Von PANSTARRS zum Virgocluster

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NorbertB

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Hallo *,

an diesem Mittwochabend zeichnete sich ein vielversprechend guter Nachthimmel ab, und noch während die Steaks auf dem Grill ihrer Vollendung entgegenbrutzelten, manifestierte sich eine grobe Reiseroute für die folgende Deep-Sky-Nacht. Zum Einsatz kommen sollten das 15x70LE und der 80/400 Richfield-FH, der bei dunklem Himmel in Kombination mit einem 13mm Nagler für viel Deep-Sky-Freude sorgt.

Gegen 22:20 steht erst PANSTARRS auf dem Programm. Gegenüber der letzten Beobachtung zwei Tage zuvor hatte sich der Komet ein deutliches Stück weiterbewegt, was dank eines einem Stühlchen nicht ganz unähnlichen Sternmusters gut nachzuvollziehen war. Im 15x70 zeigt PANSTARRS einen breit gefächerten Schweif, der dank der guten Himmelsqualität deutlich hervortritt.

Die Transparenz ist auch bei tieferen Deklinationen überdurchschnittlich, so dass der Virgo-Cluster förmlich mit den Armen (beta und epsilon Vir) winkt. Angefangen beim "großen T", über Markarian's Chain und quer ins nirgendwo lässt es sich vortrefflich "Galaxienhoppen". Eigentlich ist man ja vom SkyScan-GoTo verwöhnt, aber im Virgo-Cluster ist Galaxy-Hopping ohne Motorisierung sogar effizienter, da man sich das Eintippen spart und die nächste Galaxie ohnehin schon im Gesichtsfeld ist. Man verirrt sich aber auch leichter, und hat mit einem Mal einige Galaxien vor sich, ohne zu wissen welche. Man könnte sich dann im Taki seine Position rausklamüsern, den Seeleuten mit ihren Karten und Zirkeln gleich - oder einfach weiterstreifen bis man wieder auf Bekanntes stößt.

Zum Beispiel auf Virgo A, M87. Das Zentrum des Virgohaufens übt eine gewisse Faszination aus, wenn man sich vor Augen hält, dass das, was man da sieht, ~54 MLy weit weg ist (also man inetwa in die Zeit zurückschaut, zu der sich's die Säugetiere auf der Erde gerade so richtig gemütlich zu machen begannen) - und wir dennoch nur gerade über den Zaun zum Nachbarn Virgocluster hinüberschauen.

Eigentlich Seltenzeichner, wollte ich dennoch einmal wieder probieren, was sich von so einem Anblick mittels Stift und feuchtem Papier festhalten lässt.

Link zur Grafik: http://home.arcor.de/norbert_b/Astronomie/2013/M87.jpg
Link zur Grafik: http://home.arcor.de/norbert_b/Astronomie/2013/M87iv.jpg



Auffallend an Virgo A ist der helle Kern mit starkem Helligkeitsanstieg zum Zentrum hin. Indirekt lässt sich auch eine leichte Elongation ausmachen. Ich bin immer wieder erstaunt, was der kleine 3-Zöller an feinen Kontrasten abbildet, und wie viele Details man (zugegeben mit 15 Jahren Beobachtungszeit... ) damit ausmachen kann.

Nach Vollendung der Skizze führt der Weg aus Virgo hinaus zur Konstellation Canes Venatici. Mittlerweile ist es ~00:30, und auf dem "Rückweg" in unsere Galaxie bietet M51 einen imposanten Anblick. Gute Transparenz und von Faint Fuzzies in Virgo sensibilisierte Rezeptoren tun ihr Übriges. Schon im 3-Zöller lässt sich Struktur erkennen, die namensgebende Wirbeligkeit, die in größerer Öffnung nicht zu übersehen ist, tritt auch hier schon teilweise hervor.
Später steht noch NGC4449 auf der Liste, eine irreguläre Galaxie die fast rechteckig wirkt, und m.E. nach ein echtes Highlight in dieser Himmelsregion. Doch Moment - die kennt man von anderen Abenden besser... und warum haben die Feldsterne leichte Halos? Es ist jetzt halb zwei, und ein Blick gen Horizont zeigt aufziehende Bewölkung. Es ist auch spürbar feuchter geworden, und die rotgefilterte Cree-LED der Taschenlampe offenbart eine homogene Tauschicht auf dem Objektiv.

Mein Fazit der erfolgreichen Beobachtungsnacht ist, dass ich ab jetzt vielleicht öfter mal zu Stift und Papier greifen werde. Vielleicht lässt sich über die Zeit ja eine ansehliche Sammlung an Deep-Sky-Zeichnungen zusammentragen.
Und dass das LE in 15x70LE für "LiegestuhlErprobt" steht.

Der mechanisch modifizierte 80/400 Richfield FH:
Link zur Grafik: http://home.arcor.de/norbert_b/Astronomie/2013/80400.jpg

Viele Grüße,
Norbert
 
Hi Norbert,

ein sehr beeindruckender Bericht und das mit einem Dreizöller, alle Achtung, mein Respekt, man erkennt den wirklich erfahrenen Beobachter! Ich vermisse nun aufrichtig meinen Schnellspechtler 100/500 FH...auf AZ!

