Von Galaxiennestern und -nadeln

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KlausZott

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Hallo Deepsky Freunde,

die traumhaften Dezember-Alpennächte über den Talnebeln sind vorbei, so möchte ich noch eine kleine Nachlese meiner letzten Galaxientour vorstellen.

Zeit: Dienstag, 14. Dez 04 18.30 -22.30Uhr
Ort: Spitzing (Bayr. Alpen) 1100m
Gerät: 6"/f5 Bino meist mit 95-fach (8mm Radian)
Transparenz: M33 indirekt mit bloßem Auge (>6,5m)

Nach den interessanten Beschreibungen von Matthias besuchte ich zunächst die NGC 70-Gruppe (310 M Lj) in And.

70 (13,5/14,4)
Bei 95x erscheint die Gruppe mit 68 und 71 zunächst als ein indirekt relativ leicht auszumachendedes Objekt SO eines 8m Sternes. Beim Wechsel auf 125x (6mm Radian) ist die Gx 68 (12,9/13,1) indirekt als etwas W abgesetzt wahrzunehmen. 70 und 71 bilden nun ein N-S-elongiertes Objekt und wirken trotz der geringeren Helligkeit nach dem DSFG kräftiger als 68. Mehrere 13m Sterne um die Gx bewirken einen etwas unruhigen Eindruck. Die Gx 72 ist mit abgewandter Sicht nur blickweise als kleiner Spot zu vernehmen.

Im westlichen Umfeld befinden sich die Gx 76, 97 und 108.
76 (13,0/13,2) erscheint mir am schwächsten, indirekt blickweise als kleiner, runder Fleck, 97 (12,3/12,9) etwas deutlicher und 108 (12,1/13,6) am ergiebigsten, einfach mit abgewandter Sicht, ein O-W-Oval mit schwacher zentraler Verdichtung.

Ein anderes interesantes Galaxiennest stellt im südlichen And die NGC 80 Gruppe (ein Teil des Per/Psc-Superhaufens in 250 M Lj) dar.

80 (12,1/13,5)
Die hellste Gx der Gruppe ist SO eines 8m Sternes einfach direkt auszumachen, ein runder Halo mit einer kräftigen zentralen Aufhellung.

83 (12,5/12,8)
Die zweithellste Gx befindet sich unmittelbar W eines Dreiecks aus 11m Sternen und ist indirekt deutlich als kleiner Nebelspot mit erkennbar hellerem Zentrum zu beobachten.

Einige weitere Gx der Gruppe waren für mich schwieriger, aber unter dem phantastischen Himmel immerhin erreichbar. 86 (14,0/11,5) eine kleine längliche Ausbuchtung N eines 12m Sternes, indirekt und blickweise. Ebenso 85 (14,7/13,0) phasenweise als rundlicher Spot auf der Verbindungslinie zwischen 83 und 86. Die Nachbargx IC 1546 konnte ich nicht sicher ausmachen. Im südlichen Teil der Gruppe waren noch 93 (13,3/13,1) als sehr schwacher ovaler Fleck westlich zweier 14m Sterne und 90 (13,8) als gerade noch indirekt erfassbarer Nebelhauch zu vernehmen.

Auch zum Per/Psc Haufen gehörig ist die NGC 777 Gruppe in Tri einen Besuch wert.

777 (11,4/13,3)
Die Zentralgx ist einfach direkt nördlich von zwei 9m Sternen als runder Nebelfleck mit zentraler Verdichtung zu sehen. Die zweithellste Gx 783 (12,1/12,8) liegt am Nordrand und ist indirekt einfach als leichtes O-W-Oval ohne Helligkeitsspitze zu erfassen. Unweit SO davon liegt 785 (13,0/13,2), abgewandt ein kleiner runder Fleck ohne weitere Details. Ähnlich ist 769 (12,8/11,4) am Südrand der Gruppe, indirekt ein rundlicher Spot westlich eines 12m Sterns mit einer erkennbaren zentralen Verdichtung. Die für mich schwächste Gx 778 (13,2/12,4) liegt südlich von 777 und ist blickweise gerade noch als strukturloser N-S-elongierter Fleck auszumachen.

Im zweiten Teil des Abends begab ich mich auf eine kleine Edge-on -Galaxientour. Ich begann in And mit dem Klassiker

891 (9,9/13,7)
Gerade bei diesem Standartobjekt, das ich schon oft besucht hatte, wurde mir die außerordentliche Qualität des Himmels bewusst, aber auch der Quantensprung, der beim Wechsel meines 37x100 Miyauchis zum 6"Bino stattfand. Während ich mit dem 4"Bino schon froh war, die Form einigermaßen indirekt zu erkennen, offenbarte sich 891 diesmal als beeindruckende Lichtspindel. Einfach direkt zu sehen, besonders der helle bulge, indirekt mit weit ausladenden Kantenspitzen. Bei geduldiger Betrachtung war sogar indirekt und blickweise das Staubband im zentralen Bereich wahrzunehmen.

7640 (11,3/14,5)
Im NO-Eck von And immer wieder schwierig aufzufinden, dafür aber heute umso ergiebiger. Wunderschön eingebettet in ein reiches Sternenfeld präsentierte sich indirekt eine einfach zu sehende N-S-gerichtete Lichtspindel mit schwachen Enden (ca 5') und einer deutlichen zentralen Aufhellung.

