Venus und Mars 6. Januar 2017

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Canonist

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Hallo zusammen.
Am Sonnabend bot schönes Wetter Gelegenheit, schon früh an die Planeten zu gehen. Venus habe ich am frühen Nachmittag aufgesucht und durfte feststellen, dass recht gutes Seeing anlag. Mindestens in den IR-Pass-Bildern war das auch erkennbar, UV hingegen war zwar etwas besser als die Wochen zuvor, blieb aber weit hinter IR zurück, und auch weit hinter dem, was andere hier derzeit zeigen können. Ich komme immer noch nicht dahinter, was da falsch läuft...

Link zur Grafik: http://www.diefotomaus.de/astro/venustab17-01-06.jpg


Danach weiter zum Mars. Der steht höher und hatte noch bessere Luft. Entsprechend die Ergebnisse, die mir auch zeigen, dass mein Teleskop nicht zum Optik-Doktor muss, wie ich in den letzten Wochen so manches Mal schon befürchtet habe. Es sind offenbar andere Ursachen, die oft die Bilder versauen.

Der erste Durchgang:

Link zur Grafik: http://www.diefotomaus.de/astro/Mars_tab1_060117.jpg

Etwa eine Stunde später dann noch einer:

Link zur Grafik: http://www.diefotomaus.de/astro/Mars_tab2_060117.jpg

Besonders hat mich gefreut, dass die Farbdirektbilder diesmal so gut ausgefallen sind. Sie lösen genauso gut auf wie die IR-Pass-Aufnahme, das war bisher selten der Fall.
Eins habe ich diesmal auch anders gemacht: Die Brennweite durch eine zusätzliche Hülse hinter der Barlow auf ca. f:30 verlängert. Das hat offenbar der Auflösung gutgetan.

Später habe ich dann noch gut eineinhalb Stunden Mond in Hochauflösung aufgenommen und ein komplettes Terminator-Panorama geschafft. Daran arbeite ich aber noch, und das schon seit zwei Tagen. Dazu vielleicht später mehr.
Aufgrund der Kälte habe ich es dann vorgezogen, an meine Gesundheit zu denken und bin nach vier Stunden Sternwarte an den warmen Ofen zurück...
CS
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

ganz hevorragende Aufnahmen, besonders die Venus finde ich interessant. Ich wusste nicht, das UV-Aufnahmen auch mit einer Farbkamera möglich sind.

Schade, das mir da das Equipment fehlt.
Wenn nur der UV-Filter nicht so teuer wäre. Außerdem finde ich nirgens den Schüler Filter.

Gruß,
Holger
 
Hallo Rudolf,
erst mal, sehr schöne Bilder sind, Mars mit 5,58" beeindruckend.
Du schreibst oben, das Du nicht dahinter kommst, was falsch läuft, der UV Kanal sieht viel unschärfer aus als der IR Kanal. Mir fällt höchsten folgende Möglichkeit ein:
die Schmidt Platte deines Teleskopes ist ja sphärisch nur für eine Farbe, bei den üblichen Modellen glaube ich meist Rot, korrigiert. Dazu kommen die Linsen der Barlow. UV Fotografie findet ja um 350nm statt, daher setzen die meisten wohl reine Spiegeloptiken ein. Da ja im UV das Auflösungsvermögen viel besser als im roten Bereich ist, würde ich den UV Kanal mal ohne Barlow probieren. Mehr fällt mir leider nicht ein.
Viele Grüße Olaf.
 
Hallo Olaf.
Danke für die Gedanken. Ja, das Bild ist ungewöhnlich unscharf, erst recht im Vergleich zum IR-Pass.

Von den besseren Rotkorrekturen der C14-Platten hatte ich schon gehört. Es erscheint mir aber schwer vorstellbar, dass sie eine deutlich schärfere Abbildung im Blauen ganz verhindern sollten. Dagegen sprechen zwei Dinge: Die guten Ergebnisse, die andere C14-Besitzer mit ihren Geräten erreichen und der Umstand, dass ich zwar oft mit gerade den Blauauszügen in der Vergangenheit auch bei der Monokamera Probleme hatte, es aber zuweilen eben auch sehr gute Bilder gab. Nämlich immer dann, wenn das Seeing endlich mal wirklich gut war. Deshalb glaube ich eher nicht daran, dass die Optik dazu nicht in der Lage wäre.

