Vorstellung und Frage

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Proteus

Mitglied
Hallo Astrogemeinde,

schon eine ganze Weile lese ich hier im Forum als Gast mit und habe mich nun, da ich mir ein größeres Teleskop angeschafft habe, dazu entschlossen, mich hier zu registrieren, um auch mal die ein oder andere Frage stellen zu können.
Mit der Astronomie beschäftige ich mich seit etwa einem Jahr und habe mit meinem kleinen Mak auch schon ganz erfolgreich den Mond und die großen Planeten beobachten können. Für mehr hat es vom Balkon aus, und mit der mir bislang zur Verfügung stehenden Öffnung, einfach nicht gereicht. Der Blick durch ein Dobson eines Freundes aber hat mir gezeigt, das auch mit einem kleinen Budget (die meisten Familienväter wissen wovon ich spreche <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" /> ) einiges möglich ist. Nach wirklich langer Suche ist mir nun ein recht günstiger, gebrauchter Galaxy D8 über den Weg gelaufen, an dem wahrscheinlich noch einiges verbessert werden kann, was die Rockerbox und die Lager angeht (da gibt es aber ausreichend Tips und Hinweise hier im Forum). Wie gut der Spiegel nun wirklich ist muss bei Gelegenheit mal ein Fachmann beurteilen, ich sehe zumindest mehr als ich erwartet habe! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />
Nur mit dem Finden von Objekten tue ich mich doch noch recht schwer, daher nun endlich meine Frage: Was soll der unerfahrene, fast Neuling als Sucher nehmen? Mit dem Leutpunktsucher auf meinem Mak bin ich eigentlich ganz gut zurecht gekommen bei den oben erwähnten Objekten, aber ist sowas auch für Deep-Sky geeignet. Sollte man besser einen 8x50 Sucher oder einen Telrad, nebst Deep-Sky Reiseführer nehmen, oder ist das alles eine reine Geschmackssache? Womit lernt man am ehesten sich am Himmel auszukennen? Wie sind da eurer Erfahrungen?
...und bevor einer fragt: Ja, ich werde den Balkon auch mal verlassen und mich in die freie Wildbahn unter weniger lichtverseuchten Himmel begeben.


Clear Skies
Christian
 
Moin Christian!

Erstmal: Willkommen im Forum! <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/laugh.gif" alt="" />

> Frage: Was soll der unerfahrene, fast Neuling als Sucher nehmen?

Wenn Du auf Nummer Sicher gehen willst, dann würde ich mir an Deiner Stelle einen Telrad oder Rigel Quickfinder anschaffen. Den Sucher würde ich dranlassen, denn sowas ist immer gut, um nach einer Telrad-Einstellung den ersten Kontrollblick zu wagen. Abbauen und verscheuern kannst Du den Sucher immer noch, falls Dir irgendwann der Peiler ausreicht.

Alles weitere ist Geschmackssache: Einige schwören auf Peiler, andere bevorzugen den klassischen Sucher.

Kartenmaterial: Zunächst wäre der Karkoschka "Atlas für Himmelsbeobachter" angebracht. Damit hat man zu Anfang gut zu tun. Danach vielleicht ein detailierteres Kartenwerk, sei es ein laminierter SkyAtlas (Tirion) oder (für lau) Taki's 8.5 Magnitude Star Atlas (ab damit in Prospekthüllen und fertig). Dann hast Du erstmal zu tun... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/grin.gif" alt="" />
 
