Gelöschte Mitglieder 487
Hallo Leute,
meine Güte, was bin ich noch im Eimer.
Kurzfristig einen Tag Urlaub zum Ausschlafen genommen, begab ich mich mit meinem 12-Zöllerauf die letzte Galaxienjagd der Saison. Im Klassischen Stil: Rucksack, Bahn. Mit dem Ausschlafen hats leider doch nicht recht geklappt.
Da im Gebirge starker Wind vorhergesagt war, und die Berg-Bahnen eh zeitlich schlecht zu erwischen sind nach Feierabend, blieb ich im Tal bei Geitau. Eine hohe Luftfeuchte war vorhergesagt-gut 80%. Mit Blick auf den Monduntergang und Dämmerungszeiten blieben mir 2,5 Stunden für eine Deepsky-Sessíon. Ich bin extra früh aus der Arbeit raus, um noch eine Beobachtungsliste zu erstellen. Wie es mal so ist, hatte ich diese doch nur mehr schlecht als recht ausgearbeitet. Faulheit siegt. Im Prinzip hatte ich zwei Quellen: die Beobachtungstipps aus den Beobachtungsberichten – Danke an Lots an dieser Stelle! Und Bilder von Galaxien, die ich mir zwecks visuellem Besuch in einen Ordner gelegt habe. Wie sich herausgestellt hat, allemal ausreichend für so eine kurze Nacht:
Vor Ort um 23.30 Uhr nach erfreulich entspanntem Teleskoptransport mit dem Fahrrad angekommen (sonst laufe ich immer 20 min) stellte ich überrascht fest, dass es schon ziemlich dunkel war. Die Mondsichel hatte doch nicht so eine Power wie gedacht. So baute ich fix auf und verzichtete heldenmutig auf die Streulichthülle, welche in Anbetracht des improvisierten Sicherheitsnadel-Charakters noch weitere Zeit gekostet hätte.
Störendes Licht gab es praktisch nicht auf dem Segelflugplatz, nur die Feuchte machte mir etwas Sorgen. Die machte sich auch bald auf dem Hut bemerkbar. Anfangs war es praktisch windstill, aber die Sterne flackerten wie verrückt. Nicht nur die hellen, sondern praktisch alle. Immerhin war der Himmel recht transparent, die Milchstraße zeigte sich bereits nett strukturiert.
Ich will euch nicht länger auf die Folter spannen, ich nahm mir folgende Objekte vor:
NGC 4517, die dünne Gx, welche sich von dem dicht am Kern stehenden Sternchen geprägt zeigt aber nichts weiter erkennen ließ. Danach ging es zu dem schönen Galaxien ensemble NGC 4527/36, welches von ein paar hellen Sternchen separiert wird. Eoin wirklich hübscher Anblick, leider ohne viel Details. Denn schnell stellte sich heraus, dass das Seeing übel war. Selbst das 26er Nagler zeigte bei f/5,3 keine wirklichen Sterne. Aber bei der einen Gx meinte ich hakenförmige Ansätze der Spiralarme erkennen zu können. Leider stand das Objekt auch schon recht tief.
Vor allem interessierte ich aber Arp 297 (NGC 5754). Dies ist eine Balkenspirale mit einer im Außenbereich anliegenden balkenförmigen weiteren Galaxie, die wohl verschluckt wird. Mit 14m0 nicht gerade blendend, war sie doch recht leicht im Zenith erkennbar. Indirekt und wiederholend recht einfach erkennbar war dieser kleine balken im Randbereich der Gx, welches wohl selbst eine Gx war aber zumindest in Redshift keine eigene Nummer hat. Dicht bei dieser Arp liegt die ebenso seltsam geformte NGC 5755, welche mit knapp 15mag auch noch vergleichsweise einfach – aber indirekt zu erkennen war. Ich habe mir eine Skizze angefertigt mit der umliegenden Sternenkonstellation, um sicherzugehen, dass ich an der richtigen Stelle bin: passt. Die kleine 16m-Gx dicht an der 5755 hatte ich weder im Kopf, noch habe ich sie skizziert. Daher denke ich mal, war sie nicht zu sehen. Zumindest nicht als Gx erkennbar. Wie gesagt, hatte hier das Seeing ein Wörtchen mitzureden, welches nur zeitweilig brauchbar für ein 12 mm-Okulr war, welches ich hier einsetzte. Eine Gestalt oder Form konnte ich nicht festmachen bei den Gx.
