Gelöschte Mitglieder 487
Hi Leute,
letzte Nacht hat´s endlich mit der ersten ausgiebigen Galaxiennacht des Jahres mit meinem 12"-Dobson geklappt. Ich sitz´ grade im Zug von Berlin nach München, was bietet sich mehr an, als einen Beobachtungsbericht zu verfassen. Hab mir soeben etwas spacige Clubmucke angemacht – und los geht’s.
Einstimmung – auf zur Location
Ich war schon letztes WE – auch Sonntag auf Montag bei meinem Beobachtungsplatz zwischen Frankfurt/ O und Fürstenwalde/Spree – zusammen mit Astrofuchs-Ronald – endlich haben wir es mal zusammen geschafft! Dieses mal war ich jedoch allein, was einerseits langweiliger ist aber umso konzentrierteres Beobachten ermöglicht...
Gestern Abend zeigt der Blick auf sat24.com einen Restwolkenschleier, den der Südwind voraussichtlich bald vertreiben sollte. Dieses mal wollte ich rechtzeitig vor Ort sein mit meinem 12er, um gemütlich im Restlicht des Tages aufbauen und justieren zu können. Sonst bin ich normalerweise erst aufgebrochen, wenn es schon dunkel war. Also um 19.00 Uhr den Sumerian-Koffer in den Riesenrucksack gepackt, Gitterrohrstangen in die Hand- und rauf aufs Rad. 25 Minuten mit der Bahn, anschließend nochmal 20 Minuten mit dem Rad Richtung Beobachtungsplatz. Kurz nach 20 Uhr war ich angekommen. Herrlich – ein einsames Feld, praktisch kein Verkehr auf der 100 m entfernten Straße, Kraniche riefen, Vögel zwitscherten. Sogar die ersten Mücken habe ich angelockt – von der Radelei wohl etwas ausdünstend...
Immerhin erklomm ich nämlich einen „Berg“ und zwar den sogenannten SILBERBERG. Im Prinzip ist das wohl nur eine Erhöhung von 50 m, aber hoch genug, um den meisten Nebel abzuhalten wie ich schon mehrfach feststellen durfte. Es ist ein toller Platz mit prima Rundumsicht bis zum Horizont, lediglich der Nordwesten ist minimal eingeschränkt durch „Gestrüpp“. Kein direktes Licht, bei guten Bedingungen vernachlässigbare Lichtglocken im Süden und im Osten von Frankfurt auch nicht so wild. Problematisch ist meist der Westen mit Fürstenwalde/ Berlin, was bei Topbedingungen aber auch nur bis 30 Grad hoch stört. Wer das HTT kennt, hat ungefähr eine Vorstellung was an meinem Standort – zumindest abseits benannter Richtungen – möglich ist.
Wie man die Zeit bis zum Monduntergang rumkriegt
Entgegen dem Satellitenbild vor einer Stunde gab es vor Ort aber noch einiges an Siff am Himmel, in allen Richtungen. Eigentlich sollte der so gut wie abgezogen sein Richtung Norden, ich blieb trotzdem cool. Es roch auch bereits etwas feucht, eine typische „Optikbeschlagsnacht“ kündigte sich an, obwohl „nur“ 80% Feuchte angesagt waren auf meteomedia. Der zuweilen auftretende Wind war zum Zeitpunkt der Dämmerung verschwunden. Ein Rehbock bellt. Ich baue auf, sowie ich angekommen war. Mann - ging das schnell dieses mal. Mittlerweile habe ich Übung mit dem Sumerian-Dobson. In 12 Minuten komplett aufgebaut. Endlich mal Justage im Hellen!! Die gelang mir auch – Nase zuhalten – exorbitant gut. Nur dumm, dass die Justage recht schnell wieder flöten ging. Die gute Justage nützte mir auch erst mal wenig, denn die Optik waberte noch. So war der Blick auf den nahe bei der Mondsichel stehenden Jupiter mit ein paar Bändern eher enttäuschend, der Mond selbst jetzt auch nicht so DER Hit.
Ich vervollständigte den Aufbau mit meiner improvisierten aber bewährten Streulichthülle aus Baumwolltuch, Klebeband und Sicherheitsnadeln, ein kläglicher Versuch, des befürchteten Beschlags Herr zu werden (FS-Heizung immer noch defekt). Die Schleier wollten ums Verrrecken nicht verschwinden. Aber null problemo, der Mond war ja auch noch bis ca. 0 Uhr da.
