Vergleich von Baader O-III-Filtern in den Bandbreiten 10 nm, 6.5 nm und 4 nm im visuellen Einsatz

Nachtfalter

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Hallo zusammen, ich lese hier schon seit langer Zeit still mit und habe dabei viele spannende Beiträge gefunden. Heute möchte ich in Form eines Beobachtungs-/Testberichtes einmal selbst etwas zurückgeben. Vielleicht ist mein Bericht für den einen oder anderen informativ – oder er bereitet einfach Freude beim Lesen.

Erst einmal ganz herzlichen Dank an Nils Kloth (www.Astrogarten.shop) welcher mir die Filter für eine ganze Saison zum ausführlichen Testen überlassen hat.
Das Vertrauen und den freundlichen Austausch weiß ich sehr zu schätzen.


Als visueller Beobachter muss man in Gebieten mit viel künstlicher Beleuchtung lernen, sich mit dem Himmel zu arrangieren. Das tut gerade dann weh, wenn man vorübergehend unter dunklem Himmel beobachten durfte und daraufhin zu den gewohnten Bedingungen zurückkehrt.
Objekte, die zuvor noch im Fernglas spielend leicht zu finden waren, lassen sich unter aufgehelltem Himmel nur mit Mühe wiederfinden, teilweise sogar gar nicht ausmachen.
Filter versprechen, abhängig von ihrem Durchlassprofil, eine mehr oder weniger ausgeprägte Verbesserung der Problematik. Gerne wollte ich mich selbst von den Unterschieden überzeugen und habe daher freundlicherweise von Nils Kloth die Baader O-III-Filter in den Bandbreiten 10 nm, 6.5 nm und 4 nm zur Verfügung gestellt bekommen.

Bei den Beobachtungen kam folgendes Equipment zum Einsatz:
  • Celestron C14
  • 10“ f/5 Dobson
  • 80 mm f/6 Apochromat
Bezüglich der Okularauswahl habe ich zu Vergleichszwecken darauf geachtet eine Austrittspupille bei ca. 5 mm zu verwenden. Entsprechend 30 bzw 24 mm Okular bei Refraktor und Dobson. Und ein 56er am C14. Vereinzelt habe ich höhere Vergrößerungen verwendet, wenn es um bestimmte Details ging.
Ein sehr erfahrender visueller Beobachter hat mich im Nachhinein darauf hingewiesen, dass hier besonders der 4 nm Filter von einer nochmal größeren Austrittspupille hätte profitieren können. Leider war ich zu dem Zeitpunkt mit den meisten praktischen Vergleichen allerdings schon durch, möchte den Punkt an der Stelle aber trotzdem noch einmal hervorheben.
Beobachtungsorte lagen in den Randbereichen des Ruhrgebiets. Nach der Bortle-Scala würde ich den Himmel an den Beobachtungsstandorten unter optimalen Bedingungen wohlwollend gerade noch als 6 einstufen… der Großteil der Nächte liegt aber realistischerweise bei 7 oder schlechter. Für eine optimale Dunkeladaption und Abschirmung des Umgebungslichtes habe ich ein dunkles Beobachtungstuch verwendet, welches mir in der Praxis deutliche Vorteile beim Beobachtungskomfort und der Detailwahrnehmung brachte.



Beobachtungen am Winterhimmel.

