Um den Saturn betrogen! (Jupiter, M42, Sirus)

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aths

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Ort: Stadtrand von Wismar.

Datum: 28.9.2003, ca. 5:20 - 6:30 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25".

Bedingungen: Kein Mond, kaum Dunst, aber heftig blinkende Sterne, ziemlich freier Himmel mit einigen Wolkenstreifen, Licht von den Fenstern eines nahen Wohnheims und von Laternen in der Nähe.

Besonderheiten: Das erste mal M42 gesehen. Weitere "Firsts" mit dem ED.


Mein Fernrohr habe ich ja nicht zum an-, sondern zum durchsehen gekauft, und so war ich heute morgen damit unten. Kurz nach halb fünf wurde ich wach, und da ging durch meinen Kopf, dass Saturn ja gut sichtbar sein sollte. Also aufgestanden, Computer hochgefahren und Cartes du Ciel angeworfen, Kaffee in der Mikrowelle warm gemacht, eine kleine Stärkung mit einem Streifen Kuchen, und dann in zwei Gängen die notwendige Ausrüstung nach unten getragen.

Schon als ich mit Stativ und Montierung beladen war (also beim ersten Gang) sah ich Orion. Dieser schuldete mir noch einen Nebel. In der Nähe war ein irre heller Stern. Saturn?? Nun, Planeten blinken ja nicht, wenigestens nicht so heftig... beim zweiten Gang hatte ich alles benötigte unten und baute auf. Das dauerte doch einige Minuten länger, als gedacht. Noch sitzt da nicht jeder Handgriff... (diesmal hatte ich aber für die Befestigung der biegsamen Welle endlich einen Schraubenzieher dabei.)

Im Osten deutete sich bereits die Dämmerung an. Also Verzicht aufs Einnorden, die Montierung wird nur ganz grob nach Norden gestellt (die eingestellte Polhöhe stimmt btw auch nicht mehr, egal) und um den Sucher zu justieren hatte ich auch keine Zeit. Da sah ich endlich den gesuchten Planeten. So östlich?! Aber was sollte es sonst sein. Also, das Rohr geschwenkt, den Sucher in den Halterschuh gesetzt und fixiert, dann den Lichtpunkt mit dem Fadenkreuz zentriert, dann durch das 25-er Okular geschaut. Immerhin, das Objekt war noch knapp im Blickfeld. Ich zentrierte es im Okular und dann erkannte ich ihn auch: Jupiter.

Von wegen Saturn! Jupiter hatte sich übrigens zuerst durch seine großen Monde verraten, drei waren in der Äquatorialebene sichtbar. Jene stand allerdings Kopf. Das verwunderte mich. Ich ging auf Vergrößerung um dem Göttervater Details zu entlocken. Sogar mit den beiden großen Bändern gabs Probleme, das Seeing war grauenhaft. Mit 131x ging das Bild nicht mehr scharf. Als nächstes, bevor es zu hell würde, auf zu M42!

Ich rührte etwas im Himmel herum und fand nix. Deshalb wollte ich erst mal an Beteigeuze den Sucher justieren (das erste mal erwog ich die theoretische Möglichkeit, des Feldes wegen ein Telrad zu kaufen...) da flutschten mir allerdings die Gürtelsterne des Orions durchs Bild. Also doch kein Beteigeuze, sondern gleich den Nebel gesucht. Man sieht ja selbst aus der Stadt heraus mit bloßem Auge, dass da "irgendwas ist". Irgendwas diffuses mit Ausdehnung. Was Geheimnisvolles. Das ist mir schon lange bekannt, leider richtete ich in allen den Jahren meinen alten "Revue" 60/700-er nie auf den Orion-Nebel..

Nun aber! Im Sucher die drei charakteristischen Sterne in vertikaler Anordnung, wo irgendwo M42 sein muss. Das LV25. Nur Sekunden später wandte ich den Blick wieder ab. Um nicht das Okular zu befeuchten: Meine Augen tränten, vor Überwältigung!!

Der Nebel.