Pünktlich nach dem Komplettaufbau und Justage (inkl. Rigel) kam ein tierisch heller Punkt am Westhorizont empor. Die ISS. Was bin ich zum Okularkoffer gehechtet. 26er Nagler raus, Rigel an, und hingepeilt. Verdammt, ich erwische sie nicht. Irgendwann nahe des Zenits: Wow! Was ein gleißendes Teil – die beiden Solarpanele links und rechts komplett symmetrisch zum Mittelteil, leuchteten und zeigten sogar Struktur! Leider hatte ich keine Konzentration übrig, mir Details zu merken. Zu sehr war ich mit der Nachführung beschäftigt. Es gab sogar noch ein punktuelles Aufblitzen und Hellerwerden der Panele. In jedem Fall die schönste ISS bisher in meinem eigenen Teleskop. Ähnlich gut sah ich sie bisher nur im Bino-TMB beim HTT.
Spitzenauftakt! Meine Isomatte war bereits ausgebreitet (Tisch, Liege, Sitz, alles in einem). Ich setzte mich gechillt im Schneidersitz mit Blick Richtung Mondsichel und Jupiter und nahm derweil meine geschmierten Brote her und den gekauften Gurkensalat, der natürlich wieder gezuckert war. Pfui. Aber besser als nix – normale Gurken waren aus. Langsam wurde es dunkel, die Wolken kamen etwas in Bewegung und gaben tendenziell den Blick auf schöne klare Stellen frei. Da geht was! Aber es blieb beim Hinundher – Schleier hier da - dort weg und wieder da. Bis der Mond verschwand. Auf einmal kam ein nicht angekündigter Ostwind auf.
Wolken (weg-auf los geht’s) los
Eine halbe Stunde später war der Himmel klar. Leider nicht so richtig transparent – aber wolkenlos. Der Wind war mild. Er fuhr durch die im „Gestrüpp“ stehende Pappel. HERRLICH. Ich liebe es, wenn nichts weiter zu hören ist, als das Rauschen des Windes in den Blättern oder im Gras. Obwohl es mehr oder weniger mild war, hatte ich meine Jogginghose gegen eine Skihose getauscht, sehr bald sogar erstere zusätzlich noch drunter. Mein Gott, bin ich eine Mimose geworden. Da stand ich nun im Fleecepullie unter der Goretex-Jacke, Sturmkragen, Mütze und Skihose bei 10 Grad plus. Aber ungewohnt angenehm wars!
Aber nun gings los. Der Löwe war schon langsam am Abtauchen Richtung Lichtverschmutzung, meine gesetzten Ziele einiger Hicksongruppen und Galaxien in der Region musste ich sausen lassen. Ebenso die planetarischen Nebel in Horizontnähe. Trotz Wind, war es nicht wirklich gut am Horizont. Der Rabe war gerade teils eben so zu erkennen. Zur Kulmination etwas besser. Aber in jedem Fall brauchbarer Himmel! Ich komme schon wieder ab, es sollte doch losgehen...
Zunächst nahm ich einen tiefen Zug voll Frühlingsluft und machte ein paar Atemverrenkungen, dass die tolle Luft auch ja tief in die letzte Ecke der Lungen kommt.
Die Beobachtungen – von Hickson´s, variablen Galaxiengruppen und anderen Phantomen
Also: Erstes Objekt war direkt gleich mal Hickson 61 „The Box“. An meiner Seite hatte ich den SkyAtlas2.000 in kopierter und aufgerollter Form, welcher solche Funzeln natürlich nicht hergibt. So musste ich mir dieses Objekt und einige andere geplante erst mal anhand von Stellarium/ Redshift zu Hause einzeichnen.
Erster Versuch des Anpeilens: Bingo! Gleich auf Anhieb eine relativ helle Galaxie im Feld, die ohne viel Augenverleierei drei schwache Begleiter zeigte. Diese helle Ellipse war NGC 4169. Das hätte ich nicht gedacht. Die lanzettliche Form der großen NGC 4173 war prominent, die von NGC 4175 nur blickweise „deutlich“. Die Linsenform der kleinen 4174 habe ich nicht auffällig in Erinnerung, ich glaube sie erschien eher als kleine runde Aufhellung. In einem kleinen Augenblick könnte ich die Ausrichtung der kleinen auch wahrgenommen habe, entsinne mich aber nicht mehr richtig. Bei dem nahe der Lichtverschmutzungsgrenze stehenden und 6m2 Himmel nicht eben einfachen Objekt, klappte es problemlos. Das habe ich nicht erwartet. Und dass, obwohl die notwendige Spiegelreinigung immer noch auf die Bank geschoben wird... Prima Galaxienauftakt! Ich habe die Gruppe skizziert, um später nachvollziehen zu können, ob ich richtig beobachtet habe, auch ein paar Sterne habe ich mit aufgenommen. Soeben habe ich ein Photo von „The Box“ auf meinem Laptop in PS gedreht und gespiegelt und komme auf exakt meine skizzenhafte Darstellung! Juhu! Zudem habe ich noch eine weitere kleine mögliche Gx etwas entfernt von der „Box“ skizziert, welche sich von der Position her mit der Gx PGC 38822 bzw. UGC 7190 deckt – 14m9 laut Redshift.