Orionnebel: Der Orionnebel ist ein beliebtes Beobachtungsziel, das unter jedem Himmel und für jedes Instrument erreichbar ist. Im 80 mm Refraktor ist der Nebel natürlich auch ohne Filter bereits gut zu sehen. Die Zentralregion hebt sich deutlich ab, und auch die Schwingen sind in ihren Ansätzen bereits gut erkennbar. M43 ist ebenfalls zu sehen, jedoch nur indirekt.
Mit dem 10 nm Filter ist der Unterschied zu filterlosem Beobachten auf Anhieb deutlich zu sehen. Der Nebel sticht mehr hervor und ist dadurch vor allem für unerfahrene Beobachter leichter zu erfassen. Der Effekt verstärkt sich mit dem 6,5 nm Filter nochmals etwas. In den Randbereichen lässt sich der Nebel etwas weiter verfolgen. Das fällt meiner Auffassung nach jedoch hier nur im direkten Vergleich auf. Deutlicher empfinde ich die nochmal leicht angehobenen Kontraste in der Kernregion. Im 10 Zoll Newton ist der Unterschied zwischen den Filtern offensichtlicher. Da die Zentralregion in dem größeren Gerät besser aufgelöst ist, kann der 6,5 nm Filter seine Stärke hier besser ausspielen und verleiht der Kernregion des Nebels mehr Plastizität. Auch Sterne kommen noch etwas besser durch, wobei mich persönlich die Färbung der Sterne durch Filter im Allgemeinen schon immer etwas gestört hat. Der 4 nm zeigt in der Übersicht nur einen eher geringen Zugewinn, der ohne direkten Vergleich nicht erkennbar wäre. Der Vorteil liegt hier wieder in der Betrachtung der Kernregion. Mit ausreichender Dunkeladaption und etwas „einsehen“ viel es mir hier einfacher Helligkeitsabstufungen zwischen den einzelnen Bereichen wahrzunehmen. Leider werden jedoch schwache in den Nebel eingebettete Sterne (insbesondere in den kleinen aber auch in den großen Geräten) geschluckt, wodurch zumindest für mich die Bildästhetik zu sehr leidet.

Rosettennebel: Während am Orionnebel der Unterschied zwischen den Filtern nicht so groß war, zeigte sich hier der Zugewinn durch den schmaleren Bandpass deutlich. Der Rosettennebel gehörte für mich an unserem Standort im Ruhrgebiet nie zu einem der Objekte, die überhaupt beobachtbar sind. Fotografien zeigen einen hohen H-alpha-Anteil, jedoch hatte ich von Berichten gehört, die an diesem Objekt gewinnbringend mit O-III-Filtern gearbeitet haben. Ich versuchte es zunächst mit dem 80-mm-Refraktor… die grobe Position ist bekannt und wurde mit dem Leuchtpunkt-Sucher angepeilt… ungefiltert war wenig überraschend nichts zu sehen… beim Einschwenken des 6,5-nm-Filters fiel eine auffällige helle Region ins Auge. Nicht ins Auge stechend, aber für einen geübteren Beobachter klar wahrnehmbar. In seiner Form deutlich rundlich, zum Außenbereich kontrastreicher abgegrenzt, innen etwas heller als das Umfeld. Details ließen sich im Ring jedoch hier nicht ausmachen. Der Wechsel auf den 10-nm-Filter zeigte einen deutlichen Unterschied. Der Nebel war zwar noch erkennbar, ich hätte allerdings nicht sagen können, ob er mir hier ohne einen gezielten Abgleich mit der Sternkarte aufgefallen wäre. Zuletzt habe ich die Region noch einmal ungefiltert mit der Sternkarte verglichen und so die Beobachtung anhand des jetzt deutlich zu sehenden Sternhaufens bestätigt. Dieser ist nämlich mit Filter kaum bzw. nicht sichtbar. Eine spätere Beobachtung mit dem 4 nm Filter hat verdeutlicht wie wichtig eine gute Dunkeladaption ist. Zu Anfangs zeigte sich der Nebel nur dezent vor dem Hintergrund, mit zunehmender Beobachtungsgerät hob sich der Ring jedoch immer deutlicher ab und zeigte in Ansätzen einen ungleichmäßigen randverlauf sowie hellere Regionen, welche im 6,5 nm Filter ohne Vorwissen nicht gesehen werden konnten. Mit 10 Zoll war die Beobachtung aufgrund des kleineren realen Gesichtsfeldes schwierig. Beim Schwenken zeigte sich sowohl im 4nm als auch im 6,5-nm-Filter ein Helligkeitsgradient. Durch das kleinere Gesichtsfeld hebt sich der Nebel hier in seiner Form jedoch deutlich weniger ab. Mangels sichtbaren Referenzsternen fand ich es insbesondere mit dem 4 nm Filter schwierig beim Schwenken die Orientierung zu behalten. Im 10-nm-Filter ist der Nebel kaum noch wahrnehmbar. Die Beobachtungen am Rosettennebel sind für mich persönlich an dieser Stelle ein Argument dafür, dass O-III-Filter auch an kleinen Geräten (große AP vorausgesetzt) gewinnbringend eingesetzt werden können.