Ich sah den Nebel. Mit zwei "Schwaden" ("Armen"). Und mit Fläche. Klar und deutlich. Mit indirektem Sehen wirkte er noch größer und schon fast wie auf Fotos (mal abgesehen von der Farbe.) Minutenlang führte ich das Fernrohr bei 37x nach und ärgerte mich, nichts zum Zeichnen heruntergetragen zu haben. Das glaubt mir sonst nämlich keiner. (Allerdings wäre Zeichenmaterial in Ermangelung einer Rotlicht-Taschenlampe ohnehin wenig sinnvoll gewesen.) Ich sah im Nebel drei Sterne die fast auf einer Reihe standen, und auf der andere Seite einen Dreifach-Stern. Nö, das waren sogar vier Lichtpunkte, wenn man genauer hinsah. Faszination Weltraum.

Aus Spaß das 9 mm LV gezückt... allerdings mit der Befürchtung, wegen dem Licht keine vernünftigen Kontraste mehr zu haben. (102x, 1 mm AP.) Was ich dann aber sah, haute mich um. Struktur. Also im Nebel. Struktur!! Im Nebel waren "Knoten" auszumachen. Er sprengte übrigens schon das Gesichtsfeld, das Zentrum war zwar drin, aber die Ausläufer wurden abgeschnitten. Also fuhr ich den Nebel ab. Und kam aus dem Staunen nicht heraus. Eine Art Dunkelwolken-Band. Und der Vierfach-Stern entpuppte sich als Trapez. Wer hätte gedacht, dass Astronomie so schön sein kann?

Das 7 mm LV war schon etwas schwieriger beim Scharfstellen, aber den Schärfepunkt zu finden ging dann doch. Das Gesichtsfeld war allerdings erheblich kleiner geworden. (Von 0,49° zu 0,34°.) Man überschaut nur noch die halbe Fläche, was den Überblick bei solch großen Objekten erschwert. Das komische Trapez war dafür größer. Um dieses Ding mal wirklich groß zu sehen, hoffe ich, es irgendwann durch einen 10+ Zöller bei 800x sehen zu dürfen.

Eins ist fakt: Mit meinem Gerät werde ich es dereinst einrichten, M42 in einer pechschwarzen Nacht zu sehen. Schon jetzt freute ich mich über den Kontrast, mit dem ich nie gerechnet hätte. Und die Umstände waren heute wenig hilfreich: Städtisches Streulicht, herannahende Dämmerung, eine dünne Wolke nahe der Gürtelsterne...

Wo ist nun eigentlich der Saturn? Wegen ihm war ich ja da. Ich fuhr nun doch den blinkenden, hellen Stern an. Natürlich war es ein Stern, und kein Planet. Weil er aber nunmal drin war, prüfte ich bei 131x noch schnell die Beugungsringe. (Das war übrigens der Sirius. Unglaublich hell.) Auf der Achse nichts zu meckern, im äußeren Drittel des Gesichtsfeldes zeigt das extrafokale Bild eine leichte Ellipse. Ob das am LV oder am Prisma liegt, oder am Objektiv, konnte ich natürlich nicht beurteilen. Den Effekt, dass defokussierte Sterne "getrennt" werden, hatte ich auch kurz irgendwie da. Aber das teste ich ein andermal nochmal aus. Jedenfalls ist diese Eigenschaft nicht immer da, den Umständen ist aber mal auf den Grund zu gehen. Meine neuste Theorie ist, dass die "Trennungen" durch Reflektionen bedingt sind, da sie nur bei hellen Sternen (Arktur, Wega, Sirius) auftreten.

Also wenigstens nochmal den Jupiter angesteuert, der etwas gestiegen war. An ihm noch schnell den Sucher justiert... Die beiden Hauptbänder waren aufgrund der gewonnen Höhe besser zu sehen. Sie schienen zudem nicht so gleichmäßig (und auch nicht so unscharf) wie ich es noch von früher mit dem alten Fernrohr kannte, sondern schienen über die Oberfläche ihre Dicke oder zumindest Helligkeit zu ändern. Von GRF, den ich früher ansatzweise wohl doch mal drin hatte, nix zu sehen. Der vierte Mond zeigte sich jetzt, ganz nah am Äquator. Ich versuchte, dem Jupiter weitere Details zu entlocken. Nun rächte sich die fehlende Einnordung, aber die Fein-Regelung war bequem erreichbar, die händische Nachführung stellte also keine Qual dar. Bedächtig drehte ich den Tubus nach, und beobachtete abwechselnd mit beiden Augen.

