Verspiegelung mit Silber - wirklich so empfindlich

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ForenSeil

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Mein Vater hat mir einen parabolisierten 10" F6 Spiegel vererbt.
Leider ist die Verpiegelung fehlerhaft und müsste erneuert werden.
Mein Vater meine man müsse das auf jeden Fall einschicken und mit Alu neu bedampfen lassen.

Ein Freund meinte jedoch, dass das Selbst-Verspiegeln mit Silber nur Nachteile in Haltbarkeit, nicht jedoch in der Bildqualität hätte.

Da ich Silbersalze sowie alle anderen nötigen Chemikalien zuhause habe und die Prozedur ja auch nicht so schwer oder langwierig ist und die Profi-Alu-Verspiegelung wohl ziemlich viel kostet, frage ich mich ob es sich nicht lohnt den Spiegel halt alle paar Jahre einfach selber neu zu verpiegeln, falls nötig.

Oder gibt es da einen Haken den ich nicht sehe? Was würdet ihr empfehlen?
 
Hi,

ich würde dir raten den Spiegel aluminisieren zu lassen.
Ich habe meine ersten kleineren Spiegel frühern auch zum ersten Ausprobieren am Himmel selber mit Silber verspiegelt. Das ist erstens nicht sehr haltbar, die Chemikalien sind auch nicht billig und wenn man nicht sauber arbeitet, kann man gleich alles nochmal machen. Würde ich heute nicht mehr machen, sondern gleich aluminisieren lassen, da bekommst du auch gleich eine Quarzschutzschicht drauf. Noch ein Nachteil beim Versilbern ist: Du musst ja das frische Silber aufpolieren, wenn du da zu grob arbeitest gibts schöne Kratzer oder Slieks.

CS Mike
 
Hi,

schau mal bei den "Blauen" rein:

http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=55714

Im Rohr'schen Spiegelschleifbuch wird abgeraten, einmal wegen potentieller Explosionsgefahr und auch weil Silberschichten für nahes IR durchlässig sind. Sollte man mit der CCD in der Richtung was vorhaben ist eine Silberschicht eher schlecht.


Grüße Coyote
 
Danke für die Hinweise!
Dass man den Spiegel danach noch polieren muss wusste ich garnicht.

IR habe ich allerdings nicht vor, Gefahr der Bildung von explosiven Silbernitrid habe voll ich im Griff (bin Chemiker von Beruf) und ich habe durch zufall auch bereits alle Chemikalien - es wäre also die ersten Male sogar umsonst der Spaß.

Was kostet denn das Aluminisieren? Habt Ihr ne Empfehlung wo man da machen lassen könnte? Wie groß ist der Haltbarkeitsvorteil wirklich?

PS: Interessiert mich jetzt - Wann genau wird metallisches Silber für IR durchlässig? "Nah-IR" ist ein ziemlich weiter Begiff (780-3000nm, der sichtbare Bereich ist nur von dagegen nur 400-780µm).
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Coyote,

Zitat von Reverend_Coyote:
Im Rohr'schen Spiegelschleifbuch wird abgeraten, einmal wegen potentieller Explosionsgefahr und auch weil Silberschichten für nahes IR durchlässig sind. Sollte man mit der CCD in der Richtung was vorhaben ist eine Silberschicht eher schlecht.
Rohr rät nur wegen der potentiellen Explosionsgefahr ab. Silber ist im nahen IR undurchlässig, wobei letzteres zu Rohrs Zeiten nicht relevant war und daher AFAIR nicht erwähnt wird. Allerdings wird Silber für UV schnell durchlässig.

Die Explosionsgefahr ist bei richtiger Arbeitsweise nicht sonderlich hoch, da dafür stark ammoniakalische Silberlösungen längere Zeit stehen müssen. Zum Glück, denn Chemiestudenten in den ersten beiden Semestern haben es oft mit derartigen Lösungen zu tun und keine Lust, ihre Reagenzgläser in der Umgebung zu verteilen.

Ein Nachteil von Silber ist die Anfälligkeit für die Bildung von Silbersulfid, aber die Konzentration der dazu nötigen Schwefelabgase hat in den letzten Jahren stark abgenommen.

Grüße

fquadrat
 
Ahh ok sehr interessant.
Ist UV-durchlässigkeit nicht sogar potentiell sehr praktisch? Gibt doch weniger Haze aufm Bild, oder!?