Beobachtungen am Sommerhimmel

Zirrusnebel:
Der Zirrusnebelkomplex ist neben planetarischen Nebeln eines der bekannten Paradeobjekte für O-III-Filter. Durch die feinen Strukturen des Nebels lässt sich die Wirkung der Filter hier sehr gut vergleichen. Bei 52 Cyg. war hier ohne Filter unter dem Himmel des Ruhrgebiets im kleinen Refraktor nichts vom Nebel zu sehen, und auch ein UHC-Filter half hier nicht weiter. Im 10-nm-O-III-Filter zeichnete sich eine Aufhellung auf einer Seite des Sternes ab. Auf der anderen Seite zeigte sich der Nebel nur sehr diffus. Der 6,5-nm-Filter zeigte den Nebel dagegen weitaus deutlicher. Es lässt sich der Nebel auf beiden Seiten des Sternes verfolgen, und es zeigen sich erste Details der einzelnen Zirren. So lassen sich beispielsweise die beiden Ausläufer im östlichen Teil getrennt wahrnehmen. Im 4-nm-Filter ist der Kontrast nochmal besser, und der Nebel hebt sich jetzt sehr deutlich vom Himmelshintergrund ab. Es lassen sich die Konturen auf der helleren Seite (dem Schnabel des Sturmvogels, wenn man so will) deutlicher nachvollziehen, und auch auf der gegenüberliegenden Seite lässt sich der Nebel bis in seine feinen Ausläufer verfolgen. Die Ränder des Nebels sind durch den höheren Kontrast hier deutlich nachvollziehbar, und beispielsweise im Zwischenbereich des östlichen Teils sind mehr Helligkeitsabstufungen wahrzunehmen. Konkrete Details sind hier im 80er allerdings nur bedingt nachvollziehbar. Trotzdem ist ab dem 6,5-nm-Filter der Nebel auch für ungeübte Beobachter bereits zu erfassen. Also eine deutliche Verbesserung gegenüber dem gänzlich ungefilterten Zustand.
Die Beobachtungen lassen sich auch auf einen 10-Zoll-Dobson bzw. ein C14 übertragen. Ohne Filter zeigt sich unter dem aufgehellten Himmel des Ruhrgebiets nichts, ein Standard UHC-Filter ist hier nur wenig hilfreich. Durch die höhere Vergrößerung lassen sich mit dem 10-nm-Filter Ansätze des Nebels klar erkennen, es ist jedoch schwierig, einzelne Details in Form der Filamente auszumachen. Der 6,5-nm-Filter zeigt hier bereits deutlich abgegrenzte Ausläufer mit Helligkeitsunterschieden zwischen einzelnen Filamenten und dem Hintergrund. Im östlichen Teil lassen sich die dünnen Ausläufer und Verwindungen der Filamente bereits gut nachverfolgen, die visuelle Abgrenzung der Details erfordert jedoch etwas Zeit und Beobachtungstechnik. Der 4-nm-Filter erleichtert hier durch den angehobenen Kontrast die Wahrnehmung, der Zugewinn an konkreten Details ist aber in meiner Wahrnehmung nur bestenfalls minimal. Unerfahreneren Beobachtern fällt die Wahrnehmung von Details jedoch mit dem erhöhten Kontrast deutlich leichter… gleichzeitig kann es jedoch schwieriger sein, bei dem sehr dunklen Hintergrund und den sehr stark abgedämpften Sternen die individuelle Fokuslage einzustellen sowie den Durchblickpunkt zu finden und zu halten.
Schwenkt man mit dem 80er in Richtung der Knochenhand, ist diese bereits im 10-nm-Filter gut erkennbar und fällt im 6,5-nm- und 4-nm-Filter sofort ins Auge. Die Unterschiede liegen hier darin, wie weit sich der Nebel erkennen lässt und welche Details auszumachen sind. Ich würde es hier wie folgt beschreiben: Im UHC-Filter ist der Nebel gerade so zu erahnen. Im 10-nm-Filter mit etwas Achtsamkeit und Erfahrung bereits deutlich wahrnehmbar, jedoch eher als diffuser Bogen. Im 6,5-nm-Filter zeigen sich die Schockfronten angedeutet, die „Finger“ der „Knochenhand“ sind jedoch nur schemenhaft wahrnehmbar. Im 4-nm-Filter sind die Helligkeitsunterschiede innerhalb des Bogens deutlich erkennbar, und die Region der Finger ist jetzt klarer zu erfassen.
Im 10-Zoll-Dobson sowie im C14 lässt sich der Nebel zwar in einer ähnlichen Ausdehnung erkennen, die höhere Vergrößerung bei gleichbleibender AP erlaubt hier jedoch eine beeindruckende Detailwahrnehmung der individuellen Filamente des Nebels… Auffällig finde ich an dieser Stelle, dass ich mich an Beobachtungen von gleichem Standort erinnere, welche ebenfalls mit einem 10-nm-Filter gemacht wurden, jedoch mehr Details zeigten als hier der 6,5er, ggf. sogar etwas besser als der 4-nm-Filter. Ich schließe für mich daraus, dass ein Filter zwar zweifelsohne sehr hilfreich ist, denn unter lichtverschmutztem Himmel entscheidet dieser darüber, ob ein Objekt unsichtbar bleibt oder aber sehr gut wahrnehmbar ist. Je schmalbandiger diese sind, umso besser natürlich. Jedoch hat die Transparenz des Himmels ebenfalls einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf die Beobachtung und scheint im Zweifel auch ein limitierender Faktor zu sein.

