Hallo Micha!
Nun ja, da kommt es nur auf deine persönlichen Neigungen an!
Beide Geräte stellen fotografisch optimale Geräte dar.
Sowas wie der VC200l ist auch etwas einzigartiges am Markt, da es sich dort keinesfalls um einen normalen Cassegrein handelt.
Hierbei wurde, um eine bessere Feldkorrektur zu erreichen der ohnehin schon hyperbolische Spiegel in seiner Form noch verändert und durch einen dreilinsigen Korrektor in der Hauptspiegelbohrung ergänzt.
Das ganze System ist auch als VISAC (Vixen Sixth-Order Aspheric Cassegrain)bekannt. Dadurch kommt es, daß das ganze Gerät trotz der hohen Brennweite eine enorme Schärfe über das ganze Bildfeld liefert, welches zu dem noch absolut geebnet ist. Die Schärfe gibt Vixen mit 15µ in der Ecke des Kleinbildformates an! Ganz vorsochtig ausgedrückt ist der VC ein kleinerer Hypergraph fürs Kleinbild, nur wird beim Hypergraph die Korrektur über den Sekundärspiegel erreicht. Natürlich ist das VC200l auch visuell ein tolles Gerät.
Ein Bekannter von mir, betreibt auch Langzeitfotografie mit einem solchen Rohr, wozu er es auf einer normalen GP Montierung montiert hat. Als Leitrohr nutzt er eine nicht gerade leichte Russentonne. Hinzu kommt dann noch ein 300er Tele, und das alles auf der GP -es geht, wenn der Unterbau, sprich das Stativ stimmt.
Der R200SS ist ebenfalls ein fotografisch vorzügliches Gerät, welches aber infolge der dramatisch kürzeren Brennweite einen ganz anderen Einsatzbereich hat. Auch hier ist mit dem integrierten Koma Korrektor ein ebenes und voll ausgeleuchtetes Kleinbildformat gegeben, ebenso wie eine hervorragende Schärfe, für die allein schon die kurze Brennweite sorgt.
Ich selbst habe ja ein C8, mit dem ich Jahrelang gearbeitet habe. Dieses liegt wenigestens von den Abmessungen her ja mit dem VC fast gleich auf (visuell spielen die auch in einer Liga -eigene Erfahrung).
Aber ich bin auch seit kurzem in Besitz eines R200SS Nachbaus von der koreanischen Marke Guang Sheng Optical. Wenn man also ein Gerät mit ca 2m Brennweite gewohnt ist und dann plötzlich mit einem 800mm Gerät arbeitet, ist man auf einmal geschockt, wenn man sieht welche großen Gesichtsfelder sich visuell recht einfach erzielen lassen.
Also sowohl 8" VISAC, als auch 8" Newton lohnen sich auch besonders fotografisch.
Aber um mal auf deine zentrale Frage zurück zu kommen:
Welche bietet mir mehr? Und was genau?
Die max. sinnvolle Vergrößerung ist mit 400 angegeben. Mit welchem der beiden kann ich diese optisch am besten ausreizen?
Welches wäre für die Astrofotografie am besten?
Das VC bietet dir mehr Brennweite, somit auch leichteres Erreichen von hohen Vergrößerungen und größeres fotografisches Abbilden von kleineren Objekten.
Auch bietet dir ein VC viel mehr Belichtungszeit, da du mit f/9 je nach Film aber mindestens 60-90min oder mehr beschäftigt bist, willst du voll ausbelichten. Natürlich verlangen 1800mm Brennweite schon hohe Anforderungen an die Genauigkeit der Nachführung und die Einnordung. Dafür kommst du aber auch an Objekte ran, die mit weniger Brennweite kaum zu machen sind (besonders Galaxien).
Das R200SS ist besonders zum beobachten großer Strukturen hervorragend geeignet, da man im Prinzip nicht mal 2" Okulare braucht um sich richtig viel Gesichtsfeld zu gönnen. Also auch für Kometen der Brüller so ein Rohr.
Aber auch hohe Vergrößerungen stellen kein Problem dar, nur muss man hier halt nochmal eine Barlowlinse parat haben.
Die Nonplusultra Planeten Spezialisten sind aber beide Geräte nicht, aber genussvolle Planetenbeobachtung ist meiner Meinung nach trotzdem bei beiden machbar.
Der große fotografische Vorteil des Newtons aber ist seine Geschwindigkeit.
Mit f/4 kann die Belichtungszeit ohne Filter schon nach 12-30min zu ende sein, je nach Film und Himmelsgüte.
Ach und was die Sache mit der maximal sinnvollen Vergrößerung angeht:
Vergiss es!! Das ist kein wirkliches Kriterium!
Okay, 400fach hab ich mit meinem C8 schon oft gemacht, sogar schon mehr, aber das ist doch sehr Wetterabhängig.
Das erreichen ist aber bei beiden Geräten kein Problem:
Beim VC einfach ein 5mm Okular rein und man ist knapp drunter.
Beim R200SS braucht man dann schon eine 2fach oder dreifach Barlowlinse dazwischen. Aber bei gutem Wetter "kann" auch 500fach noch gehen, vielleicht nicht mehr knackscharf, aber manchmal kann es was bringen.
Du siehst also, beide Geräte sind fotografisch top und sehr vielseitig, lässt sich doch die Brennweite des VC mit einem (recht teuren) Reducer noch verkürzen (f/6,4) und die des R200SS mittels Konverter verlängern (f/7,5).
Aber die Hauptarbeitsgebiete und Anforderungen sind eben doch sehr verschieden.
Für den R200SS braucht man immer ein Leitrohr zur Nachführung, für den VC200l nur, wenn er mit dem Reducer betrieben wird, der übrigens nicht visuell nutzbar ist, aufgrund der knappen Fokuslage, weswegen auch kein Off-Axis-Guider, nutzbar ist, der sich aber bei voller Brennweite zum Nachführen empfiehlt.
Also stellt sich nur die Frage: Was Micha, möchtest du primär fotografieren?
Beides sind Top Geräte, aber mit einem großen Unterschied zwischen sich.
clear skies,
André