Ein weiteres Objekt war die Empfehlung von Lots: NGC 5951 und das enge Pärchen 5953/4. Diese Gruppe passt prima in ein Sehfeld des 26er Nagler, aber auch ins 12er-Okular. V.a. das Pärchen ist wirkklich ein interessantes Objekt, das Ensemble insgesamt wirklich ein Tip, wenngleich die 5951 strukturlos und schwach daherkam.
Der Wind lebte auf. Aber der war nicht frisch. Im Gegenteil: M ir war es, als hätte jemand einen Föhn angestellt: im Nu war der zugetaute Rigel wieder frei! Immer wieder wogte eine Brise auf, die im Kontrast zur Lufttemperatur von um die 7 Grad 23 Grad hatte (gefühlt und geschätzt). Wahnsinn! Sehr, sehr seltsam. Da das Seeing nicht besser wurde und ich mit meiner Ausbeute eigentlich zufrieden war, begnügte ich mich im folgenden damit, die Nase in den lauen Wind zu halten und die zunehmend strukturierte Milchstraße zu bestaunen. Die Transparenz war wirklich gut, der Skorpion leuchtete regelrecht, was ich derart auch noch nicht oft gesehen habe. Dennoch war es nicht richtig dunkel. Ein Waldkauz rief und das Rauschen einen nahen Baches mischte sich mit dem Rauschen des Windes in der nahestehenden Linde. Ich liebe diesen Platz.
5 Uhr rum ging mein Zug Richtung München zurück und ich bekam einen sagenhaften Sonnenaufgang zu Gesicht. Über die Felder fahrend sah ich die Sonne sich in einem gleißenden Gelb den Horizont emporschieben. Das Licht in der Umgebung wirkte wie bei einer Sonnenfinsternis irgendwie unwirklich. Wenige Wolken waren am Himmel, diese waren extrem scharf abgegrenzt. Ich wüsste nicht, dass ich so einen Sonnenaufgang schon mal gesehen hätte. Ganz eigenartig.
So kaputt wie ich bin, hat es sich aber doch wieder einmal gelohnt. Jetzt ist wieder Schlafenszeit und ich sage
Gute Nacht! + Clear skies!
Norman
meine Güte, was bin ich noch im Eimer.
Kurzfristig einen Tag Urlaub zum Ausschlafen genommen, begab ich mich mit meinem 12-Zöllerauf die letzte Galaxienjagd der Saison. Im Klassischen Stil: Rucksack, Bahn. Mit dem Ausschlafen hats leider doch nicht recht geklappt.
Da im Gebirge starker Wind vorhergesagt war, und die Berg-Bahnen eh zeitlich schlecht zu erwischen sind nach Feierabend, blieb ich im Tal bei Geitau. Eine hohe Luftfeuchte war vorhergesagt-gut 80%. Mit Blick auf den Monduntergang und Dämmerungszeiten blieben mir 2,5 Stunden für eine Deepsky-Sessíon. Ich bin extra früh aus der Arbeit raus, um noch eine Beobachtungsliste zu erstellen. Wie es mal so ist, hatte ich diese doch nur mehr schlecht als recht ausgearbeitet. Faulheit siegt. Im Prinzip hatte ich zwei Quellen: die Beobachtungstipps aus den Beobachtungsberichten – Danke an Lots an dieser Stelle! Und Bilder von Galaxien, die ich mir zwecks visuellem Besuch in einen Ordner gelegt habe. Wie sich herausgestellt hat, allemal ausreichend für so eine kurze Nacht:
Vor Ort um 23.30 Uhr nach erfreulich entspanntem Teleskoptransport mit dem Fahrrad angekommen (sonst laufe ich immer 20 min) stellte ich überrascht fest, dass es schon ziemlich dunkel war. Die Mondsichel hatte doch nicht so eine Power wie gedacht. So baute ich fix auf und verzichtete heldenmutig auf die Streulichthülle, welche in Anbetracht des improvisierten Sicherheitsnadel-Charakters noch weitere Zeit gekostet hätte.
Störendes Licht gab es praktisch nicht auf dem Segelflugplatz, nur die Feuchte machte mir etwas Sorgen. Die machte sich auch bald auf dem Hut bemerkbar. Anfangs war es praktisch windstill, aber die Sterne flackerten wie verrückt. Nicht nur die hellen, sondern praktisch alle. Immerhin war der Himmel recht transparent, die Milchstraße zeigte sich bereits nett strukturiert.
