Kay
Aktives Mitglied
Nachdem ich ja jahrelang mit meinen Ferngläsern (v.a. 8x30 und 10x50) den Himmel abgegrast und verschieden Projektergebnisse auch hier im Forum veröffentlicht hatte, wollte ich gerne etwas genauer sehen, was diese kleinen Wattebäusche und Reiskörner da oben nun wirklich sind. Größere FGs wie das eigentlich tolle Fujinon 16x70 und ein 20x80 brachten nicht wirklich die Erlösung, weil sie nicht soooo viel mehr zeigen. Ein 150/750er Newton oder ein 80/600er ED waren dagegen überhaupt keine Schnellspechtelinstrumente, ein 8er oder 10er Dobson kostet nicht (viel) mehr und ist schneller aufgebaut.
Auch neue FG-Projekte wie z.B. „Doppelsterne im Fernglas“ oder die leider schon wieder eingeschlafenen „Binobrüder“ waren nicht so der Motivator, der „Kick“ fehlte irgendwie.
Vielleicht etwas größeres? Nach Möglichkeit auch größer als der 8-Zoll-Dobson, mit dem ich eigentlich zum Deep Sky gekommen bin? Auch nicht so einfach, wenn man so seine Wünsche und Vorlieben hat. Einige Sternfreunde, die mir bei der Suche behilflich waren oder ihre Optiken angeboten hatten, können ein Lied davon singen…
Letztendlich klappte es dann aber doch, da ein bekannter Sternfreund seinen 14,5er Eigenbaudobson verkaufen wollte und auch der Transport dankenswerterweise über Helmut Lang abgewickelt wurde.
Hmm, das war ein Riesending! Endlich kann ich so ein bisschen in der Liga von Daniel Restemeier, Uwe Glahn usw. mitspielen und Ronald Stoyans Zeichnungen im „Atlas der Messierobjekte“ nachvollziehen
Haha, Pustekuchen: krieg das Ding erstmal sauber kollimiert (f/4,375!), guck dir die Standfüße der Rockerbox an, damit das Ding nicht nur auf der Schraube steht und kippelt, besorg dir einen „Hochsitz“, weil der Klappstuhl nicht mehr ausreicht bei 1,60m Brennweite. Und dass dein 12,4er Erfle nicht so ganz randscharf ist, siehste auch…
Die erste Ausfahrt mit einem Sternfreund endete beim Bier auf’m Feld, nachdem der Himmel uns nicht hold war. Der heimische Haus-und-Hof-Himmel wurde durch eine neue Straßenlaterne versaut (nachdem 4 Jahre lang Dunkelheit herrschte, weil wegen Blitzeis der Weg eines Autos bergab an der alten Laterne endete – ich wars wirklich nicht…)
Doch dann: Reichstädt, südlich von Dresden, dort, wo Martin Schoenball viele seiner Beobachtungen für die „Deep Sky Herausforderungen“-Rubrik für das Interstellarum machte. Was für eine Milchstraße! Auf 6,3 mag kam ich locker, andere mögen auch 6,6 mag bei solch einem Himmel sehen. Ich habe das Diktiergerät und den Zeichenblock im Koffer gelassen und einfach nur geguckt: M 13, M 57 zuerst, ich gebe das gerne zu, dann alles mögliche, was man auch ohne Atlas im Sommer so findet: M 8, M 27, M 71 und Harvard 20, dann endlich mal NGC 6802, den ich im 20x80 nie sah, M 31 und M 33, obwohl noch viel zu niedrig, die Cassiopeia-Sternhaufen, Mirachs Geist, NGC 7331…
Tja, mit dem Sucher muss was passieren, das Okulargeschraube nervt, weil der Okularschlitten eine gewaltige Umdrehungszahl benötigt, um meine durcheinander gewürfelte „Okusammlung“ nacheinander scharfzukriegen – mit ein paar Verlängerungshülsen ging auch das, wobei mein 3,5er Hyperion wirklich ziemlich nutzlos ist, während ich erst jetzt den wahren Wert meines 22er LVWs erkannte: schön scharf und mit 5mm AP wirklich ideal.