Wie lange hielt denn damals vor Zeiten der modernen Abgasfilter so ein Silberspiegel? 1 Woche? 1 Monat? 1 Jahr? 10 Jahre? Oder so schnell wie das "Waldsterben" war ;)?

Mein armer Opa ist übrigens Bauer und musste wegen dem Wegfall des sauren Regens neuerdings anfangen Schwefel zu Düngen ^^ Der Wegfall des sauren Regens hat also nicht nur gutes ^^

 
Zitat von ForenSeil:
Ahh ok sehr interessant.
Ist UV-durchlässigkeit nicht sogar potentiell sehr praktisch? Gibt doch weniger Haze aufm Bild, oder!?
Teilweise ja. Die Reflektivität läßt nicht so schnell nach, daß der Schleier komplett abgeblockt würde, allerdings schnell genug, um den Photometrieleuten ihr U-Band zu verbiegen.

Wie lange hielt denn damals vor Zeiten der modernen Abgasfilter so ein Silberspiegel? 1 Woche? 1 Monat? 1 Jahr? 10 Jahre? Oder so schnell wie das "Waldsterben" war ;)?
Maximal einige wenige Jahre, sofern ich mich nicht irre. Ein Jahr dürfte passen. Übrigens wird chemisch niedergeschlagenes Silber vermutlich nicht poliert, dann wäre es nämlich sehr wahrscheinlich weg. Das Aufpolieren war eher bei Spiegelbronze üblich.

Mein armer Opa ist übrigens Bauer und musste wegen dem Wegfall des sauren Regens neuerdings anfangen Schwefel zu Düngen
Das Problem ist bekannt, betrifft aber zum Glück für die Umwelt hauptsächlich die Erzeuger von Rettich, Meerrettich und Radieschen.
 
Hallo,

ich habe gerade nochmal in meinen drei Exemplaren des Rohr (1955(?), 1964, 1983) nachgeschlagen - ich habe mich geirrt. Es ist von UV-Durchlässigkeit die Rede, nicht von IR-Durchlässigkeit.

Allerdings hat er in allen drei oa. Ausgaben seines Buches folgende (gleichlautende) Textpassage:

<cite>
Für den wissenschaftlich arbeitenden Amateur sei hier noch eingefügt, daß der Silberspiegel für photographische Arbeiten, die photometrisch ausgewertet werden, nur sehr bedingt brauchbar ist. Kurzwelliges Licht (ultraviolett) durchdringt die dünne Silberschicht wie durchsichtiges Glas, im Gegensatz zum Al-belegten Spiegel, der auch in diesem Wellenlängenbereich seine volle Leistungsfähigkeit bewahrt.
</cite>

Außerdem wird in dem Kapitel auch noch eine Belegung der Spiegel mit Rhodium erwähnt, davon hat man aber wohl mittlerweile Abstand genommen (warum, außer Temperaturargument?).


Grüße, Coyote


 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo,

ich habe Ende der 60er-Jahre mit selbst versilberten Spiegeln beobachtet.

Die Versilberung hielt in der Innenstadt von Berlin (viel Braunkohle-Ofenheizung) zwischen einem Monat und einem halben Jahr. Das hing etwas auch mit der Qualität der erreichten Versilberung ab, die nicht immer ganz konstant war.

Manchmal bekam man schöne silberweiße Schichten hin, manchmal hatte die Schicht leicht gelbliche Farbe.
Manche Schichten konnte man in der Tat durch Polieren verbessern. Man nahm dazu feinstes Rehleder.

Ein wenig verlängern konnte man die Haltbarkeit, wenn man mit Bleiazetat getränkte und getrocknete Papiere bei der Aufbewahrung im Teleskoptubus einlegte.
Bleiazetat ist auch als Bleizucker oder Schwiegermuttersalz bekannt. Es ist giftig. Das Bleiazetat bindet Schwefeloxide stärker als Silber.

Man hat seinerzeit auch gern selbst geschliffene Spiegel mit Silber verspiegelt um sie zu erproben - bevor man sie aber am Ende doch mit Aluminium beschichten ließ.

Ich finde die Beschichtung mit Aluminium auch als billigere Methode, da sie einfach länger hält. Jahrzehnte bei guter, d.h. sparsamer Pflege.

