Von Tauben und kleinen Löwen

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JoernLenhardt

Aktives Mitglied
Datum: 20. April 2009, 22:00-02:15 Uhr
Ort: Taubensuhl
Grenzgröße: keine Ahnung
Gerät: 6" f/5

Am kommenden Wochenende findet das SATT statt, ein Grund mehr, mal diesen Platz anzufahren und zu testen. Ich war ja schon öfter im Hunsrück und im Taunus, dann sollte ich auch mal einen Platz in der Nähe auskundschaften. Der Platz ist 525m hoch, was ein Straßenschild mir verriet. Bis auf den Taubensuhl hab ich so 40min gebraucht, eigentlich nicht sooo weit weg. Oben so um 22:00 Uhr angekommen, hab ich mich erst mal umschauen müssen. Jawohl, da ist eine große Wiese. Aber irgendwie hatte ich das Panoramabild anders in Erinnerung. Sollt es die sein? Egal, hier stell ich mich jetzt einfach hin. Weitere Besucher sind keine da, es ist ja auch Montag.

Gegenüber ein Haus, an dem noch Licht ist. Die werden doch hoffentlich bald schlafen gehen.

Zuerst, vor dem Auspacken, hab ich mal den Himmel begutachtet. Auf dem Weg (und zu Hause) hatte ich noch einige Wolken, aber da oben alles frei. Klasse. Und, obwohl es noch nicht ganz dunkel ist, schon ein Meer aus Sternen da. Dann kann ich ja auspacken und aufstellen.

Geplant für heute ist herscheln, mal sehen, was wie geht. Genauer gesagt, ich hab Objekte im kleinen und großen Löwen rausgesucht. Aber direkt schon vorab, alles hab ich natürlich nicht gepackt, hab mich (fast) nur im kleinen Löwen aufgehalten. Der wandert, ohne parallaktische Klimmzüge machen zu müssen, durch Süden und ist somit für mich optimal zu erreichen. Und...der ist hoch genug, um nicht mit der befürchteten Horizontproblematik in Konflikt zu kommen. Aber vor Ort ist auch der Löwe und die Jungfrau, zu denen ich auch Vorbereitungen hab, ohne Beeinträchtigung zu sehen.

Gut, los geht's mit NGC-3245 (Gx-S0; 10,7mag; 12,5mag/arcmin²; 3,2'x1,8'). Aufgesucht hab ich die Galaxie ausgehend Nackenstern des Löwen Zeta Leo, ca. 5° hochgeschwenkt und über eine markante Sternformation hingefahren. Na ja, da bin ich erst zwei bis dreimal dran vorbeigerauscht, bevor ich sie nach intensiverem Suchen gefunden hab. Indirekt hab ich dann ein helleres Zentrum sowie die Form und Lage ausmachen können, die Galaxie wirkt länglich. Als erstes Objekt des Abends nicht grad dran verhoben, aber schon schwieriger zum Eingewöhnen. Das nächste mal mach ich bestimmt wieder erst leichtere Kost zum Adaptieren.

Direkt nebenan liegt die Galaxie NGC-3277 (Gx-Sab; 11,7mag; 13,0mag/arcmin²; 2,1'x1,8'), die ich als nächstes besucht hab. Schön hab ich die runde Form ausmachen können, das Zentrum selbst wirkt nicht so konzentriert. Indirekt funkelt das Zentrum dann immer wieder mehr gegenüber der ganzen Fläche auf. Insgesamt aber auch lichtschwach und wieder ein schwierigeres Objekt für 6". Ich denk noch Jörn, was haste dir denn da wieder mal selbst angetan?

Die nächste Galaxie in die Liste ist NGC-3294 (Gx-Sc; 11,2mag; 13,0mag/arcmin²; 3,4'x1,8'), aufzufinden überm Dreieck von Leo Minor. Aber ich verzweifel, ich find die Galaxie nicht. Das Haus gegenüber hat die Lichter jetzt aus, es ist dunkler und ich seh nix. Erst mal zur Abwechslung 5 Minuten Rauchzeichen geben. Nee, danach seh ich immer noch nix, bin ich vielleicht dappisch.

Abgehakt, weiter geht es in der Liste mit NGC-3344 (Gx-SBbc; 9,7mag; 13,7mag/arcmin²; 7,1'x6,5'). Zum Suchen starte ich wieder bei Zeta Leo und gehe über 41LMi zur Galaxie. Trotz der geringen Flächenhelligkeit sehe ich die große Galaxie recht einfach. Da liegen zwei Sterne am Rand drin, die offensichtlich nicht zur Galaxie gehören, aber die Stelle schön markieren. Aber außer den beiden Sternen kann ich sonst keine Aufhellung, auch nicht im Zentrum, ausmachen. Aber wirklich groß sieht sie aus, bin echt beeindruckt.

