Uranus mit Epsilon-Ring

003sec

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Hallo Forum,
wer sich in diesen Jahren als „Uranus-Ring-Bezwinger“ versuchen möchte, der hat es schwer, denn der Planet zeigt fast mit seinem Pol auf uns, und der Ring ist somit auch fast kreisrund. Das ist deshalb ein Problem, weil es bei solch schwierigen Unterfangen einfacher ist, irgendwelche Ringe durch Bildbearbeitung selbst zu produzieren oder kreisrunde systembedingte Reflexionen als Ring fehlzuinterpretieren, als tatsächlich einen echten Uranusring abzubilden. In den letzten 2 Jahren habe ich es immer mal wieder versucht, konnte aber nie ein zweifelsfreies Ergebnis einfahren. Aber ich konnte Erfahrungen sammeln, sowohl bei der Aufnahme als auch bei der Bildbearbeitung. Eine dieser Erfahrungen war: Alle Wege führen über den Mond Miranda. Dieser ist etwa 16,3 mag hell. Diesen Mond muss man hell und deutlich abbilden können, ansonsten wäre im Vergleich der Ring zu lichtschwach. Nun ist es kein Problem, die 16 mag mit einem größeren Teleskop zu erreichen, sondern das Problem ist die Überstrahlung des Uranus und in dessen Lichtsaum noch ein 16- bis 17-mag-Detail auszumachen. Manche Leute nehmen deshalb einen Methanbandfilter, der die Planetenscheibe deutlich abdunkelt, den Ring aber nicht. So ein Filter führt aber zwangsläufig zu längeren Belichtungszeiten. Dadurch wird das Bild unschärfer und Details lassen sich weniger deutlich ausmachen. Mir war schnell klar, dass ich es nur mit Rotfilter versuchen würde. Rot deshalb, weil ich Aberration und Dispersion ausschalten konnte und zudem das Seeing im roten Licht deutlich besser ist.
Und dann bin ich auf die Sache mit dem Kontrast gekommen. Uranus ist etwa 20.000-mal heller als der „Trittstein“ zum Ring, Miranda. Und der Ring ist gerade mal 2″ vom Planetenrand entfernt. Das sind deprimierende Werte, aber: Wir dürfen nicht die Gesamthelligkeit der Körper betrachten, sondern die Flächenhelligkeit auf dem Chip, und da sieht die Sache schon anders aus. Die Flächenhelligkeit von Uranus beträgt nämlich nur 8,3 mag pro arcsec. Der Kontrastumfang verringert sich somit auf etwa 1 zu 1500, ganz grob, wenn Miranda auf 1 × 1″ abgebildet wird und somit Gesamthelligkeit = Flächenhelligkeit angenommen wird. Wenn das Seeing aber besonders gut ist und Miranda vlt. nur von 5 × 5 anstatt von 9 × 9 Pixeln abgebildet wird, so verringert sich der Kontrastumfang noch weiter, weil das Licht ja nun auf weniger Pixel fällt und der Mond immer noch punktförmig und damit heller abgebildet wird. Damit wurde die Bildschärfe das eigentliche Ziel meiner Arbeit und nicht die Beherrschung des Kontrastumfangs. Dass ich so einen Versuch nur bei sehr gutem Seeing starten würde, war klar, die andere „Schärfeschraube“ war die Belichtungszeit. Bei 10 ms und Rotfilter mache ich i.d.R. die schärfsten Bilder, nur muss ich in diesem Fall eine gewisse Tiefe erreichen. Noch ein paar zigtausendmal mehr 10 ms hilft leider nicht, auch bei dem extrem guten Ausleserauschen der ASI585. Von einem Objekt mit etwa der