Grüße

*entfernt*
 
Zitat von Reverend_Coyote:
ich habe gerade nochmal in meinen drei Exemplaren des Rohr (1955(?), 1964, 1983) nachgeschlagen - ich habe mich geirrt. Es ist von UV-Durchlässigkeit die Rede, nicht von IR-Durchlässigkeit.
Ok, dann wäre das ja eigentlich geklärt. Damit solche Gerüchte endgültig begraben bleiben, füge ich noch ein paar Messkurven bei. Diese stammen u.a. von einer kleinen Firma in Massachusetts , die sich seit mehreren Jahrzehnten insbesondere mit UV- und IR-Optiken befasst und mit der ich als wissenschaftlicher Kunde zeitweise intensiv zu tun hatte:

Broadband Metallic Mirror Coatings

Für Anwendungen im UV bis hinunter zu Lyman-alpha bei 120 nm ist nach wie vor Aluminium mit einer auf den jeweiligen Wellenlängenbereich optimierten Schutzbedampfung aus MgF2 der Favorit. Im sichtbaren Wellenlängenbereich kommen sowohl Aluminium als auch Silber in Frage. Silber eignet sich insbesondere auch für IR-Anwendungen bis 20 μm:

Silber

Für reine IR-Anwendungen oberhalb von 1 μm wird gewöhnlich Gold bevorzugt:

Gold

Siehe dazu auch Webb Telescope

Gruß, Peter
 
Hi,

die mit Silber verspiegelten kleineren Spiegelträger hatten keine besonders lange Lebensdauer von lediglich eingen Wochen bis max. ein paar Monaten. Dies war aber nicht von Belang, da dies nur für den entgültigen Sterntest am Himmel gedacht war, bevor sie aluminisiert wurden.
Bei den heutigen größeren Spiegeln brauche ich kein Silber mehr, da sie auch ohne Verspiegelung genug Licht reflektieren um einen Test am Stern/Mond/Planeten zu liefern.

Um den braunen Schleier, der sich bei der Niederschlagung des Silbers auf dem Spiegelträger bildet wegzubekommen, nimmt man einen Wattebausch, wickelt ihn in sämisches Leder und poliert ihn vorsichtig weg. Man kann der ersten Versilberung gleich eine zweite Folgen lassen, um eine größere Schichtdicke zu erreichen.

Das Buch von Rohr würde ich auf gar keinen Fall empfehlen!!!
Das Standardwerk zur einwandfreien Herstellung ( PvT kleiner 1/10 Wellenfront, rho kleiner 1) ist und bleibt das Buch von Terxerau. Eine bessere Anleitung in Buchform(englisch) für den Erstschliff einen Spiegels von 20-30 cm Größe, kenne ich nicht.

Für größere Spiegel von 35-60cm empfehle ich das Buch von Berry/Kriege.

CS Mike
 
Hallo,

ich habe da mal eine Frage dazu. Ich habe noch nie einen Spiegel geschliffen oder verspiegelt, lese aber kräftig mit, da mich das Thema interessiert.
Sicherlich hat schon mal jemand nach dem Verspiegeln einen Sprühklarlack zum Schutz auf das Silber gesprüht.
Da ich noch nirgends davon gelesen habe, muss es wohl einen gewaltigen Nachteil haben, welchen?


CS

Martin
 
Hallo Martin,

ein Lack ist dick und dabei ungleichmäßig, der würde den Spiegel auf den Stand "auspoliert, aber falsche Form und massive Textur" bringen. Mit anderen Worten: Bildqualität unterhalb Rasierspiegel.

Grüße

fquadrat
 
Hallo fquadrat,

danke für die Antwort. Ich dachte, da der Lack durchsichtig ist, würde sich dies nicht so stark bemerkbar machen.

CS

Martin
 
Hallo Martin,

Linsen und Schmidtplatten sind auch durchsichtig, beeinflussen das Bild aber enorm. Wenig wirken solche Phasenobjekte in Luken, also dort, wo der Gegenstand und seine reellen Bilder aufzufinden sind. In der Nähe von Pupillen, also zuerst der Eintrittspupille, wirken sie sehr stark. Dafür sind Amplitudenobjekte dort unproblematisch, während sie in Luken stören. Bekanntes Beispiel hierfür sind Staubkörnchen. Auf einem Skalenplättchen nerven sie, auf dem Objektiv bemerkt man sie nicht sonderlich.