Sommermilchstraße im Schwan: Weniger bekannt für O-III ist NGC 7000. Auch ein Nebel, der unter unserem Himmel ungefiltert visuell nicht sichtbar ist. Ein Schwenk mit dem 80-mm-Refraktor und eingesetztem 4-nm-Filter in der Region unterhalb von Deneb zeigte deutliche Helligkeitsunterschiede sowie eine merkliche Verdunklung. Ein Vergleich mit dem 6,5-nm-Filter und dem 10-nm-Filter zeigt eine immer weiter reduzierte Sichtbarkeit der Areale, wobei ich schon beim 6,5er nicht mehr sicher sagen könnte, ob mir die Struktur beim Schwenken aufgefallen wäre. Zur Kontrolle zeichnete ich den Verlauf des Nebels sowie die sehr dezenten Helligkeitsunterschiede innerhalb des Nebels auf und ergänzte danach im ungefilterten Zustand ein paar Referenzsterne. Ungefiltert war nun auch der "kleine Orion" erkennbar, dessen Gürtelsterne gefiltert nicht sichtbar waren. Die Konstellation bestätigte somit bereits, dass es sich bei der Dunkelstruktur tatsächlich um den „Golf von Mexiko“ handelte.
Im direkten Vergleich war die diffuse Nebelstruktur im 10-Zoll-Dobson unter den gegebenen Bedingungen auch mit dem 4-nm-Filter nur schwer auszumachen. Es zeigte sich ein Helligkeitsgradient beim Schwenken über den Bereich der großen Wand, jedoch musste dieser Bereich bei der höheren Vergrößerung gezielt aufgesucht werden. Im 6,5-nm-Filter und erst recht im 10-nm-Filter war die Wahrnehmbarkeit erst gering und dann grenzwertig. Keine der Kombinationen erlaubte hier die Wahrnehmung einzelner Details im Nebel.