Hallo Christian, ich kann Dir leider nicht Deine Hauptfrage beantworten, bzgl. des Suchers auf dem Dobson .... ich habe einen Refraktor und dadurch einfach eine andere Position zum Durchgucken. Ich habe auf meinem Refraktor ein 6X30 Sucher - bewußte Entscheidung gegen einen 8X50 Sucher - da er weniger Sterne zeigt ! Ich weiß, klingt erstmal komisch, aber mir hilft das bei der Orientierung - je mehr Sterne Du siehst, desto weniger weißt Du welcher Stern welcher ist. Dann: unbedingt zu einem Teleskophändler Deines Vertrauens gehen und den Sucher Deiner Wahl mal ausprobieren, bzw. das Durchgucken im "Ernstfall" simulieren. Konkret: Was sieht man, wenn man schräg reinguckt? garnichts mehr? oder alles unscharf? Falls Du eine Brille trägst, solltest Du auch darauf achten, daß Du mit Brille reingucken kannst und auch aus schräger Position noch genug siehst. Was ich für wichtig halte, ist das Gesichtsfeld des Suchers - je größer, desto besser - da Du dann einfach besser Zusammenhänge erkennen kannst und manchmal schon gut zwei hellere Sterne gleichzeitig im Gesichtsfeld hast - das hift beim Suchen sehr. Es gibt sicher aber noch bessere konkretere Tipps dafür was genau an einem Dobson am meisten Sinn macht. Nun aber zu der anderen Frage: womit man lernt sich zurechtzufinden: Ich habe mit einer einfachen drehbaren Sternenkarte angefangen - vielleicht hast Du sowas ja schon. Falls nicht, unbedingt besorgen. Ich habe da noch eine einfachere Variante, werde mir allerdings demnächst die 'Polaris' aus dem Kosmos Verlag zulegen ( kostet leider rund 50 € ) Hat aber den Vorteil, daß auch schon einige deepksy objekte direkt eingezeichnet sind. Mit Deinem 8" Gerät wirst Du Dich ja wohl schon auf Deep Sky verlegen wollen - oder? Das weitere, was Du sicher schon oft hier gelesen hast, ist "Der Karkoschka" ; dort siehst Du dann alles im Detail. Aber zur Orientierung und um beim Beobachten zu einem anderen Objekt wechseln zu können ist die Karte besser. Im Buch geht das immer so: -> ganz nach hinten auf die Übersichtskarte ... gucken welche Sternbilder Du gerade siehst, dann dort ablesen auf welcher Seite Du die Karte findest.... dann diese Seite suchen und ... leider ist das Objekt gerade an der Trennlinie zu einer anderen Karte .... also zurück und die Nummer suchen, dann wieder vor und die Detailkarte angucken ... puhhh... nervt mich schon manchmal. Noch ein Tipp: Nimm Dir eine durchsichtige Folie (etwas steifer, z.B. alte Slide-Folie) und zeichne darauf die Kreise der Gesichtsfelder Deines Sucherfernrohres und der ersten beiden Okulare - damit meine ich die mit der kleinsten Vergrößerung in a) dem Maßstab der Übersichstkarten im Karkoschka und b) in dem Maßstab in dem die Detailkarten gezeichnet sind. Das hilft Dir zu verstehen, was Du sehen kannst, wenn Du durch Deinen Sucher oder dann durch dein 'kleinstes' Okular guckst.
Ich hoffe das hilft Dir ....
Gruß,
 
Hallo Christian,

ich komme mit 8x50 Sucher plus Riegl-Quickinder am besten klar. Der Riegl ist eine Abwandlung des Telrad,
allerdings sehr viel kleiner und leichter, da er mit einer leichten Knopfzelle lange auskommt (Der Telrad
braucht zwei Akkus), außerdem ist er wesentlich unempfindlicher gegen Taubeschlag und baut
etwas höher als der Telrad, was (mir) den Einblick erleichtert.
Wenn dann noch das Budger irgendwann ein brauchbares 2" WW-Übersichts-/Aufsuchokular ermöglicht,
und dazu den Karkoschka und/oder den laminierten "Deepsky" Reiseatlas sind den Aufsuch- und
Beobachtungserfolgen kaum noch Grenzen gesetzt.

CS
*entfernt*
 
...Leutpunktsucher auf meinem Mak bin ich eigentlich ganz gut zurecht gekommen bei den oben erwähnten Objekten, aber ist sowas auch für Deep-Sky geeignet. Sollte man besser einen 8x50 Sucher oder einen Telrad, nebst Deep-Sky Reiseführer nehmen, oder ist das alles eine reine Geschmackssache? ...