Zwischenstand: Zwei schwierigere Objekte, ein Nix-Seh-Objekt und eine leichte, große Galaxie. Was kommt da noch...

Der nächste Weg führt mich im kleinen Löwen zu NGC-3395 (Gx-SBc; 11,8mag; 12,6mag/arcmin²; 2,1'x1,1'). Diese Galaxie liegt unterhalb von 46LMi, was das Auffinden erleichtert. Eingerahmt ist das Gebiet von einem Sechseck aus Sternen. Beim Hinschauen bin ich leicht verdutzt, da sind indirekt deutlich zwei, etwa gleichgroße Galaxien auszumachen, die eine etwas heller. Aufgehellte Bereiche sehe ich keine. Das Kartenmaterial sagt mir dann, das da noch NGC-3396 (Gx-SBm/P; 12,0mag; 13,2mag/arcmin²; 2,9'x1,2') direkt dabei sitzt. Unklar bleibt mir, welche welche ist, das gibt das Kartenmaterial leider nicht her.

NGC-3414 (Gx-SB0; 10,9mag; 13,1mag/arcmin²; 3,5'x2,6') ist mein nächster Kandidat und befindet sich ca. 5° unterhalb von NGC-3395. Diese Galaxie liegt zwischen zwei va. 0,7° auseinanderliegenden helleren Sternen. Wahrgenommen hab ich sie als kleine, etwas rundliche Galaxie mit deutlichem Kerngebiet und leicht länglicher Form.

Der kleine Löwe beheimatet noch mehr, es geht zu NGC-3432 (Gx-SBm; 11,1mag; 13,5mag/arcmin²; 6,6'x1,6'). Aufgefunden hab ich dieses Objekt über 46LMi, laut Daten eine langgezogene Galaxie. Diese Ausdehnung ist direkt leicht zu sehen gewesen. Indirekt sehe ich aber mehrere, helle Bereiche. Da funkeln immer wieder mehrere Punkte auf, die zur Galaxie gehören müssten. Zwei helle Bereiche (oben und unten) kann ich immer sehen, die anderen kommen und gehen. Zu Hause am PC im Internet schaue ich mir ein Bild an...und wirklich, die Galaxie beinhaltet viele hellere Gebiete im Gesamtbereich.
Für mich das schönste Objekt des Abends, hier verweile ich länger. Für alle, die diese Galaxie noch nicht gesehen haben: Unbedingt anschauen, es lohnt sich.

Es ist spät geworden, so langsam will ich wieder Richtung Heimat. Aber nicht, ohne vorher noch einige Objekte der vergangenen Beobachtungsabende zu besuchen. Also mal auf die Schnelle zu Sachen wie dem Leo-Triplet, der M96-Gruppe, und Saturn war auch dabei. Dann noch mal ganz andere Richtung zum Ringnebel, bevor ich anfange einzupacken.

Insgesamt bin ich wirklich zufrieden mit den Beobachtungen und mit dem Erstbespechteln meinerseits auf dem Taubensuhl. Klasse Himmel und nicht ganz so weit weg wie Hunsrück, Taunus, Odenwald oder Schwarzwald. Bestimmt eine Anlaufstelle, wo ich öfters sein werde.

Tauben hab ich zwar keine gesehen (oder gehört), aber viele kleine Löwen.

Gruß aus der Pfalz
Jörn
 
Hallo Jörn,

da hast du ja eine wirklich schöne Nacht gehabt :super:

Was mir sehr gut gefällt, ist dein systematisches Vorgehen, ich kann mir seltenst bis nie verkneifen bei der Objektauswahl über den ganzen Himmel zu wetzen statt mich eine ganze Nacht auf einen kleinen Himmelsausschnitt zu konzentrieren :)

Auch die Objekte sind schmackhaft und wenn ich mir die Helligkeiten anschaue, dann war der Himmel dort oben schon wirklich gut wenn du das alles mit dem 6"er abgegrast hast :)

Viele Grüße Benny
 
Hallo Benny,

in der Nacht hab ich wirklich einen schönen Himmel gehabt, was ganz anderes wie mein Stammplatz in den Weinbergen.

Über den ganzen Himmel wetzen mit einer parallaktischen Montierung ist mit ein Paar Hindernissen Verbunden, daher ist mir die Richtung Süd sehr willkommen.

Wenn ich - ohne vorher mal kurz nachgeschaut zu haben, wo was ist - losziehe, dann endet das bei mir im Chaos und ich find nix mehr. Und ah hoc fallen mir die ungeraden Nummern der Objekte unterm Himmel auch nicht ein. Systematisch isses bestimmt noch nicht, mit ein Paar Mausklicks ist's ja erledigt.

