Hallo Thomas,
ich denke Vixen fehlen im Moment interessante und innovative Produkte. Und es fehlt ein klares Konzept, an dem der Kunde erkennen kann, wo es hingeht.
Bis vor einigen Jahren waren Vixen-Produkte vor allem für ihre guten fotografischen Eigenschaften bekannt, bis hin zu Astrofoto-Spezialisten wie dem R200SS. Die Neuentwicklungen gingen dann aber am Interesse der breiten Mehrheit vorbei. Der DED-APO mit Feldkorrektur für Mittelformat-Fotografie kam eigentlich zu einem völlig falschen Zeitpunkt, als die "digitale Revolution" längst ins rollen gekommen war. Damals hätte ein Apo mit kleinem aber hochkorrigierten Bildfeld für APS-C Chips von DSLRs oder den gerade kommenden Astro-CCD-Kameras mit größeren Chips den Markt aufgerollt. Den bis 1000nm fotografisch korrigierten APO gibt es nun von Takahashi, während Vixen eher von sich reden macht, indem man traditionell gute Produkte einstellt (Fluorit-APOs) und unter dem chinesischen Preisdruck eine Art "Billiglinie" auf Basis der China-Optiken ins Leben ruft.
Auch praxisferne Entwicklungen wie das Starbook mit seinem blendenden Farb-Display haben am Ruf der Marke gekratzt. Wenn die Innovation aus dem Hause sein soll, dass man dem Erfolg von Produkten wie Nexstar und ETX mit dem Skypod hinterherrennt, scheint da große Ideenlosigkeit zu herrschen. Denn das Ergebnis dieser Innovation ist doch in der Praxis eine Nachahmung des Konzepts "kleines Goto-Teleskop", und ob der Sternfreund mit 110mm Öffnung nun durch einen Mak, einen Field Mak oder ein SC schaut, ist eigentlich unerheblich.
Was Vixen wirklich hätte herausreissen können, wäre eben ein R250SS gewesen, mit einem Feldkorrektor, der den Ansprüchen von Vollformat-Chips genügt. Natürlich wäre man da mit dem alten Rack&Pinion Okularauszug nicht weit gekommen. Man hätte eben etwas völlig neues auf die Beine stellen müssen
Man könnte auch meinen, dass Vixen den Wert der eigenen Produkte gar nicht erkannt hat. Ein Klassiker wie die GP-DX, die in weiten Kreisen bekannt und beliebt ist als "die Lösung" für Astrofotografie bis 8" Öffnung, verschwindet sang und klanglos aus dem Programm. Nachfolger? Soll es wohl geben, aber so richtig hat uns noch niemand was davon erzählt!
Auch bei den LVW hat man gepennt. Die Hyperions stehlen den LVW die Show, kein Wunder, denn deren durchdachter Aufbau und vor allem die vielfältigen Anschlußmöglichkeiten für Kameras, ergeben einfach ein modernes Okularkonzept, während Vixen seine LVW geradezu altbacken weiterproduziert. Kurz vor dem letzten HATT war immerhin etwas von neuen LV-Okularen durchgesickert. Da kursierte ein Foto im WWW - aber auch davon war bald nichts mehr zu hören...
Im Prinzip, und das ist der Grund für die schlechte Stimmung, trauern viele darum, dass Vixen derzeit nicht mehr der kompetente Partner ist, den man (ich spreche das jetzt mal aus) zu Vehrenberg-Zeiten kannte. Aber vielleicht ändert sich das ja wieder... Immerhin muss Vixen sich wohl unter dem Druck der China-Konkurrenz neu am Markt positionieren. Aber gerade das alte Steckenpferd der Marke, nämlich Astrofotografie, böte da interessante Perspektiven. Denn was dem 80mm China-ED fehlt ist eben ein Reducer/Flattener, und wer sich keinen Astrographen leisten kann, der hofft schon einige Jahre vergeblich auf einen R250SS - oder er hat sich längst anders orientiert.
Clear Skies
Sven