visuelle Beabachtungen

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ms7564

Neues Mitglied
Hallo Gemeinde,
nun ist es ja doch so weit, endlich sternenklare Momente in den Nächten. Gestern Abend endlich das Teleskop rausgeholt und gespechtelt, zwar nur vor der Haustüre, dennoch an recht dunkler, strassenabgewandter und abgeschatteter Hausseite. Andromeda bereits gefunden, diverse Doppelsterne, endlich auch Saturn - dazu war ich bisher zu doof - und diverse andere Schönheiten.
Dennoch stellen sich mir als newbie diverse Fragen, auf die ich hier keine Suchergebnisse fand. Ich möchte mit meinen Teleskopen zwar auch Fotografieren, vor Allem aber mit meiner Familie spechteln, wir haben 4 Teleskope (113/500mm, 113/900mm, 150/1400mm Reflektoren und einen 102/1000mm Refraktor). Kameras on masse, da dies meine eigentliche Leidenschaft ist.
Nun aber zu den Fragen, könnte einer der alten Hasen mal Tips geben, wie man Nebel auch visuell sauber und farbig sehen kann, welche Filter sind notwendig, was ist hier die Grundausstattung?
Welche Okulare sind empfehlenswert (Brennweite) um zum Beispiel mit dem Refraktor einen Nebel toll beobachten zu können (2" möglich)?
Ich habe den Meade Farbfiltersatz mit gelb, rot usw., wann nehme ich welchen Filter? Schlucken die bei Nacht nicht sowieso viel von dem spärlichen Licht?
Und zu guterletzt, gibt es eine Möglichkeit, die Belichtungszeiten zu errechnen (Software) oder eine Inet-Seite, oder ist das Erfahrungssache ala Daumen mal Pi?
Vielen Dank im Voraus für Eure Antworten, ich hoffe heut Nacht klarts wieder auf,

Viele Grüße und zieht Euch warm an, es ist kalt in der Nacht,

Manfred
 
Hi Manfred
Da hast Du ja einen ganzen Sack voll Fragen. Ein alter Hase bin ich zwar auch noch nicht aber ich mach einfach mal den Anfang.
>Nebel visuell sauber und farbig?
Das beobachten von "richtigen" Galaktischen Nebeln (Emissionsnebel) ist farbig nur mit sehr großen Öffnungen zu machen, mit meinen 10" schaff ich gerade mal so beim Orionnebel einen grünlichen Schimmer. Meistens ist das erkennen von solchen Nebeln,von den hellsten mal abgesehen, eine Angelegenheit etwa wie "Weisser Adler auf weissen Grund" wobei nur geringe Helligkeitsunterschiede auf das Objekt hinweisen, erschwerend kommt dazu das die Ränder dieser Nebel sehr fliessend in den Hintergrund übergehen.
Die tollen Bilder dieser Objekte kommen halt aufgrund der längeren Belichtungszeiten zustande. Da kannst Du zum Bespiel mit der Piggyback Methode schon vorzeigbare Ergebnisse erzielen.
Zu den Okularen. Nebel sind im allgemeinen sehr grossflächig. Also sind langbrennweitige Okulare, die ein großes Gesichtsfeld liefern vorteilhaft. Ob 2" möglich ist hängt von deinem Okularauszug ab ob dieser die Okus überhaupt aufnehmen kann.
Farbfilter würde ich ausser bei Planeten und Mond überhaupt nicht benutzen. Empfehlenswert wäre ein UHC Filter und eventuell ein OIII Filter, diese blocken das Streulicht und lassen nur das Licht bestimmter Spektralbereiche durch. So wird der Himmelshintergrund dunkler und der Kontrast erhöht sich. Der OIII Filter ist bei Teleskopen mit kleinerer Öffnung aber nicht so geeignet da er doch schon relativ wenig Licht durchlässt.
Am Besten schaust Du dich bei diversen Einsteigerseiten um oder die Basic Hefte von Sterne und Weltraum "Mein erstes Teleskop", "Astrografie" und "Astronomie für Alle" sind wahre Fundgruben.
Viel Erfolg
CS Udo S
 
