Vorstellung und Fragen zu Ausrüstung

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Chris_B

Neues Mitglied
Hallo,
ich heisse Christian, bin 26 Jahre alt, Kfz.-Sachverständiger und komme aus der gegend um Hamburg. Ich beschäftige mich schon seit etwa meinem 12. Lebensjahr mit dem Thema Astronomie (Literatur) und bin bis jetzt immer mit Feldstecher und Stativ auf Sternentour gewesen. Nun aber möchte ich mir ein richtiges Teleskop zulegen.

Habe hier im Forum nun schon eine Menge gelesen ("Welches Teleskop für Einsteiger", "ist dieses hier gut?" etc.) aber so richtig hat mir das alles noch nicht weitergeholfen. Wahrscheinlich weil ich einfach noch zuviele Fragen habe.

Vielleicht fange ich einfach mal an...

Viele schreiben hier im Einsteigerforum ja, daß sie Planeten, DeepSky und Fotografie machen wollen. Das möchte ich auch. Hauptsächlich 1. Planeten 2. DeepSky und später erst Fotografie.
Daß das nicht alles mit EINEM Teleskop tadellos funktioniert, hab ich auch mitbekommen, aber worin liegen die Unterschiede?

Was ich hier gelesen habe ist, daß für DeepSky eher ein Kurzbrennweitiges (Newton) mit z.B. f5 angebrachter ist.
Wo liegt der Unterschied, wenn man so ein Teleskop auf Mond oder Planeten richtet, oder andersherum, was sieht man wenn man einen z.B. f10 SC auf DeepSky Objekte richtet? <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/gutefrage.gif" alt="" />

Ich gehe hier jetzt mal von 8" Öffnung aus, da ich ein Celestron C8 SC, bzw ein Celestron C8 N im Auge habe.
Das Teil soll auf jeden fall auf einer parallaktische Montierung stehen. Den finanziellen Rahmen habe ich erstmal auf 1500€ - 2000€ angesetzt.


Tut mir leid wenn ich Euch jetzt so überhäufe mit meinen Fragen, aber das brannte mir doch sehr auf der Seele.

Gruss,
Christian
 
Hallo Christian!

Willkommen im Forum auf astronomie.de!

Ich kann dir leider nur einen wirklich wichtigen Tip geben, bevor hier einige anfangen dir teils unsinnige Empfehlungen zu irgendwelchen Teleskopen zu geben:

Suche Kontakt zu anderen Sternfreunden aus deiner Umgebung und lasse dir in der Praxis an den Teleskopen die Unterschiede zeigen zwischen DeepSky und Planetenbeobachtung. Setze eine Suchanfrage ins Kontaktboard, es gibt einige Sternfreunde aus der HH Gegend, die mit dir gern rausgehen werden. 2000 Eulen sind eine Menge Geld und schnell in den Sand gesetzt.

Grüsse und CS,
Matthias
 
Hallo Christian,

also das Öffnungsverhältnis spielt visuell eigentlich eine untergeordnete Rolle, weil man mit dem passenden Okular jede Vergrößerung erzielen kann. Es hat aber dann wieder Folgen für die Eignung des Gerätes zu bestimmten Disziplinen.
Soll ein Teleskop Planeten gut zeigen, dann ist der Hochvergrößerungsbereich wichtig, und dafür ist eine lange Brennweite förderlich, ebenso bei Spiegelteleskopen eine geringe Obstruktion. Ein solches Gerät (z.B. f/15) lässt sich dann mit einem 10mm Okular schon auf Maximalvergrößerung bringen, was dann schon ein einfach aufgebautes Okular bei bequemem Einblick und guter Abbildungsqualität leisten kann. Bei einem f/5 Gerät hingegen müsste ein 3,5mm Okular an den Start, um diese Maximalvergrößerung zu erzielen, und ein solches Okular ist nicht leicht in hoher Qualität zu bauen und einfach aufgebaute Okulare haben dann einen ungeheuer knappen Augenabstand, so daß die Beobachtung unbequem oder teuer wird.
Den Sonderfall Cassegrain möchte ich noch erwähnen, egal ob MC oder SC, hier liegt der Vorteil der Optik in einer kompakten Bauweise (die die Montierung schont), dafür aber hat die Optik eine größere Obstruktion, was die Planetenbeobachtung nicht ganz so schön macht (man kommt aber damit klar). Hier gibt es aber unter den MC-Optiken auch Spezialkonstruktionen, bei denen die Obstruktion doch recht klein ist.
Ein f/5 Teleskop demgegenüber ist gut für Beobachtungen bei schwacher Vergrößerung geeignet, es liefert hier riesige Gesichtsfelder (mit den entsprechend teueren Okularen). So kann ein 8" f/5 mit einem 35mm Okular auf Minimalvergrößerung gebracht werden und hier mit einem 2" Okular gut 2,5° wahres Gesichtsfeld (5 Vollmonde nebeneinander) zeigen. Ein Teleskop mit f/14 zeigt mit einem 55mm Okular in 2" etwa nur 1° (zwei Vollmonde) bei grob einem Viertel der Bildhelligkeit (wegen der gut doppelt so starken Vergrößerung).