Ich will euch nicht länger auf die Folter spannen, ich nahm mir folgende Objekte vor:
NGC 4517, die dünne Gx, welche sich von dem dicht am Kern stehenden Sternchen geprägt zeigt aber nichts weiter erkennen ließ. Danach ging es zu dem schönen Galaxien ensemble NGC 4527/36, welches von ein paar hellen Sternchen separiert wird. Eoin wirklich hübscher Anblick, leider ohne viel Details. Denn schnell stellte sich heraus, dass das Seeing übel war. Selbst das 26er Nagler zeigte bei f/5,3 keine wirklichen Sterne. Aber bei der einen Gx meinte ich hakenförmige Ansätze der Spiralarme erkennen zu können. Leider stand das Objekt auch schon recht tief.
Vor allem interessierte ich aber Arp 297 (NGC 5754). Dies ist eine Balkenspirale mit einer im Außenbereich anliegenden balkenförmigen weiteren Galaxie, die wohl verschluckt wird. Mit 14m0 nicht gerade blendend, war sie doch recht leicht im Zenith erkennbar. Indirekt und wiederholend recht einfach erkennbar war dieser kleine balken im Randbereich der Gx, welches wohl selbst eine Gx war aber zumindest in Redshift keine eigene Nummer hat. Dicht bei dieser Arp liegt die ebenso seltsam geformte NGC 5755, welche mit knapp 15mag auch noch vergleichsweise einfach – aber indirekt zu erkennen war. Ich habe mir eine Skizze angefertigt mit der umliegenden Sternenkonstellation, um sicherzugehen, dass ich an der richtigen Stelle bin: passt. Die kleine 16m-Gx dicht an der 5755 hatte ich weder im Kopf, noch habe ich sie skizziert. Daher denke ich mal, war sie nicht zu sehen. Zumindest nicht als Gx erkennbar. Wie gesagt, hatte hier das Seeing ein Wörtchen mitzureden, welches nur zeitweilig brauchbar für ein 12 mm-Okulr war, welches ich hier einsetzte. Eine Gestalt oder Form konnte ich nicht festmachen bei den Gx.
Ein weiteres Objekt war die Empfehlung von Lots: NGC 5951 und das enge Pärchen 5953/4. Diese Gruppe passt prima in ein Sehfeld des 26er Nagler, aber auch ins 12er-Okular. V.a. das Pärchen ist wirkklich ein interessantes Objekt, das Ensemble insgesamt wirklich ein Tip, wenngleich die 5951 strukturlos und schwach daherkam.
Der Wind lebte auf. Aber der war nicht frisch. Im Gegenteil: M ir war es, als hätte jemand einen Föhn angestellt: im Nu war der zugetaute Rigel wieder frei! Immer wieder wogte eine Brise auf, die im Kontrast zur Lufttemperatur von um die 7 Grad 23 Grad hatte (gefühlt und geschätzt). Wahnsinn! Sehr, sehr seltsam. Da das Seeing nicht besser wurde und ich mit meiner Ausbeute eigentlich zufrieden war, begnügte ich mich im folgenden damit, die Nase in den lauen Wind zu halten und die zunehmend strukturierte Milchstraße zu bestaunen. Die Transparenz war wirklich gut, der Skorpion leuchtete regelrecht, was ich derart auch noch nicht oft gesehen habe. Dennoch war es nicht richtig dunkel. Ein Waldkauz rief und das Rauschen einen nahen Baches mischte sich mit dem Rauschen des Windes in der nahestehenden Linde. Ich liebe diesen Platz.
5 Uhr rum ging mein Zug Richtung München zurück und ich bekam einen sagenhaften Sonnenaufgang zu Gesicht. Über die Felder fahrend sah ich die Sonne sich in einem gleißenden Gelb den Horizont emporschieben. Das Licht in der Umgebung wirkte wie bei einer Sonnenfinsternis irgendwie unwirklich. Wenige Wolken waren am Himmel, diese waren extrem scharf abgegrenzt. Ich wüsste nicht, dass ich so einen Sonnenaufgang schon mal gesehen hätte. Ganz eigenartig.
So kaputt wie ich bin, hat es sich aber doch wieder einmal gelohnt. Jetzt ist wieder Schlafenszeit und ich sage
Gute Nacht! + Clear skies!
Norman