Lotz hat kürzlich sein tolles „Galaxienmärchen“ präsentiert, wovon ich gleich ein paar Anregungen übernommen habe – Schönen Gruß und Danke an dieser Stelle!
So erwähnte er z. b. NGC 3432 oberhalb vom Löwen als interessantes Ziel. Tatsächlich! Die längliche und recht helle Galaxie profitiert von ihrem Sternumfeld, was ein wirklich tolles, dekoratives Ensemble bildet. Muss ich bei richtig gutem Himmel unbedingt nochmal ansteuern! Auch die Galaxiengruppe um NGC 3995 habe ich mir frecherweise aus Lotz´s Bericht vorgemerkt und angepeilt. Tatsächlich: eine wirklich hübsche Gruppe von drei nahe beieinanderstehenden Galaxien, leider ohne Details. Ein Stündchen später steuerte ich noch eine Dreiergruppe an, welche ich mir selbständig erarbeitet habe: im SkyAtlas auf Seite x in UMa stand eine Gx nahe bei einem Stern, was für mich immer reizvoll ist. Ein Blick in Redshift zeigte, da sind noch zwei andere Galaxien daneben! Also als Ziel vorgemerkt. Ich bin gestarhoppt und stellte fest: hm, sieht irgendwie vertraut aus. Nochmal auf die andere Seite im SkyAtlas zurückgeblättert – und: geeenau! Das war die Selbe Gruppe, bei der ich schon war, nämlich um NGC 3995 herum. Nur ich bin die beiden male von verschiedenen Sternen aus „gehüpft“, sodass ich es nicht als selbes Ziel erkannt habe. So ist das, wenn mehrere Kartenblätter die gleichen Objekte zeigen... Aber lustig, dass ich selber auf die Gruppe gekommen bin, unmittelbar nachdem ich sie mir abgeschaut habe... Ich habs nicht so mit Zahlen, sonst wär´s mir natürlich gleich aufgefallen...
Ein Bild hier im Forum brachte mich auf Galaxie NGC 4395, oberhalb des Melotte-Haufens von Coma Berenices. Die herausragende Aufnahme wurde vom Photographen als sehr schwierig bezeichnet (photographisch), sodass ich mich dennoch in Anbetracht der schönen Spirale dazu verleiten ließ, im SkyAtlas zu vermerken.“ Ma probiern“. Gesagt, getan. Die Peilung mit dem Rigel zeigte sofort einen großen „Schmadder“, welcher an M 33 im Fernglas erinnert. Eine vergleichsweise riesige Galaxie von wirklich geringer Flächenhelligkeit. Man erkennt praktisch nix außer einer großen, grauen Fläche. Aber immerhin! Ein – wie ich finde – exotisches und überraschend einfaches zu findendes Objekt. Details bleiben aber wohl am ehesten den Photographen vorbehalten. Trotzdem war ich glücklich mit der Sichtung eines neuen, unbekannten Objekts, welches abseits der sonst vielen kleinen grauen Ellipsen eine Besonderheit darstellt. Müsste man auch nochmal unter Alpenhimmel ran...
Irgendwo bellte schon wieder ein Reh, natürlich war das kein „Wuff!“... eher ein „Wäöhh!“
Aus irgendeinem Grund habe ich mir das Duo NGC 4747/ 4725 in Coma B unweit der berühmten 4565-Spindel ausgeguckt. Ich hielt drauf. Sage und schreibe Eine Gx sah ich. Mehr nicht. Doch Moment – da ist noch eine gaaaanz schwache (Im Sehfeld links). Recht groß und sehr, sehr flächenschwach, und mit Blick in Stellarium entlarvt als NGC 4712 mit 13m0 (im SkyAtlas2.000 nicht aufgeführt). Bald entdeckte ich eine kleinere in entgegengesetzter Richtung: das war nun NGC 4747 mit 12m4. 4725 mutete etwas spiralig an (ähnlich wie M 81), ich muss das mit Blick auf ein Bild nochmal prüfen. Aber visuell ein attraktives Ziel? Nicht wirklich.
Oberhalb vom Melotte-Haufen zwischen Coma und Jagdhunde peilte ich aus Spaß mal eine im Atlas gefundene Gx an, welche nahe von einem helleren Sternchen „saß“: NGC 4203 (nahe dem bereits behandelten 4395-“Schmadder“ aka M 33). Diese kleine rundliche Galaxie wirkte recht hell und konnte ich problemlos mit dem 7er Nagler „bearbeiten“. Ich hatte den Eindruck, da wäre auf der dem Stern abgewandten Seite eine Strukur- lotrecht zur Verbindungslinie mit dem Stern, ggf. ein Staubband oder ähnliches. Das checke ich mal.