Weil ich im Monat nur so 1-2x diesen tollen Beobachtungsplatz aufsuchen kann, nutze ich natürlich auch Gelegenheiten, um vor der Haustür zu spechteln, trotz aller o.g. Widrigkeiten. Aber bei dieser Öffnung zeigt selbst ein 5,5mag-Himmel ordentlich was, außerdem bleibt man schön in der Übung und kriegt die kleinen „Macken gebacken“, die das Rohr noch so hat. Nur eines fehlte noch: immer nur so durch die Gegend zu glotzen, das ist doch nix für mich. Ich brauche (mindestens) ein Projekt! Am besten erstmal eins für zuhause: nicht zu schwierig für meinen Himmel, nicht zu kleine Sachen wegen des bescheidenen Seeings in der Ortlage, keine zu ausgelatschten Wege, damit ich auch euch was zu bieten habe:
Offene Sternhaufen – die liebe ich seit meines 8x30-Projekts! Kleine abgelegene Sternbilder, die häufig übersehen werden, auch: Delphin, Pfeil, Pferdchen… oder eben die Eidechse. Und schon saß ich mit Deep-Sky-Liste, Night Sky Observers Guide und diversen Atlanten herum und suchte mir alle möglichen (und unmöglichen, weil angeblich inexistenten) OHs heraus.
Und kam am 30./31.8. die Nacht des Jahres: Wochenende, Neumond, klarer Himmel, noch sommerliche Temperaturen, 5 weitere Sternfreunde, die den Weg nach Reichstädt fanden… so ungefähr sieht das Hobbyastronomen Paradies aus. (Die Grenzgröße bestimmte ich im Laufe der Nacht mit fst 6,4 mag in der Leier, die anderen blieben bei 6,1 mag, was ich bei der extrem strukturierten Milchstraße nicht so ganz glauben will. Naja, ein SQM hatte niemand…)
Und eine Horizontsicht!!! Die ersten 2 Stunden hingen wir alle nur im Schützen herum, teilweise 4 Leute, die „synchron“ ihre 10x50er Carl-Zeiss-Jena-Feldstecher durch die Milchstraße lotsten, so nach dem Motto: „Von M8 aus ein Mü nach unten, dann nach rechts, bis dieses Sternpaar kommt, dann ein halber Gesichtsfelddurchmesser nach Südnord…“.
Ich gebe es zu, meine Eidechsenhaufen waren erstmal vergessen, stattdessen das alte Projekt, alle Messierobjekte im 10x50 zu sehen, wieder ganz aktuell. Und da kam einiges zusammen: M 7 schrammte fast die Wipfel am Horizont, war aber trotzdem deutlich im FG zu sehn, genau wie M 6 sogar im 8x30. M 54 und M 69 zwar nur von mir, aber deutlich indirekt gesehen, M 70 leider nicht, M 75 aber relativ leicht. Zur Bestätigung meiner Sichtungen habe ich auf die Schnelle im 6-Zoll-Dobson eines anderen Sternfreundes geguckt, ob da wirklich Haufen an der gesichteten Position waren und nicht nur Dreck auf der Linse… hmm, so ein Richfielder wäre eigentlich auch was.
So wäre es weitergegangen, wenn nicht südlich von uns plötzlich ein Feuerwerk abgebrannt worden wäre. Tja, in dieser Nacht wollten auch andere Sterne sehen und sich benebeln – auf der Hinreise bin ich an drei Dorffesten vorbeigekommen.
An M 74 verbiege ich mir mit dem 10x50 schon seit Jahren die Augen, auch dieses Mal wollte es nicht klappen, obwohl der Kernbereich vielleicht doch indirekt ein bisschen… NEIN!
Immerhin bin ich auch so auf nun 84 von 110 Objekten gekommen, der Virgohaufen muss noch mal beackert werden.
Nun kamen dann doch die anderen an und wollten mal durch meinen 14,5er gucken. Hmm, klar, habe ich ja auch noch. Doch der am Nachmittag schnell angeschraubte Sucherschuh saß nicht fest, der Sucher war unbrauchbar… sch§$! Wie ärgerlich und auch ein bisschen peinlich! Einige wenige Objekte gingen auch so mit Peilen über den Tubus, aber es war eben nix mit großer Protzerei. Was solls.