Richtig, reine Geschmackssache. So werden auch die Antworten ausfallen. Vielelicht kannst du den Sucher deines Mak an den Dob montieren, wenn du ihn dort brauchts und erst einmal damit beginnen.

Orientierung am Himmel: Erst einmal die Sternbilder kennenlernne. Das geht am bestem unter dunklem Landhimmel mit der drehbaren Sternkarte. Wenn dann noch ein fernglas um den Hals hängt...

Danach mußt du Starhopping lernen. Nimm dir am Anfang nicht zuviel vor. Gut sichtbare Objekte (z.B. offene Sternhaufen), die nicht zu weit von hellen Sternen entfernt liegen, z.B. M41. Oder die, welche man mit dem bloßen Auge sieht. Orionnebel, Plejaden, h/x. Schwieriger ist es am Frühlingshimmel, weil da die Sterne so dünn gesät sind.
 
Hallo Christian,

OK, ich will mal auf den "Geschmack" eingehen, weil ich nämlich meine, dass es nichts mit Geschmack zu tun hat, stattdessen viel mehr mit der Such-Methode.

Leuchtpunktsucher:
Das kennst Du. Bei Planeten und allen anderen Objekten, die man mit bloßem Auge sieht, stellt man halt den Punkt drauf. Bumm. Aus. Fertig!
Bei Objekten die man nicht sieht, baut man sich Dreiecke. Das heißt Du schaust Dir in der Sternkarte an wo das Objekt steht und baust Dir aus dem Objektsymbol und zwei mit bloßem Auge sichtbaren Orientierungssternen ein Dreieck auf der Karte - dieses Dreieck baust Du am Himmel nach, die Orientierungssterne siehst Du, der Leuchtpunkt ersetzt das Objektsymbol aus der Karte. Funktioniert prima, wenn die Orientierungssterne nicht zu weit weg sind.

Telrad/Riegel:
Hier geht man etwas anders ran. Man hat hier eingeblendete Entferungskreise und sollte sich eine Schablone auf Folie machen, die diese Kreise in der Sternkarte abbildet. Manche Sternkarten haben bereits Telrad-Kreise auf Folie dabei, das gilt für den Sky Atlas 2000.0. Nun kann man diese Schablone auf der Karte so auflegen, dass das Objekt in der Mitte ist und zwei Orientierungssterne auf einem der Kreise liegen (oder dazwischen). Auch dieses Bild aus Kreisen und Orientierungssternen kann man nachbilden. Man baut hier im Prinzip auch sowas wie das zuvor genannte Dreieck auf, hat aber über die Kreise einen besseren Größenvergleich zur Karte. Für manche ist das einfacher.
Es hat also weniger mit Geschmack für den Sucher zu tun, sondern mit der bevorzugten Aufsuchtechnik.

Zum "am Himmel auskennen": Für die Groborientierung ist eine drehbare Sternkarte ("Sternscheibe") super. Man sollte zusehen, dass man sich nach und nach immer mehr Sternbilder "vornimmt", und zwar ruhig erstmal mit bloßem Auge. Das Erkennen der Sternbilder kann man sich dann ruhig auch mit Objekten für's Teleskop oder für den Feldstecher belohnen, zum Beispiel ist der Herkules kein auffälliges Sommersternbild, hat man ihn aber gefunden ist der Kugelsternhaufen M13 leicht im Teleskop einzustellen, weil er genau auf einer Orientierungslinie liegt. Ähnlich ist es mit dem recht unscheinbaren Tierkreis-Sternbild Krebs. Hat man es gefunden, sollte man sich (mit dem Feldstecher) den schönen Sternhaufen Praesepe ansehen. Natürlich klappt das nicht für alle Sternbilder, es gibt ein paar, in denen nur einige einsame Galaxien herumschwirren, die nur unter sehr gutem Himmel wirklich lohnen. Aber bis dahin...
Weiterhin kannst Du Dir natürlich auch die Sternbilder beim Beobachten in der Gruppe erklären lassen, oder auch in eine Planetariumsvorstellung gehen. In den Vorstellungen "Der Sternhimmel des Monats", die es praktisch überall gibt, werden normalerweise die Sternbilder mit Hilfslinien eingeblendet und während der Vorsteller noch über den mythologischen Hintergrund spricht, kann man sich die Struktur in Ruhe einprägen.