784 (11,7/14,1)
Dieses Kantenexemplar in Tri war schon etwas schwieriger zu ergattern. Zwischen zwei 11m Sternen vernahm ich mit abgewandter Blickweise einen länglichen N-S-elongierten, diffusen Lichtstreifen mit einer schwachen zentralen Aufhellung, die etwas südlich der Mitte zu liegen scheint.

100 (13,3/14,5)
An diese Gx im Psc nahe bei gamma Peg hätte ich mich unter schlechteren Bedingungen gar nicht herangewagt. Meine Guidekarte zeigte mir zwar die genaue Position, aber nicht die Orientierung der Gx an. So war ich wirklich verblüfft, als indirekt relativ schnell eine extrem schmale, scharf begrenzte NO-SW-orientierte Lichtnadel aufschien. Sie war nicht beständig zu halten, aber doch in 70% der Zeit sichtbar. Eine echte Superthin-Galaxie ohne zentrale Aufhellung.

UGC 1281 (12,4/14,2)
Zum Abschluss fast übermütig geworden, wagte ich mich noch im Tri an dieses Grenzobjekt für einen 6".(Wobei natürlich das Lichtsammelvermögen des Binos an ein 9"Gerät heranreicht.)
Zunächst war ich beim Aufsuchen um ein Sternenpaar nach Osten verrutscht und wollte schon eine Fehlanzeige vermelden. Schließlich erkannte ich im richtigen Zielfeld nach geduldiger abgewandter Betrachtung blickweise einen NO-SW-gerichteten Lichthauch, der nicht ganz parallel zu einem 13m-Paar östlich verlief, sondern sich dem nördlichen Stern etwas annäherte. Ansonsten waren keine weiteren Einzelheiten auszumachen. Insgesamt erschien UGC 1281 viel schwächer als nach der DSFG-Angabe zu erwarten wäre.

Tief zufrieden über die Erweiterung meiner Deepsky-Horizonte begab ich mich auf die Heimfahrt nach Schliersee.

Bald wieder solch klare Nächte wünscht
Klaus
 
Hi Klaus,

man, da hast du dich ja echt an ein paar dicke Brocken getraut, Respekt. UGC 1281 und die NGC 70 Gruppe mit 6" sind schon klasse. Hab sie ja hier und hier selbst vor kurzen mit 16" unter die Lupe genommen und selbst dort waren sie nicht gerade die hellsten Knaller. Schon NGC 100 zu beobachten finde ich richtig gut.
Liegt wohl wirklich an den Superbedingungen und dem Doppelglas (hab selbst jahrelang mit einem 20x125 beobachtet).
Wenn du Spaß an den Superthin-Galaxien hast, versuch doch mal IC 2233, die ist etwas dankbarer, als die UGC 1281. Die schön zusammengestellte Liste von Stathis Kafalis über die Superthingalaxien hier kennst du ja sicher.

Viele Grüße
Uwe

www.sternenfreunde-eichsfeld.de
 
Hallo Klaus,

war das Zufall? Ich habe nämlich, inspiriert durch Uwe's Beobachtungen bei der super Wetterlage in den Voralpen genau dieselben Objekte mit meinem 24" Dobson angeschaut. Uwe hat seine Links ja schon genannt.

Siehe auch:
NGC 70 Gruppe: http://www.stathis-firstlight.de/deepsky/ngc70group.htm
In Astrotreff: http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=16719

UGC 1281: http://www.stathis-firstlight.de/deepsky/superthin.htm
Im Astrotreff: http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=16441

Die UGC 1281 Nadel mit einem 6" Bino zu packen ist echt sportlich! Ich habe bei vielen Superdünnen feststellen müssen, dass sie sich deutlich schüchterner geben, als man nach ihrer Gesamthelligkeit vermuten würde, da sie einfach aufgrund ihrer Länge eine geringe Flächenhelligkeit aufweisen und sich nur zart vom Himmelshintergrund abheben.

p.s.
Ist dein Bino was selbstgebautes? klingt fast dannach
 
Hallo Uwe und Stathis,

danke für Eure Antworten.
Also die Superthin-Gx, insbesondere UGC 1281 waren sicherlich Grenzleistungen mit 6" und wohl nur unter den ausgezeichneten Bedingungen der letzten Woche möglich.
Danke auch für die neuen Tipps, die Superthin-Liste kenne ich. Da gibt es sicher noch Einiges zu entdecken. Der Himmel muss halt passen.

Mein Bino stammt in der ursprünglichen Ausstattung von Matsumoto. Optisch habe ich beide Synta-Refraktoren testen lassen und einen, der nur 1/2 lambda hatte, mit Wolfis Hilfe gegen einen besseren ausgetauscht. Die mechanische Stabilität der Montierung habe ich mit Hilfe eines Feinmechnikers verbessert. Bin jetzt mit der Leistung des Binos für ein f5-Gerät außerordentlich zufrieden. Natürlich bleibt das Farbproblem und eine entsprechende Kontrastschwächung ab etwa 125-fach. Trotzdem steht mein 10"Dobson nun meistens im Keller, weil das Bino einfach die bequemere und letztlich befriedigendere Form des Suchens und Schauens ermöglicht.

Liebe Astrogrüße von
Klaus
 
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