Vergütungen - welche gibt es und was bewirken sie?

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Barista

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Hallo,


bei Ferngläsern wird ja oft auf die Vergütung der Gläser und die dadurch bewirkte bessere Qualität hingewiesen.
Was gibt es eigentlich für Vergütungen und welchen Effekt haben diese.
Gibt es bei Ferngläsern eigentlich auch welche mit Polarisationsfiltern. Ich habe eine Sonnenbrille mit einem solchen Glas und empfinde das extrem angenehm, da es kontrastreicher wirkt. Bei Ferngläsern habe ich so etwas noch nie gesehen.

Eine kurze Übersicht zu den verschiedenen Vergütungen und deren Nutzen wäre super.
 
Hallo Barista,

ist zwar schon viel geschrieben worden zu dem Thema hier, aber nicht sehr komprimiert auffindbar. Daher mal kurz:

die Vergütung ist eine sehr dünne Schicht (etwas so dünn wie eine viertel Lichtwellenlänge, also um die 0,1-0,2µm)
aus verschiedenen Metalloxiden oder anderen Salzen (früher meist Magnesiumfluorid), die die Lichtreflexe an der
Glasoberfläche über Interferenz beseitigt. Dadurch geht mehr Licht durch die Oberfläche (fast 4% mehr) und
besonders bei Optiken mit vielen Linsen erhält man einenn besseren Lichtdurchlaß (Transmission) und damit
im Fernglas ein helleres Bild.
Da man eine einzelne Schicht ("single coating") nur auf eine Wellenlänge optimieren kann (entspricht einer Lichtfarbe,
MgF2 single coatings meist blaueviolette Reflexion da auf Grünauslöschung = Helligkeitsoptimum des Auges gerechnet)
kann man das Ganze noch verbessern, indem man mehrere Schichten aufbringt (dadurch auch noch weniger Reflexion
erreichbar, das nennt sich Multicoating und ist heute Stand der Technik, bringt bis 4% mehr Durchlass pro Oberfläche).
Die Farbe der Reflexion an der vergüteten Oberfläche kann sehr verschieden sein (zur Zeit meist grün
als Folge der 2fach Schicht als "Minimum einer Multischicht") und es gibt auch Oberflächen, die nicht
reflexionsmindernd vergütet sind, sondern einfach eingefärbt ("Rotvergütung"), was natürlich Quatsch ist
scheußliche Falschfarben bei Tageslicht bringt.
Die Tophersteller von Optik haben sich zum Teil ihre Vergütungsrezepte patentieren lassen: z.B.
Zeiss T*, aber auch Canon und Nikon haben ohne solche "Werbevergütungen" denselben Qualitätsstandard,
wenn auch nicht bei allen Geräten und Oberflächen.

Polarisation ist was ganz anderes, obwohl man damit auch Reflexe ausschalten kann: bei der Reflexion an
nichtmetallischen Oberflächen (Glas, Wasser) sowie beim Durchlaß durch diesige Atmosphärenschichten
wird eine teilweise Polarisation des Lichts bewirkt (eine Polarisationsrichtung verstärkt, die andere
abgeschwächt). Betrachtet man nun die reflektierende Oberfläche (Schaufensterscheibe, See usw.) oder
den Himmel ducrh einen Polarisationsfilter und dreht den Filter, so bemerkt man, daß man den Reflex
verstärken oder abschwächen kann indem man die Polarisationsrichtung des Filters senkrecht zu der des
reflektierten Lichts ausrichtet (so schaltet der Fotograf Reflexe an Fensterscheiben aus).
In Ferngläsern werden Polarisationsfilter nicht eingesetzt, da sie das durchgehende Licht stark abschwächen.
In Fernrohren dagegen muß man manchmal Licht "loswerden" (z.B. Mondfilter) und dazu kann man 2
Polarisationsfilter, die gegeneinander drehbar sind, einsetzen.

Gruß
 
Re: Vergütungen - welche gibt es und was bewirken

Canon und Nikon haben ohne solche "Werbevergütungen" denselben Qualitätsstandard

Ob das so ist, sei einmal dahingestellt. Auf jeden Fall glänzen die meisten Hersteller hier auch nicht gerade mit Understatement: Bei Canon heißt das z.B. "Super-Spectra-Coating", bei Nikon heißen sie "Nikon´s original multilayer coating", bei Fujinon "EBC-Coatings" (Electron Beam Coating), Swarovski Swarobright, Swarotop und Swarodur usw. Da nimmt sich T* ja geradezu bescheiden aus.

Steve
 
Re: Vergütungen - welche gibt es ...

> Auf jeden Fall glänzen die meisten Hersteller hier auch nicht gerade mit Understatement

Hallo Steve,

da habe ich auch noch einen. Im Vergleich zum "27 Layer Max-Trans Super Multi-Coating" bei den 90 Grad Astroferngläsern (z.B. Apogee) kann man T*, EBC und Swarobright wahrscheinlich vergessen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" />. Da ist doch Zeiss mit seiner T*-Mehrschichtvergütung echt zurückhaltend ...

Frank.
 
Re: Vergütungen - welche gibt es ...

Es gibt auch Multicoatings, die schön aussehen, aber anstatt das Licht durczulassen, eher reflektieren :-)
 
Re: Vergütungen - welche gibt es ...