Wandert man mit dem 4-nm-Filter im Schwan aufwärts und schwenkt über Gamma Cygni, so fallen in der Region einzelne Helligkeitsunterschiede auf. Ohne etwas genau festmachen zu können, zeigten sich hier Helligkeitsunterschiede, die sich im Erscheinungsbild von Sternwolken abhoben. Den Unterschied finde ich jedoch schwer zu beschreiben... sie scheinen flächiger, diffuser. Ein Schwenk nach Osten zeigte eine auffällige Struktur, ebenfalls diffus aber kleiner und konzentrierter. Mangels wahrnehmbarer Sterne ging ich davon aus, dass es sich um einen kleinen offenen Sternhaufen handelte. Beim Herausschwenken des Filters fielen mir aber zwei Dinge auf: erstens war ich, nachdem ich eine Weile durch Filter beobachtet habe, fasziniert von der plötzlich auftauchenden Sternenanzahl. Und zweitens, da wo ich die diffuse Struktur gesehen habe, war keine auffällig dichte Sternansammlung. Ein Vergleich mit der Sternkarte zeigt, dass ich über den Crescent-Nebel gestolpert bin, der mir hier zuvor noch nie als beobachtbares Objekt in den Sinn kam. Im 10-Zoll-Dobson sowie dem C14 zeigt sich der Nebel im 10-nm-Filter angedeutet und ab dem 6,5-nm-Filter war der nördliche Teil des Nebels als schmaler Bogen gut erkennbar. Feinere Details sind auch im 4-nm-Filter und bei höherer Vergrößerungen nicht erkennbar. Eine geringere Vergrößerung hilft mir hier eher dabei, die Wahrnehmung zu erleichtern. Ungefiltert bleibt der Nebel unter unserem Himmel leider unsichtbar.

Im Sommer bietet sich auch die Möglichkeit, M17 im Schützen zu beobachten, ein ohnehin schon sehr heller Nebel, welcher jedoch häufig im horizontnahen Dunst untergeht. Im C14 ist dieser trotzdem auch ohne Filter deutlich zu erkennen und zeigt bereits im 10-nm-Filter einen deutlichen Kontrastgewinn. Im 6,5-nm-Filter ist der Kontrast nochmal etwas erhöht, und bei dem flächigeren Nebel steigt dadurch die Wahrnehmung der Helligkeitsnuancen innerhalb des Nebels, wodurch dieser an Plastizität gewinnt. Der 4-nm-Filter verdeutlicht den Effekt nochmal. Ein Zugewinn an erkennbaren konkreten Details war hier auch im direkten Vergleich jedoch eher nicht möglich. Eine ähnliche Beobachtung wie ich sie bereits am Orionnebel gemacht habe. Evtl. zeigt sich hier aber auch die Transparenz des Himmels als der limitierende Faktor.


O-III an planetarischen Nebeln:
Planetarische Nebel genießen bei mir eine gewisse Sonderstellung. Insbesondere mit den langbrennweitigen Teleskopen beobachte ich diese vielfältige Objektklasse immer wieder sehr gerne.
In dem Fall sind die Filter für mich jedoch schwierig zu bewerten, viele der Objekte sind auch unter unserem aufgehellten Himmel bereits in kleinen Geräten und ohne Filter auch für den ungeübten Beobachter deutlich zu sehen. In kleinen Geräten kann ein O-III-Filter jeder Bandbreite nützlich sein, um durch „Blinken“, also dem Ein- und Ausschwenken des Filters, die sehr kleinen aber hellen PNs zu identifizieren. Umliegende Sterne werden dabei durch den Filter deutlich abgedunkelt, während jedoch das Licht des Nebels scheinbar unverändert bleibt. So lassen sich z.B. der Katzenaugen-Nebel oder NGC 7027 im Schwan auch in kleinen Geräten bei geringer Vergrößerung sehr gut identifizieren. Detailliert zeigen sich diese Nebel jedoch erst bei höheren Vergrößerungen, wo O-III-Filter das Bild in kleinen Geräten allerdings soweit abdunkeln (im Zusammenhang mit kleiner AP), dass es, aufgrund mangelnder Referenzpunkte, zumindest auch für mich schwierig wird, den Durchblickpunkt zu halten und den Fokus sauber einzustellen. Aber auch im 10-Zoll-Dobson oder noch besser dem C14 hat mir dann der Einsatz des O-III nicht wirklich zugesagt. PNs lassen sich hier meistens auch ungefiltert sehr gut auffinden und vor allem leichter von Sternen unterscheiden. Durch die höhere Vergrößerung/genauer gesagt kleinere AP ist der Himmelshintergrund automatisch etwas dunkler. Bei einigen PNs zeigt sich sehr schön der Zentralstern. Beispielsweise beim Katzenaugennebel oder noch deutlicher NGC 6891 unterhalb des Pfeils. Die Filter liefern mit abnehmender Bandbreite zweifelsohne nochmal einen deutlichen Kontrastgewinn und helfen dabei unerfahreneren Beobachtern oder im Fall einer öffentlichen Sternwarte Besuchern beim flüchtigen Blick durchs Teleskop den Nebel wahrzunehmen. Jedoch schlucken die Filter auch in Großgeräten wie dem C14 die dezenten Zentralsterne. Zudem fand ich es in meiner Wahrnehmung überraschenderweise schwieriger, einzelne Helligkeitsabstufungen und Details in den Nebeln wahrzunehmen. Meine Vermutung ist, dass diese fehlenden Details in anderen Emissionsbereichen außerhalb des O-III emittieren und deshalb hier geschluckt werden.