Mit einer Galaxiengruppe stehe ich mittlerweile auf Kriegsfuß: In Bootes nahe Canis Venatici sind im Skyatlas ca. vier Gx zwischen zwei Sternen eingerahmt dargestellt: NGC 5660, 5676, 5673 u.a.. Ein hübsches Ziel! Schon vor einer Woche habe ich mit Ronald zusammen auf die Gegend gehalten. Nahe des Zenits alles soweit klar und dunkel – aber heute nicht eine Galaxie zu sehen. Letzte Woche haben wir beide wenigstens eine gesehen – wo ist die hin verflixt?? Zwei Stunden später hab ichs nochmal versucht – wieder nicht eine einzige!! Was ist denn da los. Mich beschlich das Gefühl, es gibt da noch die unentdeckte Klasse der variablen Galaxien... Ich hatte mittlerweile auch längst Arp 294 (NGC 3786/88) angesteuert, wo ich aber nur zwei längliche Flecken wahrnahm, die in irgendeinem Winkel zueinander stehen, aber nicht so der Hingucker waren wie ich befand.
Auf den Lichtsiff, der immer weiter Richtung Galaxienhaufen vordrang bzw. umgekehrt, hatte ich zudem keine wirkliche Lust mehr. Zwischendurch fing ich an, frevelhafter Weise, auf die üblichen Verdächtigen wie M 13 zu halten. Nach zwei Stunden Galaxiengesuche aber auch legitim meinte ich. Naja, hatte ich schon schöner gesehen, irgendwann wird so ein M 13 auch langweilig, deshalb mal M 3 im Bootes, naja. Hübsch, aber trotz der Temperaturen muss man ja nicht gleich den Sommer einläuten und Kugelhaufen gucken.
Worauf ich Lust hatte bzw. BRANNTE, war was ganz anderes. Die Krone stand schon recht hoch. Seit ewigen Zeiten habe ich - für Teleskoptreffen – Seyfert´s Sextett auf dem Zettel. Für große Teleskope, damit ich das Ding mal sehe. Bisher hatte ich keine Gelegenheit, mal mit meinem eigenen Gerät draufzuhalten. Heute war es soweit! Längst habe ich mir die recht einfache Position von dem Galaxiengewusel in den Atlas eingezeichnet. Ich peilte direkt gleich mit dem 12er Nagler die Region an, vergrößern muss man ja eh und so erspare ich mir den Okuwechsel. Ich wurde auch hier recht schnell fündig! Ein schwaches aber deutliches Nebelgewusel zeigte sich, welches ich durch den mittlerweile permanenten Ostwind nicht ruhig bekam. Wahnsinn! Ich war echt happy: Das berühmte Seyferts Sextett in meinem Teleskop!. In einem Moment konnte ich drei einzelne Galaxien sicher differenzieren. Aber nochmal gelang mir dies nicht. So ein Gitterrohrdob mit Stoff drumrum ist halt ein p-r-i-m-a Segel, sodass man keine Ruhe mehr reinbekommmt in das Bild. So entschloss ich mich, die letzte Stunde klaren Himmels bekanntere Sachen anzusteuern und die schwierigeren Geschichten in eine superklare und windstille (Alpen-?)Nacht zu verlegen.
Ich gönnte mir nochmals ein Salami-Käse-Brot mit Gurkensalat. Eine Eule kam drei Meter über mir langgeflogen. Als Getränk hatte ich 1,75 l exotische Mandarinen-Mango-Limo bei mir – etikettgemäß sogar mit dem „extra Fruchtkick“. Nojoah, war okay. Meine Tüte Haribo konnte ich jedenfalls getrost ungeöffnet lassen – dieses Zuckergeblubber langt erst mal für den Zahnarzt dacht ich mir so. Die Limo war auch zum Ende der Beobachtungsnacht nicht mal kühlschrankkalt. Ich schätze so 9-10 Grad. Das war vor einer Woche noch ganz anders. Da stand ich in fast den selben Klamotten da – und die Limo (eine andere) hatte eine interessante Konsistenz bekommen. Kennt ihr Frozen Daiquiri? Dieses flüssige McDonalds-Eis? Da wisst, ihr, wie es um mein Getränk bestellt war. Es war kurz vor dem Status „nur frozen“. Sogar meine in jener Woche noch ergatterte Gurke war etwas kristallin im Biss.
