Stefan1960
Aktives Mitglied
Passt nicht oder nur eingeschränkt zu "Astro-Equipment", wohl aber zu "Einsteiger", der ich ja selbst bin. Und es sind die Einsteiger, die ich mit den folgenden Zeilen erreichen möchte.
Derzeit mache ich einen intensiven Lernprozess durch. Viele meiner Fragen drehen sich um technisches Verständnis, und auch um technische Optimierung. Bei vielen nützlichen Anregungen, die ich hier erhalten habe, gab's aber auch immer wieder den Eindruck, dass ein paar abgedrehte Freaks über das Ziel des Anfängers hinausschießen. Bei vielen Beiträgen hat sich das Gefühl bei mir eingeschlichen: "Na ja, schön und gut, aber ganz so doll muß es vielleicht doch nicht sein..."
Das betrifft sowohl Montierungen und Optiken im Wert eines Kleinwagens, als auch Reisen nach Namibia oder ins Hochgebirge für "die perfekte" Beobachtungsnacht.
Hier im Anfängerbereich wird immer wieder die Frage gestellt, was man denn so alles mit diesem oder jenen Anfänger-Scope sehen kann. Neben Tipps zum Tuning, Möglichkeiten und Grenzen finden sich auch immer wieder Hinweise, nach Möglichkeit einen wirklich dunklen Beobachtungsstandort zu wählen. Und jedes Mal ging bei mir das imaginäre Warnlämpchen an: "Nein, ich werde heute nacht nicht auf die Zugspitze fahren".
Der vergangene Donnerstag hat meine Meinung diesbezüglich gründlich geändert.
Angefangen hat alles bei uns im Garten bzw. auf dem Balkon. Dorf mit üblicher Streulichtbelastung. Vorhanden, aber nicht so schlimm wie in der Stadt. In schönen Nächten ist die Milchstraße gut zu erkennen. Und letzteres ist für mich das Signal: Heute geht was.
Trotzdem: Die ersten Versuche vom Balkon aus am M42 (Orion-Nebel) waren nicht sehr erfreulich. Das Ding war zwar zu sehen, aber eben doch nur als schwaches Nebelfleckchen ohne nennenswerte Details.
Danach: Auskleidung meines Tubus mit Veloursfolie, Wechsel des Standortes auf die Wiese hinterm Haus. Erhebliche Steigerung der Beobachtungsqualität. Die Konturen des M42 einschließlich der Dunkelwolke am Rand waren gut zu erkennen. Der benachbarte kleinere und schwächere M43 war immerhin zu erahnen.
Am vergangenen Donnerstag kam aber im wörtlichen wie im übertragenen Sinne die Erleuchtung: Nachdem Sohn Michael den frühen Abend für Jupiter und Venus genutzt hatte (und im Nebeneffekt der Spiegel schon gut ausgekühlt war), und ich schließlich spät aus dem Büro kam, haben wir uns für eine späte Autofahrt entschieden. Um 22:30 h haben wir in beinahe völlig unbewohnter Gegend einen einsamen Feldweg ohne störende Bäume gefunden. Die nächste beleuchtete Ortschaft war ca. 10km entfernt.
Schon beim Aussteigen aus dem Auto gab's eine Überraschung: Es gab so viele Sterne zu sehen, daß ich ersteinaml Schwierigkeiten hatte, in dem ganzen Gewirr so einfache Sternbilder wie den Stier wiederzufinden.
Jetzt wollten wir es wissen: Schnell aufgebaut. Der Kugelsternhaufen M15 stand schon ziemlich tief und ließ sich nur noch passabel beobachten. Aber unser Anfänger-Referenz-Objekt war ja der Orion-Nebel M42. Wir haben unseren Augen nicht getraut. Das Ding sah aus wie auf einem Kalender-Foto. Und das mit meinem kleinen Anfänger-Newton 130mm f/5! Hell und mit feinsten Details mit dem 17mm Okular (37x). Formatfüllend mit 9,4mm Okular (68x). Trotz AP von nur 2,7mm ließ sich ein UHC-Filter einsetzen (obwohl nicht wirklich erforderlich)
Nicht meßbar: Ein unglaubliches und für mich noch nie dagewesenes ästhetisches Erlebnis. Vor lauter Aufregung habe ich versäumt, die Grenzgröße zu bestimmen. Kann nur sagen: Der Himmel war ziemlich dunkel!
. Am nächsten Morgen saß ich über das Erlebte sinnierend am Frühstückstisch, als mein Sohn mit den Worten zu mir kam: "Vergangene Nacht hab ich vom Orion-Nebel geträumt".
Natürlich haben wir auch noch andere Dinge angeschaut: Krebsnebel M1, Galaxien-Paar M81/M82 etc. Aber dies sollte hier eigentlich kein Beobachtungsbericht werden. Vielmehr geht es um die einfache Anfängererkenntnis:
Mit einer Fahrt in die Wildnis lässt sich schneller und billiger die Beobachtungsqualität in verblüffendem Maßstab steigern als mit aufwändigem Optiktuning. Und ich rede hier nicht von kleinen, willkommenen graduellen Verbesserungen, sondern tatsächlich von soetwas wie einem "visuellen Quantensprung". Ich muß mich also in meinen obigen Überlegungen zurücknehmen: Die Befürworter einer Fahrt ins Dunkle sind keineswegs abgedreht. Vielmehr ist dies der Kern des Beobachtungserfolges. Und in einer dunklen Umgebung kann das kleine Anfänger-Scope Verblüffendes leisten.