Inzwischen ist der Sucherschuh fest, die ersten OHs in Lacerta beobachtet (interessiert das jemanden?), das eine oder andere Teil bestellt (Okus, Adapter…).
Ich kann nur sagen: was für ein megageiles Hobby!
Auch neue FG-Projekte wie z.B. „Doppelsterne im Fernglas“ oder die leider schon wieder eingeschlafenen „Binobrüder“ waren nicht so der Motivator, der „Kick“ fehlte irgendwie.
Vielleicht etwas größeres? Nach Möglichkeit auch größer als der 8-Zoll-Dobson, mit dem ich eigentlich zum Deep Sky gekommen bin? Auch nicht so einfach, wenn man so seine Wünsche und Vorlieben hat. Einige Sternfreunde, die mir bei der Suche behilflich waren oder ihre Optiken angeboten hatten, können ein Lied davon singen…
Letztendlich klappte es dann aber doch, da ein bekannter Sternfreund seinen 14,5er Eigenbaudobson verkaufen wollte und auch der Transport dankenswerterweise über Helmut Lang abgewickelt wurde.
Hmm, das war ein Riesending! Endlich kann ich so ein bisschen in der Liga von Daniel Restemeier, Uwe Glahn usw. mitspielen und Ronald Stoyans Zeichnungen im „Atlas der Messierobjekte“ nachvollziehen
Haha, Pustekuchen: krieg das Ding erstmal sauber kollimiert (f/4,375!), guck dir die Standfüße der Rockerbox an, damit das Ding nicht nur auf der Schraube steht und kippelt, besorg dir einen „Hochsitz“, weil der Klappstuhl nicht mehr ausreicht bei 1,60m Brennweite. Und dass dein 12,4er Erfle nicht so ganz randscharf ist, siehste auch…
Die erste Ausfahrt mit einem Sternfreund endete beim Bier auf’m Feld, nachdem der Himmel uns nicht hold war. Der heimische Haus-und-Hof-Himmel wurde durch eine neue Straßenlaterne versaut (nachdem 4 Jahre lang Dunkelheit herrschte, weil wegen Blitzeis der Weg eines Autos bergab an der alten Laterne endete – ich wars wirklich nicht…)
Doch dann: Reichstädt, südlich von Dresden, dort, wo Martin Schoenball viele seiner Beobachtungen für die „Deep Sky Herausforderungen“-Rubrik für das Interstellarum machte. Was für eine Milchstraße! Auf 6,3 mag kam ich locker, andere mögen auch 6,6 mag bei solch einem Himmel sehen. Ich habe das Diktiergerät und den Zeichenblock im Koffer gelassen und einfach nur geguckt: M 13, M 57 zuerst, ich gebe das gerne zu, dann alles mögliche, was man auch ohne Atlas im Sommer so findet: M 8, M 27, M 71 und Harvard 20, dann endlich mal NGC 6802, den ich im 20x80 nie sah, M 31 und M 33, obwohl noch viel zu niedrig, die Cassiopeia-Sternhaufen, Mirachs Geist, NGC 7331…
Tja, mit dem Sucher muss was passieren, das Okulargeschraube nervt, weil der Okularschlitten eine gewaltige Umdrehungszahl benötigt, um meine durcheinander gewürfelte „Okusammlung“ nacheinander scharfzukriegen – mit ein paar Verlängerungshülsen ging auch das, wobei mein 3,5er Hyperion wirklich ziemlich nutzlos ist, während ich erst jetzt den wahren Wert meines 22er LVWs erkannte: schön scharf und mit 5mm AP wirklich ideal.