Mit meinem Programm (inkl. spontanen nicht weiter beschriebenen Querausflügen zu mir bereits bekannten Galaxien) war ich praktisch durch, es war kurz nach 4 Uhr morgens. 4.15 Uhr wurde es tatsächlich auch hell. Das gibt einen Euro in die Timing-Kasse. Ich baute ab, um den Zug, welcher 5.12 Uhr ging, noch zu erwischen. Immerhin musste ich auch noch zurück gegen den Wind anradeln – immerhin mehr oder minder bergab. Ich habe mehr gehetzt als nötig – ich war gut 5 Minuten vorher da. Kurzum: endlich mal wieder eine rundherum gelungene Exkursion mit dem ganzen Gerümpel, welches ich zu meinem Urlaub GOTT SEI DANK nicht umsonst quer durch Deutschland geschleppt habe. Das hat sich mal wieder so richtig gelohnt - und: es blieb Dank des Windes trocken!
Schöne Grüße in die Runde und
Clear Skies,
Norman
letzte Nacht hat´s endlich mit der ersten ausgiebigen Galaxiennacht des Jahres mit meinem 12"-Dobson geklappt. Ich sitz´ grade im Zug von Berlin nach München, was bietet sich mehr an, als einen Beobachtungsbericht zu verfassen. Hab mir soeben etwas spacige Clubmucke angemacht – und los geht’s.
Einstimmung – auf zur Location
Ich war schon letztes WE – auch Sonntag auf Montag bei meinem Beobachtungsplatz zwischen Frankfurt/ O und Fürstenwalde/Spree – zusammen mit Astrofuchs-Ronald – endlich haben wir es mal zusammen geschafft! Dieses mal war ich jedoch allein, was einerseits langweiliger ist aber umso konzentrierteres Beobachten ermöglicht...
Gestern Abend zeigt der Blick auf sat24.com einen Restwolkenschleier, den der Südwind voraussichtlich bald vertreiben sollte. Dieses mal wollte ich rechtzeitig vor Ort sein mit meinem 12er, um gemütlich im Restlicht des Tages aufbauen und justieren zu können. Sonst bin ich normalerweise erst aufgebrochen, wenn es schon dunkel war. Also um 19.00 Uhr den Sumerian-Koffer in den Riesenrucksack gepackt, Gitterrohrstangen in die Hand- und rauf aufs Rad. 25 Minuten mit der Bahn, anschließend nochmal 20 Minuten mit dem Rad Richtung Beobachtungsplatz. Kurz nach 20 Uhr war ich angekommen. Herrlich – ein einsames Feld, praktisch kein Verkehr auf der 100 m entfernten Straße, Kraniche riefen, Vögel zwitscherten. Sogar die ersten Mücken habe ich angelockt – von der Radelei wohl etwas ausdünstend...
Immerhin erklomm ich nämlich einen „Berg“ und zwar den sogenannten SILBERBERG. Im Prinzip ist das wohl nur eine Erhöhung von 50 m, aber hoch genug, um den meisten Nebel abzuhalten wie ich schon mehrfach feststellen durfte. Es ist ein toller Platz mit prima Rundumsicht bis zum Horizont, lediglich der Nordwesten ist minimal eingeschränkt durch „Gestrüpp“. Kein direktes Licht, bei guten Bedingungen vernachlässigbare Lichtglocken im Süden und im Osten von Frankfurt auch nicht so wild. Problematisch ist meist der Westen mit Fürstenwalde/ Berlin, was bei Topbedingungen aber auch nur bis 30 Grad hoch stört. Wer das HTT kennt, hat ungefähr eine Vorstellung was an meinem Standort – zumindest abseits benannter Richtungen – möglich ist.
Wie man die Zeit bis zum Monduntergang rumkriegt
Entgegen dem Satellitenbild vor einer Stunde gab es vor Ort aber noch einiges an Siff am Himmel, in allen Richtungen. Eigentlich sollte der so gut wie abgezogen sein Richtung Norden, ich blieb trotzdem cool. Es roch auch bereits etwas feucht, eine typische „Optikbeschlagsnacht“ kündigte sich an, obwohl „nur“ 80% Feuchte angesagt waren auf meteomedia. Der zuweilen auftretende Wind war zum Zeitpunkt der Dämmerung verschwunden. Ein Rehbock bellt. Ich baue auf, sowie ich angekommen war. Mann - ging das schnell dieses mal. Mittlerweile habe ich Übung mit dem Sumerian-Dobson. In 12 Minuten komplett aufgebaut. Endlich mal Justage im Hellen!! Die gelang mir auch – Nase zuhalten – exorbitant gut. Nur dumm, dass die Justage recht schnell wieder flöten ging. Die gute Justage nützte mir auch erst mal wenig, denn die Optik waberte noch. So war der Blick auf den nahe bei der Mondsichel stehenden Jupiter mit ein paar Bändern eher enttäuschend, der Mond selbst jetzt auch nicht so DER Hit.
