Ursus corpulentus
Aktives Mitglied
Der Mond.
Wirklich, ich hab's mit eigenen Augen gesehen!
Liebe Glasaugen,
zwei wunderbare Beobachtungsabende liegen hinter mir; nach Wochen des Frustes über die permanent geschlossene Wolkendecke. Um das mental zu bewältigen und nicht daran zu zerbrechen, hat das im Hause Corpulentus zu allerlei Neuanschaffungen geführt. Aber das nur am Rande. Ich beklage mich auch nicht, es ist das Los des Teleskopikers ...
Wirklich schön und beeindruckend aber waren zwei eigentlich ganz simple Dinge, die mir an diesen beiden ersten Abenden am gestirnten Himmel nach Wochen der Dunkelheit wieder aufgefallen sind:
Der erste Blick auf den Jupiter nach langer, langer Zeit hat mich völlig geflasht!
Eigentlich ist er ja nichts Neues, jeder hier kennt ihn und die meisten von uns haben sich sicherlich zu einem gewissen Grad auch daran gewöhnt, wie man sich an (fast) alles gewöhnt über kurz oder lang, im Guten wie im Schlechten.
Aber trotzdem war ich darauf irgendwie nicht vorbereitet.
Der Blick durch eine richtig gute Optik mit guten Okularen war einfach atemberaubend. Wie beim ersten Mal - damals nur in viel schlechterer Qualität. Aber diesmal konnte ich die nahezu göttliche Perfektion (man verzeihe mir den Ausflug ins Spirituelle, der natürlich nur für mich gilt und keinerlei allgemeine Deutungshoheit beansprucht!) fast spüren, mit der der Planet im Verband mit seinen Trabanten seit Urzeiten in unserem Sonnensystem seinen Job macht - nämlich um die Sonne zu kreisen und uns Würmer auf dem nur unbedeutenden Nachbarplaneten dabei quasi en passent mit seiner seltsam symmetrisch anmutenden Perfektion und seinem betörenden Farbenspiel zu beglücken.
Was soll man sagen? - danke Jupiter.
Und das Zweite, was mir auffiel, war die sichbare Eigenbewegung des Mondes am Nachthimmel - ganz ohne Teleskop.
Wann immer ich auf dem Dach sitze, um zu beaobachten, steht ein alter Korbstuhl mit draußen. Er sollte schon vor Jahren auf den Sperrmüll, doch ich habe es nicht übers Herz gebracht und seither ist er mein Astro-Stuhl. Man kann nämlich, dadurch, dass er eine hohe Rückenlehne und zwei niedrigere Armlehnen hat, erstaunlich viele unterschiedlich hohe Positionen auf ihm einnehmen. Immer mit dem Hintern an eben einem der unterschiedlich hohen Teile des Sitzmöbels angelehnt. Mein Astro-Stuhl ist dadurch erstaunlich vielseitig, und das Beste ist: ganz normal drauf sitzen kann man auch - und zwar sehr gemütlich!
Was ich regelmäßig auch tue. Denn für mich fängt das Beobachten mit Runterkommen an; runterkommen vom eigenen Tagwerk, vom Ärger mit wem auch immer; aber auch, um die Ausrüstung abkühlen zu lassen und dabei ein wenig "Indische Petersilie" zu genießen.
Alles Voraussetzungen für einen guten Beobachtungsabend.
Und so fläzte ich mich gestern Abend gemütlich auf mein Sesselchen, den Blick durch den milchig-trüben Himmel auf den dominant-hellen Mond gerichtet - und verharrte so ruhig, wie nur möglich. Wie kurz vor dem Schuss: einatmen-ausatmen-einatmen und dann nach dem halben Ausatmen die Atmung einstellen - gefroren in der Bewegung und in perfekter Ruhe des Körpers.
Und siehe da: die Bewegung des Mondes bei seinem Weg durch die Ekliptik wurde plötzlich sichtbar. Ganz zart nur, denn es gab am milchigen Firmament wenig Anhaltspunkte, an der man seine Bewegung festmachen konnte. Doch er lief merklich über den Himmel.
Da ich anfangs nicht sicher war, ob ich das wirklich sah, oder ob der Anbilck "Gras-induziert" war, rückte ich meine Korbstuhl in die Mitte des Schattens, den der Hausgiebel im Mondlicht warf, wodurch der Himmelskörper zur Hälfte hinter der Linie des Daches verschwand.
Wieder stillsitzen und beobachten.
Wer hätte es gadacht - er bewegte sich tatsächlich.
Okay, big deal ... und?!
Das kann man so sehen, klar. Aber der Punkt ist doch, dass wir (wir? wir alle? oder mancher, einige wenige, die meisten?) im Zuge der allabendlich stattfindenden astronomischen "Materialschlachten" am Himmel vielleicht manchmal schlicht vergessen haben, was da oben wirklich stattfindet - Bewegung. Himmelsmechanik.
Seit gestern Abend hat dieser Begriff für mich eine völlig neue und vor alle schlüssige Bedeutung.
Himmelsmechanik.
Wow! Und das alles ist ohne jede Optik sichtbar.
... und?! - danke Himmel.