Übrigens: Selbst bei perfekter Ausführung würde Klarlack auf dem Spiegel ein Doppelbild oder Interferenzen geben, da er nicht entspiegelt ist und somit ein "Zweitbild" liefert.

Grüße

fquadrat
 
Hallo fquadrat,

zunächst einmal möchte ich festhalten, dass sich meine Kritik der Bücher lediglich auf die Herstellung der Optik bezieht.
Wenn man als Anfänger, womöglich ohne Unterstützung von anderen, in diese Materie seine ersten Erfahrung machen will und sich lediglich auf ein Buch verlässt ist die beste Anleitung gerade gut genug. Diese stammt vom Berufsoptiker und langjährigen Experten bei Herstellung und Korrektur von Profiteleskopen Jean Texerau. Der Mann beschreibt akribisch bis ins letzte Detail die Vorgangsweise. Auch die exakte Herstellung mit Bauplan eines sehr guten Foucaultapparates zur Vermessung findet sich darin.Seine Methode der Pechhautherstellung ist sehr einfach und zuverlässig. In der ganzen Beschreibung ist kaum oder gar kein Fehler zu finden.
Das Buch von Rohr, der ja lediglich Amateur ist, kann da bei Weitem nicht mithalten.

Da sind jede Menge fragwürdiger Sachen enthalten:

Die unsinnigen mit Pech aufgeklebten langen Handgriffe auf den Glasscheiben erzeugen jede Menge Kippmoment und eine schöne abgsunkene Kante.

Die Methode mittels "selbstgedrehten Spezialnudelwalkers" eine Pechhaut zu erzeugen funktioniert schlecht.

Die Empfehlung mit 15cm Durchmesser den ersten Spiegel zu schleifen ist auch nicht gut.

Es werden lediglich zwei Zonen vermessen, das vorgeschlagene Messgerät ist im Vergleich zu Texerau viel primitiver und ungenauer.

usw und so fort.

Da fällt mir der alte Spruch ein "Man geht besser gleich zum Schmied und nicht zum Schmiedl"

CS Mike





 
Hi ForenSeil,

Für einen Chemiker ist das zweifellos kein Problem. Selbst ein Physikingenieur a.D. wie ich schafft das :cool:. Auch die Bedenken wg. Explosionsgefahr sind unbegründet so lange man die Reste des Bades nach der Verspiegelung nicht eintrocknen lässt. Man kann das ausgefällte Silber im Bad mit viel dest. Wasser auswaschen und problemlos zu Sibernitrat recykeln.

Ich hab seit mehreren Jahren wiederholt nach Brashear versilbert. Zum Reinigen des Spiegels hat sich bei mir der Haushaltsreiniger "Sil 1für alles" von Henkel bestens bewährt. Das erspart den früher üblichen Einsatz von hoch konzentrierter Salpetersäure.

Die größten meiner versilberten Spiegel sind ein Planspiegel sowie ein Parabolspiegel mit jeweils 300 mm D. Der Parabolspiegel hält ca. 1 Jahr, incl. 1- 2x Nachpolitur. Danach bekommt die Schicht zunehmend immer größer werdende Löcher. Dabei scheint die in der Praxis unvermeidbare Taubildung der Haupkiller zu sein. Der Planspiegel wird niemals feucht. Neulich hab ich ihn ca. 2 Jahre nach der Beschichtung "entgilbt" und anschließend den Reflexionsgrad gemessen. Der war wieder fast wie neu:

R.=
94% bei 550 nm,
96% bei 670 nm,
91% bei 450 nm.

Das ist eindeutig besser als Alu + SiO2 Schutzschicht. Man kann das sogar bei direktem Vergleich durch Reflexion einer weiße Wand sehen.

Zum "Entgilben" sowie zum Nachpolieren unmittelbar nach der Beschichtung benutze ich ein fabrikneues Mikrofasertuch mit einem Hauch von feinstem Polierrot (Farbpigment) trocken! Ohne Nachpolitur ist die Reflektivität eher diffus und daher praktisch unbrauchbar. Die fertige Silberschicht lässt sich mit trocken, sauberen Fingen auch bei heftigem Druck nicht abwischen.


Gruß Kurt
 
Hallo,

danke für die Infos.

Eventuell, könnte man versuchen einen Lack mit gleichem Brechungsindex zu finden.