Ich vervollständigte den Aufbau mit meiner improvisierten aber bewährten Streulichthülle aus Baumwolltuch, Klebeband und Sicherheitsnadeln, ein kläglicher Versuch, des befürchteten Beschlags Herr zu werden (FS-Heizung immer noch defekt). Die Schleier wollten ums Verrrecken nicht verschwinden. Aber null problemo, der Mond war ja auch noch bis ca. 0 Uhr da.
Pünktlich nach dem Komplettaufbau und Justage (inkl. Rigel) kam ein tierisch heller Punkt am Westhorizont empor. Die ISS. Was bin ich zum Okularkoffer gehechtet. 26er Nagler raus, Rigel an, und hingepeilt. Verdammt, ich erwische sie nicht. Irgendwann nahe des Zenits: Wow! Was ein gleißendes Teil – die beiden Solarpanele links und rechts komplett symmetrisch zum Mittelteil, leuchteten und zeigten sogar Struktur! Leider hatte ich keine Konzentration übrig, mir Details zu merken. Zu sehr war ich mit der Nachführung beschäftigt. Es gab sogar noch ein punktuelles Aufblitzen und Hellerwerden der Panele. In jedem Fall die schönste ISS bisher in meinem eigenen Teleskop. Ähnlich gut sah ich sie bisher nur im Bino-TMB beim HTT.
Spitzenauftakt! Meine Isomatte war bereits ausgebreitet (Tisch, Liege, Sitz, alles in einem). Ich setzte mich gechillt im Schneidersitz mit Blick Richtung Mondsichel und Jupiter und nahm derweil meine geschmierten Brote her und den gekauften Gurkensalat, der natürlich wieder gezuckert war. Pfui. Aber besser als nix – normale Gurken waren aus. Langsam wurde es dunkel, die Wolken kamen etwas in Bewegung und gaben tendenziell den Blick auf schöne klare Stellen frei. Da geht was! Aber es blieb beim Hinundher – Schleier hier da - dort weg und wieder da. Bis der Mond verschwand. Auf einmal kam ein nicht angekündigter Ostwind auf.
Wolken (weg-auf los geht’s) los
Eine halbe Stunde später war der Himmel klar. Leider nicht so richtig transparent – aber wolkenlos. Der Wind war mild. Er fuhr durch die im „Gestrüpp“ stehende Pappel. HERRLICH. Ich liebe es, wenn nichts weiter zu hören ist, als das Rauschen des Windes in den Blättern oder im Gras. Obwohl es mehr oder weniger mild war, hatte ich meine Jogginghose gegen eine Skihose getauscht, sehr bald sogar erstere zusätzlich noch drunter. Mein Gott, bin ich eine Mimose geworden. Da stand ich nun im Fleecepullie unter der Goretex-Jacke, Sturmkragen, Mütze und Skihose bei 10 Grad plus. Aber ungewohnt angenehm wars!
Aber nun gings los. Der Löwe war schon langsam am Abtauchen Richtung Lichtverschmutzung, meine gesetzten Ziele einiger Hicksongruppen und Galaxien in der Region musste ich sausen lassen. Ebenso die planetarischen Nebel in Horizontnähe. Trotz Wind, war es nicht wirklich gut am Horizont. Der Rabe war gerade teils eben so zu erkennen. Zur Kulmination etwas besser. Aber in jedem Fall brauchbarer Himmel! Ich komme schon wieder ab, es sollte doch losgehen...
Zunächst nahm ich einen tiefen Zug voll Frühlingsluft und machte ein paar Atemverrenkungen, dass die tolle Luft auch ja tief in die letzte Ecke der Lungen kommt.
Die Beobachtungen – von Hickson´s, variablen Galaxiengruppen und anderen Phantomen
Also: Erstes Objekt war direkt gleich mal Hickson 61 „The Box“. An meiner Seite hatte ich den SkyAtlas2.000 in kopierter und aufgerollter Form, welcher solche Funzeln natürlich nicht hergibt. So musste ich mir dieses Objekt und einige andere geplante erst mal anhand von Stellarium/ Redshift zu Hause einzeichnen.
