Venus im 12-Zöller

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

StKorth_privat

Aktives Mitglied
Tyrion taugt also auch als Planetenfernrohr... Habe gestern abend einmal mit W47-Violettfilter und bei 115x mit dem 12"-Dobson gen Venus geschaut - siehe da, zum ersten Mal konnte ich auch Wolkenstrukturen knacken. Nicht spektakulär, eher sehr verwischt "Schatten" in Terminatornähe. Aber sie waren eindeutig.
Dann der Test: Meine Frau ist in Sachen Himmelsbeobachtung am Teleskop absolut unerfahren und auch minimal interessiert - trotzdem habe ich Sie zum Blick durch´s Rohr überreden können. Sie hat´s mir dann auch gleich zeichnen können und meine Sichtung bestätigt. Was ihr zugute kommt - sie hat enormes Sehvermögen, sie sieht auch freisichtig eine Venus-Sichel, wo ich nur einen Punkt wahrnehme...
Ich habe nicht gezeichnet, ich kann das nicht wirklich, deshalb poste ich da auch nix...

Stefan Korth
 
Lieber Stefan,

Deine Erfahrung mit dem W47-Filter ist interessant, und die Methode der Absicherung der Beobachtung genial.

Ich mache es mir seit einigen Jahren zum Sport, in Apos zwischen 3 und 5 Zoll Öffnung Eindellungen am Terminator als indirekten Nachweis der Wolkenbänder zu erkennen. Bislang habe ich einen Linear-Polfilter dafür gerne verwendet. Er beruhigt das Bild deutlich und erhöht den Kontrast.
Anfangs dieser Woche habe ich, angeregt durch die schönen UV-Bilder, die aktuell allerorten zu sehen sind, probehalber ein Baader B-CCD (Blau) Filter vor das Okular am 5-Zöller bei 133x geschraubt. Das Ergebnis war erstaunlich gut: eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem Polfilter. Im Gegensatz zum Polfilter wurde es nun möglich, bis 200x ohne Schärfeeinbruch oder übermäßige Unruhe im Bild zu vergrößern. Drei Eindellungen am Terminator waren stabil bei wiederholtem Besuch im 5-Minuten Takt.

Nun wäre ein Vergleich zwischen dem Baader B-CCD und dem W47 eventuell interessant.
Die Transmissionskurve des Baader B-CCD Filters im Vergleich zur Transmissionskurve des Wratten 47 weist darauf hin, wenn ich die Kurven richtig lese, dass der B-CCD einen wesentlich höheren Durchlass in seinem Durchlassbereich zwischen 385 und 505nm hat. Das vermutlich relativ dunklere Bild mit dem W47 könnte hingegen bei grösserer Öffnung von Vorteil sein?

Gruss, Christopher Hay
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Stefan,

kann das auch nur bestätigen. Es sind zwar nur schwache Helligkeitsunterschiede aber dennoch ein toller Anblick.

Gruß,
Holger
 
Sie sieht ohne Hilfsmittel eine Sichel???

Hat mich auch gewundert. Ich jedenfalls hab ohne Hilfsmittel Venus noch niemals als Sichel gesehen.

Ich habe mal ein bisschen rumgegoogelt. Eine gesicherte Quelle dafür, dass jemals jemand vor Erfindung des Teleskops die Venus als Sichel gesehen hätte, gibt es nicht. Es gibt nur mesopotamische Quellen, in denen von "Hörnern" die Rede ist, was aber nach gängiger Meinung anderweitig interpretiert wird.

Es gibt immer mal wieder (neuere) Berichte von Menschen, denen das Kunststück angeblich gelungen ist. Es gibt auch die Theorie, dass es gerade nicht die mit des besten Augen, sondern im Gegenteil eher die mit ausgeprägtem Astigmatismus sind, die glauben eine Sichel zu sehen.

Nix genaues weiß man nicht!