Das mit den unterschiedlichen Schichtdicken und den daraus resultierenden Problemen leuchtet ein.
Könnte man aber nach dem Verspiegeln den Lack nicht etwas dicker auftragen und dann wieder auf die "richtige" Form polieren? Naja, wahrscheinlich lässt sich so ein Lack eher nur verschmieren als wirklich weg polieren.


Gruß

Martin
 
Hallo Martin,

….Könnte man aber nach dem Verspiegeln den Lack nicht etwas dicker auftragen und dann wieder auf die "richtige" Form polieren?...
das ist nach meiner Einschätzung sehr vermutlich mit Amateurmitteln nicht Erfolg versprechend. Dann schon lieber dem Link von P_E_T_E_R folgen und bei Princerton Instruments „Acton Enhanced Protected Silver Coating-400-800nm“ ordern. Leider hab ich keine Ahnung ob eine derartige Beschichtung für die meisten von uns noch bezahlbar ist.

Gruß Kurt
 
Hallo Mike,

Du schriebst:
Zitat von MikeWölle:
Das Buch von Rohr, der ja lediglich Amateur ist, kann da bei Weitem nicht mithalten.
Dafür weiß der aber, was ein Amateur kann, und was nicht.

Die unsinnigen mit Pech aufgeklebten langen Handgriffe auf den Glasscheiben erzeugen jede Menge Kippmoment und eine schöne abgsunkene Kante.
Sind mir in der mir vorliegenden Auflage nicht aufgefallen.

Die Empfehlung mit 15cm Durchmesser den ersten Spiegel zu schleifen ist auch nicht gut.
Die amerikanischen Spiegelschleifer haben das erfolgreich jahrzehntelang gemacht.

Da fällt mir der alte Spruch ein "Man geht besser gleich zum Schmied und nicht zum Schmiedl"
Nun ja, heutzutage sind Schmiede selten geworden. Und der Konstruktionsmechaniker wird unter Umständen zum Erreichen bester Genauigkeit den Einsatz einer CNC-Maschine vorschlagen. Die hat Otto Normalverbraucher aber nicht ... ;)

Grüße

fquadrat
 
Zitat von MikeWölle:
"Man geht besser gleich zum Schmied und nicht zum Schmiedl"
Klar, heutzutage gibt es allemal bessere Anleitungen als das uralte Buch vom Konditormeister Hans Rohr, wobei sich meine Kenntnis davon noch auf eine alte Schwarte aus den Fünfziger Jahren bezieht. Damals gab es jedenfalls im deutschen Sprachraum nichts Vergleichbares. Gleichwohl hat diese Schrift, trotz ihrer methodischen Unzulänglichkeiten aus heutiger Sicht, das Selbstschleifen hierzulande ganz wesentlich angestoßen und geprägt. Insofern sind seine Verdienste wohl eher historisch einzuordnen.

 
Hallo Fquadrat und Peter,

sicher hat Rohr historische Verdienste und es geht mir auch nicht darum sein Buch schlechtzureden, sondern einfach darauf hinzuweisen, dass man als Anfänger viel besser Chancen auf einen guten ersten Spiegel hat wenn man die wesentlich bessere Anleitung von Texerau verwendet.

Ich gehe aber gerne noch im Detail darauf ein:

Dafür weiß der aber, was ein Amateur kann, und was nicht.

Auch Texereau hat als Amateur mit einem 25cm angefangen, viele Jahre lang Spiegelschleifkurse für Amateure durchgeführt und eben das Standardwerk für Amateurspiegelschleifer geschrieben.
Er kann also sehr gut beurteilen was ein Amateur kann und was nicht. Er geht sogar auf díe Psyche des Schleifers ein.

Sind mir in der mir vorliegenden Auflage nicht aufgefallen
Meine Kritik bezieht sich auf die Auflage des Orell-Füssli Verlags aus den 80iger Jahren.

Die amerikanischen Spiegelschleifer haben das erfolgreich jahrzehntelang gemacht.
Die Zeiten ändern sich. Es ist auf jeden Fall gescheiter gleich einen 20cm f/8 oder f/6 zu schleifen, als einen 15cm Spiegel als ersten Spiegel, dann hat man gleich ein ernstzunehmendes Planetenfernrohr und auch alle Messierobjekte machen damit schon Spass. Der Aufwand ist nicht viel höher, aber man lernt gleich richtig das Parabolisieren und auch finanziell macht er mehr Sinn, da man bei kleineren Öffnungen schon recht günstig fertige Geräte kaufen kann.