Nicht von der Hand zu weisen ist natürlich auch, dass man sich an den Anblick mit einem Filter gewöhnt. Besonders aufgefallen ist mir dies z.B. bei M27 oder M57. Beide Nebel sind ohne Zweifel in jedem Gerät und bei jeder Vergrößerung auch ungefiltert gut erkennbar. Schwenkt man jedoch von 4 nm zurück auf ungefiltert, dauert es einen Moment, bevor sich Augen und Gehirn an die geänderten Helligkeits- und Kontrastverhältnisse angepasst haben. Dieser Effekt tritt jedoch bei jedem der Filter mehr oder weniger stark auf.
Insgesamt ist damit der Zugewinn eines Filters zwar vorhanden, und die Wahrnehmbarkeit der Nebel verbessert sich unbestreitbar, die Ästhetik und der Zugewinn an Details jedoch halten sich bei PNs, zumindest in meinen Augen, aber in Grenzen. Ich sehe und erlebe jedoch einen Vorteil in der Anwendung z.B. bei Gastbeobachtern, wo die Filter die Wahrnehmbarkeit auch bei einem flüchtigen Blick durch das Teleskop deutlich erleichtern.



Fazit:

Der Filtereinsatz ermöglicht eine Beobachtungspraxis, ähnlich wie es an dunklen Standorten möglich ist. Es reicht ein bloßes Schwenken über die jeweilige Region, und einzelne Nebel fallen im Gesichtsfeld bereits in kleineren Geräten deutlich auf. Selbst flächenschwache Objekte, die sonst unsichtbar sind oder wo man mit viel Öffnung (zugegeben auch eher schlecht als recht) versucht, den aufgehellten Himmel zu kompensieren, lassen sich nun beobachten. Dabei finde ich es wichtig hervorzuheben, dass auch sehr schmalbandige Filter (die sich sonst eher an Astrofotografen richten) im visuellen Bereich durchaus ihren Nutzen haben können.

Allerdings empfinde ich, dass das Beobachtungserlebnis trotzdem in keiner Weise mit einem dunklen Himmel vergleichbar ist. Erstens sind die Objekte trotzdem etwas schlechter zu sehen. Und zweitens fehlt dem Bild durch die starke Dämpfung der Sterne etwas. Gerne hätte man natürlich beides, denn die Ästhetik von Nebeln, eingebettet in sternreiche Regionen, ist ungenommen. Während ich so darüber schreibe und mich frage, warum mich die Beobachtungen weniger ergriffen haben... dann vielleicht deswegen, weil die Bilder mit der deutlich reduzierten Sternzahl und dem zwangsläufig monochromatischen Bild... flacher wirkten. Der Raum hatte scheinbar weniger Tiefe... die Nebel wirkten zwar teils plastischer, wirkten aber auch losgelöster. Das ist aber zweifelsohne eine subjektive Wahrnehmung und ein ästhetischer Anspruch, den jeder für sich selbst entscheiden muss. Nichtsdestotrotz habe ich mich gefreut, dass mit den Filtern einige Objekte in greifbare Nähe gerückt sind, die sonst unter unserem Himmel nicht beobachtbar gewesen wären. Und wer die Nächte mit mir am Teleskop geteilt hat, der kann bestätigen, dass ich insbesondere bei der Erkundung des Cirruskomplexes mit dem C14 meine Begeisterung nicht leugnen kann. Und das bei einem Nebel der ohne Filter bei uns rein gar nicht zu sehen ist.