Das sollte jeder Anfänger beherzigen, bevor er nach mehr Öffnung und teuren Investitionen ruft.
Derzeit mache ich einen intensiven Lernprozess durch. Viele meiner Fragen drehen sich um technisches Verständnis, und auch um technische Optimierung. Bei vielen nützlichen Anregungen, die ich hier erhalten habe, gab's aber auch immer wieder den Eindruck, dass ein paar abgedrehte Freaks über das Ziel des Anfängers hinausschießen. Bei vielen Beiträgen hat sich das Gefühl bei mir eingeschlichen: "Na ja, schön und gut, aber ganz so doll muß es vielleicht doch nicht sein..."
Das betrifft sowohl Montierungen und Optiken im Wert eines Kleinwagens, als auch Reisen nach Namibia oder ins Hochgebirge für "die perfekte" Beobachtungsnacht.
Hier im Anfängerbereich wird immer wieder die Frage gestellt, was man denn so alles mit diesem oder jenen Anfänger-Scope sehen kann. Neben Tipps zum Tuning, Möglichkeiten und Grenzen finden sich auch immer wieder Hinweise, nach Möglichkeit einen wirklich dunklen Beobachtungsstandort zu wählen. Und jedes Mal ging bei mir das imaginäre Warnlämpchen an: "Nein, ich werde heute nacht nicht auf die Zugspitze fahren".
Der vergangene Donnerstag hat meine Meinung diesbezüglich gründlich geändert.
Angefangen hat alles bei uns im Garten bzw. auf dem Balkon. Dorf mit üblicher Streulichtbelastung. Vorhanden, aber nicht so schlimm wie in der Stadt. In schönen Nächten ist die Milchstraße gut zu erkennen. Und letzteres ist für mich das Signal: Heute geht was.
Trotzdem: Die ersten Versuche vom Balkon aus am M42 (Orion-Nebel) waren nicht sehr erfreulich. Das Ding war zwar zu sehen, aber eben doch nur als schwaches Nebelfleckchen ohne nennenswerte Details.
Danach: Auskleidung meines Tubus mit Veloursfolie, Wechsel des Standortes auf die Wiese hinterm Haus. Erhebliche Steigerung der Beobachtungsqualität. Die Konturen des M42 einschließlich der Dunkelwolke am Rand waren gut zu erkennen. Der benachbarte kleinere und schwächere M43 war immerhin zu erahnen.
Am vergangenen Donnerstag kam aber im wörtlichen wie im übertragenen Sinne die Erleuchtung: Nachdem Sohn Michael den frühen Abend für Jupiter und Venus genutzt hatte (und im Nebeneffekt der Spiegel schon gut ausgekühlt war), und ich schließlich spät aus dem Büro kam, haben wir uns für eine späte Autofahrt entschieden. Um 22:30 h haben wir in beinahe völlig unbewohnter Gegend einen einsamen Feldweg ohne störende Bäume gefunden. Die nächste beleuchtete Ortschaft war ca. 10km entfernt.
Schon beim Aussteigen aus dem Auto gab's eine Überraschung: Es gab so viele Sterne zu sehen, daß ich ersteinaml Schwierigkeiten hatte, in dem ganzen Gewirr so einfache Sternbilder wie den Stier wiederzufinden.
Jetzt wollten wir es wissen: Schnell aufgebaut. Der Kugelsternhaufen M15 stand schon ziemlich tief und ließ sich nur noch passabel beobachten. Aber unser Anfänger-Referenz-Objekt war ja der Orion-Nebel M42. Wir haben unseren Augen nicht getraut. Das Ding sah aus wie auf einem Kalender-Foto. Und das mit meinem kleinen Anfänger-Newton 130mm f/5! Hell und mit feinsten Details mit dem 17mm Okular (37x). Formatfüllend mit 9,4mm Okular (68x). Trotz AP von nur 2,7mm ließ sich ein UHC-Filter einsetzen (obwohl nicht wirklich erforderlich)
Nicht meßbar: Ein unglaubliches und für mich noch nie dagewesenes ästhetisches Erlebnis. Vor lauter Aufregung habe ich versäumt, die Grenzgröße zu bestimmen. Kann nur sagen: Der Himmel war ziemlich dunkel!
Natürlich haben wir auch noch andere Dinge angeschaut: Krebsnebel M1, Galaxien-Paar M81/M82 etc. Aber dies sollte hier eigentlich kein Beobachtungsbericht werden. Vielmehr geht es um die einfache Anfängererkenntnis:
Mit einer Fahrt in die Wildnis lässt sich schneller und billiger die Beobachtungsqualität in verblüffendem Maßstab steigern als mit aufwändigem Optiktuning. Und ich rede hier nicht von kleinen, willkommenen graduellen Verbesserungen, sondern tatsächlich von soetwas wie einem "visuellen Quantensprung". Ich muß mich also in meinen obigen Überlegungen zurücknehmen: Die Befürworter einer Fahrt ins Dunkle sind keineswegs abgedreht. Vielmehr ist dies der Kern des Beobachtungserfolges. Und in einer dunklen Umgebung kann das kleine Anfänger-Scope Verblüffendes leisten.
Das sollte jeder Anfänger beherzigen, bevor er nach mehr Öffnung und teuren Investitionen ruft.