich sehr angenehm. Im Vergleich zu einem 8*20 (oder 10*25) des selben Herstellers ist es nicht so viel schwerer, daß ich deswegen auf die Vorteile der grösseren Austrittspupille und Lichtstärke verzichten wollen würde.

Zu Deiner Frage, ob das Glas sich auch für astronomische Beobachtung eignen würde:
Daß es für allgemeine Naturbeobachtungen gut ist, hast Du ja wohl schon für Dich entschieden, wenn ich Deine Fragestellung richtig interpretiere. Das 10*32 (etwas weniger das 8er) ist sicher Astro-tauglich, auch wenn es für voll Dunkel-adaptierte Augen natürlich eine relativ kleine Austrittspupille hat. In einem Artikel von "Sky&Telescope", den ich leider nicht mehr finde, stand eine Formel, die nach Ansicht des Autors in etwa eine Vergleichbarkeit von Ferngläsern verschiedener Vergrösserung und Objektivdurchmesser (bei gleicher optischer Qualität) ermöglichen soll. Diese Formel bezieht sich aber nicht auf die Grenzgrösse von Sternen (da ist der Objektivdurchmesser wohl das Hauptkriterium), sondern auf den Einsatz beim Beobachten von Deep-Sky-Objekten, bei denen nach diesem Artikel die Vergrösserung eine deutlich stärkere Rolle spielt. Wenigstens die Formel habe ich inzwischen wieder in meinen Notizen gefunden:

Masszahl = Vergrösserung * Quadratwurzel des Objektiv-Durchmessers

Ergebnisse (gerundet) für verschiedene Gläser:
1. Fernglas mit 8*32: 45
2. Fernglas mit 8*42: 52
3. Fernglas mit 10*32: 57
4. Fernglas mit 8*50: 57
5. Fernglas mit 10*42: 65
Du siehst, so schlecht macht sich ein kleines Glas gar nicht (nach Meinung dieses Autors), wenn die Vergrösserung passt. Allerdings würde ich bei 10facher Vergrösserung das Fernglas auf ein Stativ stellen, wenn ich lichtschwache Objekte sehen möchte (das ist nach meiner Erfahrung freihändig deutlich schwieriger). In diesem Forum gibt es einige Leute, die mit einem 10*30er (stabilisiert, durch Elektronik oder Stativ) ganz zufrieden den Himmel betrachten. Bei optimaler Dunkeladaption der Augen unter richtig dunklem Himmel ist ein Glas mit grösserem Objektiv natürlich trotzdem nochmal um einiges besser.

Schönen Gruss
Michael
 
Hallo Roland,

und aus meiner Erfahrung ist ein 10x30 Canon IS zu weniger als 30% des Preises allen beiden!
Aber das ist halt nicht wasserdicht und deutlich sperriger und die Augenmuscheln sind auch nicht so gut
(gebe ich gern zu). Die Stabilisierung bringt bei kleinen Details aber ziemlich viel.

Andererseits sind das eigentlich alles bei "deep sky" nur Notbehelfe gegen ein gutes 7-8 oder 10x50 Porroglas
(oder zum Beispiel das 15x50 Canon IS).
Und am Mond sollte man schon 20fach und Stativ haben.

Gruß
 
Hallo Michael,
vielen Dank für die unabhängigen, hilfreichen Antworten. Ich werde jetzt noch ein bischen sparen müssen, aber der Preis dieses Fernglases scheint wohl durchaus gerechtfertigt zu sein.

Schöne Grüsse,
Udo
 
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