Verkaufswert eines Grossfernglases mit Muschelbruch und Querriss im Objektiv

Nergal

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Hallo in die Runde

Mein Grossfernglas APM SD 70/400 mit 90 Umlenkung ist mir leider umgekippt und dabei sind im okularseitig rechten Objektiv ein Muschelbruch und ein feiner Querriss gem. beil. Bildern entstanden.

Der entsprechende Tubus hat dabei keine mechanischen Schäden abbekommen, da es beim umkippen von einer Abdeckfolie umhüllt war.

Ich habe nach dem Unfall mit 4mm Okularen Landschaft mit 100x beobachtet und dabei keine Unterschiede in der Abbildungsgüte fest stellen können.
Die Bilder habe ich bei angezogener Okularklemmen ebenfalls, wie immer vor dem Unfall, deckungsgleich bekommen.
Ich werde bei passendem Wetter natürlich auch den Nachthimmel beobachten, um noch bestehende Abbildungsgüte besser beurteilen zu können.
Dabei werde ich versuchen mittels Smartphone-Adapter Beugungsscheibchen eines hellen Sterns abzulichten.

Es hatte vor dem Unfall eine sehr gute Abbildungsgüte, die es erlaubt hat, auch mal Mond und Planeten bei 100x geniessen zu können.
Die scharfen Bilder haben eine gute Abbildungsleistung auch unterhalb der 0.7mm AP erahnen lassen, was ich jedoch mangels passender Okulare niemals ausprobiert hatte, aber ich denke, je nach Geschmack und etwas „schielen“ hätte man wohl AP zwischen zwischen 0.6-0.5mm ausloten können.

Die werkseitige Kolimation war und ist noch gut genug um auch bei 100x bei angezogenen Okularklemmen die Bilder deckungsgleich zu bekommen.

Das Fernglas hatte ich gebraucht erworben um natürlich in erster Linie ausgedehnte DSO Objekte beideäugig geniessen zu können, durch die oben erwähnten Qualitäten konnte man aber durchaus auch im Planetensystem „wildern“, in etwa auf Niveau einer guten (halb-) apochromatischer Fernost-Optik, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Verkaufen wollte ich es trotzdem, weil ich Interesse an visueller DSO Beobachtung allmählich verloren hatte und für Planetensystem andere Optik zur Verfügung habe.

Nach dem Motto „ein Ünglück kommt selten allein“ bin ich kürzlich Opfer betrügerischer Machenschaften geworden, dabei einige Tausend Franken verloren und wollte mit diesem Verkauf die Verluste wenigstens zum Teil kompensieren.

Ursprünglich wollte ich es in etwa für 2/3 des NP verkaufen, was natürlich nicht mehr geht, selbst wenn die Abbildungsleistung keine sichtbaren Einbussen aufweist.

Andererseits will ich es auch nicht als „Bastelware“ für 100-200 Euro oder so hergeben, denn es ist nach wie vor zur Beobachtungen brauchbar, mindestens auf Niveau eines Achromaten, vermutlich aber nach wie vor besser.

Was wäre eurer Einschätzung nach, ein realistischer und fairer Verkaufspreis, unter Voraussetzung, dass es unterhalb der AP von 1mm nach wie vor sehr gut abbildet?

Mir schwebt ein mittlerer bis hoher 3-stelliger Betrag vor, auch nur knapp über 4-stellig wäre wohl schwer zu verkaufen.

Ich warte wie gesagt auf klare Nacht um rezente Abbildungsleistung besser beurteilen zu können, aber um erste Einschätzungen, wäre ich trotzdem dankbar.