Hier kann man dazu einiges nachlesen sowie einige hilfreiche Links finden:

Und hier noch eine Diskussion dazu auf Cloudynights:

Gruß
Wolfgang
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Oldshield,

das geht schon, aber man braucht genau den richtigen Zeitpunkt. Die Dämmerung muss noch sehr hell und die Venussichel sehr groß sein, dann kann sie fast jeder beobachten und es ist sogar relativ leicht. Im Moment würde ich aber sagen es fehlen noch ein paar Bogensekunden bis es gut funktioniert, so um 50" Durchmesser wird es interessant. Bei über 60" Durchmesser ist es sehr leicht für halbwegs normalsichtige Menschen.


MfG

Rainmaker
 
Hallo Oldshild,

ja, das geht. Man möge in der Dämmerung beobachten und sicherstellen, dass jeder etwaig vorhandene Augenasti bei <0,25 Dioptrien liegt.

Ich kann das selbst bestätigen.

Viele Grüße
Werner
 
Im Moment würde ich aber sagen es fehlen noch ein paar Bogensekunden bis es gut funktioniert, so um 50" Durchmesser wird es interessant.
Ja, das hat bei Cloudynights auch jemand so geschrieben. Aber, der den Thread gestartet hat, hatte nur 30" zur Verfügung, also ähnlich wie momentan.

Ich werde es auf jeden Fall mal in den kommenden Wochen ausprobieren.

Gruß
Wolfgang
 
Hallo Wolfgang,

versuch es, wenn die Venus sich so gerade gegen die Dämmerung durchzusetzen beginnt, denn sonst überstrahlt sie und es ist nicht außer ein heller Fleck zu erkennen Da sie im Moment relativ hoch steht könnte ein höherer Baum dem Auge helfen nicht falsch zu fokussieren. 30" würde ich auch für etwas sehr optimistisch ansehen, aber probiert habe ich es noch nicht.


MfG

Rainmaker
 
Hallo Rainmaker,

ich beobachte Venus mit Fernglas und Teleskop immer nur am Tag. Nur so setzt sich die Sichel gestochen scharf gegen den Himmel ab. Wir hatten ja neulich hier auch das Thema, dass Venus zur Zeit besonders einfach mit bloßen Augen am hellen Taghimmel zu finden ist. Ich habe bislang nur mit bloßen Auge noch nie eine Sichel gesehen. Einfach mal abwarten, bis sie größer geworden ist...

Eigentlich müsste doch eine Sonnebrille, selbst in der frühen Dämmerung, helfen. Dann ist die Augenpupille größer und die Auflösung steigt. :unsure:
Oder sehe ich das falsch?

Gruß
Wolfgang
 
Hallo Wolfgang,

am Taghimmel habe ich es noch nie probiert, denn die große Helligkeit stört mich. Meine Beobachtungen habe ich bisher immer angestellt, wenn die Sonne ein paar Grad unter dem Horizont stand. Ich denke die Sonnenbrille wird eher kontraproduktiv sein. Zwar wird die Pupille dann größer, aber die Bildfehler dürften zunehmen. Die Auflösung für Punktlichtquellen wird glaube ich auch nicht das Problem sein, denn es ist ja kein Doppelstern, sondern eher eine schmale Linie und für strichförmige Objekte ist die Auflösung des Auges etwas höher.


MfG

Rainmaker
 
Wie gesagt - meine Frau ist als visuelle Himmelsbeobachterin normalerweise maximal demotiviert, hat aber bei spontanen "Sichelsichtungen" die Orientierung auch korrekt wiedergegeben. Sie ist dennoch nicht unempfänglich für Himmelsbeobachtung, weil sie gerne mit mir im Sommer-Urlaub auf Perseiden-Jagd geht und überhaupt das freisichtige Spechteln mit Milchstraßenhimmel schon schick findet. Beim Perseiden-Zählen sticht sich mich regelmäßig aus und ärgert mich dann auch noch damit...

That´s life, klaren Himmel...
Stefan
 
Hallo.