Und wenn du mal nicht weist wohin, biste hiermit gerne eingeladen.

Gruß aus der Pfalz
 
Hallo Jörn,

Über den ganzen Himmel wetzen mit einer parallaktischen Montierung ist mit ein Paar Hindernissen Verbunden, daher ist mir die Richtung Süd sehr willkommen.

Stimmt da hab ich gar nicht dran gedacht ... dich bekehren wir auch noch :D

Und wenn du mal nicht weist wohin, biste hiermit gerne eingeladen.

Das SATT Gelände ist ja schon ein ordentliches Stück aber ich bin mir sicher, dass wir das in unserer üblichen Runde mal machen werden!

Viele Grüße Benny
 
Hi Jörn,

toller, ausführlicher Bericht von ein paar Galaxien (Herschel 400) im Leo Minor. Die Galaxie hast du sehr schön beschrieben.

Der kleine Löwe wird fälschlicherweise oft vernachlässigt. Alzuoft wird sich auf M65/M66 und Co. gestürzt. Dabei steht der kleine Löwe höher als Leo und damit sind meistens die Bedingungen besser und er beherbergt eine Menge Galaxien!

Vllt als Anmerkung für den nächsten Bericht, der hoffentlich bald folgt, etwas über deine Okulare schreiben und eine, wenn vllt auch grobe, visuelle Grenzgrößenschätzung (Sternbild kleiner Bär) abgeben.

Gruß
Lots
 
Zitat von JoernLenhardt:
Über den ganzen Himmel wetzen mit einer parallaktischen Montierung ist mit ein Paar Hindernissen Verbunden, daher ist mir die Richtung Süd sehr willkommen.
Hallo Jörn,
das Phänomen kenne ich nur zu gut. Ganz besonders wenn bei der Beobachtung im Zenit schon das Anpeilen oft zum Problem wird und dann immer wieder etwas am Stativ anschlägt :mauer: . Vom Umschlagen ganz zu schweigen.Da bin ich manchmal neidisch auf meine überwiegend schubsenden Mitbeobachter.

Dafür läßt es sich herrlich entspannt auch mit hoher Vergrößerung und sitzend beobachten und man kann sich lange auf Details konzentrieren. Ich genieße das und möchte es nicht missen. Aber ich würde lügen, zu behaupten, daß ich nicht auch mit einem größeren Dobson meinen Spaß hätte.

Gruß und klaren Himmel
Andreas
 
Hallo zusammen,

@Lots:
...etwas über deine Okulare schreiben...
Also ich benutze ein 32mm Plössl- sowie 13mm, 7mm und 3,5mm Weitwinkel-Okulare. Die Beobachtungen wurden zu 99% mit dem 7mm gemacht.

...wenn vllt auch grobe, visuelle Grenzgrößenschätzung...
Ich muss beichten, das ich mich damit noch ziemlich schwer tue. Ein Paar mal hab ich es schon mal gezeigt bekommen, wo welcher Stern (mit welcher Helligkeit) zu sehen ist, aber im Selbstversuch hat's meist ziemlich gehapert. Deswege hatte ich 'keine Ahnung' geschrieben, bevor es total falsch wird. Aber Lots, ich gelobe Verbesserung.

@Andreas:
...wenn bei der Beobachtung im Zenit schon das Anpeilen oft zum Problem wird und dann immer wieder etwas am Stativ anschlägt. Vom Umschlagen ganz zu schweigen.
Endlich einer, der mich versteht...Spass bei Seite. Das sind genau die Problem'chen, die ich meinte. Aber du hast ja auch direkt die nicht zu übersehenden Vorteile aufgeführt.

Gruß aus der Pfalz
 
Zitat von JoernLenhardt:
...wenn vllt auch grobe, visuelle Grenzgrößenschätzung...
Ich muss beichten, das ich mich damit noch ziemlich schwer tue. Ein Paar mal hab ich es schon mal gezeigt bekommen, wo welcher Stern (mit welcher Helligkeit) zu sehen ist, aber im Selbstversuch hat's meist ziemlich gehapert. Deswege hatte ich 'keine Ahnung' geschrieben, bevor es total falsch wird. Aber Lots, ich gelobe Verbesserung.

Nimm doch Bortle, z.B. hier:
http://en.wikipedia.org/wiki/Bortle_Dark-Sky_Scale

Geht viel schneller und hat weniger Differenzen zwischen den Beobachtern. Leider im Frühjahr wegen der nur schlecht sichtbaren Milchstraße etwas problematisch.
 
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