Erster Versuch des Anpeilens: Bingo! Gleich auf Anhieb eine relativ helle Galaxie im Feld, die ohne viel Augenverleierei drei schwache Begleiter zeigte. Diese helle Ellipse war NGC 4169. Das hätte ich nicht gedacht. Die lanzettliche Form der großen NGC 4173 war prominent, die von NGC 4175 nur blickweise „deutlich“. Die Linsenform der kleinen 4174 habe ich nicht auffällig in Erinnerung, ich glaube sie erschien eher als kleine runde Aufhellung. In einem kleinen Augenblick könnte ich die Ausrichtung der kleinen auch wahrgenommen habe, entsinne mich aber nicht mehr richtig. Bei dem nahe der Lichtverschmutzungsgrenze stehenden und 6m2 Himmel nicht eben einfachen Objekt, klappte es problemlos. Das habe ich nicht erwartet. Und dass, obwohl die notwendige Spiegelreinigung immer noch auf die Bank geschoben wird... Prima Galaxienauftakt! Ich habe die Gruppe skizziert, um später nachvollziehen zu können, ob ich richtig beobachtet habe, auch ein paar Sterne habe ich mit aufgenommen. Soeben habe ich ein Photo von „The Box“ auf meinem Laptop in PS gedreht und gespiegelt und komme auf exakt meine skizzenhafte Darstellung! Juhu! Zudem habe ich noch eine weitere kleine mögliche Gx etwas entfernt von der „Box“ skizziert, welche sich von der Position her mit der Gx PGC 38822 bzw. UGC 7190 deckt – 14m9 laut Redshift.
Lotz hat kürzlich sein tolles „Galaxienmärchen“ präsentiert, wovon ich gleich ein paar Anregungen übernommen habe – Schönen Gruß und Danke an dieser Stelle!
Ein Bild hier im Forum brachte mich auf Galaxie NGC 4395, oberhalb des Melotte-Haufens von Coma Berenices. Die herausragende Aufnahme wurde vom Photographen als sehr schwierig bezeichnet (photographisch), sodass ich mich dennoch in Anbetracht der schönen Spirale dazu verleiten ließ, im SkyAtlas zu vermerken.“ Ma probiern“. Gesagt, getan. Die Peilung mit dem Rigel zeigte sofort einen großen „Schmadder“, welcher an M 33 im Fernglas erinnert. Eine vergleichsweise riesige Galaxie von wirklich geringer Flächenhelligkeit. Man erkennt praktisch nix außer einer großen, grauen Fläche. Aber immerhin! Ein – wie ich finde – exotisches und überraschend einfaches zu findendes Objekt. Details bleiben aber wohl am ehesten den Photographen vorbehalten. Trotzdem war ich glücklich mit der Sichtung eines neuen, unbekannten Objekts, welches abseits der sonst vielen kleinen grauen Ellipsen eine Besonderheit darstellt. Müsste man auch nochmal unter Alpenhimmel ran...
Irgendwo bellte schon wieder ein Reh, natürlich war das kein „Wuff!“... eher ein „Wäöhh!“
Aus irgendeinem Grund habe ich mir das Duo NGC 4747/ 4725 in Coma B unweit der berühmten 4565-Spindel ausgeguckt. Ich hielt drauf. Sage und schreibe Eine Gx sah ich. Mehr nicht. Doch Moment – da ist noch eine gaaaanz schwache (Im Sehfeld links). Recht groß und sehr, sehr flächenschwach, und mit Blick in Stellarium entlarvt als NGC 4712 mit 13m0 (im SkyAtlas2.000 nicht aufgeführt). Bald entdeckte ich eine kleinere in entgegengesetzter Richtung: das war nun NGC 4747 mit 12m4. 4725 mutete etwas spiralig an (ähnlich wie M 81), ich muss das mit Blick auf ein Bild nochmal prüfen. Aber visuell ein attraktives Ziel? Nicht wirklich.
Oberhalb vom Melotte-Haufen zwischen Coma und Jagdhunde peilte ich aus Spaß mal eine im Atlas gefundene Gx an, welche nahe von einem helleren Sternchen „saß“: NGC 4203 (nahe dem bereits behandelten 4395-“Schmadder“ aka M 33). Diese kleine rundliche Galaxie wirkte recht hell und konnte ich problemlos mit dem 7er Nagler „bearbeiten“. Ich hatte den Eindruck, da wäre auf der dem Stern abgewandten Seite eine Strukur- lotrecht zur Verbindungslinie mit dem Stern, ggf. ein Staubband oder ähnliches. Das checke ich mal.
Mit einer Galaxiengruppe stehe ich mittlerweile auf Kriegsfuß: In Bootes nahe Canis Venatici sind im Skyatlas ca. vier Gx zwischen zwei Sternen eingerahmt dargestellt: NGC 5660, 5676, 5673 u.a.. Ein hübsches Ziel! Schon vor einer Woche habe ich mit Ronald zusammen auf die Gegend gehalten. Nahe des Zenits alles soweit klar und dunkel – aber heute nicht eine Galaxie zu sehen. Letzte Woche haben wir beide wenigstens eine gesehen – wo ist die hin verflixt?? Zwei Stunden später hab ichs nochmal versucht – wieder nicht eine einzige!! Was ist denn da los. Mich beschlich das Gefühl, es gibt da noch die unentdeckte Klasse der variablen Galaxien... Ich hatte mittlerweile auch längst Arp 294 (NGC 3786/88) angesteuert, wo ich aber nur zwei längliche Flecken wahrnahm, die in irgendeinem Winkel zueinander stehen, aber nicht so der Hingucker waren wie ich befand.