Dass der Visus beträchtlich variieren kann, und das auch am Teleskop große Bedeutung hat, wird leider beim Gerätevergleich oft vergessen. Bei Normalsichtigkeit mit Visus 1 geht man historisch bedingt definitionsgemäß von 60" Bogensekunden Auflösung aus. Das ist aber nicht ein wenig variierender durchschnittlicher Wert, sondern nur der, der am häufigsten vorkommt. Während man den Führerschein m.W. schon ab Visus 0,7 bekommt (also ca. 85") und damit noch als normalsichtig gilt, gibt es gar nicht so wenige (insbesondere junge) Leute, die auf einen Visus über 2 kommen, also unter 30" auflösen können. Selbst 2,5 wurden schon gemessen, und ich glaube für Linienauflösung gibt es in der Literatur sogar Werte bis herab zu 18". Das sollte für die Venussichel bei manchen Leuten also gut reichen...

Wenn aber der Visus unter Beobachtern im Maximalfall um einen Faktor 3 bis fast 4 variieren kann, dann brauchen diese Beobachter für dieselbe Wahrnehmungsleistung in Bezug auf ihre Auflösung zur Kompensation auch Geräte, deren Durchmesser korrespondierend ebenfalls um das 3 bis 4 fache variieren muß. Damit der Kontrastabfall für die nötige höhere Vergrößerung kompensiert wird (gleiche AP). D.h. der Kandidat mit Visus 0,7 löst mit einem 200mm Dobson und entsprechend hoher Vergrößerung dieselben Details an Planeten, Mond oder Doppelsternen auf, die ein junges Adlerauge mit Visus 2,3 bei entsprechend niedrigerer Vergrößerung (aber gleicher AP, d.h. gleichem Kontrast) schon in seinem 60mm Röhrchen trennt- und dabei auch noch ein viel größeres Feld überblicken kann. (Vergleichbare Fertigungsqualität der Optiken immer vorausgesetzt).

Vielleicht erklären diese Unterschiede auch so manche Streiterei? Oder führen am Ende zu ganz unterschiedlichen Empfehlungen an andere, da jeder nunmal gerne von sich auf andere schliesst, aber damit in Sachen Wahrnehmungsfähigkeit unbemerkt auch leicht mal ziemlich daneben liegen kann... Was mich noch interessieren würde: ob vielleicht unter Refraktorliebhabern tendenziell mehr Leute mit höherem Visus anzutreffen sind, und das vielleicht bei Spiegelbefürwortern tendenziell andersherum ist? Fragen.

Gruß,
Mathias
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi!

Vielleicht doch nochmal zurück zum eigentlichen Thema.

Gestern habe ich mir Venus mit meinem 18-Zöller angeschaut (34 % erleuchtet, 33" Durchmesser). Begonnen habe ich kurz vor Sonnenuntergang. Ich habe verstärkt auf Wolkenformationen geachtet. Ich meine auch am Terminator Strukturen erkannt zu haben. Das sah mir aber eher nach optischer Täuschung oder nach einem Seeing-Effekt aus. Interessanterweise habe ich in der Vergangenheit gerade bei bestem Seeing immer nur eine blitzeblanke Venus gesehen. Daher bin ich (noch) eher skeptisch, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Violett-Filter habe ich beim 18-Zöller übrigens noch nie ausprobiert, da ich alle Farbfilter schon vor 20 Jahren wegen (vermeintlicher?) Wirkungslosigkeit aber vor allem wegen Hässlichkeit eingemottet habe.

Achso: Mit bloßen Augen habe ich übrigens einen perfekten Punkt gesehen.

Vielleicht erklären diese Unterschiede auch so manche Streiterei?

Interessanter Aspekt! Wobei natürlich die tieferen Ursachen der Streitereien hauptsächlich durch Psychologie und weniger durch Anatomie oder Physiologie zu erklären sind. ;)

Gruß
Wolfgang
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben