Hallo werte Astrokameraden,
ich benötige mal wieder Eure Hilfe und Eure Expertise, da ich an die Grenzen meines Verständnisses und Wissens komme.
Ich versuche meine Belichtungszeit mit dem Setup auf dem Staradventurer zu verbessern. Die meisten meiner Aufnahmen habe ich im Bereich 30s - 45s gemacht, allerdings würde ich das gerne verbessern und bin so mal systematisch an die Polausrichtung herangegangen.
Als erstes habe ich herausgefunden, dass ich die 0-6 Markerungen auf der Skalentafel des Polsuchers über Datums- und Zeitskala am Staradventurer verlässlich und reproduzierbar vertikal stellen kann. Das war vorher immer nur ein Augenmaß und unterlag sicher einer großen Schwankung.
Bei der Session gestern Abend dann habe ich ausschließlich die Polausrichtung gemacht und danach Testfotos in verschiedenen Konfigurationen mit verschiedenen Belichtungszeiten um das Ganze zu untersuchen.
Für das Einnorden im Polsucher habe ich mir richtig viel Zeit genommen und es so gut gemacht, wie ich es für möglich erachte. Besser geht es visuell nicht - denke ich.
Das Ganze war ein absoluter Krampf und hat beinahe 2h gedauert. Dazu schreibe ich unten noch etwas, denn das kann nicht sein.
Im angefügten Foto hier seht Ihr nun die Ergebnisse der Tests von gestern Abend. Kontrollstern war Vega. Belichtet wurde mit 60s, 120s, 180s und 300s. Die Kamera habe ich so gedreht, dass die RA Achse im Bild nahezu senkrecht verläuft (nicht 100%, aber sagen wir 98% - daher die leichte Schiefstellung).
Nochmal kurz zur Erinnerung die Ausrüstung:
TS 60/360mm Refraktor
Canon EOS 600D (APS-C; 4,3µm Sensor; unmodifiziert)
Star Adventurer
Berlebach Stativ
Kein Guiding
Gewicht Ausrüstung: 2,5kg (exkl. Gegenwicht natürlich, also nur das relevante Gewicht).
Stativ voll im Wasser
Das Setup war wunderbar austariert (in RA und DEC). Ich habe diverse Versuche gemacht: Austariert, leichtes Übergewicht auf Gegenwichtsseite, leichtes Übergewicht auf Teleskopseite), aber das Ergebnis war immer ungefähr das Selbe:
Diese Striche sind auf dem gesamten Bild und immer nahezu gleich lang, egal ob Bildmitte oder Bildrand, ob oben oder unten.
Einen Fehler in DEC kann ich nicht sehen, ansonsten würde ich wesentlich diagonalere Striche erwarten.
Bei 60s ist die Strichspur des Sternes neben Vega ca. 11px lang.
Bei 120s ist die Strichspur des Sternes neben Vega ca. 15-16px lang.
Bei 180s ist die Strichspur des Sternes neben Vega ca. 20-21px lang.
Bei 300s ist die Strichspur des Sternes neben Vega ca. 30-31px lang.
Mit dem Abbildungsmaßstabsrechner von 13parsec.de komme ich so auf Strichlängen von 27,06", 36,9", 49,2" und 73,8"
(Sofern diese Angabe überhaupt irgendwie hilfreich ist... Mir sagt es leider irgendwie nicht besonders viel).
Dann noch das Bild "180s Vega #2": Man sieht, dass die Strichspuren mit einem Punkt beginnen, dann folgt ein schmalerer Strich und dann endet es wieder mit einem Punkt. Was ist denn da passiert? Dies kam bei einigen Aufnahmen zu stande. Was bedeutet das?
Mir fehlt ein wenig der Maßstab:
Ist das gut? Ist das schlecht? Was ist mein Problem? Ist es die Einnordnung? Ist es der Star Adventurer, also bin ich einfach an der Grenze des Gerätes? Wie kann ich das verbessern? Guiding will ich erstmal nicht. Oder ist das ein Muss bei 360mm Brennweite und APS-C auf dem Star Adventurer, weil ohne Guiding einfach von der Mechanik des Gerätes her nicht mehr geht? Allerdings muss ich da auch sagen, dass ich den Fehler wohl weniger bei der Hardware des SA sehe, sondern eher bei meinem Handwerk.
Wenn es die Einnordnung ist weiß ich aber beim besten Willen nicht, wie ich das besser machen soll als gestern Abend. Polaris war exakt an der Stelle, wie es die App sagte. Jedenfalls so exakt wie es halt geht. Er tanzt ja immer ein wenig auf dem Ziffernblatt, je nach dem wie man reinschaut. Aber ich würde behaupten, dass ich ihn auf +-5min entlang des Umfangs korrekt eingestellt habe und er war auf dem mittleren Kreis (2020) auf dem Ziffernblatt.
Über die gesamte Session hinweg habe ich immer wieder Polaris kontrolliert und er bliebt stehts auf dem mittleren Kreis, so wie zu Beginn eingestellt.
Eingenordet wird übrigens nachdem die gesamte Ausrüstung aufgebaut und austariert ist. Eine Verstellung durch Hinzugabe von Gewicht nach der Einnordung ist auszuschließen. Außerdem bleibt Polaris auf dem Kreis.
Würde mir eine elektronische Polausrichtung á la Polemaster/ iPolar etwas bringen?
Mein Gegenwicht ist fast am Ende der Stange, da es eben nur 1kg wiegt und die Ausrüstung 2,5kg. Würde es etwas bringen mit 2 Gewichten oder einem schwereren näher an die RA Achse heranzugehen?
So viel zum Thema 1 mit der Belichtungszeit und den Strichspuren.
Nun zu meinen Schwierigkeiten mit der Benutzung des Polsuchers. Das war ein absoluter Krampf.
Ich habe einen 90° Winkeleinblick der 2,5x vergrößern kann. Benutze ich diesen auf 1x oder lasse ihn weg, dann ist das Ziffernblatt so klein, dass ich Polaris eben nicht +-5min auf dem Umfang positionieren kann und auch nicht auf dem mittleren Kreis für 2020.
Auf 2,5x jedoch ist die Polsucherbeleuchtung viel zu schwach. Ich kann das Ziffernblatt nur als schwarzen Schatten erkennen, aber ablesen ist ausgeschlossen.
Habe dann mit einer roten Lampe versucht hineinzuleuchten, auch das war ein totaler Krampf. Entweder war das Ziffernblatt nicht sichtbar, oder völlig überbelichtet, sodass ich dieses zwar sehen konnte, aber Polaris nicht mehr oder aber es war alles einfach nur total unscharf und verwaschen.
Es war grausam eine Position zu finden für die Lampe, sodass ich sowohl das Ziffernblatt scharf sehen, ablesen und Polaris sehen konnte.
Mir fehlt auch hier ein Vergleich. Ist mein Winkeleinblick defekt? Ist es normal, dass bei 2,5x Vergrößerung die Polsucherbeleuchtung viel zu schwach ist?
Am Tage gegen eine Hauswand bspw. ist mit 1x ohne Winkeleinblick und auch mit 1x und 2,5x mit dem Winkeleinblick alles knackscharf zu erkennen: Ziffernblatt und Hauswand. Im Dunklen jedoch keine Chance. Was mache ich falsch?
Liebe Grüße und danke an Euch,
Moritz