Hallo Barista,
ein häufiges Problem in der Technik ist, wenn eine Welle auf eine Grenzfläche trifft, an der sich der Wellenwiederstand plötzlich ändert, und zum großen Teil reflektiert wird. Die Gegenmittel werden, wenn ich mich recht erinnere, ganz allgemein unter dem Begriff "Anpassung" zusammengefaßt. Es gibt eine Menge Beispiele:
Sehr bekannt ist zB. die Anpassung, die bei einer Ultraschall-Untersuchung beim Arzt vorgenommen wird. Eigentlich würde der Schall, der aus diesem kleinen Ding kommt, das der Arzt in der Hand hält, von der Haut des Patienten stark reflektiert werden. Die Haut hat nämlich einen gänzlich anderen Wellenwiderstand. Damit das nicht, oder nicht so stark geschieht, wird ein Gel aufgetragen, das die Anpassung vornimmt und ermöglicht, das der Schall in das Gewebe eindringt.
Ein weiteres Beispiel ist das Mittelohr. Der Schall trifft ja bekanntlich nicht direkt auf das Innenohr, sondern wird erst vom Trommelfell aufgenommen, und dann über Hammer, Ambos und Steigbügel an das Innenohr weitergeleitet, ziemlich umständlich, aber ohne diese Anpassung hätten wir eine starke Reflexion des Schalls am Eingang zum Innenohr, und wir würden nicht mehr viel hören. Hier erkennt man auch, wie eine Anpassung an die Wellenwiederstände der beiden beteiligten Medien optimiert ist. Ändert man den Wellenwiederstand auf der einen Seite der Grenzfläche, zB. in dem man ins Wasser springt, ist die Anpassung im Eimer und man hört nicht mehr viel. Obwohl Wasser den Schall hervoragend leitet. Die "Anpassung Mittelohr" erwartet eben auf der Außenseite den Wellenwiederstand von Luft, sonst klappt's nicht.
Ein Beispiel für schlechte Anpassung sind schlechte Verbindungen von Koaxialkabeln. Früher habe ich häufiger Fernseher gesehen, auf dem ein "Geisterbild" zu sehen war, einige Zentimeter versetzt neben dem richtigen Bild, und etwas schwächer. Typische Ursache dafür waren schlecht eingesteckte Antennenkabel, die an den Buchsen die elektrische Welle reflektiert haben. Das Signal kommt also von der Antenne, läuft in den Fernseher, wird aber am Antenneneingang des Fernsehers wegen der dort vorhandenen schlechten Steckverbindung (die also einen plötzlichen Wechsel des Wellenwiederstandes erzeugt) teilweise reflektiert, läuft zurück, wird an der nächsten miesen Verbindung wieder reflektiert, läuft zurück in den Fernseher und erzeugt dort (zeitversetzt) das zweite Bild. Anpassung wäre also in diesem Fall, vernünftige Kabel und Stecker zu kaufen, und sie korrekt anzuschließen.
Ganz allgemein ist die Anpassung von Antennen an Empfängern (und Sendern) ein Problem. Um zB. Antennen mit großen Wellenwiderstanden an die niederohmigen Eingänge von Empfängern anzuschließen, muß man sich eine "Anpassung" ausdenken. Es gibt auch fertige Geräte für diesen Zweck zu kaufen, die sinnigerweise "Antennenanpaßgeräte" heißen.
Genauso sind die Vergütungen von Glas bei Sonnenbrillen und Teleskopen Anpassungen. Sie mimimieren die Reflektionen von Wellen an Grenzflächen. Allerdings können die physikalischen Prinzipien von Anpassungen sehr verschieden sein. Insbesondere spricht man bei Licht nicht von Wellenwiderstand, sondern von optischer Dichte, aber, hm, das weiß ich jetzt nicht mehr genau. Da hör' ich lieber auf.
joche