Auf den Lichtsiff, der immer weiter Richtung Galaxienhaufen vordrang bzw. umgekehrt, hatte ich zudem keine wirkliche Lust mehr. Zwischendurch fing ich an, frevelhafter Weise, auf die üblichen Verdächtigen wie M 13 zu halten. Nach zwei Stunden Galaxiengesuche aber auch legitim meinte ich. Naja, hatte ich schon schöner gesehen, irgendwann wird so ein M 13 auch langweilig, deshalb mal M 3 im Bootes, naja. Hübsch, aber trotz der Temperaturen muss man ja nicht gleich den Sommer einläuten und Kugelhaufen gucken.
Worauf ich Lust hatte bzw. BRANNTE, war was ganz anderes. Die Krone stand schon recht hoch. Seit ewigen Zeiten habe ich - für Teleskoptreffen – Seyfert´s Sextett auf dem Zettel. Für große Teleskope, damit ich das Ding mal sehe. Bisher hatte ich keine Gelegenheit, mal mit meinem eigenen Gerät draufzuhalten. Heute war es soweit! Längst habe ich mir die recht einfache Position von dem Galaxiengewusel in den Atlas eingezeichnet. Ich peilte direkt gleich mit dem 12er Nagler die Region an, vergrößern muss man ja eh und so erspare ich mir den Okuwechsel. Ich wurde auch hier recht schnell fündig! Ein schwaches aber deutliches Nebelgewusel zeigte sich, welches ich durch den mittlerweile permanenten Ostwind nicht ruhig bekam. Wahnsinn! Ich war echt happy: Das berühmte Seyferts Sextett in meinem Teleskop!. In einem Moment konnte ich drei einzelne Galaxien sicher differenzieren. Aber nochmal gelang mir dies nicht. So ein Gitterrohrdob mit Stoff drumrum ist halt ein p-r-i-m-a Segel, sodass man keine Ruhe mehr reinbekommmt in das Bild. So entschloss ich mich, die letzte Stunde klaren Himmels bekanntere Sachen anzusteuern und die schwierigeren Geschichten in eine superklare und windstille (Alpen-?)Nacht zu verlegen.
Ich gönnte mir nochmals ein Salami-Käse-Brot mit Gurkensalat. Eine Eule kam drei Meter über mir langgeflogen. Als Getränk hatte ich 1,75 l exotische Mandarinen-Mango-Limo bei mir – etikettgemäß sogar mit dem „extra Fruchtkick“. Nojoah, war okay. Meine Tüte Haribo konnte ich jedenfalls getrost ungeöffnet lassen – dieses Zuckergeblubber langt erst mal für den Zahnarzt dacht ich mir so. Die Limo war auch zum Ende der Beobachtungsnacht nicht mal kühlschrankkalt. Ich schätze so 9-10 Grad. Das war vor einer Woche noch ganz anders. Da stand ich in fast den selben Klamotten da – und die Limo (eine andere) hatte eine interessante Konsistenz bekommen. Kennt ihr Frozen Daiquiri? Dieses flüssige McDonalds-Eis? Da wisst, ihr, wie es um mein Getränk bestellt war. Es war kurz vor dem Status „nur frozen“. Sogar meine in jener Woche noch ergatterte Gurke war etwas kristallin im Biss.
Mit meinem Programm (inkl. spontanen nicht weiter beschriebenen Querausflügen zu mir bereits bekannten Galaxien) war ich praktisch durch, es war kurz nach 4 Uhr morgens. 4.15 Uhr wurde es tatsächlich auch hell. Das gibt einen Euro in die Timing-Kasse. Ich baute ab, um den Zug, welcher 5.12 Uhr ging, noch zu erwischen. Immerhin musste ich auch noch zurück gegen den Wind anradeln – immerhin mehr oder minder bergab. Ich habe mehr gehetzt als nötig – ich war gut 5 Minuten vorher da. Kurzum: endlich mal wieder eine rundherum gelungene Exkursion mit dem ganzen Gerümpel, welches ich zu meinem Urlaub GOTT SEI DANK nicht umsonst quer durch Deutschland geschleppt habe. Das hat sich mal wieder so richtig gelohnt - und: es blieb Dank des Windes trocken!
Schöne Grüße in die Runde und
Clear Skies,
Norman
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