Welcher Filter findet nun letztendlich Einzug in meinen Okularkoffer? Der Zugewinn vom 10-nm-Filter hin zum 6,5-nm-Filter war deutlich – und auffälliger als der Sprung von 6,5 nm zu 4 nm Filter. Insbesondere mit dem 4-nm-Filter, habe ich das Beobachten als etwas anspruchsvoller bzw. weniger komfortabel empfunden. Der 4-nm-Filter zeigt zwar gelegentlich mehr Details. Diesen Vorteil voll auszukosten erfordert jedoch eine ungestörte Dunkeladaption (was den Beobachtungsaufwand deutlich erhöht) und setzt zudem eine hinreichend gute Transparenz des Himmels voraus. Sodass für mich am Ende der 6,5-nm-Filter hier den besten Mittelweg dargestellt hat.



Was als kurzer Überblick gedacht war, ist nun doch ein sehr ausführlicher Bericht geworden und es hätte sicher noch vieles mehr beschrieben werden können. Ich hoffe, er ist trotzdem interessant und macht beim Lesen annähernd so viel Spaß wie mir das Testen und Beobachten selbst.

Nun freue ich mich auf euer Feedback. Welche Erfahrungen habt ihr mit schmalbandigen Filtern – vielleicht auch speziell an Teleskopen kleinerer Öffnung ? Habt ihr ähnliche Beobachtungen gemacht, oder unterscheiden sich eure Eindrücke in manchen Bereichen? Gerade im Bereich der planetarischen Nebel würden mich eure Meinungen sehr interessieren.


Viele Grüße,
Enrico
 
Hallo Enrico,

das ist ein sehr schöner und hilfreicher Vergleich der OIII Filter mit unterschiedlichen Bandbreiten.
Im wesentlichen, kann ich Deine Erfahrung mit diesen Filtern bestätigen: Eine schmalere Bandbreite erhöht den Kontrast und insbesondere die Aulösung her hellen Details, eine breitere Bandbreite macht die lichtschwächeren Nebelgebiete besser sichtbar.

Für die OIII Emission setze ich diese Filter ein:
Baader Super G 9nm (2 Stück), Astrodon 5nm, Astrodon 3nm, und Chroma 3nm.
Die Filter werden auf dem Filterrad montiert.
Die zwei Baader Visual 10nm OIII Filter (aus der ersten Serie) sind für das 15x85 Fernglas reserviert, falls nicht die neuen Baader Super G Filter bereits auf dem Filterrad sitzen. (Insgesamt habe ich 3 Filterräder.)

Den Einsatz von unterschiedlichen Nebelfiltern habe ich über die vielen Jahre an 525 Nebeln (aus insgesamt 742 beobachteten galaktischen Nebeln) in meinen Beobachtungsnotizen vermerkt.

LG,
Jiri
 
Hallo Enrico,

sehr interessanter Beitrag. Also scheint für die meisten Beobachter der 6,5nm Filter die goldene Mitte zu sein.

Aber das hängt natürlich auch von der Flächenhelligkeit deines Himmels ab. Was hast du denn für eine Flächenhelligkeit laut lightpollutionmap? Das wäre interessant zu wissen. Denn ich beobachte mit dem Fernglas ohne Filter und bei den Teleskopen setze ich entweder einen UHC ein oder einen OIII mit 12nm. Bei meinem 20,8mag Himmel laut der lightpollutionmap (nach aktuellen Messungen eher 20,4mag) spiegeln die Beobachtungen mit dem UHC in etwa das wieder, das du ohne Filter beschreibst. Wobei ich in dem Fall den UHC für überlegen halte, da er noch H beta umfasst. Die Beobachtung mit dem meinem OIII spiegelt in etwa deine Beobachtungen mit dem 10nm wider.