(Die geraden Striche in der Mitte sind Reflexionen und keine Brüche)

freundliche Grüsse und klare Nächte
Zvonimir
 

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Hallo Zvonimir,

ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass der am Markt erzielbare Preis so hoch ist, wie erhofft. Ein gebrauchtes Exemplar ohne Mängel gibt es gerade inklusive Einarmgabel für um 1000€.
Die Bastelware für den von dir beschriebenen aber unerwünschten Preis ist m.E. dennoch realistischer.
Zur Zeit geht auch Highendgerät für günstiges Geld nur schwer weg. Eine Reperatur lohnt vermutlich ebenfalls nicht, würde ich aber mal bei APM verifizieren.

cs Alex
 
ich versuche gerade zu verstehen, wer die Zielgruppe für das gute Stück noch sein könnte. Ich befürchte, spätestens bei hellen Objekten im Bildfeld, wird sich das Problem visuell bemerkbar machen. Außerdem hätte ICH die Befürchtung, dass bei thermischen und/oder mechanischen Belastungen sich das Problem unkontrolliert verschärfen könnte.
Und Bastler? Die mgl. Ersatzteile sind halt doch sehr speziell. Ich bin da bei Alex - unter(st)er dreistelliger Betrag.
Ich würde erstmal bei APM anfragen, ob es ökonomisch sinnvolle Hoffnung betreffs eines Objektivaustauschs gibt...
 
Hallo Alex
Danke für deine Einschätzung, gibt mir eine erste Orientierung.
Das der Verkaufswert selbst für gut erhaltene Gebrauchtware dieser Art so niedrig ist, hätte ich nicht erwartet.
In diesem Fall werde ich anstreben einen Pres höher als 200 Euro zu erzielen.
Ich werde klare Nacht abwarten, um später mit Argumentation, das sich der Schaden nicht auf Abbildung auswirkt, einen Preis 200-500 Euro zu erzielen zu versuchen, natürlich auch nur, wenn dem so ist.
Sollte sich heraus stellen, dass es „nur“ noch im Vergrösserungsbereich eines Achromaten performt, kann ich es immer noch um oder unter 200 Euro verhöckern.
In meiner momentanen Situation wären auch 100-200 Euro besser als nichts, werde trotzdem versuchen einen etwas besseren Preis zu erzielen.
Solche Koinzidenzen der Missgeschicke sind natürlich bitter, aber na ja, cˋest la vie oder auch shit happens, es gibt schlimmeres im Leben, werde es überleben.
freundliche Grüsse
Zvonimir
 
Hallo Roland
Das ist natürlich auch ein Argument, wie lange die beschädigte Optik noch zusammen hält, ist natürlich ungewiss.
Auch die möglichen Reflexionen.
Werde mich an APM wenden, mit der Bitte um Offerten für Reparatur bzw. als Bastelware
Je nach Reparaturpreis, könnte es sich mittelfristig lohnen, für einen späteren Verkauf.
Jedenfalls danke auch für diese Aspekte, bin zum ersten mal mit solcher Situation konfrontiert und habe keine Erfahrungen hiermit.
Gruss
Zvonimir
 
Habe vorhin mit APM telefoniert
Eine Reparatur lohnt sich nicht, da es inkl. Versand nach China ca. 1200-1500 Euro kosten würde und ich es gem. Vorrednern bestenfalls um 1000 Euro weiter verkaufen könnte, dies hatte auch Herr Konrad von APM so gesehen.
APM nimmt auch nur Gebrauchtware mit kosmetischen Schäden an, in diesem Fall leider nicht.
Ich werde sehen, wie weit ich mit Verkäufen meiner anderen Sachen komme.
Das Fernglas behalte ich bis auf weiteres und sollten alle Stricke reissen, kann ich immer noch versuchen, einen möglichst hohen Preis im niedrigen 3-Stelligen Bereich zu erzielen.
Jedenfalls sehe ich jetzt klarer was Sache ist und bedanke mich für Ratschläge.
CS
Zvonimir
 
Hallo Frank
Danke für Tip, werde mich wohl hüten, daran zu werkeln.
Der Haar-Riss ist am oberen Ansatz etwas ausgeprägter und einige mm hinter der Vorderkante der Linsen, es betrifft wohl die hintere Linse.
Der Muschelbruch ist ebenfalls einige mm dahinter und betrifft entweder den hinterteil der ersten Linse oder die zweite Linse
CS
Zvonimir
 

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Danke Marco
Sehe ich auch so.
Das Fernglas war von ursprünglichen Wert her das „Flaggschiff“ meiner Ausrüstung und selbst „nur“ 1000 Euro hätten mir viel gebracht.
Aber na ja…es gibt schlimmeres im Leben.
CS
Zvonimir
 
Wenn von außen keine Feuchtigkeit eindringen kann, die dann evtl. bei tieferen Temperaturen gefriert, ist das schon mal gut.
Bleibt der Muschelbruch stabil und erzeugt kein eigenes Bild ist das auch gut.