Clear Skies
Sven
 
Moin,

eigentlich ist der ausführl. Antwort vom Sven nix hinzuzufügen, ausser evtl. der Anmerkung (da meine Anfängerzeit noch nicht so weit zurückligt, wie die vom Sven), dass es einem Anfänger (insbesondere bei niedriger Vergrösserung - die in Kombi nit einem Peilsucher den opt. Sucher durchaus sinnvoll ersetzt) durchaus passieren kann, dass ein Objekt wie der Ringnebel zwar in der Optik erscheint, jedoch nicht wahrgenommen wird, weil mer ja das Bild aus dem Karkoschka o.Ä. erwartet.

Gruesslies

Carsten
 
Tach zusammen!

Erst einmal vielen Dank für die zahlreichen und informativen Antorten. Was lerne ich aus ihnen: So eine drehbare Sternkarte muss her. Da ich über kurz oder lang den Mak und damit auch den Leuchtpunktsucher verkaufen werde (das Geld geht dann in ein, zwei gute Okulare), versuche ich neben dem schon vorhandenen 8x50 Sucher noch einen Telrad oder Riegel, je nachdem, was für günstiges Geld auf dem HATT zu bekommen sein wird. Damit dürfte ich für die meisten Situationen (den Karkoschka habe ich vor einiger Zeit geschenkt bekommen, aber mich bislang noch nicht so richtig damit auseinandergesetzt) gerüstet sein.

Fehlt eigentlich nur noch gutes Wetter und vielleicht ein paar Mitspechtler. Gibt es auf dem angesprochenen HATT sowas wie eine Kontaktbörse, bzw. stellen sich da auch Astronomie Vereine aus dem lokalen Umfeld vor?

Clear Skies
Christian
 
Hallo Christian,

schau mal im GAD, das ist hier die Liste von Vereinen auf der Portalseite. Da findest Du was. Früher trafen sich die Dortmunder im Westfalenpark, ob heute noch weiß ich nicht.

Clear Skies
Sven
 
Hi!
Beobachtst Du meistens vom selben Standpunkt (Balkon, Terasse) - Ich ja und da ich ein ziemlicher Frischling bin und auch meine Schwierigkeiten mit der Himmelsorientierung habe, habe ich folgendes Vorgehen gewählt: Ich habe als erstes Hilfsmittel auf der Terrasse zuerst mal lange Isolierbandstreifen gemäss den Himmelsrichtungen angebracht, da ich den Polarstern von meiner Terrasse aus nicht einsehen kann (Haus dazwischen...). Dann verwende ich die Software "Redshift" um den aktuellen Himmel von meiner Position darzustellen, blende die Sternbilder ein, suche mir ein Objekt, das ich begucken will, checke vor Ort nochmal im Deep Sky Reiseatlas, mach' die Grobeinstellung mit dem Telrad und dem 8x50 Winkelsucher (beides hat ja Platz am Dob), Übersichtsokular und dann geht's schon... Ins Feld trau' ich mich aber noch nicht wirklich, obwohl ich merke, dass mir die Konstellationen immer vertrauter werden und sicher alles nur eine Frage der zunehmenden Beobachtungspraxis ist. Also kurzum - ich denke am Anfang lieber zuviel als zuwenig Hilfsmittel, sonst folgt der Frust... Ach ja, so 'ne drehbare, nachtleuchtende Sternkarte hab' ich auch noch <g>...

Liebe Grüsse und schöne Nächte!
 
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