Nun ja, heutzutage sind Schmiede selten geworden. Und der Konstruktionsmechaniker wird unter Umständen zum Erreichen bester Genauigkeit den Einsatz einer CNC-Maschine vorschlagen. Die hat Otto Normalverbraucher aber nicht ...

Mit dem Spruch vom Schmied war gemeint, es ist besser sich gleich von einem professionelen Optikexperten beraten zu lassen, wenn es um Präzisionsoptiken geht.

CS Mike



 
Hallo Mike,

Zitat von MikeWölle:
Auch Texereau hat als Amateur mit einem 25cm angefangen, viele Jahre lang Spiegelschleifkurse für Amateure durchgeführt
Ok, dann weiß auch er, was ein Amateur kann, und was nicht. :)

Sind mir in der mir vorliegenden Auflage nicht aufgefallen
Meine Kritik bezieht sich auf die Auflage des Orell-Füssli Verlags aus den 80iger Jahren.
Komisch, die liegt mir auch vor. Muß das Buch wohl noch einmal überfliegen.

Die amerikanischen Spiegelschleifer haben das erfolgreich jahrzehntelang gemacht.
Die Zeiten ändern sich. Es ist auf jeden Fall gescheiter gleich einen 20cm f/8 oder f/6 zu schleifen, als einen 15cm Spiegel als ersten Spiegel
Größerer Spiegel - mehr (mögliche) Probleme!

dann hat man gleich ein ernstzunehmendes Planetenfernrohr und auch alle Messierobjekte machen damit schon Spass.
Mit meinem 150/1200er machen zwar nicht alle Messierobjekte Spaß, aber als Planetenfernrohr muß man dieses Teleskop ernstnehmen.

man lernt gleich richtig das Parabolisieren und auch finanziell macht er mehr Sinn, da man bei kleineren Öffnungen schon recht günstig fertige Geräte kaufen kann.
Parabolisieren kann man den 150er Spiegel ebenfalls, Rohr empfiehlt das ja auch.

Mit dem Spruch vom Schmied war gemeint, es ist besser sich gleich von einem professionelen Optikexperten beraten zu lassen, wenn es um Präzisionsoptiken geht.
Schon klar, aber der professionelle Optiker hat andere Möglichkeiten. Da Texereau aber wohl auch als Amateur angefangen hat, dürfte er auf diese Leute Rücksicht genommen haben.

Grüße

fquadrat
 
Hallo,

schleiße mich Mike vollumfänglich an:
Texereau's Buch ist erste Klasse!
Alles was er zur Optikherstellung schreibt ist immer noch aktuell und hervorragend für Amateure aufbereitet.
Ich entdecke selbst jetzt, nach einigen großen Spiegeln, immer noch interessante Aspekte in diesem Buch!

Aus der Tatsache, dass er ein hervorragender Berufsoptiker war kann man nicht ableiten, dass er nicht in der Lage ist, das Thema anfängerfreundlich zu formulieren. :super:

cs Kai
 
Hi,
Mit meinem 150/1200er machen zwar nicht alle Messierobjekte Spaß, aber als Planetenfernrohr muß man dieses Teleskop ernstnehmen.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man bei unseren Wetterverhältnissen als regelmässiger Planetebeobachter mit 8" angemessen beobachten kann, während man bei 6" doch einiges an Detail herschenkt.
Parabolisieren kann man den 150er Spiegel ebenfalls, Rohr empfiehlt das ja auch.
Ja, aber es ist ein Unterschied ob man einen 15cm F/8 oder einen 20cm F/6 parabolisiert. Je größer und kürzer, desto mehr Spass, Herausforderung und Übung für nächste Taten !
Man darf ja nicht vergessen, dass die zwei Hauptargumente für den Spiegelschliff sind: 1.) Kostenersparnis
2.) Knobelspass beim Parabolisieren
Und die/der steigen immens bei größeren Spiegeln.

CS Mike
 
Hi Kai,

ein gute Frage wäre auch -nicht die nach dem ersten-, sondern die nach der Größe des letzten, entgültigen Spiegels, den man schleift.
Irgendwann wird der Aufwand, beim Beobachten,Transportieren, Aufstellen, Montieren, Bauen,Polieren,Korrigieren so groß, dass eine weitere Steigerung, auch wenn sie durchaus noch im Bereich des Möglichen liegt, nicht mehr sinnvoll erscheint.