Der Planet gab ein hervorragendes Beispiel für den Effekt "Atmosphärische Refraktion" ab, er sah wie durch ein Prisma betrachtet aus. Trotzdem, die Polgebiete schienen nach eingehender Beobachtung dunkler. Blickweise bildete ich mir ein, in Polnähe je ein weiteres Band zu sehen. Das würde ich aber nicht beschwören wollen, die durch die kommende Sonne wohl schon angeheizte Luft "kochte" unerträglich. Aber, wo war der Saturn? Ich geh hier nicht weg, bevor ich den Ringplaneten gesehen habe!

Einen hellen Stern fuhr ich noch an. War aber auch nur ein Stern. (Procyon, wie ich später nachsah.) Verzweiflung macht sich breit. Die Sternkarte hatte ich nicht mitgenommen. Der Saturn sollte in den Zwillingen stehen. Aber inzwischen wurde es hell, der Orion verblasste bereits. Ich kann jawohl noch Planeten von Sternen unterscheiden, und _weiß_, dass der Saturn nicht gerade unauffällig ist. Also nahm ich den besten binokularen Rich-Field-Refraktor den es gibt, nämlich das bloße Augenpaar, und tastete den Himmel ab. Dabei drehten sich im Kopf die Zahnräder: Der Saturn muss sich ja zwangsläufig in der Ekliptik befinden. Der Jupiter ist nicht so sehr gegen die Ekliptik geneigt, und seine Monde liegen im moment fast vertikal. Das müsste die ungefähre Ebene sein.

Aber da war kein Saturn. Der Himmel zeigte bereits seine blaue Farbe. Noch mal zum Jupiter gefahren, der wieder etwas gestiegen war. Der bewusste Jupiter-Mond (übrigens der Io, wie ich nachgeguckt habe) war nun etwas weiter vom Jupiter entfernt. Wirklich faszinierend, die Mondbewegungen eines anderen Planeten hautnah mitzuerleben! Live-Programm, direkt aus dem Weltraum gesendet. Ich probierte noch mal das 7 mm LV. Blickweise war das Bild nun fast scharf. Die Polkappen sind eindeutig dunkler. Der Planet ist zudem erkennbar abgeflacht. 130x ist gegenüber 100x ein merklicher Unterschied. Die eigentliche Vergrößerungsleistung konnte ich heute nicht ausnutzen, wie mächtig wird der Planet erst bei 200x scheinen. Was für Details wird er mir dann offenbaren!

Nur den Saturn, den sah ich nicht. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, aber es wurde bereits hell. Frustriert das Gerät abgebaut. Alles metallische war ausgekühlt, der Tau machte die Oberflächen glitschig. In zwei Gängen ist das Geraffel wieder oben. Vorwurfsvoll auf Cartes du Ciel geguckt: Ich [zensiert]. Ich Riesenhirni. Saturn ist so weit gestiegen, dort hatte ich natürlich nicht geguckt... und nun war schon abgebaut.


Trotzdem, in dieser Nacht leckte ich erneut Blut: Jupiter wird mir noch viel Freude machen, und der Orion-Nebel war das beeindruckendste, was ich am Himmel je gesehen habe. Auf Fotos ist der meist überbelichtet, man sieht die Sterne darinnen gar nicht mehr. Der visuelle Eindruck hingegen ist "zart", und fein strukturiert.

Oben hörte ich erst mal "Here comes the sun" (sie kam ja auch wirklich) von George Harrison und schrieb dann gleich diesen Beobachtungsbericht.


Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astronacht_01.jpg

Rechts sieht man Jupiter.


Link zur Grafik: http://www.aths.de/files/astro/astronacht_02.jpg

Die Dämmerung ist zuweit forgeschritten: Es macht keinen Sinn mehr. Abbau.
 
Hallo,

schöner Bericht von Dir. Saturn hättest Du mehr "oben" suchen müssen. Ich tippe mal so bei 40-50". Hast Du auch noch Merkur aufgenommen?? Der war etwa südwestlich von Jupiter nahe des Horizonts.

Gruß

Eike
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Ja, so hoch hatte ich leider nicht geguckt.

Die Eindrücke von M42 begeistern mich btw noch immer <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smile.gif" alt="" />
 
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