Schönes Wochenende,
Urs
Wirklich, ich hab's mit eigenen Augen gesehen!
Liebe Glasaugen,
zwei wunderbare Beobachtungsabende liegen hinter mir; nach Wochen des Frustes über die permanent geschlossene Wolkendecke. Um das mental zu bewältigen und nicht daran zu zerbrechen, hat das im Hause Corpulentus zu allerlei Neuanschaffungen geführt. Aber das nur am Rande. Ich beklage mich auch nicht, es ist das Los des Teleskopikers ...
Wirklich schön und beeindruckend aber waren zwei eigentlich ganz simple Dinge, die mir an diesen beiden ersten Abenden am gestirnten Himmel nach Wochen der Dunkelheit wieder aufgefallen sind:
Der erste Blick auf den Jupiter nach langer, langer Zeit hat mich völlig geflasht!
Eigentlich ist er ja nichts Neues, jeder hier kennt ihn und die meisten von uns haben sich sicherlich zu einem gewissen Grad auch daran gewöhnt, wie man sich an (fast) alles gewöhnt über kurz oder lang, im Guten wie im Schlechten.
Aber trotzdem war ich darauf irgendwie nicht vorbereitet.
Der Blick durch eine richtig gute Optik mit guten Okularen war einfach atemberaubend. Wie beim ersten Mal - damals nur in viel schlechterer Qualität. Aber diesmal konnte ich die nahezu göttliche Perfektion (man verzeihe mir den Ausflug ins Spirituelle, der natürlich nur für mich gilt und keinerlei allgemeine Deutungshoheit beansprucht!) fast spüren, mit der der Planet im Verband mit seinen Trabanten seit Urzeiten in unserem Sonnensystem seinen Job macht - nämlich um die Sonne zu kreisen und uns Würmer auf dem nur unbedeutenden Nachbarplaneten dabei quasi en passent mit seiner seltsam symmetrisch anmutenden Perfektion und seinem betörenden Farbenspiel zu beglücken.
Was soll man sagen? - danke Jupiter.
Und das Zweite, was mir auffiel, war die sichbare Eigenbewegung des Mondes am Nachthimmel - ganz ohne Teleskop.
Wann immer ich auf dem Dach sitze, um zu beaobachten, steht ein alter Korbstuhl mit draußen. Er sollte schon vor Jahren auf den Sperrmüll, doch ich habe es nicht übers Herz gebracht und seither ist er mein Astro-Stuhl. Man kann nämlich, dadurch, dass er eine hohe Rückenlehne und zwei niedrigere Armlehnen hat, erstaunlich viele unterschiedlich hohe Positionen auf ihm einnehmen. Immer mit dem Hintern an eben einem der unterschiedlich hohen Teile des Sitzmöbels angelehnt. Mein Astro-Stuhl ist dadurch erstaunlich vielseitig, und das Beste ist: ganz normal drauf sitzen kann man auch - und zwar sehr gemütlich!
Was ich regelmäßig auch tue. Denn für mich fängt das Beobachten mit Runterkommen an; runterkommen vom eigenen Tagwerk, vom Ärger mit wem auch immer; aber auch, um die Ausrüstung abkühlen zu lassen und dabei ein wenig "Indische Petersilie" zu genießen.
Alles Voraussetzungen für einen guten Beobachtungsabend.
Und so fläzte ich mich gestern Abend gemütlich auf mein Sesselchen, den Blick durch den milchig-trüben Himmel auf den dominant-hellen Mond gerichtet - und verharrte so ruhig, wie nur möglich. Wie kurz vor dem Schuss: einatmen-ausatmen-einatmen und dann nach dem halben Ausatmen die Atmung einstellen - gefroren in der Bewegung und in perfekter Ruhe des Körpers.
Und siehe da: die Bewegung des Mondes bei seinem Weg durch die Ekliptik wurde plötzlich sichtbar. Ganz zart nur, denn es gab am milchigen Firmament wenig Anhaltspunkte, an der man seine Bewegung festmachen konnte. Doch er lief merklich über den Himmel.
Da ich anfangs nicht sicher war, ob ich das wirklich sah, oder ob der Anbilck "Gras-induziert" war, rückte ich meine Korbstuhl in die Mitte des Schattens, den der Hausgiebel im Mondlicht warf, wodurch der Himmelskörper zur Hälfte hinter der Linie des Daches verschwand.
Wieder stillsitzen und beobachten.
Wer hätte es gadacht - er bewegte sich tatsächlich.
Okay, big deal ... und?!
Das kann man so sehen, klar. Aber der Punkt ist doch, dass wir (wir? wir alle? oder mancher, einige wenige, die meisten?) im Zuge der allabendlich stattfindenden astronomischen "Materialschlachten" am Himmel vielleicht manchmal schlicht vergessen haben, was da oben wirklich stattfindet - Bewegung. Himmelsmechanik.
Seit gestern Abend hat dieser Begriff für mich eine völlig neue und vor alle schlüssige Bedeutung.
Himmelsmechanik.
Wow! Und das alles ist ohne jede Optik sichtbar.
... und?! - danke Himmel.
Schönes Wochenende,
Urs
Zuletzt bearbeitet: