verschlechtert Binning die Qualität | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

verschlechtert Binning die Qualität

komposer

Mitglied
Hallo,

ich habe bei meiner Asi120mc das 2x2 Binning getestet.
Da das Wetter schlecht ist diente als Testobjekt ein Jupiterbild aus meinem Fotobuch.
Mit 16mm Objektiv habe ich 16ms ohne Binning mit 4ms mit Binning getestet.
Die Bildhelligkeit ist ungefähr gleich. Das wäre für meine Deepsky-Versuche natürlich vorteilhaft.
Demnach müsste meine bisher möglichen 3 Sek. Belichtungszeit mit Binning dann ja 12 Sek. ohne Binning entsprechen.
Oder kann ich das von der Fotoaufnahme nicht so einfach auf Deepsky-Aufnahmen übertragen und hochrechnen ?

Was aber gravierend auffällt ist die deutlich schlechtere Qualität der Binning-Aufnahme.
Ich habe wie sonst auch das Raw Avi später debayert und ein Einzelbild mit virtualdub exportiert.

Ist das normal ?
Fällt das bei Deepsky Aufnahmen weniger auf ?

Gruß,
Holger


 

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komposer

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Hallo,

2x2 Binning mit 16ms brachte zwar ein deutlich helleres Bild aber mir kommen da dennoch Zweifel ob das übertragen auf meine Deep-Sky Versuche so hinkommt mit 3 Sek. entsprechen gebinnt 12 Sek.

Könnte es sein, dass beim Binning hier die Lichtmenge auf 4 Punkten zu einem gemeinsamen Punkt aufaddiert wird ?

Dann hätte ich in der gleichen Zeit einfach nur 4 mal mehr 3 Sek. Aufnahmen addiert.
Details, die erst bei mehreren Sekunden Aufnahmen zum Vorschein kommen, wären dann doch auch mit Binning nicht sichtbar ?

Bei den 2 Sek. Aufnahmen vom Ringnebel fehlte der äußere rötliche Rand. Auch mit Histogrammverstärkung war da nichts zu machen und so fehlte das nachher auch im Summenbild.

Bei 3 Sek. Belichtung war dann der Rand zu sehen, auch im Einzelbild.

Wenn ich z.B 10 3 Sek. Bilder stacke ist der Rand zu sehen bei 40x2 Sek. aber nicht, da nützt dann wohl auch nicht die 4 fache Menge Einzelbilder. Die Details sind bei 2 Sekunden einfach zu schwach und da wird dann das Binning auch nichts bringen oder ?

Gruß,
Holger




 

Joschi

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Hallo Holger,

bei 2x2 Binning werden vier Pixel zu einem zusammengefasst.
Bei Farbkameras sollte das eigentlich nicht funktionieren.
Wahrscheinlich ist das ein Software Binning was aber bei der ASI ziemlich gut funktioniert.
Das die Auflösung sinkt ist normal,da nur ein viertel der Pixel zur Verfügung stehen.
Ein Anwendungsfall wäre das erstellen einer L-RGB Aufnahme.
Dabei wird der Luminamzkanal mit voller Auflösung und längerer Belichtungszeit gemacht.
Die Farbkanäle oder das Farbbild werden im Binning Modus gemacht.
Das verkürzt die Belichtungszeiten erheblich.
Bei einem L-RGB Bild bringt der Luminanzkanal die Auflösung und Details, während die Farbkanäle nur für die Farben zuständig sind.
Deshalb kann da auch das Binning angewandt werden.
Die CCD Fotografen können dir da bestimmt noch mehr Infos geben.

VG Cl.-D.
 

komposer

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Hallo Joschi,

danke für Deine Antwort. Zu dem Thema L-RGB habe ich im Internet auch am meisten gefunden. Das wurde dann schnell sehr Komplex und ich konnte da für meine Situation keine Antwort finden.

Mir geht es nicht um Zeitersparnis.
Ich hatte die Hoffnung, dass mit dem 2x2 Binning 3 Sek. einer 12 Sek. Aufnahme entspricht. Also im Einzelbild dann auch schwächere Details sichtbar werden.

Entscheidend ist für mich ob das Binning nur eine 4 fache Addition ist. Dann könnte ich auch ohne Binning mehr Frames sammeln.
Es wäre dann nur zur Vorschau denkbar, da ich z.B. M27 zuletzt nicht auf dem Laptop erkennen konnte, mit Binning vielleicht schon.

Gruß,
Holger
 

etalon

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Hallo Holger,

Dein limitierender Faktor ist das Ausleserauschen der Kamera. Alle durch das Objekt erzeugten Photoelektronen, welche innerhalb der Schwankungsbreite deines Ausleserauschens liegen, kannst Du nicht mehr von selbigem trennen.

Bei einem CCD bewirkt das 2x2 Binning, dass die Photoelektronen von vier Pixeln zusammengefasst und dann einmal über den Ausleseverstärker ausgelesen werden. Sollte vorher also Dein Objektsignal unterhalb der Erkennungsgrenze deines Sensors gelegen haben, liegt sie mit der vierfachen Anzahl an Photoelektronen nun vielleicht darüber und Du hast ein verwertbares Signal.

Bei einem CMOS hat aber jedes Pixel seinen eigenen Ausleseverstärker. Das heißt, dass egal wieviele Pixel du binnst, das S/N des Einzelpixel sich nicht ändert (bei Betrachtung einer Einzelaufnahme). Von daher macht das Binnen eines CMOS eigentlich nur zur Anpassung der Pixelgröße an die Aufnahmebrennweite Sinn.

Grüße Markus
 
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komposer

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Hallo Markus,

danke für Deine Erläuterungen.
Ich habe das 2x2 Binning gestern Nacht getestet.

Vorteil: Das Bild wurde heller und ich konnte den Nebel auf dem Laptop erkennen. Als Vorschau schon einmal verwendbar.

Das Wetter hat mir für einen direkten Vergleich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Kurz vor Mitternacht hatte ich zuerst ungebinnt aufgenommen. Leider zogen Wolken auf und auch während der Aufnahme war die Durchsicht nicht so gut.
Ich konnte dann erst mehr als eine Stunde später den Nebel mit 2x2 Binning aufnehmen. Da war der Himmel aber richtig klar, so dass ich zum Vergleich auf meine Aufnahme vom 11.08.16 zurückgreifen musste.
Belichtungszeit war jeweils 3 Sek.
Am 11.8 konnte ich 53 Frames stacken und am 13.8. 31 Frames.

Mir ist klar, dass sich das so nicht korrekt vergleichen lässt aber zumindest einen kleinen Eindruck konnte ich gewinnen.
Ich sehe da keine nennenswerte Verbesserung oder viel mehr Details. Das betsätigt ja auch Deine Einschätzung.

Gruß,
Holger
 

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etalon

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Hallo Holger,

dass das Bild heller wird muss zwangsläufig so sein, da Du ja die Ladungen von vier Pixeln zu einem auf addierst. Mehr Details sind ebenso nicht zu erwarten, da bei gleicher BW mit größeren Pixeln ein Verlust an Auflösung einher geht (wenn Du nicht im 1x1 bin völlig oversampled warst)...

Grüße Markus
 
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