Bei der Fotografie von Planeten sind eigentlich dieselben Eigenschaften wie bei der visuellen Planetenbeobachtung wichtig. Bei der Fotografie schwacher Deepsky-Objekte (Nebel und Galaxien) ist aber eine schnelle Optik, also ein großes Öffnungsverhältnis (f/4 bis f/6) wünschenswert bzw. fast notwendig. Die Reihe der Blendenstufen aus der Fotografie (2,8 - 4 - 5,6 - 8 - 11 - 16 - 22 - 32) zeigt jeweils eine verdoppelung der Belichtungszeit an, also belichtet ein f/4-Teleskop fast 8 mal schneller, als ein f/10-Teleskop.
Bei der Deepsky-Fotografie ist aber vorrangig die Montierung wichtig, denn sie muß für die langen Belichtungszeiten (der Anfänger muß mit 5 bis 10 Minuten einfach rechnen, der Fortgeschrittene macht mehr und manche Sternfreunde belichten länger als eine Stunde) einen Stern punktförmig im Bild halten. (Das muß man von Hand oder mit einem Autoguider prüfen und korrigieren!)
http://www.svenwienstein.de/HTML/einsteiger-astrofotografie.html

Was C8 oder C8N angeht, so würde ich beide nicht unbedingt als erste Wahl bei der Planetenbeobachtung sehen. Ich sehe hier im C8N das größere Potenzial, unter der Voraussetzung, daß man sich sehr gut mit der Justage des Gerätes auseinandersetzt und vielleicht auch bereit ist, einen Lüfter einzubauen. Hier steckt auch das Potenzial, das Gerät später mit einer guten Montierung fotografisch für Deepsky einzusetzen (GP-DX, Gm-8 oder eine EQ-6 an der man bereit ist, zu basteln).
In seinen Möglichkeiten steht das SC dem Gerät nicht viel nach, Hauptproblem bei der Planetenbeobachtung dürfte aber sein, daß man das SC nicht so einfach mit einem Lüfter ausstatten kann, der die Luftturbulenzen im Tubus beseitigt.

Falls Du aber einsiehst, daß Fotografie vielleicht mit ganz anderem Equipment angegangen werden sollte (kleine Foto-Optiken, wie in meinem Artikel beschrieben), dann solltest Du vielleicht mal auf den typischen 8" f/6 Dobson schauen (200/1200), meiner Meinung nach eines der besten Allroundteleskope des heutigen Marktes.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Chris

auch von mir ein Willkommen im Board <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />

Ich denke mal der Hauptunterschied zwischen Planeten- und Deepskybeobachtung liegt in der Brennweite des Objektives.

Für Planeten ist eine möglichst hohe Vergrößerung mit geringsten Abbildungsfehlern gefragt, daher bieten sich Geräte wie SC mit hoher Brennweite an. Auch Refraktoren laufen hier zur vollen Form auf, da sie aufgrund ihrer Bauform eben diese Eigenschaften optimal vereinen.