> Es gibt auch Multicoatings, die schön aussehen, aber anstatt das Licht durczulassen, eher reflektieren :-)

Ja Markus, es gibt auch Ferngläser, die mit unrunder AP schön aussehen und weniger Licht durchlassen als sie eigentlich sollen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Wenn die Öffnung auf 83mm anstelle 88mm beschränkt wird, ist es doch gut zu wissen, daß so ein Max-Trans Super Multi-Coating im Preis inbegriffen ist. Und schon geht es mit der Transmission wieder aufwärts <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/laugh.gif" alt="" /> ...

Transparente Grüße, Frank.
 
Hallo Barista,

ein häufiges Problem in der Technik ist, wenn eine Welle auf eine Grenzfläche trifft, an der sich der Wellenwiederstand plötzlich ändert, und zum großen Teil reflektiert wird. Die Gegenmittel werden, wenn ich mich recht erinnere, ganz allgemein unter dem Begriff "Anpassung" zusammengefaßt. Es gibt eine Menge Beispiele:


Sehr bekannt ist zB. die Anpassung, die bei einer Ultraschall-Untersuchung beim Arzt vorgenommen wird. Eigentlich würde der Schall, der aus diesem kleinen Ding kommt, das der Arzt in der Hand hält, von der Haut des Patienten stark reflektiert werden. Die Haut hat nämlich einen gänzlich anderen Wellenwiderstand. Damit das nicht, oder nicht so stark geschieht, wird ein Gel aufgetragen, das die Anpassung vornimmt und ermöglicht, das der Schall in das Gewebe eindringt.


Ein weiteres Beispiel ist das Mittelohr. Der Schall trifft ja bekanntlich nicht direkt auf das Innenohr, sondern wird erst vom Trommelfell aufgenommen, und dann über Hammer, Ambos und Steigbügel an das Innenohr weitergeleitet, ziemlich umständlich, aber ohne diese Anpassung hätten wir eine starke Reflexion des Schalls am Eingang zum Innenohr, und wir würden nicht mehr viel hören. Hier erkennt man auch, wie eine Anpassung an die Wellenwiederstände der beiden beteiligten Medien optimiert ist. Ändert man den Wellenwiederstand auf der einen Seite der Grenzfläche, zB. in dem man ins Wasser springt, ist die Anpassung im Eimer und man hört nicht mehr viel. Obwohl Wasser den Schall hervoragend leitet. Die "Anpassung Mittelohr" erwartet eben auf der Außenseite den Wellenwiederstand von Luft, sonst klappt's nicht.


Ein Beispiel für schlechte Anpassung sind schlechte Verbindungen von Koaxialkabeln. Früher habe ich häufiger Fernseher gesehen, auf dem ein "Geisterbild" zu sehen war, einige Zentimeter versetzt neben dem richtigen Bild, und etwas schwächer. Typische Ursache dafür waren schlecht eingesteckte Antennenkabel, die an den Buchsen die elektrische Welle reflektiert haben. Das Signal kommt also von der Antenne, läuft in den Fernseher, wird aber am Antenneneingang des Fernsehers wegen der dort vorhandenen schlechten Steckverbindung (die also einen plötzlichen Wechsel des Wellenwiederstandes erzeugt) teilweise reflektiert, läuft zurück, wird an der nächsten miesen Verbindung wieder reflektiert, läuft zurück in den Fernseher und erzeugt dort (zeitversetzt) das zweite Bild. Anpassung wäre also in diesem Fall, vernünftige Kabel und Stecker zu kaufen, und sie korrekt anzuschließen.


Ganz allgemein ist die Anpassung von Antennen an Empfängern (und Sendern) ein Problem. Um zB. Antennen mit großen Wellenwiderstanden an die niederohmigen Eingänge von Empfängern anzuschließen, muß man sich eine "Anpassung" ausdenken. Es gibt auch fertige Geräte für diesen Zweck zu kaufen, die sinnigerweise "Antennenanpaßgeräte" heißen.


Genauso sind die Vergütungen von Glas bei Sonnenbrillen und Teleskopen Anpassungen. Sie mimimieren die Reflektionen von Wellen an Grenzflächen. Allerdings können die physikalischen Prinzipien von Anpassungen sehr verschieden sein. Insbesondere spricht man bei Licht nicht von Wellenwiderstand, sondern von optischer Dichte, aber, hm, das weiß ich jetzt nicht mehr genau. Da hör' ich lieber auf.


joche
 
Re: Vergütungen - welche gibt es und was bewirken

Hallo,

ungeachtet der Transmission gibt es auch noch eine "Phasenvergütung"

Text einer Website:
"A coating applied to the prisms in a superior quality binocular. The coating cancels the phase difference created on the wave front of light passing through the prisms to produce sharp, high-contrast images with increased resolution."

Also "Phase-Coated" is nochmal ne Ecke besser...

Eine Begriffserklärung auf Deutsch findest Du HIER
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Vergütungen - welche gibt es und was bewirken

Die phasenkorrigierende Vergütung, bei Ferngläsern mit Dachkantprismen angewandt, gleicht weitgehend die optischen Leistungsverluste dieser Prismenbauart gegenüber Porroprismen aus. Diese Art der Vergütung macht also auch nur bei Dachkantprismen Sinn. Es handelt sich hierbei lediglich um einen nachträglich entwickelten, bauartspezifischen Reparaturmechanismus.

"Ne Ecke besser" stimmt also nur für Dachkantgläser, die ohne diese Art der Vergütung "ne Ecke schlechter" wären.

Walter
 
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