Als Barlow benutze ich die Zweizoll-Version von Astrophysics. Ich kenne deren Spezifika auf Durchlässigkeit gerade im UV-Bereich jetzt nicht, die optische Qualität der Barlow ist aber grundlegend sehr gut. Ich könnte es mal wieder mit der guten alten Okularprojektion versuchen, kenne aber die Transmission der verwendeten Okulare genausowenig.
Natürlich wird das Bild rein fokal etwas besser; weil ich deutlich kürzer belichten kann, weniger Rauschen in Kauf nehmen muss – aber eben auch ein mehr als halb so kleines Bild habe. Das drückt dann wieder die Auflösung.

Der Faktor, den ich am wenigsten einschätzen kann, ist der Einfluss des Seeings. Ich glaube aber, dass er an meinem Standort enorm ist. Ich beobachte aus der Stadt heraus und habe rundherum Häuser, die gerade im Moment natürlich viel Wärme durch die Schornsteine entlassen. Im Blauen scheint das oftmals viel deutlicher durchzuschlagen als im IR-Pass. Ich habe oft das Gefühl, überhaupt keinen klaren Fokus ausmachen zu können, bei IR geht das zur selben Zeit sehr gut.

Bin daher weiterhin etwas ratlos, möchte aber auch nicht endlos viel Zeit mit Rumexperimentieren vertüddeln, sondern weiter beobachten.
LG
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

wenn du dir dieses Diagramm anseht, kannst du feststellen, dass die asi224mc im Infraroten ganz gut funktioniert:

Link zur Grafik: https://astronomy-imaging-camera.com/wp-content/uploads/QE-ASI224.jpg

Im UV gibt es aber Probleme: durch die Bayermaske kommt sehr wenig Licht auf dem Sensor an, und es werden (vermutlich) hauptsächlich nur jedes (4te) blaue Pixel belichtet. D.h. im UV-Bild ist das Rauschen stärker und und die Auflösung geringer als bei größeren Wellenlängen. Diese beiden Dingen führen außerdem dazu, dass das Fokussieren schwieriger wird.

Hier vielleicht die Frage, wie die uv/ir Bilder ursprünglich aussahen ? War das ir Bild weiß/leicht farbig und das uv Bild stark bläulich ? Und wie waren die Belichtungszeiten ?

Daneben gibt es noch einen unabhängigen zweiten Effekt: je geringer die Wellenlänge, desto stärker ist der Einfluss des Seeings.


Viele Grüße
Benny
 
Hallo Benny.
Danke für die Kurven. Natürlich "murcheln" wir mit UV in den geringstempfindlichen Bereichen unserer Astrokameras herum, das war mir schon klar und drückt sich ja auch deutlichst in den zig-mal längeren Belichtungszeiten bzw. geringen Framerates aus. Immerhin schaffe ich mit der ASI224MC im UV noch Bildraten um die 20 fps bei nicht vollausgefahrenem Gain, während ich mit der Mono-Kamera DMK21AU618 zwar die bessere Auflösung bekomme, weil alle Pixel genutzt werden, dafür aber in der fps auf um die 5 bis bestenfalls 10 runterfalle. Da werden UV-Videos zur Geduldsprobe und die Belichtungszeit ist entsprechend auch länger, womit mir das Seeing wieder voll in die Parade fährt.

Ich habe mir eben mal die Transmissionskurven der zwei gebräuchlichsten UV-Filter (Schüler UV und Baader) angeschaut. Die sind erstaunlich unterschiedlich. Ich benutze das Schüler UV, das als gebräuchlichstes gilt. Vorteil: Kein Rot-Leck, dafür aber auch deutlich weniger Durchlass als beim Baader.

Dass es auch beim Schüler ein minimales IR-Leck gibt, beweist die ASI ganz deutlich: Ich mache ja trotz allem immer Farbbilder, und die UV-Aufnahmen haben einen Rotanteil! Ich kann in Firecapture ja Rot und Blau regulieren. Wenn ich Rot ganz rausnehme ist das Bild tatsächlich nur noch Blau (i.e. als RGB-Layer sind Rot und Grün komplett ohne Signal). Allerdings verliert es dann auch jeden Kontrast und das Detail! Nur wenn ich mit Rotanteilen aufnehme, bekomme ich überhaupt detaillierte Bilder...