Flächenhelligkeit von Miranda kämen pro Foto nur ~ 4 Photonen vom Objekt an. Die gehen definitiv irgendwo im Rauschen verloren. Zum Vergleich: An einem Sonnentag treffen rund 10 hoch 17 bis 10 hoch 18 Photonen pro Quadratzentimeter auf die Erde. Also hieß es, die Belichtungszeit verlängern, und zwar sowohl die Einzelbelichtungszeit als auch die Gesamtbelichtungszeit. Ich bin bei 160 ms gelandet. Halb experimentiert, halb geschätzt mit Erfahrungen aus der Deep-Sky-Fotografie. Jetzt kamen ganz grob 65 Photonen pro Bild auf den Chip, die lassen sich schon auslesen. Durch die längere Belichtungszeit wurde das Bild aber wieder unschärfer. Damit wird klar, dass alleine das Seeing dafür verantwortlich ist, ob und wie gut ich den Uranusring abbilden kann. Der HCG-Modus bei der ASI585 beginnt bei Gain 200, früher waren es 250. Den musste ich auf jeden Fall nutzen. Tatsächlich war noch nicht einmal das Uranusscheibchen ausgebrannt. Ich nutzte Gain 300 und sah immer noch kein reines Weiß. Belichtet habe ich in 1-Min.-Filmen, da ich am Dobson eine Bildfelddrehung habe, und das genau 100 Mal. Später fiel mir ein, dass ich vielleicht die vollen 12Bit hätte nutzen sollen. So aber bin ich bei 8 Bit geblieben, hat trotzdem geklappt und ich bin nicht mal sicher, ob es besser geworden wäre.
Nun kommt die Bildbearbeitung. Ringe zu produzieren ist leicht, und wenn man sich Mühe gibt, dann auch an der richtigen Stelle. Die Prozesse müssen verstanden sein und möglichst einfach, dann kann man das auch nachvollziehen. Deconvolution, Maskierung, Wavelets, Larson-Sekanina … alles (für mich) nicht durchschaubar. Aber die „unscharfe Maskierung“, die verstehe ich. Ein Radius, eine Intensität. Die Intensität wird vom Bildmotiv und dessen Rauschen vorgegeben und der Radius, der wird von der PSF vorgegeben. Ein Test hat gezeigt, dass die Monde (= PSF) am schärfsten und am klarsten definiert sind, bei einem Radius von 3,8 Pixeln. Da ich die Bildgröße beim Stacken gleich verdoppelt hatte, ist das ganz schön wenig. 1,9 Pixel breit war die Unschärfe im Original. (Um ein Airyscheibchen aufzulösen, benötige ich übrigens 3 Pixel). Zwischen Ring und Planetenrand hatte ich knapp 20 Pixel. Nun das 2. Werkzeug, das Strecken. Um einen sehr großen Kontrastumfang im Zaum zu halten, macht man das i.d.R. nicht linear. Aber was passiert dann mit der Schärfung, die soll ja überall sauber und korrekt gleich stark sein? Wenn aber eine Region weniger gestreckt ist und eine andere mehr, dann entstehen …. Ringe. Also durfte ich nur linear strecken. Gefühlt konnte das nie klappen, weil ja Uranus dadurch ausbrennt und als Nächstes die streuenden Randbereiche in die Sättigung laufen und sich der Radius so weit ausdehnt, dass der Ring überstrahlt wird. Bei schlechtem Seeing ist das sicher so, aber ich hatte gutes. Vielleicht hätte ich ein noch klareres Ergebnis eingefahren, wenn ich den HS mal geputzt hätte. ;)
So, und hier Schritt für Schritt:
Original, nur gestacktes Bild, 1 Min., Verwendungsrat 67 %, 40 cm Dobson bei f/15,4 ASI585MM Pro bei -10°, Rotfilter
1.jpg