Weil ich im Monat nur so 1-2x diesen tollen Beobachtungsplatz aufsuchen kann, nutze ich natürlich auch Gelegenheiten, um vor der Haustür zu spechteln, trotz aller o.g. Widrigkeiten. Aber bei dieser Öffnung zeigt selbst ein 5,5mag-Himmel ordentlich was, außerdem bleibt man schön in der Übung und kriegt die kleinen „Macken gebacken“, die das Rohr noch so hat. Nur eines fehlte noch: immer nur so durch die Gegend zu glotzen, das ist doch nix für mich. Ich brauche (mindestens) ein Projekt! Am besten erstmal eins für zuhause: nicht zu schwierig für meinen Himmel, nicht zu kleine Sachen wegen des bescheidenen Seeings in der Ortlage, keine zu ausgelatschten Wege, damit ich auch euch was zu bieten habe:
Offene Sternhaufen – die liebe ich seit meines 8x30-Projekts! Kleine abgelegene Sternbilder, die häufig übersehen werden, auch: Delphin, Pfeil, Pferdchen… oder eben die Eidechse. Und schon saß ich mit Deep-Sky-Liste, Night Sky Observers Guide und diversen Atlanten herum und suchte mir alle möglichen (und unmöglichen, weil angeblich inexistenten) OHs heraus.
Und kam am 30./31.8. die Nacht des Jahres: Wochenende, Neumond, klarer Himmel, noch sommerliche Temperaturen, 5 weitere Sternfreunde, die den Weg nach Reichstädt fanden… so ungefähr sieht das Hobbyastronomen Paradies aus. (Die Grenzgröße bestimmte ich im Laufe der Nacht mit fst 6,4 mag in der Leier, die anderen blieben bei 6,1 mag, was ich bei der extrem strukturierten Milchstraße nicht so ganz glauben will. Naja, ein SQM hatte niemand…)
Und eine Horizontsicht!!! Die ersten 2 Stunden hingen wir alle nur im Schützen herum, teilweise 4 Leute, die „synchron“ ihre 10x50er Carl-Zeiss-Jena-Feldstecher durch die Milchstraße lotsten, so nach dem Motto: „Von M8 aus ein Mü nach unten, dann nach rechts, bis dieses Sternpaar kommt, dann ein halber Gesichtsfelddurchmesser nach Südnord…“.
Ich gebe es zu, meine Eidechsenhaufen waren erstmal vergessen, stattdessen das alte Projekt, alle Messierobjekte im 10x50 zu sehen, wieder ganz aktuell. Und da kam einiges zusammen: M 7 schrammte fast die Wipfel am Horizont, war aber trotzdem deutlich im FG zu sehn, genau wie M 6 sogar im 8x30. M 54 und M 69 zwar nur von mir, aber deutlich indirekt gesehen, M 70 leider nicht, M 75 aber relativ leicht. Zur Bestätigung meiner Sichtungen habe ich auf die Schnelle im 6-Zoll-Dobson eines anderen Sternfreundes geguckt, ob da wirklich Haufen an der gesichteten Position waren und nicht nur Dreck auf der Linse… hmm, so ein Richfielder wäre eigentlich auch was.
So wäre es weitergegangen, wenn nicht südlich von uns plötzlich ein Feuerwerk abgebrannt worden wäre. Tja, in dieser Nacht wollten auch andere Sterne sehen und sich benebeln – auf der Hinreise bin ich an drei Dorffesten vorbeigekommen.
An M 74 verbiege ich mir mit dem 10x50 schon seit Jahren die Augen, auch dieses Mal wollte es nicht klappen, obwohl der Kernbereich vielleicht doch indirekt ein bisschen… NEIN!
Immerhin bin ich auch so auf nun 84 von 110 Objekten gekommen, der Virgohaufen muss noch mal beackert werden.
Nun kamen dann doch die anderen an und wollten mal durch meinen 14,5er gucken. Hmm, klar, habe ich ja auch noch. Doch der am Nachmittag schnell angeschraubte Sucherschuh saß nicht fest, der Sucher war unbrauchbar… sch§$! Wie ärgerlich und auch ein bisschen peinlich! Einige wenige Objekte gingen auch so mit Peilen über den Tubus, aber es war eben nix mit großer Protzerei. Was solls.
Inzwischen ist der Sucherschuh fest, die ersten OHs in Lacerta beobachtet (interessiert das jemanden?), das eine oder andere Teil bestellt (Okus, Adapter…).
Ich kann nur sagen: was für ein megageiles Hobby!