Zu guter Letzt hilft das alles bei einer Erklärung nicht weiter. Es ist ja wie im Sport: Wir alle nutzen ähnliches Equipment. Die einen bekommen damit gute, toll strukturierte UV-Bilder, bei mir ist's Schrott. Trainer, was läuft da falsch, lautet deshalb weiterhin die Frage.
Bin gespannt, welcher Coach helfen kann :)
CS
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

deine Mars-Bilder sind "erschreckend" gut. Bei so kleinem Durchmesser hat man früher sicherlich keinen Erfolg gehabt.
Interessant finde ich bei der Anwendung von Barlowlinsen, dass Hülsen eine Verbesserung bringen. Oft liest man, dass Abstandveränderungen gegenüber der vorgesehenen Verwendung nicht bringen würden. Es kommt sicherlich auf das Zusammenspiel aller Komponenten an.
 
Hallo Karl-Heinz.
Danke für dieses Lob. Ich habe selbst gestaunt, was da heute so geht.
Bei der Barlow darf man eines nicht übersehen: Dahinter befand sich auch noch ein ADC. Und der wirkt u.U. besser, je größer der Abstand zum optischen Glied davor ist. Habe ich dieser Tage sehr schön in Tests nachlesen können.
Dem Marsbild ist aber vor allem die Größe auf dem Chip der ASI224MC zugute gekommen, die Brennweitenverlängerung war gegenüber dem Bild bei nur 2x-Barlow auch auflösungssteigernd.
CS
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

Dies ist eine, einfach nur als wundervoll zu beschreibenden Venusaufnahme! :applaus:
Wesendlich besser als jene, welche du letztes Jahr online gestellt hattest - und die war schon Referenz in dieser Teleskopklasse.
Grundsätzlich liegt deine Venus-Abbildung, von denen welche hier hochgeladen wurden, auf dem 2. Platz - und das UNABHÄNGIG von den Teleskoparten und Teleskopdimensionen (nur um mal deiner lobenswerten, demütigen Einstellung von wegen "weit hinter dem, was andere zeigen können" den Wind aus dem Segel zu nehemen. Selbst wenn dem so ist, sie zeigen es nicht - du schon und damit bist du unter den TOP Abbildnern)
Wenn ich diese Aufnahme so sehe, weis ich schon weshalb ich meine erst gar nicht hochladen brauch. :D

Nun zu Mars: Ich konnte mit meinem Teleskop gefühlt eine Auflösung von 25 Quadart-Winkelsekunden [eine von mir frei erfundene Einheit] ausmachen. Und das auch nur auf Abbildungen.
Was du dahingezaubert hast ist krass! Mir persönlich gefällt die erste Aufnahme besser, das ist aber Geschmack.
Ich weis noch nicht ob auch diese Ablichtung eine Forums-Referenz ist - dazu hab ich noch keine Vergleiche. Allerdings werd ich jetzt damit beginnen...

Danke fürs hochladen - es sind echt beispielgebende Bilder.
 
Hallo Pete.
Danke für Deine netten Worte, aber als so toll sehe ich meine eigenen Aufnahmen gar nicht. Die von der Venus erst recht nicht. Da gibt es mehr als nur einen Planetenbildner hier in Forum, die da Besseres hinbekommen. Im UV ist es zur Zeit einfach nur grottig. Zusammen mit miesem Wetter komm ich auch nicht weiter bei der Suche nach den Ursachen...

Mit dem Mars bin ich zufrieden. Das ist, was ich von einem C14 erwarten darf und auch die Arbeit mit der ASI224MC hat da so funktioniert, wie ich mir das nach Vorlagen anderer erhoffen durfte. Das Bild war in der Tat fast besser als alles, was im Sommer bei Oppositionsgröße ging. Manchmal ist Seeing eben alles.

Neben dem Forum schaue ich mir als Referenzen zum Beispiel an, was die Kollegen im ALPO Japan-Archiv zaubern. Da steht der Mars gut da, Venus hingegen eher im unteren Durchschnitt. So meine Einschätzung.
CS
Rudolf
 
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