linear gestreckt, so weit, bis der Planetenrand in die Sättigung läuft
2.jpg


geschärft mit 3,8 Px. Radius wie beschrieben, die Intensität darf nicht zu hoch sein, der Rand um Uranus muss noch Streulicht zeigen.
3.jpg


erneut gestreckt, jetzt kommen schon die Monde und das Rauschen hervor. Links auf 9 Uhr ganz knapp Miranda.
4.jpg


wie man sieht, wurde das Planetenscheibchen gar nicht so viel aufgeblasen.
5.jpg


100 von diesen Bildern wurden addiert und das Bildfeld derotiert. Die Monde bewegten sich natürlich um Uranus herum. Die unterschiedliche Helligkeit der Strichspuren ist dem Stacken geschuldet, das Ergebnis linear gestreckt.
6.jpg


noch eine Schärfung mit gleichem Radius und das Ziel ist (meiner Meinung nach klar) erreicht.
7.jpg




8.jpg


... geht gleich weiter.
 
9 Die Überlagerung einer Karte passt 100%ig
9.gif


10-11-12 was man falsch machen kann mit zu großem Radius
10.jpg

11.jpg

12.jpg


13- was man falsch machen kann bei nicht linearem Strecken. Der Ring ist da, aber welcher ist es? :)
13.jpg


14-eine Simulation an einer künstlichen Planetenscheibe mit ähnlicher Bildbearbeitung, ist aber nicht wirklich belastbar.

14.jpg


15-da das Scheibchen nicht ausgebrannt war, konnte ich bei 10% Verwendungsrate und ohne Streckung noch die unterschiedlichen Hemisphären abbilden.
15.jpg


Ich hoffe, das reicht, um in den Kreis der „Uranus-Ring-Bezwinger“ aufgenommen zu werden ;) . Für mich persönlich gab es mehrere Aha-Momente. Allein dafür hat sich der Aufwand gelohnt. Leider ist es so, dass das Seeing wirklich sehr, sehr gut sein muss, aber da sage ich nichts Neues.

Viele Grüße
ralf
 
Hallo Ralf,

sehr schönes und überzeugendes Ergebnis. :y:

Nur…ein kleiner Hinweis: Es liest sich einfacher, wenn man den Text ganz oben entsprechend etwas in Abschnitte gliedert.
Soll aber keine Kritik an deiner Arbeit an sich sein.:)

Viele Grüße
Werner
 
Hallo Ralf,

wie Werner schon schreibt, ein sehr schönes Ergebnis! Besonders hervorzuheben ist die transparente Beschreibung der Vorgehensweise und das kritische Hinterfragen des Prozesses der Bearbeitung. Der Aufwand hat sich definitiv gelohnt und gibt mir die Motivation es auch mal zu versuchen (wenn auch mit kleinerer Gerätschaft). Danke für's Teilen der Bearbeitungsschritte, so muss man das Rad nicht neu erfinden (auch wenn man sicher auch etwas herumprobieren muss). Hut ab!

CS Jochen
 
Hallo, mein Kochrezept ist: 16min Belichtung mit 100ms pro Bild und 16bit bei 18" bei guter Transparenz und Seeing mit IR 685nm.
Überprüfung ob echt, durch Ausmessen der Elliptizität und Ausrichtung der großen Halbachse.
CS Mike
 
Lieber Ralf,

sehr beeindruckende Arbeit und Dokumentation dazu! :y::y:
Für mich alles schlüssig und technisch nachvollziehbar.

Hast Du auch Farbaufnahmen gemacht, damit Du evtl noch ein normal belichtetes Ergebnis verarbeiten kannst?
Dazu müsste man sicherlich eine Komposition machen aus normal belichtetem Planeten und länger belichteten Ringen / Monden... :unsure:

Viele Grüße,
Peter
 
Hallo Ralf
Was mich etwas überrascht das du einen R Filter genommen hast .
Geht das nicht besser mit einem IR 678 oder sogar IR 742 ?
Der macht doch den Planeten dunkler und die Ringe werden dadurch doch besser sichtbar .