Da wäre nun die Frage, was die Filterabstufungen bei dunklerem Himmel zeigen. Evtl. ist hier ein 4nm Filter gar nicht mehr sinnvoll und je nachdem ein 6,5nm nur eingeschränkt. Denn irgendwann wird das Auge beim Hintergrund den Schwarzwert nicht mehr unterscheiden können. Dann gibt es auch keinen Zugewinn mehr beim visuellen Beobachten.

Aktuell sehe ich in meinem persönlichen Fall für meinen Garten noch wenig Gewinn in einem 6,5nm Filter, obwohl der Himmel mittlerweile schon echt mau geworden ist. Vor allem die vielen LED Lichten machen eine Adaption schwierig. Und das ist halt Gift für schmalbandige Filter. Schwache Nebel beobachte ich eigentlich nur noch mit einer großen Kapuze. Aber bei 0,4mag Verschlechterung in nur 10 Jahren, wird es in Zukunft auch für meinen Standort sicher interessant werden mit der Bandbreite weiter runter zu gehen. Wie vermutlich für die meisten visuellen Beobachter hierzulande auch. Daher nochmal danke für deinen Beitrag. Die Infos werden noch nützlich sein.

Grüße
Joachim
 
Freut mich, dass euch der Bericht gefallen hat. :giggle:

Jiri, das ist wirklich eine beeindruckende Anzahl an Nebeln, welche du in deinen Beobachtungsnotizen angesammelt hast.
Es ist interessant, dass du beschreibst, dass du mit den breiteren Filtern mehr schwache Ausläufer sehen kannst als mit den schmalbandigen … das habe ich bei mir andersherum wahrgenommen, könnte aber auch – wie Joachim geschrieben hat – den unterschiedlichen Himmelsverhältnissen geschuldet sein.

Ein ausreichend dunkler Himmel sollte ja im Grunde keine Filter erfordern … sofern man nicht gezielt einzelne Nebelkomponenten hervorheben/unterscheiden möchte.
Aber den Luxus haben wir hier leider nicht. Meine Einschätzung nach Bortle (6–7) deckt sich mit der aktuellen Light-Pollution-Map (um die 6,3).
Die aktuelle Flächenhelligkeit kann ich leider nicht benennen, da ich kein SQM verwende. Waren wohl 2015 mal 19,7... besser geworden ist es sicher nicht. So verlasse ich mich auf den Eindruck, den der Himmel an dem jeweiligen Abend macht. Aber es wäre natürlich in dem Kontext interessant, über die „tagesaktuellen“ Werte des SQM auf die Durchsicht zu schließen, denn die hat hier einen großen Einfluss auf die wahrgenommene Himmelshelligkeit.

Eine Rundumabschirmung gegen Streulicht (auch von unten) habe ich bei den Beobachtungen als essenziell empfunden, um den Vorteil der Filter nutzen zu können. Die meisten Beobachtungen habe ich ohne Mond am Himmel gemacht. Aber mit Abschirmung lassen sich selbst im strahlenden Mondschein dann noch brauchbare Beobachtungen machen... nicht unumständlich aber geht ;)

Wenn wir jetzt anfangen, UHC-Filter mit in die Diskussion einzubeziehen, öffnen wir ein ganz neues Thema. Ich habe mich noch nicht tiefer damit beschäftigt. Der hier von mir zum vergleich herangezogene UHC-Filter war ein recht günstiges Modell, das ich mir vor Langem mal zugelegt habe, gelabelt von TS. Den hatte ich vor einiger zeit mal kurz im direkten Vergleich mit einem Astronomik-UHC im Teleskop, welcher deutlich mehr Kontrast zeigte. Und der aktuelle Baader UHC-L scheint noch einmal etwas härter herauszufiltern … wäre ebenfalls spannend, die direkt nebeneinander zu sehen. Vielleicht für nächstes Mal. :D

Häufig habe ich jetzt auch über den Einsatz von Filtern am Fernglas gelesen, wie es Jiri beschreibt. Das ist natürlich naheliegend… ich habe es allerdings noch nie selbst ausprobiert. Steht jetzt aber auf der To-do-Liste.

Viele Grüße,
Enrico
 
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