Um einen Glasriss oder so eine Muschel etwas zu stabilisieren, verwende ich festes Canadabalsam in Xylol gelöst. Die Flüssigkeit trage ich vorsichtig an der Risskante auf und lasse sie einziehen. Wenn alles getrocknet ist, wird die Linse von den Rückständen gesäubert.

Vielleicht hast Du Glück, ... das wünsche ich Dir jedenfalls.
Frank
 
Wenigstens eine gute Nachricht
Danke für die Tipps, aber ich traue mich da nicht ran.
Meine Priorität ist jetzt der Verkauf anderer Ausrüstung, wie es mit dem Fernglas weiter geht entscheide ich später, werde es aber aus von dir genanten Gründe gut Verpackt in der Wohnung lagern, diese Aspekte hatte ich nicht bedacht, da ich zum ersten mal mit einer solchen Beschädigung konfrontiert bin.
Sollte ich es behalten, würde eine solche Stabilisierung absolut Sinn machen.
Ich wäre bereit es einem kompetenten Sternfreund gegen Bezahlung anzuvertrauen.
Wenn ich ich weiss, ob ich es behalte, werde ich diesbezüglich eine Anfrage zur Reparatur im Forum stellen.
Aber alles im allem, habe ich wertvolle Tipps erhalten, die mir weiter helfen werden, zu entscheiden, wie es weiter geht.
CS
Zvonimir
 
Hallo Zvonimir

ich glaube, du hast schon die passenden Antworten bekommen. Aus meiner Sicht ist eine Optik mit klar erkennbarem Riss gleichbedeutend wie ein Gebrauchtwagen mit Motorschaden. Keiner weiß, was genau alles kaputt ist. Es kann noch mehr sein, auch wenn man es erst mal nicht sieht - es kann aber auch "nur" die Frontlinse sein. Da der Verkauf wohl ohne Gewähr und Rückgabe sein wird, sehe ich als sinnvolle Zielgruppe nur Bastler, die versuchen würden, das Glas zu reparieren oder jemandem, der absolut auf das Geld schaut und daher mit einem offensichtlichen und m.E. sehr großen Makel (auch wenn keine erkennbare Bildeinbuße angegeben wird [der Motor läuft noch rund]) leben kann. Letzteres halte ich ehrlich gesagt auch für unwahrscheinlich, denn niemand weiß, was mit der Linse weiter passieren wird, wenn man im Winter bei -10°C den Mond anschaut und ein Weiterverkauf ist so ebenfalls praktisch aussichtslos. Ich sehe einen realistischen Verkaufswert von 10% bis max. 20% vom NP.

Falls du eine Feinoptikerwerkstatt in der Nähe hast, würde es sich evtl. lohnen, da mal nachzufragen. Das wäre vielleicht ein nettes Projekt für einen Lehrling (Glas ausbauen, ermitteln was es für ein Glas ist, neue Linse organisieren/polieren etc. Könnte aber auch mehrere hundert EUR kosten und ist ohne Gewähr.

Beste Grüße
Christian
 
Hi,
falls an den gebrochenen Glasflächen störende Reflexe auftreten, würde ich daran denken diesen Teil der Linse abzublenden, z.B. mit einer schwarzen Papierblende davor, die so zugeschnitten ist, dass sie eben nur die glänzenden Stellen abdeckt.
Klar dass Helligkeit, Kotrast und Auflösung dadurch nicht besser werden, aber probieren geht über studieren und ich vermute das wird nicht so schlimm und vielleicht unmerklich sein.
CS Nik
 
Wenn ich richtig verstanden habe, ist eine Seite noch intakt, also hat es weiterhin die volle Funktionalität eines Spektivs, wenn auch mit mehr Volumen und Gewicht. Vielleicht kannst Du das Bino ja gezielt unter diesem Aspekt anbieten und dafür einen etwas angenehmeren Preis erzielen?
VG, Andreas
 
Ist es vielleicht irgendwie in einer der Versicherungen mit drin? Die Chance ist zwar klein, aber ich bin auch immer wieder überrascht, wofür ich mitbezahle und nie darauf kommen würde, das bei der Versicherung einzureichen...