Ganz tolles Ergebnis bin begeistert. Es soll sogar ab 10 " Öffnung möglich sein . Natürlich muss dann auch alles perfekt sein .
Sehr tolle Erklärung ,kann ich absolut nachvollziehen .
Das Problem ist wirklich dann die Bearbeitung und das gute Stacken der Bilder das muss 100 % sein .
Sehr schöner Nachweis .
Mir reicht Saturn Ring schon .
Aber versuchen werde ich das auch mal . Wenn Uranus mal richtig hoch steht .


Gruß Frank
 
Hi Frank, ich hab mit IR 642nm und IR 685nm getestet. Erfolg hatte ich nur mit IR685nm.
Wichtig sind die 16bit, den Tipp hab ich von Tom Williams. Im Moment find ich allerdings Neptun wesentlich spannender.
CS Mike
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi ,ich drücke dir die Daumen, ich selbst hatte heute früh bei der extrem seltenen Verfinsterung von Io/ Europa+enger Konjunktion leider kein Wetterglück, grrrrr.
CS Mike
 
Hallo zusammen,
Peter, der ist für dich:
uranus rot 10-160.jpg


Eine Differenzierung in der Farbe gibt es nicht. Ich habe eine Verwendungsrate von 10 % genommen und ein anderer Stack mit 10 mal 1 Min. bei 10 ms war praktisch gleich. Man sieht schon die Helligkeitsänderung am Äquator, sonst aber eher nichts. Kombinieren möchte ich die Bilder mit dem Ring nicht. Diese Dokumentation oben, das sind für mich "Fotos". So eine Kombination wäre eine Bastelarbeit für mich und dann wäre es ein "Bild", ein "Werk" oder eine "Illustration". Grundsätzlich finde ich das gar nicht immer schlecht, aber in diesem speziellen Fall möchte ich die Ästhetik der Dokumentation beibehalten. Deshalb auch der unruhige Rand und das Rauschen etc.
Danke auch für dein Kochrezept, Mike. Ich denke, es gibt viele Rezepte, am Ende muss es einem schmecken. Die Elliptizität auszumessen dürfte schwierig sein, sie bewegt sich im Bereich von 0,2 Bogensekunden und man darf nicht vergessen, dass der Ring selbst auch elliptisch ist. Ob die 16 Bit wirklich so nötig sind, bezweifle ich. Bei Gain 300 hatte ich eine Full-Well-Kapazität von 1000 Elektronen. Diese mit 65.000 Graustufen abzubilden, macht nicht wirklich Sinn. Ich hätte aber, wenn ich denn dran gedacht hätte, auf SER16 umgestellt. Sicher ist sicher.
Frank, im üblichen IR wird der Planet nicht wirklich viel dunkler. Das Seeing wird besser, das schon, aber auf der anderen Seite hatte ich schon sehr gutes Seeing und IR hätte dabei Schärfeverlust bedeutet. Dann kommt noch die Kamera dazu. Bei so 700 nm hat sie nur noch 50 % Empfindlichkeit. Also doppelt so lang belichten, was wieder Unschärfe produziert. Anders ist es beim Methanband, da wird der Planet richtig dunkel. Aber 890 nm sind schon sehr weit weg von "normal" und je nach Kamera gibt es dort noch QEs von 50 bis 5 %. Ich persönlich kenne Ringdarstellungen ab 14" Öffnung. 10″ wären aus meiner Sicht schon sehr ambitioniert, dann aber auch eine kleine Sensation. Ich habe es ja oben beschrieben, versuche es über Miranda und schätze ab, wo der Ring sein könnte und wie hell er sein müsste. Aber auch, wenn du den Ring nicht nachweisen kannst, hast du danach wunderbares Material um die Uranusmonde schön sichtbar zu machen, und so ab 1-2 Std. siehst du sie schön um den Planeten rotieren und Hintergrundsterne werden zusätzlich sichtbar.
VG ralf
 
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