CS Mike
 
Hallo Mike,

Zitat von MikeWölle:
Mit meinem 150/1200er machen zwar nicht alle Messierobjekte Spaß, aber als Planetenfernrohr muß man dieses Teleskop ernstnehmen.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man bei unseren Wetterverhältnissen als regelmässiger Planetebeobachter mit 8" angemessen beobachten kann, während man bei 6" doch einiges an Detail herschenkt.
Zwar sieht man etwas weniger als im Achtzöller, aber in dem sieht man etwas weniger als im Zehnzöller. Insofern könnte man argumentieren, daß nur ein "Unendlichzöller" ein adäquates Planeteninstrument darstellt. Nur: Bei einem 150-mm-Teleskop hat man weniger Aufwand bei Schliff und passender Montierung, ohne viel an Detailreichtum zu verlieren. Übrigens: Bei den üblichen Wetterverhältnissen in Südwestfalen wäre auch ein 114/900er ein angemessenes Planeteninstrument, weil selbst dessen Auflösungsvermögen durch das Seeing nicht ausgeschöpft werden kann. Mehr Öffnung kann man nur selten umsetzen.

Mein nächstes Teleskop wird allerdings dennoch ein 25-cm-Newton ... ;)

Man darf ja nicht vergessen, dass die zwei Hauptargumente für den Spiegelschliff sind: 1.) Kostenersparnis
2.) Knobelspass beim Parabolisieren
Der Anfänger wird erst einmal genug damit zu tun haben, eine korrekte Sphäre zu schleifen. Das Parabolisieren kann, wenn erstere nur schwer zu erreichen war, unter Umständen zu sehr abschrecken.

Hat man seinen 150er gemeistert, kann man sich an größere Kaliber wagen, ohne bei hartnäckigen Störungen wie der berühmte Ochse vorm Berg zu stehen.

Grüße

fquadrat
 
Hallo Miteinander,

hier auch noch mal mein Senf zum "erweiterten" Thema.

1.Selbschliff

im Bereich 6-10" Zoll scheint mir nur aus Übungsgründen sinnvoll. Es gibt nämlich gute bis sehr gute Spiegel billiger zu kaufen als der Selbsschliff incl. professioneller Verspiegelung kostet.
Z. B. hatt ich vor einigen Jahren einen 8" f/6 Spiegel für 190€ im Fachhandel gekauft. Der war mit nachgewiesen echt-Strehl >0.96 Spitzenklasse. Trotzdem lag das Teil über zwei Jahre lang bei mir herum bis ich es zum Selbskostenpreis verkaufen konnte. Eigenutzung war hier weniger sinnvoll da ich bereits zwei geichwertige Selbstbauspiegel besitze.

2. Chem. Versilberung
ist auch bei mir nur ein Provisorium, alledings in einigen fällen ziemlich langlebig.

3. Größte sinnvolle Öffnung für Planetenbeobachtung in unseren Breiten:
Bei mir läuft das so. Ich besitze einen 5" Apo von LZOS
Erst wenn der ein gutes Planetenbild liefert bringe ich meinen 230 mm Kutter in Stellung.

Seit einigen Monaten hab ich auch noch ein 12" f/10 Cassi mit Nasmyth-Fokus einsatzbereit. Bisher gab es an meinem Standort noch kein Seeing bei densich ein Vergleich Kutter vs. Cassi gelohnt hätte. Das Cassi kommt aber auch bei weniger gutem Seeing zum Einsatz weil es mit f/10 gegenüber dem Kutter mit f/23 die besseren Allroundeigeschaften hat.

Vor ca. 7 Jahren hatte ich ebenfalls ein 12" Cassi, allerdings mit f/15 gebaut und ca. 4 Jahre lang benutzt. Während dieser Zeit hab ich zwei mal die Encke- Teilung im Saturnring gesehen...

4. Mein größter Eigenbau
ist ein 16" f/4,8 Dobson. Mit diesem hab ich auch svhon mehrere Flugreiesn nach La Palma unternommen. Seit einigen Jahren staubt er aber verpackt nach der letzten Flugreise vor sich hin. Das liegt aber einfach daran dass in meinem Freundeskreis zwei exzellente 16" sowie ein 24" Dobson existieren...

Gruß Kurt


 
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