Hallo!
Nebel sauber und farbig? Was soll sauber in diesem Zusammenhang eigentlich bedeuten? Mit der Farbe ist das so eine Sache: Besonders großflächige Nebel erscheinen visuell praktisch kaum farbig. Der Orionnebel erscheint vielleicht noch schwach grünlich, ansonsten ist eher "Schwarzweiß-Fernsehen" angesagt, da unsere Augen bei wenig Licht nicht sehr farbempfindlich sind. Manche kleinen planetarischen Nebel zeigen aufgrund der hohen Flächenhelligkeit bei nicht zu hoher Vergrößerung etwas Farbe: bläulich,grünlich, türkis oder gar blaß rötlich. NGC7027 im Schwan,NGC7662 in Andromeda,NGC2392 in den Zwillingen,IC418 im Hasen bieten sich hier zur Zeit an. Allerdings sieht hier nicht Jeder die Farbe. Das ist wohl auch Übungssache. Filter braucht man zunächst mal keine, da man die meisten Nebel auch ohne Filter sehen kann. Sollte man Gefallen an der Sache finden kann man einen UHC- oder OIII-Filter zur Kontrassteigerung an Gasnebeln einsetzten. (Für Galaxien gibt es leider keinen ähnlich wirksamen Filter). Diese sind aber leider recht teuer. Farbfilter werden eigentlich nur bei der Planetenbeobachtung eingesetzt. Die Wirksamkeit ist etwas umstritten. Aber probieren geht über studieren. Ein leichter Gelbfilter macht den Farbfehler eines Frauenhoferrefraktors bei Planeten- und Mondbeobachtung etwas erträglicher. Hß- und Polfilter sind eher was für ganz spezielle Nebelbeobachtungen und eher für lichtstarke Geräte. Zunächst fährt man mal ohne Filter sicher ganz gut. Da Nebel sehr unterschiedlich sind kann man auch alle möglichen Okulare gebrauchen: Für großflächige Nebel sind langbrennweitige Okulare wegen der großen Austrittspupille und des großen Gesichtsfeldes gut. Hier ist ein 32mm Plössl 1,25" eine preiswerte Wahl. 2"-Okulare sind eine feine Sache aber sie erfordern auch einen 2"-Auszug und sind deutlich teurer. Ich bin bisher ganz gut ohne ausgekommen, aber wenn das Geld vorhanden ist warum nicht? Ein großes Gesichtsfeld ist gerade bei großflächigen Nebeln sehr hilfreich. Dann sollte man aber auch bei eventuellen Filterkäufen genau über die Größe 1,25" oder 2" und eventuell über einen Reduzierring mit Filtergewinde nachdenken! Und dann wird es unter Umständen richtig teuer. Für Detailbeobachtung und kleine planetarische Nebel sollte man aber auch unbedingt höhere Vergrößerungen einplanen. Ich verwende dazu Silberplössl 10mm, 12,5mm und 25mm mit 2x oder 3x Barlowlinse. Es gibt sicher Besseres (größerer Augenabstand, höhere Transmission, größeres Gesichtsfeld) aber ich habe damit fast Alles sehen können was ich wollte. Hier entscheiden der persönliche Geschmack und der Geldbeutel über das was zur "Grund"-Ausstattung gehört.
Zur Fotografie würde ich nochmal im Astrofotografieforum fragen. Ich bin nur Gelegenhitsknipser. Bei Sternbildaufnahmen mit stehender Kamera mache ich immer die Blende möglichst weit auf und dann so 15s-60s bei 400ASA. Bei Langzeitbelichtungen bestimmt die Nachführgenauigkeit, die Himmelshintergrundhelligkeit (bestimmt Obergrenze; wenn der Hintergrund zu hell wird sieht es unästhetisch aus und schwache Nebel saufen ganz darin ab), das Öffnungsverhältnis und das Filmmaterial (Schwarzschildverhalten!) die Belichtungsdauer. Anfangs sind Huckepackaufnahmen mit Normal- und Teleobjektiv sicher noch am erfolgsversprechendsten. Der Orionnebel oder die Plejaden sind dankbare Objekte. Für Mondbilder liegt man eher im Bereich von 1/1000s bis 1-2s je nach Film und Öffnungsverhältnis. Ich mache meist Belichtungsreihen mit verschiedenen Belichtungszeiten. Grob kann man sagen, das doppeltes Öffnungsverhältnis vierfache Belichtungszeit bedeutet. Also bei f/10 viermal so lang wie bei f/5. Besser bescheid wissen sicher die ambitionierteren Astrofotographen. Insbesondere wenn es auch um digitale Fotografie geht. Zuletzt noch eine Warnung: Nebel sind oft schwache Funzeln, die man anfangs bisweilen gar nicht, später ein wenig und irgendwann vielleicht auch mal mit einigen Details sieht. Deshalb sind Beschreibungen erfahrener Deepskygucker wie: knallhell, fein strukturiert etc. mit Vorsicht zu genießen. Um den Nebel wirklich so zu empfinden muss man schon oft und sehr genau hinsehen und manchmal auch genügend Vorstellungskraft entwickeln. Das kann nicht jeder auf Anhieb. Bei mir hat es 11 Jahre gedauert, bis ich zum erstenmal den Californianebel überhaupt sah. Manche schaffen es sicher auch schneller. Also Geduld und Ausdauer sind gefragt.
Viel Erfolg und Spaß beim Nebel suchen!
Gruß Florian
 
Hallo Udo, hallo Florian,

vielen Dank erstmal für Eure umfangreichen Antworten, da kann ich ja eigentlich nur mit meiner alten Spiegelreflex mit 4,0/210mm mal rumprobieren. Das mit den visuellen Beobachtungen ist sicher Erfahrungssache, da habt Ihr recht, letztens auf Orion geschwenkt hatte ich nur den Eindruck eines Schleiers, vielleicht wars das ja.
Das mit den Übersichtsokkularen ist mir klar, 30 oder 40mm solten es da schon sein und dieses eine werd ich mir als 2" besorgen, das dürfte nicht schlecht sein.
Also nochmals danke für die Tips und wenn ich mal n super Foto aufgetan hab, dann werd ichs auch reinstellen. Mal schaun, vielleicht wirds ja heut nacht mal was mit Saturn, die Madame heute morgen hab ich bereits schön erwischt,

viele Grüße

Manfred
 
Hallo Manfred,

von dem 4/210er würde ich zunächst abraten. Bei der langen Brennweite machen Fotos nur mit guter Nachführung Spass. Mein Vorschlag( aus eigener Erfahrung geboren) : nimm erst mal ein Weitwinkel, evtl sogar mit offener Blende, einen Elite 200 Diafilm ( Kodak) und versuchs erstmal mit stehender Kamera und 1/2 bis 4 min . Dann mal auf die Gegengewichtsstange deines möglichst sauber eingenordeten Teleskops und damit nachführen. das geht auch manuell für ein paar Minuten. Das 210er kannst Du mal auf den Polarstern richten, dann gibts schöne Spuren ab 5 min Belichtung. ansonsten : Fotokurs hier auf der Seite , und ein gutes Buch kann auch helfen

Viel Spass
Rainer
 
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