Für Deepsky ist die Vergrößerung nicht ganz so wichtig, da man da eher großflächige Objekte ins Visier nimmt (Sternfelder, Nebel, udgl...)
Da diese Objekte eher sehr Lichtschwach sind gehts bei Deepsky um Öffnung denn Lichtstärke bekommt man über die Öffnung bzw. deren Fläche. Auch hier wäre ein Refraktor super nur dummerweise sind die ab einer gewissen Größe ziemlich schwer, sperrig und vor allem Extrem teuer.

Ein Newton ist schlicht die günstigste Art an 'Öffnung' zu kommen und daher das Gerät der Wahl für DeepSky.

Ich hab mir übrigens grade den C8N(GT) bestellt (3 Wochen Lieferzeit aaaaaaaaaaaaaargh) und werde gerne berichten welchen Eindruck der auf mich (quasi als Noob) macht.

[Edit] Und da war der Sven wieder schneller. Sollte mein Post irgendwo widersprüchlich sein solltest du Svens Ausführungen folgen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/wink.gif" alt="" />


Grüße
Holger
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo,
ich Danke Euch erstmal für Eure Vorschläge und Erklärungen. Werde nun erstmal nach ein paar Astronomiefreunden hier aus der Gegend suchen, damit ich mir selbst ein Bild machen kann und somit ein geeignetes Gerät für mich finde.


Gruss,
Christian
 
Lieber Christian,
hier einige Gedanken zur eigenen Ausrüstung (seit 1968 auf Beob. Veränderliche Sterne spezialisiert). Angefangen habe ich 1962, selbstgez. Sternkarten aus einem Dierke-Atlas. Als "Erstgerät" ein Bino 7x50, gleich mit Stativ, weitere Geräte von Sternfreunden und Optikern testen dürfen: Bino 11x80, 20x80, 30x80, 25x100, Fernrohre: Celestron C 90, C 5, C 8.
Spektive: Optolyth !, Zeiss 30x60, Swarowski-Optik.
Seit Jan. 1995 als "Endegerät" einen Bino 25x100 und seit Sept. 1998 ein Dobson, 12,5" auf Rockerbox. Das Bino reicht hier bei bestem Wetter bis 12mag, der Dobson bis unter 15mag, Vergr. bis 300fach, Plössl-Okus 1,25" der Serie 3000 sind völlig ausreichend, und die Nachschubserei hat mich noch nie gestört. - Die besten Bilder hat man mit 76fach, wenn ich Veränderlichenfelder nicht eindeutig schätzen kann, gehe ich meistens gleich auf 203fach. Habe mir auch eine Tabelle angelegt, für Gesichtsfelder der einzelnen Okus, Anhaltspunkt war der Mond....
Sehe ich hier mit bloßem aug nur bis 4-4,5mag, ist auch mit dem Dob schon bei 13,5mag "Feierabend".
Habe den "Reichweitensprung" von 100 mm Bino auf 12,5" Fernrohr als sehr gut empfunden (was die eigenen Belange angeht), was mit Deinen Überlegungen ja nicht übereinstimmen muß. Ich finde, es müssen keine teuren Okus sein, meine hier bringen nahezu bis zum Gesichtsfeldrand punktförmige Sterne. Ein Zoom 8 bis 24 mm runden die Okus ab und eine Barlow 2fach habe ich auch noch. - Alles in allem: brauche für den Dob keine "Leiteraktrobatik" geschweige denn Hocker....
(Hier = 10° 8' ö. L., +52° 1' n. Br., H = 125 m ü. N.N.)
Gruß
Günther
 
Ich besitze selbst ein 8"-SC und denke dass es für die gewünschten Anforderungen ein guter Kompromiss ist.

Du schreibst, dass das Teil auf jeden Fall auf einer parallaktischen Montierung stehen soll - daher nehme ich mal an, dass die Fotografie für dich nicht so ganz nebensächlich ist.
Für die Fotografie ist ein SC bei kleineren Chip- bzw. Filmabmessungen durchaus tauglich und mit Reduzierer auch nicht allzu lichtschwach.
Für grosse Film- bzw. Chipformate ist ein SC ohne Field-Flattener eher ungeeignet.
 
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