Der Virgohaufen hat es mir gestern auch angetan, ich bin da allerdings mit Goto rein und wie du geschrieben hast, ist es nicht einfach, dieses ganze Gewusel so schnell auseinander zuhalten...die Mühe hab ich mir dann auch nicht gemacht, weils für GX´en bei mir eh zu hell ist, kaum Kontraste, aber sehen kann ich sie schon. Wer sich ohne Goto schwer tut überhaupt eine Galaxy zu finden, der sollte einfach nur mal in den Virgohaufen reinhalten, da wird man immer fündig und hat dann eine Idee davon...Auswahl ist auch genügend da.

Gruss von Anette
 
Hallo Norbert,
einen schönen Bericht hast du da verfasst! Für mich immer wieder schön zu sehen, dass auch andere mit kleiner Öffnung viel erkennen und nicht immer dazu 12" oder mehr benötigen. Ein guter dunkler Himmel eröffnet auch 3, 4 und 5 Zöllern eine reiche Detailfülle - auch im Deep Sky. In einigen Galaxien sind deutlich Struktur und Differenzierungen auszumachen. Sicher - mit großer Öffnung ist es unter guten Bedingungen besser, aber der ein oder andere hier in diesem Forum spricht ja kleineren Öffnungen die generelle Tauglichkeit für detaillierte astronomische Beobachtung in Gänze ab.... hier ist der Gegenbeweis!!! Ich selbst beobachte rein visuell mit 4" - ein Refraktor aus Überzeugung! hahahah.....

Gruß Holger
 
Hi Anette, Holger,

vielen Dank! Ja, im Virgo-Cluster findet man wirklich Artenvielfalt, vom Leuchtturm bis zum Faint Fuzzy. Wie du, Anette, schon sagst, leidet das Gebiet halt oft unter Kontrastmangel aufgrund leichten Dunstes + Streulicht, während "weiter oben" noch gute Bedingungen vorherrschen. Diese "speziellen" Nächte, in denen die Transparenz besonders auffällig gut ist, sind ja leider nicht die Regel.

Holger, ich halte die (eigentlich erst in den letzten Jahren vermehrt aufkommende) Ansicht, dass mit < 8" kein ernsthaftes Deep-Sky-Beobachten möglich wäre, auch für Unsinn. Ich selbst habe auch einen 10" und über einen Freund und Kollegen (Lotz) Zugang zu einem 14". Klar zeigen die Teile dramatisch mehr, aber meine Erfahrung ist, dass man viele Details (eben die, die mit 10"++ augenscheinlich sind) auch mit kleiner Öffnung wahrnehmen kann, wenn auch mehr Konzentration und Ruhe vonnöten sind. Dafür hat man ein enormes Gesichtsfeld was einem bei vielen Dingen erst ein richtiges Gefühl für die Größenverhältnisse gibt. Außerdem machen die Dinger die kleine Öffnung durch ihre feine Kontrastdarstellung wieder etwas wett. :-)
Ich beobachte sehr gern und oft mit dem 3" Richfield.

Viele Grüße,
Norbert
 
Hallo Norbert,

ja, es macht Spass, mit nur 3" auch deep sky zu beobachten. Ich finde es immer toll (wenn es mal mehr als nur 1 sternklare Nacht gibt), Objekte erstmal in meinem 70mm-Refraktor oder dem 90mm Apo zu beobachten, und dann am nächsten Abend erst den 14er aufzufahren. Das bringt einem einen wahnsinns Gewinn bei der Detailwahrnehmung.

Die Qualität der zeichnung ist eh super! Bitte poste mehr so tolle Berichte.

Gruß

Markus


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Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
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Juniper Hill Observatory

Markus A. R. Langlotz
Dr.-Bruno-Sahliger-Str. 8
D-93096 Köfering

Die Astroseite: www.N-T-L.de
Die Sternwarte: sternwarte.N-T-L.de
Die Mailadresse: ntl.observatory (at) freenet.de

 
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Hallo Norbert,

ja immer wieder schön auch mal mit kleinerem Gerät zu beobachten. An deinem BB sieht man die Erfahrung, die du hast.
Die M87 haste sehr gut getroffen. Mit mehr Öffnung werden dann noch die beiden kleineren Galaxien nebenan sichtbar.

Als Reisegerät und schnell mal zwischendurch benutze ich seit 2008 den 72mm Megrez auf EQ2. Im Bild mit dem 12mm Nagler T4.
Damit lässt sich auch schon einiges sehen. Mit diesem Equipment war ich schon auf La Palma und in Südafrika.

Link zur Grafik: http://foto.arcor-online.net/palb/alben/18/3992218/3034626430383862.jpg

Veile Grüße
Lothar
 
Hi Markus, Hallo Lothar,

vielen Dank!

Markus: Werd' ich, wenn es das Wetter mal wieder erlaubt. Am besten bei Herschel's 1st Light. ;-)

Lothar: Der Megrez sieht auch richtig fein aus. Ich kann mir die Eindrücke lebhaft vorstellen, die man damit unter Bedingungen wie sie auf La Palma oder in Südafrika vorherrschen, gewinnt.

Das Zeichnen muss ich ab jetzt öfters mal ausprobieren, macht schon irgendwie Spaß, auch wenn es im Dunkeln recht pfriemelig ist.

Viele Grüße,
Norbert

 
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