Nachfragen kostet ja nichts.
 
Hallo in die Runde

Bedanke mich für neue Anregungen und Aspekte, an die ich so nicht gedacht hatte.

Ich glaube, ich habe tatsächlich eine Hausratversicherung, nachfragen kostet Nix….muss noch die Police hervor kramen.

Ansonsten kann man das Desaster m.E. auf kommerziell-finanzielle und hobbiistisch-praktikable Aspekte runter brechen.

Unter den erst genannten Aspekten, habe ich mich entschlossen, das Glas bis auf weiteres zu behalten, vor allem deshalb, weil die Dauer seiner optischer Güte gewissermassen „in den Sternen steht“, was nun mal leider mit massiven kommerziellen Wertverlust einher geht.
Selbst wenn ich einen Käufer für 500-900 CHF/Euro finden würde, will ich ihm das Risiko einer fragilen Optik nicht zumuten, diesen Aspekt hatte ich ursprünglich nicht auf dem Schirm.

Im zweit genannten Aspekt-Bereichen sieht es weniger düster aus und werde mich dem widmen, nachdem dringendere Notmassnahmen bis Ende Monat erledigt sind.
Mir schwebt vor, die von Frank vorgeschlagene Stabilisierung des Haar-Risses durch passende Öle professionell durch eine Werkstatt durchführen zu lassen
Ich wohne in der Schweiz und daher kommt der Versand der fragilen Optik nach Deutschland nicht in Frage.
Ich habe auf die Schnelle einige Werkstätte gegoogelt, ansonsten bietet ein in CH bekannter Fotohändler Dienstleistung Foto-Objektive reparieren zu lassen, ein Astrohändler hat eigene Werkstatt und hat früher eigens gebaute Teleskope angeboten.
Sollte eine Stabilisierung durch Öle nicht möglich oder rentabel sein, werde ich das Fernglas mit gebotener Sorgfalt auch so weiter benutzen.
Sollte sich der Haar-Riss aufweiten und optisch wirksame Kohäsion verloren gehen, werde ich den betreffenden losen Teil der Linse mit einem schwarzen passend zugeschnittenen Fotokarton abdecken.
Ich denke der Helligkeitsabfall würde sich nicht dramatisch auswirken.

Eine weitere „brutale“ Option wäre natürlich auch den hinteren Teil durchzusägen und die noch intakte Hälfte als Spektiv zu verwenden oder zu verkaufen.

CS
Zvonimir
 
> Ist es vielleicht irgendwie in einer der Versicherungen mit drin?

Etschuldige, aber eine Hausratversicherung ist doch keine Vollkasko für optische Geräte, die ohne Fremdverschulden beschädigt worden sind.

Zur Sache noch etwas:
Bei so einem Schaden am Fernglas würde ich mir weniger Sporgen um Frostschäden machen, als vielmehr Beeinträchtigungen durch langsam aber sicher ins Glas eindringnde Feuchtigkeit bei der Benutzung in der Nacht bei entsprechenden Bedingungen. Erst hat man den Beschlag auf den inneren Glasflächen, dann kommt irgendwann der Pilz.
 
Nein, aber vielleicht gibt es Transport- oder sonstige Versicherungen, die das mit abdecken. Fragen kostet nichts, mehr als nein sagen können die auch nicht.
 
Ich hatte hier ja mal die Reparatur eines Sturzschadens beschrieben.
https://forum.astronomie.de/threads/reparatur-eines-70mm-90-fernglases.358203/
Bei diesem Fernglas war der Bruch des serienmäßigen Stativadapters die Ursache.
Oft sind diese aus "minderwertigem" Gusseisen und entsprechend bruchgefährdet. Hier war es der Transport des Fernglases, am Stativ getragen.

Ein weiterer Schwachpunkt sind die L - förmigen Tragegriffe dieser Gläser. Auch die können brechen, wenn das Fernglas z.B. zu schnell angehoben, oder aus einer Abwärtsbewegung wieder nach oben gezogen wird.
Bei den APM Gläsern ist das aber wohl noch nicht vorgekommen.

VG Frank
 
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